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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-03-10 · Heft 30 (10.3.1838) · p. Seite 119

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 30 (10.3.1838)
Date
1838-03-10
Page
Seite 119 (sequence 3)
Language
German
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Theologie 119 Die jndisch-theologische Fakultät. (Fortsetzung.) Königsberg, 18. Febr. Die Sammlung, die hier Herr Dr. M. Freystadt veranstaltet, betragt bereits über 1200 Thlr. Die Herren Vorsteher haben sich mit ihm vereinigt, und selbst gezeichnet. Die Masse ist für die Sache höchst begeistert. Nur die Jndifferentisten und Hyperorthodoxen zeichnen nicht. Gottlob! daß ihre Zahl in Wesenheit so gering ist. Daß Herr 0r. M. Freystadt Ihrer Aufforderung Folge geleistet hat, wünscht derselbe besonders bezeichnet. Magdeburg, 24. Febr. Wir können nicht unterlassen, zu bemerken, daß Sammlungen in vielen Städten und Ortschaften, deren Resultat baldigst mitgetheilt wird, veranstaltet werden, z. B. in Prenzlau (in der Ukermark), wo die Sammlung bereits mehre hundert Thaler beträgt; Ln Dessau, was dem Redacteur dieser Zeitung um so angenehmer ist, da er Dessau als seine Vaterstadt zu lieben nie aufgehört; im Synagogen-Bezirke Breusach im Großherzogthume Baden, in Gumbinnen rc. Fortsetzung der Subseriptionsliste. Transport 2898 Thlr. 16 Gr. 375) Mad. R. Spir in Magdeburg . . 25 - - 376) Herr N. Sonnenberg, das. ... 10 - - 377) - I. Lazard, daselbst 20 - - 378) - Ab. Borchard, Kaufmann in Berlin und Königsberg *) . 100 - - Summa 3053 - 16 - *) Mit dem Vermerk, später noch mehr zu zeichnen. D. Redact. (Fortsetzung folgt.) ^rekrolog. Am 9. December 1837 starb, in seinem '50. Lebensjahre, zu Stadt-Lengsfeid der Großherzogliche Amtsphystkus und Landgräsliche Pfilippsthälische Hofratb l)r. Samuel Heß daselbst. Er war der Sohn des verstorbenen Großherzogl. Landrabbiners Isaak Heß Kugelmann und hatte seine medicinischen Studien in Würzburg und später in Wien gemacht. Auf der ersten Universität promovirte er auch und kehrte im Jahre 1813 nach seinem Geburtsorte Stadt-Lengsfeld zurück. Dort gewann ihm seine Geschicklichkeit bald eine bedeutende Praxis und bewog unsere erleuchtete Staatsregierung, ihn schon im Jahre 1817 als Physikus deö dasigen Amtsbezirkes anzustellen, auf welche Anstellung, einige Jahre spater, als ein Beweis besondern Vertrauens, die Ernennung als Provinzial-Accoucheur deö Eisenacher Oberlandes erfolgte. Dieses Vertrauens zeigte sich der Verblichene denn auch im hohen Grade würdig. Was nur in seine amtliche Sphäre gehörte, ward von ihm mit seltener Gewissenhaftigkeit ergriffen und seinen Arbeiten hat die Anerkennung besonderer Thatigkeit Seiten seiner Vorgesetzten Oberbehördc nie gefehlt. Ein tiefer Blick in das Wesen der Krankheit, eine seltene Ansicht in der Wahl und Anwendung der Mittel, beides gefördert durch eine rastlose wissenschaftliche Fortbildung, zeichnete ihn vor vielen seiner Collegen aus, und um die letzte nie zu verabsäumen, machte er sich stets mit den besten und kostbarsten Werken in der medicinischen Literatur bekannt und hinterläßt eine Bibliothek, wie sie wol kaum in der ganzen Gegend angetroffen wird. Mit diesen geistigen Vorzügen verband er' am Krankenbette Geduld, Sanftmurh und Leutseligkeit und andere Eigenschaften des Gemüthes, die ganz dazu geeignet sind, dem Arzte das unbedingte Vertrauen des Publikums zu verschaffen. Kein Wunder, wenn daher die achtbarsten Hauser und hohen Herrschaften in der ganzen Gegend sich stets nur an ihn wendeten, wenn man selbst aus der Ferne nicht selten seine Hilfe suchte und die meisten seiner Collegen in schwierigen und gefährlichen Krankheitsfällen auf seine Zuziehung drangen. Zu den erwähnten hohen Herrschaften gehörte auch daS Haus Sr. Hochfürstlichen Durchlaucht des Herrn Landgrafen von He^en Philippsthal, dessen ganze Familie mit unbeschränktem Vertrauen ihm ergeben war und der ihn daher auch zu seinem Leibarzte und Hofrath in den schmeichelhaftesten und ehrenvollsten Ausdrücken ernannte. Aber obgleich von den Hohen und Angesehensten gesucht, stand der Verewigte doch nie zurück, wenn ihn seine Pflicht in die Wohnstätten der Armuth, in oie Hütten des Elends und der Dürftigkeit rief; denn er war nicht nur Arzt, sondern auch Mensch in des Wortes schönstem Sinne. Edelsinn und Biederkeit, Sanftmuth und Herzensgute, Leutseligkeit und Liebe, krönten seinen Character, sein Leben. Dem Iudenthum angehörend und es in seiner wahren Bedeutung anffassend, setzte er in der Förderung alles Edcln. und Guten, in der Verwirklichung deö Reinmenschlichen, der Religion höchstes Ziel und wendete die Gemeinschaft mit seinen Glaubensgenossen besonders auch dazu an, auf ihre Erleuchtung und sittliche Erhebung zu wirken und durch eigenes Beispiel dazu beizutragen, daß die zu diesem Zwecke von unserer weisen Staatsregierung unternommenen Verbesserungen des Cultus- und Schulwesens der Israeliten bei diesen selbst immer mehr Eingang und Würdigung fanden. Sein Segen wird auch in dieser Beziehung weit über sein Grab hinaus reichen und sein Andenken Allen, die ihn kannten, unvergeßlich bleiben.

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