Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1900)
- Date
- 1900-01-26
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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schöner Wandschmuck, bestehend ans btm Diplomen und den Freimaurerzeichen des sel. Vaters und Benders der edlen Göuneriu, die Beide einen höheren Rang in der Loge einnahmen, gingen voll der edlen Göllneriil der Allstalt zu. Ferner hat Frall Kempner die Bibliothek der Allstalt durch lviederholte Schenkungen vergrößert. — Wie »vir erfahren, hat der Watsellvater beu Knabenhandsertigkeitsnnterricht in dem Institute eingeführt, ebllso unterlveist er die Kinder inl Garteilbau. Zu dem Zlvecke haben schon im Herbst die Pfleglinge der Allstalt Beete im Anstaltsgarten zugetheilt erhalten uub bearbeitet. Die Mädchen erhalten durch die Waiseumutter Unterricht in den lveiblicheil Handarbeiteil. die größeren auch inl Wäschebügeln uild Maschillellühen. Das Illstitut ist zur Zeit voll 18 Killdern freguentirt. Kp. Bns der Provinz Posen, im Januar. Der Leicheubestattlmgsvereiu in W re scheu hatte im letzteil Jahre eine Einnahme voll 814 Mark uub eine Ausgabe von 48 Mark. In der letzteil Generalversallillilulig des Bereills lunrbeu die Herren Schreher. Miloslawer llud Zlotllicki gewählt mib zur Auschafsnllg eines Leicheuwagens. der 900 Mark kosten soll, ein Zllschllß von 300 Mark bewilligt. Der Mällner-Krankenpflegeverein daselbst besteht 17 Jahre und zählt jetzt 62 Mitglieder. Zum Vorsitzenden desselben lvlirde tieitltct) Kaufmann Hermanll Ziegel geioählt. — Jil Gnesen starb vor Kurzem illl Alter von 73 Jahren der eineritirte Lehrer S i m o n C a s pa r i. Der Berstorbelle rvar bis zu seiner vor zivei Jahrell ersolgteii Pelisionirling als erster Lehrer an der jüdischen Volksschllle in Samter 37 Jahre hilldllrch thätig. — Der Oberpräsident der Provinz Posen hat dem israetitischell Frauellverein in Plesehen die Genehmigung zll einer Verloosung voll kleineren Gegeilstäildeil zllln Zlvecke der Bekleiduiig armer Mädchell bis zll deln Umfailge voll 400 Loosen zum Preise voll je 50 Pf. ertheilt. — Der Vorstand der „Chewra Kadischa" in Jnowrazlalv geht mit dem Plaue um, niännliche uub lveibliche Krankenivärter ausbildeu zu lassen. — Anläßlich seiner silbernell Hochzeit hat der Kallfnlanil Loui s Cohn in Sa lnter der Shliagoge daselbst ein lverthvolles silberlies Waschbecken mit silberner Kanne überwiesen. — In Miloslaw hat sich kürzlich ein israelitischer Armennnterstntzungsverein gebildet. In derfelbell Gemeinde lvird auch demllächst mit denl Barl eitler Leichelchatte begonnen werden. — Der israelitische Krankenpflegelind Beerdiguugsverein in Wol lstein hielt kürzlich feine 158. ordelltliche Jahresversammlung ab. Der Verein hatte im abgetallfellell Jahre eille Einnahme von 1744,65 Mark nnb eine Ausgabe voll 308 Mark. — Zum Bestell des israetitischell Frauellverdins in Ostrom o hielt Nabbiller Dr. Frellnd daselbst am 7. d. M. einen längeren Vortrag über das 19. Jahrhllildert. Der Nedner verbreitete sich in demselben über das technisch e geistige lllld soziale Gebiet und erntete reichen Beifall für feine Ausführungen. O Loslau, 15. Januar. Auf llllserem altehrwürdigeu Friedho nmrde hellte ein hundertjähriger Greis zll Grabe getragen: Der frühere Gastwirth Marelis Wolfs alls dein Dorfe Rydultau. Jlil Jahre 1800 im Dorfe Polern bei Lvslau als Sohlt geachteter frontrnev Eltern, die dort eine Arronde iune hatten, geboren, wußte er sich noch allf viele Einzelheiten alls den Zeiten der Napolevusherrschaft und der Freiheitskriege zu evinnevn. Er war im Dorfe allgemein beliebt, die Bergarbeiter der dortigell Grube nmmten ihn nur den „alten Mark". Er war nie illl Leben krallk. di och zu 99 Jahrell vollelldete er das Fasten des Versöhnnllgstages. Er hinterläßt 8 Killder, 23 Ellkel, 55 Urenkel und 2 Urilrenkel. Der Tod trat schlllerztos durch Altersschlväche ein. Die Beerdigung fand ullter sehr starker Betheiligulig statt. Herr Rabbiner Dr. B l ll m e n t h a l aus Natibor hielt eine ergreifellde Grabrede. 0 Ballenstedt, 18. Januar. Heute vor hundert Jahren lvnrde hier der bei ben älteren Ballenstedtern noch im besten Audellken stehende Stadtrath I a r o b S i e s k i u d geborell. Er entstanllnte eiller alten, stets in Ballenstedt lvohnhaft gelveseneu Familie Sieskilld, denn sein Vater, Großvater und Urgroßvater sind ebellfalls in Ballenstedt geboren. Die Familie Sieskind hat sich in Ballenstedt ein bleibendes Andenkell dllrch Errichtllllg der hier bestehenden Jacob Sieskilld-Stistung gesichert und damit zilgleich ihre treue Anhänglichkeit an ihre Vaterstadt bekundet. Wie sehr die Familie Sieskind scholl in früheren Zeiten voll Fürst nnb Mitbürgern geehrt wurde, geht insbesondere daralls hervor, daß der Fürst den Urgroßvater des verblichellen Stadtraths Sieskind in seinem 84 Lebensjahre im Audellken an die von ihm damals errichtete Tuchfabrik vom Hofmaler Kehrer im Jahre 1783 hat malell taffen. Dieses Bild befindet sich im Besitz des einzigen Ehrenbürgers voll Balleilftedt, des Herr,, Ballkiers Sieskind-Sieskind in Leipzig und nimnlt in dessen Wohnullg, gleich dem Ehrellbürgerbrief eiilen bevorzugten Platz ein. — Im Andenken an die heutige hundertste Wiederkehr des Geburtstages des Herrn Stadtrath Jacob Sieskind, lvelcher mit feinen Vorvätern vereint auf dem hiesigen jüdischen Fried- Hofe ruht, hat die Stadtgenieinde Ballenstedt heute einen Kranz mit Schleife in den Stadtfarben auf dem Grabe des Verblichenen niederlege,l lasseil. Die Söhne, Enkel uub Urenkel des Verstorbenen loarell von Auslvärts erschiellen und verrichteten an dessen Grabe das Kaddisch- Gebet unter Betheiligung des Vorstandes und des Kliltnsbeamten der israelitischeil Gemeinde. M. Hamburg, 22. Januar. Herr I. A. Israel. Chef des bekanlltell gleichnamigen Bankhauses und einer der ältesten Börsenbesucher unserer Stadt, lvnrde in der Börse, inmitten seiner geschäftlichen Thütigkeit. vom Tode ereilt. Der Berstorbelle. der ein Alter von 82 Jahren erreichte, war langjähriger Vorsteher und Leiter der Gelileindeshnagoge, auch bekleidete er iil vielen Gellleinde-Jnstitutiollell llild Wohlthätigkeitsvereinen das Amt eines Vorstandsmitgliedes; nnfeven armen Glanbensbrndern erlvies er aus feinen reicheil Mitteln viele Wohlthateil. In, Sterbehanse Hallerstraße hatte sich eine große Traliergemeinde eingefunden; der Gemeilldevorstand, das Repräsentantellkolleginm sowie die übrigen Institutionen lmd Vereine lvaren durch Delegirte vertreten und zahlreiche Mitglieder der Final,zwelt uild Vertreter der Fondsbörse erschienen. An der offenen Bahre ergriff zuerst Herr Oberrabbiner M. Hirsch das Wort, um anknüpfend an die Worte alls Psalill 90, Vers 10 ein Lebensbild des Verblichellen zll entmicfeln; mit Segen und Trosteslvortell all die Hinterbliebenen schloß die wirkungsvolle Rede. Der imposante Leichenkoudukt bewegte sich nact) dem Otteuser Friedhof; in der Kapelle widmete Herr Rabbiner Dr. M. Grllnwald dem Dahiugeschiedeilell lvarme. tiefempslindeue Worte des Rachrllfes. Die Beisetzung erfolgte Hieralls in eillfacher Weise im Erbbegräbuiß. a. Dresden, 21. Januar. Soeben ist die sehr inteveffcmte uub h"bsch allsgestattete Jahres-Rechnnng der „K r a n ke ll -V e r p s l e g ll ll g s- A u st a l t" der hiesigen israelitischen Gemeinde zlir Feier ihres 150jährigen Jubiläums erschienen. Voran geht ein sehr lesenswerther Rückblick auf die Geschichte der Gesellschaft voll Albert Wolf, auf den mir in anderem Zusammenhänge lioch zurückkommeu werdeil. Dalln folgt ein Verzeichlliß der Mitglieder Poln Tage der Begründling bis auf den helltigen Tag. Hierauf ein Verzeichlliß sämmtlicher Verluächtuisse und Geschenke, der Einilahlllell ulld Ausgaben der Gesellschaft, deren Vermögen sich jetzt allf 77125 Mark beläuft, währelld die Ausgabell pro 1898 ilu Ganzen 6325 Mark betrugen. Der Vorstand der Gesellschaft besteht alls den Herren Oscar Lesser, Albert Wolf, Max Elb. Julius Hirsch II. und EdmlNld Salomou. Zllr Feier des Jllbiläums fand aln 10. d. M. ein schölles Fest statt, bei dem Herr Rabbiner Dr. Winter die Festrede hielt. Konzertsnnger Hugo Koppel alls Berlin saug bei der Tafel ein von ihm für das Fest komponirtes Lied, .dessen sinniger Text von Herril Max Elb verfaßt war. Außerdem lvlirde ein vom Redakteur Alphonse Levh in Berlin Poetisch sein eiupslindenes mib geistvoll ausgeführtes Tasellied ulit großer Begeisterung vorgetragell, das beit jüdischell Gemeiusinu nnb das Ziel des Jndenthums feierte. Möge es der Gesellschaft nllch ferner mib noch sehr lauge beschieden sein, bedürftigen Kranken Hilfe zll bringen. Segen zu spenden und den Geist der Liebe und der Hmuanität in unserer Gemeinde zu erhalten! Köln, 15. Januar. Ein erhebendes Fest beging die israelitische Gemeinde in Wesel vor einigen Tagen, nämlich die Einlveihnng ihres neuen Schulgebäudes. Vorlnittags II Uhr versammelten sich die Gemeindemitglieder und die Schuljugend in dem geschmückten Schnllokale; ferner waren anwesend: der Herr Oberbürgermeister Dr. Flnthgraf, die Direktoren des Gymnasiums und der höheren Töchterschule, die Rektoren der Volksschulen. Der Geheime Regierungs- und Schnlrath Professor Dr. Rvvenhagen hatte seine Glückwünsche schriftlich übermittelt. Mit einem von den Kindern unter Harmoniumbegleitullg gesnugeueu Choräle und einem von dem sechsjährigen Söhuchen des Herrn Lehrer Spier vorgetrageneu Gedicbtchen lvnrde die Festlichkeit eröffnet. Run übergab der Vorsteher der