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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-02-02 · Heft 5 (2.2.1900) · p. Seite 54

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 5 (2.2.1900)
Date
1900-02-02
Page
Seite 54 (sequence 8)
Language
German
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Tigris gelegene äußerst fruchtbare Landstrich zur Kultivirung von Seiten einwandernder Inden recht dringlich empfohlen wird. Auch meint er, daß, wenn keiner der besagten Pläne ausgeführt werden sollte, der in halb-barbarischen Ländern wohnende Jude sicherlich beim aümäligen Aufschwünge der Civilisation besser gestellt sein wird, als jetzt. Er würde dann auch entweder in den Massen vollständig verschwinden oder der allgemeinen religiösen Regeneration theilhaftig werden. Von Zangwill, dem allgemein anerkannten größten jüdischen Humoristen der Gegenwart sprechend, möchte ich die Leser dieser Blätter auf einen Gegenstand aufmerksam machen, der ihnen neu und höchst kurios Vorkommen dürste. Der vor einigen Jahren in London verstorbene englische Schriftsteller Thomas Carlyle stellte einst die Behauptung auf, daß kein Jude Heinrich Heine mit eingeschlossen - jemals echten Humor nebst der Fähigkeit besessen habe, durch seine litterarischen Arbeiten seinen Lesern ein vergnügtes Lächeln abzugewinnen. Diese seltsame Behauptung wurde in einer Schrift wiederholt, die Mr. Arnold White zum Verfasser hat. Letzterer war bekanntlich vor einigen Jahren vom seligen Baron Hirsch nach Rußland geschickt worden, um möglicherweise die dortige Regierung zu veranlassen, den traurigen Zustand der dortigen Juden zu verbessern und zugleich auch einen Rapport über die Art und Weise zu veröffentlichen, wie er diese Mission ausgeführt. Seitdem hat dieser Mann sehr vieles, aber meistens in feindlichem Sinne, über die Juden geschrieben, obschon die fragliche Mission ihm verschiedene pekuniäre Vortheile verschafft hat, und in seinem jüngsten Opus gesteht er offen und unverhohlen, daß auch er bei den Juden jeden Frohsinn erregenden Humor vermisse, und daß sie demnach auch auf litterarischem Gebiete eine höchst geringe und untergeordnete Stellung einnehmen. Nun hatte Schreiber dieses vor Kurzem Gelegenheit, in einem Vortrag, den er in einem Londoner jüdisch-litterarischen Verein gehalten, die Thatsache festzustellen, daß jüdische Schriftsteller zu allen Zeiten mehr oder weniger vom köstlichsten Humor gehabt haben. Hat ja selbst die Bibel verschiedene komische und lachenerregende Situationen aufznweisen. Oder ist nicht der biblische Simson, der Meister so vieler ergötzlicher Streiche, eine von Witz und Humor strotzende Persönlichkeit? Selbst die als streng angesehenen Autoren des Talmud und der Midraschim konnten recht lustige und humoristische Geschichtchen erzählen, die, wenn sie gesammelt und in eine moderne Sprache Übertrager! würden, Leute a la Mr. Arnold White überzeugen müßten, daß die Inden keine Philister, oder geist¬ und witzlos waren. Wären diese Leute wirklich gerecht und wahrheitsliebend, so müßten sie die Juden, statt zu tadeln, nur bewundern, daß sie nämlich überhaupt irgend welchen Humor, oder lvas der Franzose Tesprit nennt, in ihrer Mitte aufbewahrt haben, obschon ihre Behandlung von Seiten der nichtjüdischen Umgebung wahrend mehrerer Jahrhunderte derart traurig war, daß bei ihnen Witz und Humor nur wenig Eingang finden konnten. - Vor einigen Jahren veröffentlichte in London ein anderer Antisemit, Namens Professor Godwin Smith, eine Schrift, die den Titel führte: „Können die Inden Patrioten sein?" und natürlich bemühte sich der Verfasser darin nachzmveisen, daß sie dies nicht sein können. Der gegenwärtige Krieg in Südafrika beweist aber zur Genüge, daß die fragliche Beschuldigung ungerecht und unbegründet ist. Denn nicht allein geben die Inden im ganzen britischen Reiche beträchtliche Geldbeträge für Kriegszwecke aller Art, sondern von allen Seiten im Lande strömt die jüdische Jugend herbei, iun für ihr Vaterland zu kämpfen und diesem ihr Leben zu opfern. Der Enthusiasmus unter den englischen Juden nach der besagten Richtung hin ist ebenso groß, als wie bei den Bekennern der englischen Kirche, und gar mancher englische Jude erlaubt jetzt seinem einzigen Sohn, in die Schlacht zu ziehen, obschon dessen Rückkehr unter den gegenivärtigen traurigen Zuständen in Südafrika mehr als zweifelhaft ist. Ebenso wetteifern die jüdischen Mädchen und Frauen hier zu Lande in ihren! Fleiße, alles Mögliche zu thun. um die Noth der Frauen und Kinder des britischen Heeres zu lindern, das jetzt für Königin und Vaterland kämpft. Alles dies liefert den klarsten Beweis von dem großen patriotischen Geist, wovon die Inden und Jüdinnen Englands beseelt sind, und alle Argumente dagegen, selbst wenn sie von Seiten eines berühmten Universitätsprofessors vorgebracht werden, müssen Angesichts der unleugbaren Thatsachen kraftlos zu Boden fallen. — Unter den wenigen beachtenswertheu jüdisch-litterarischen Vereinen, die hier zu Lande existiren, niuunt der jüdischhistorische Verein in London einen sehr hervorragenden Platz ein. Die Leiter desselben haben es sich bei dessen Gründung zur Aufgabe gestellt, verschiedene, bisher unbekannt gewesene geschichtliche Dokumente, die auf Juden und Judenthurn irgend welchen Bezug haben, zu veröffentlichen und somit neue Fakta in Verbindung mit englisch - jüdischer Geschichte allgemein bekannt zu geben. Jüngst hielt Mr. Israel Abrahams im besagten Verein einen Vortrag, worin er nachwies, daß im Laufe des 16. Jahrhunderts einige aus Deutschland nach England eingewanderte Inden, die das Bergbauwerk verstanden, von der englischen Regierung mit Aemtern versehen waren, die ins Bereich des Bergbaues gehörten. Unter diesen war auch ein höchst wissenschaftlich gebildeter Jude aus Prag, Namens Joachin! Gaunse, der ein Sohn des berühmten Gelehrten David Gans gewesen sein soll, der, in Westfalen geboren, im Jahre 1564 nach Prag übersiedelte und daselbst im Jahre 1618 starb. Mr. Abrahams erwähnte auch die Tradition, der zu Folge einige Zinnbergwerke in England im 12. und 13. Jahrhundert meist von Inden bearbeitet waren. Demnach machten sich die Juden hier zu Lande auch schon im Mittelalter dein englischen Staate durch ihre körperliche Arbeit höchst nützlich. Nnsstschrs. Von Dr. S. Carpin. II. ie dem mittelalterlichen Juden in der Zeit der tiefsten äußeren Erniedrigung des Judenthums durch die Ghettotracht das Kainszeichen seiner Abstammung auf die Stirn gedrückt war, so ist der Jude in dem modernen Rußland durch die Bezeichnung als Jewre-Hebräer im Paß als Paria der heutigen Gesellschaft gekennzeichnet. Sobald er ins Hotel kommt und seinen Paß abgegeben hat, wird ihn: diese entwürdigende Stellung sofort fühlbar; er gilt beim ganzen Hotelpersonal, vom würdigen Oberkellner an bis zum halbwüchsigen Piccolo, mag er auch noch so reichliche Trinkgelder spenden, als Gast zweiter Klasse. Kann ihm doch auf Grund dieser amtlichen Bescheinigung seiner Konfession in

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