Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-03-10 · Heft 30 (10.3.1838) · p. Seite 118

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 30 (10.3.1838)
Date
1838-03-10
Page
Seite 118 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3224856-3224887--00877-3292415
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Kopenhagen, 28. Jan. (Privatmitth.). Heute wurde hier der siebenzigste Geburtstag unseres' ehrwürdigen Königs feierlichst begangen. Am gestrigen Sabbat ließ Herr S. Eibe schütz bei dem Aufgang zur Tora einen besondern ^1isclie-lieracli für Sr. Majestät lesen, und spendete 1000 Speckes (1500 Thlr.) zur Instandhaltung der Synagoge. Altona, 24. Febr. (Privatmitth.). Der im Januar verstorbene Herr Jacob Meyer hat in seinem Testamente ein Capital von 12,000 Mark ausgesetzt, dessen Zinsen unter arme jüdische Familien zur Bezahlung der Miethe vertheilt werden sollen. Außerdem enthalt dies Testament noch mehre Legate: als 2000 Mark für die Armenschulen, 500 Mark für den neuen Tempel in Hamburg rc. Wien, 24. Febr. (Privatmitth.). Als Beweis, wie wohlthätig und einflußreich die Allg. Zeit. d. Jud. wirkt, und wie alles darin zur Sprache Kommende mit edler Bereitwilligkeit beherzigt und aufgefaßt wird, diene Folgendes. Kaum war der Fingerzeig über Benseeb's Grab (No. 1. des Beibt.) in die Hand hiesiger Leser gekommen, so sandte alsbald ein hiesiger Menschenfreund, Herr I. Goldschmidt, zum Spitaladjunkten den Auftrag, auf seine Kosten, wie groß diese auch seien, diesem Literaten ein neues, angemessenes Denkmal zu setzen, welches aber, in edlem Wetteifer, von dem Vereins-Vorstände dankbar abgelehnt wurde, der es auf seine Kosten in's Werk setzen wird. Jedenfalls gebührt solch edler Gesinnung Dank und Anerkennug! —. Aus der. von dem verehrten Prediger, Herrn vr. Mannheimer seit seinem mit so vielen Erfolgen verknüpften Amtsantritte eingerichteten und von ihm selbst unter Aufsicht der hohen Behörde geführten Matrikel ergibt sich, daß im verflossenen Jahre bei den Israeliten zu Wien 112 Geburten, 135 Sterbefalle und 8 Trauungen im Tempel stattgefunden. —. Am 26. v. M. starb hier der Ritter Marcus von Neuwahl im 84. Jahre seines'thatigen Lebens; er hat in seinem Testamente die christlichen Anstalten eben so bedacht wie die jüdischen. — Noch schmerzlicher wurden wir am Tage darauf von dem Tode der hochverehrten Frau Charlotte, Gattin des allgemein hochgeachteten Herrn M. L. Biedermann, Vorsteherin des hiesigen Frauen-Vereins, im 52. Jahre ihres segensreichen und religiösen Ecdenwallens, betroffen. Die Armuth verliert an ihr eine stets bereite Fürsorgerin. Mannheimer sprach an ihrem Grabe eine gediegene Leichenrede — Spr. Sal. 31, 10.— voll gerechter Anerkennung der bedeutungsvollen Stellung solcher Frauen im Leben, welche bereits im Druck erschienen ist. Auch Saphir hat ihren Tod in einer lieblichen Dichtung besungen. Ihr Andenken hat sie durch bedeutende Legate unvergeßlich gemacht. Berlin, 24. Febr. (Privatmitth.) Ich ertaube mir. Ihnen über die Verleihung der goldenen Civil-Derdienst-Medaille von Seiten des Kön. von Würtemberg an den Banquier Krautheim in Prenzlau etwas Näheres mktzutheilen, weil dies den gegebenen Umstand noch ehrenvoller macht. Herr Krautheim hat diesen Orden (ohne darum nachzusuchen) deshalb erhalten, weit er im russischen Feldzuge 1812 der würtembergischen Armee ausgezeichnete Dienste leistete. Der König von Würtemberg ließ die Detoxation mit einem huldvollen Schreiben durch den Kriegsminister Generallieutenant von Hügel überreichen, die nur seinerseits in einigen Zeilen eine Gesinnung zu erkennen gab, welche leider in den deutschen Staaten noch zu den seltensten gehört, er schrieb nemlich: „er freue sich sehr, daß ihm von Sr. Majestät dem „Könige der Auftrag geworden, die Decoration der „goldenen Civil-Verdienst-Medaille, als Beweis der „Anerkennung einem Manne zu überreichen, der mit „den größten Aufopferungen im Jahre" 1812 den Ar- „meen so ausgezeichnete Dienste geleistet hat." — Der Banquier Krautheim steht in Prenzlau in sehr hoher Achtung, und es wurden ihm, als er die Erlaubniß zum Tragen des Ordens bei unserm Könige nachsuchte, von dem Magistrate sowot als von dem Landrathe des Kreises die schmeichelhaftesten Zeugnisse ertheilt. — Großherzogthum Baden, 20.Febr. (Privatmitth.). Den Rabbinatsstellen des Landes stehen wichtige Veränderungen bevor. Man sucht jetzt Männer zu gewinnen, die den Zeitgeist aufzufassen und seinen Anforderungen zu entsprechen im Stande sind. So wurde jüngst eine vakante Rabbinenstelle in der Klause zu Mannheim durch den freisinnigen Candidaten Wagner besetzt. Das durch den Tod des Ab rach am Ascher erledigte Bezirks-Rabbinat Bühl ist jetzt durch' den als Prediger rühmlichst bekannten Rabbinen Millstätter besetzt; beide sind Männer, die völlig vertraut mit dem geschichtlich zusammengefügten Gebäude der jüdischen Religion, und zugleich auf der Höhe der Zeit stehend, durch gelehrte und durch praktische Wirksamkeit, das Heil Israels fördern können. Hingegen ist das durch den Tod des Oberlandrabbinen und Oberraths Ascher Löw erledigte Stadt- und Land- Rabbinat Karlsruhe noch immer unbesetzt, und noch immer sind die dortigen Israeliten ohne Geistlichen, ohne Fortbildner der Religion im Geiste und in der Wahrheit, sich selbst überlassen. Um so nothwendiger ist es daher dort, die Aufmerksamkeit und Theilnahme aller Gemeindeglieder. für eine würdige Wiederbesetzung dieser Stelle anzuregen; besonders läßt es sich vom dortigen Synagog'enrathe, mehr aber noch vom isr. Oberrathe erwarten, daß sie mit allem Eifer darüber wachen werden, diese einflußreiche Stelle nicht mit einem Menschen ohne Charakter zu besetzen, sondern mit einem Manne, von dem man mit voller Gewißheit weiß, daß er die Israeliten auf eine höhere Stufe religiöser und geistiger Bildung zu erheben vermag, um den Zeitpunkt herbeizuführen, in welchem die jüdischen Religionsfamilien die durch den Druck verflossener Zeiten hervorgerufenen Formen, durch die sie jetzt in mehren Partheien getrennt erscheint, als das Unwesentliche betrachten, sondern gegenseitiges Verstandniß und geistige Versöhnung als das rechte Mittel zum Besitz des Wesentlichen erkennt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.