Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1900)
- Date
- 1900-01-26
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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2 - Shuagogeilgemelnde. Herr E. Benjamin mit herzlichen Worten des Dankes gegen Alle, die zur Förderung des Werkes beigetragen, besonders die Stadtverordneten, Oberbürgermeister, Architekten n\ das Gebäude dem Schulvorstande mit dem Wunsche, daß dasselbe fortdauernd Gutesj wirke für Gemeinde. Vaterstadt und Vaterland. Die durch Form itub Inhalt vorzügliche Festrede hielt der Lehrer der Gemeinde. Herr Spier, worauf wieder Gesang der Kinder folgte. Der Lokalschulinspektor. Herr Zaudh richtete einen interessanten Rückblick auf die Geschichte der israelitischen Volksschule in Wesel, und mehrere Mädchen trugen ein voll Herrn Frankfurter verfaßtes Festgedicht vor. Zum Schlüsse betrat der Herr Oberbürgermeister die Tribüne und hielt eine mit Begeisterung aufgenommene Rede, schließend mit einem dreifachen Hoch auf den starken Hort der Wissenschaft und Kunst, den Förderer aller geistigen Bestrebungen, das hohe Vorbild der Jugend in Gottesfurcht und Vaterlandsliebe. Kaiser Wilhelm II. Zum Andenken all den deilkwürdigeil Tag lvurde auf dem Schulhofe eine Linde gepflanzt ulld die Kinder Nachmittags belvirthet und bescheilkt. A. Krefeld, 15. Januar. Dreißig Lehrer vom Niederrhein uub ans dem westfälischen Grenzgebiete falldeil sich arn 22. v. M. in Düsseldorf zur Begrülldung einer „N i e d e r r h e i n i f d) e u Bezirkskonferenz " zusammen. Die starke Betheitiglillg lllld die Anweseuheit vieler llnl unser Vereillslvesen verdieilter Herren lnachte Stilnnnnlg. Dank derselben nild Dank der lvirklich „vorbildlichen" Leitling ilahmell die Nerhandlllligen einen verhältnißiliäßig schnelleil, allseitig besriedigelldell Verlauf. Zllm Vorsitzeildell der neuen Vereinigung, die zweimal im Jahre zusannnenlreten soll, lvurde Fröhlich-Gladbach gelvählt, Stellvertreter: Aildore-Krefeld, Schriftführer: Strallß-Diilslaken. Gleich die Eröffnungsversammlnilg hatte eine wohlbepackte Tagesordllnng allsznarbeiten. Zllllächst beleuchtete Alldore-Krefeld eine den Religionsnllterricht in dell jüdisthen. Volksschulen angehende Elltscheidullg des Oberoerlvaltlmgsgerichtes. Die lveitere Prüfling nild Behalldluilg der Angelegenheit soll der Rechtskonnnission des Lehrerverbandes übertragell lverdeli. Herr Senlillardirektor Dr. Gllttnlanll-Münster lvar im Allftrage des Westfälischen Gemeindeburtdes zur Berichterstattung über dell Staild der Lesebuchsache erschieilen. Herr Dr. Guttmallil llnd feine Mitarbeiter habell eine Unsrnullie von Fleiß lllld tüchtiger Arbeit aufgewelldet, ohlle bis jetzt zll einem Abschllisse zu gelangen. Einelll Vorschläge Fröhlichs eiltsprecheild, giebt die Versamiillung denl Wullsche Ausdrllck, „der Westfälische Gemeilldeverbaud möge in Verbindung mit dem in Entstehung begriffenen Rheinischen Gemeindeverband eine Kolumission beinfeu, lvelche in Gemeinschaft mit dell DDr. Guttn'.ann llnd Coblenz lind auf Grundlage der voll diesen Herren geleisteteil Vorarbeiten ein Lesebllch für jüdische Schlllell bearbeiten." Der dritte Referent. Herr Zivi-Elberfeld, führte voll dell pädagogischen TageSfragen zu dern Werden urlserer heutigen Shnagogell- Nlusik hinüber. Der Redner suchte in wohlbegründeter Darlegung nachzillveisen, daß keine (Elemente der ältest-jüdischen Musik in den Weisen der Gegenwart llachktillgell. Die heutige Shllagogellnillsik wllrzelt mit der KirchellNlusik in der Toilkllnst des griechischeil Alterthlnns. Der Synagogengesallg entlvickelt sich ganz arlalog dem Kircheilgesange uub unter dem nachlveisbarell Einfluß desselben. Saloluoil Slllzer ist der Reformator der alten uub Schöpfer einer neueren Shnagogelllnllsik, die in dell nenerschlossenen Bahliell sich überraschelld günstig lind vielgestaltig entlvickelt hat; Vertreter derselben: Naumburg, Lelvalidowskh, Weintrallb, Delltsch, Berggriln. Rosenhaupt, Kirschner, Birnbaum. — Recht interessant gestaltetell sich auch „die freien Besprechungen". Aus Ersuchen des Vorsitzellden berichtete Herr- Graf über die zwischell dell verschiedeilell rheillischell Bereiilen schlvebelldell Eilligllllgsnub Ausgleichverhalldlullgerl. Herr Spier-Bocholt erbittet Ailfklärung. ob dell Lehrermitarbeitern am statistischen Jahrbllche des D.--J. G.-B. eil» Freiexelllplar zllgestellt lverde. Die ertheilteil Ausschlüsse lassen auf eine ungleiche Behandlung der Herren Statistiker schließen. — Fröhlich lilöchte einen ablehnenden Beschluß gegenüber dell von Kölligsberg ausgehenden Kassellverbauds-Bestrebullgell herbeisühreil. Die Versalllmlung theilt den Stalldpllilkt des Alltragstellers hält es aber für verfrüht, ihll offiziell 311m Ausdruck zll bringen. — Herr Abraham - Essen teuft die Aufmerksamkeit auf die Uebergehuug der Lehrer bei der Bilduilg des Rheillischell Gemeilldeverballdes. Die Mehrheit der Versammlung erachtet eine Vertretlnlg der Lehrer im Ausschüsse als wünschensiverth, als eine Ehrellpsticht des Verbandes lind verlangt Gleichbehaudlllllg mit dell Rgbbillerll. — Die nächste Versammlung soll int Februar stattfinden. Referate werden die Herrell Fröhlich-Gladbach und Abraham- Essell erstatten. $. (5ms, 12. Januar. Der zweite Jahresbericht des Israelitischen C en t ral - Wai seuuub Mä dchen h e i m s für die Zeit vom 1. Oktober 1898 bis 30. September 1899 zeigt in erfreulicher Weise eine imnler weiter fortschreitende Entwickelung des Werkes. Das vorige Jahr wurde mit einer Allzahl voll 27 Zöglingen aus den verschiedellsten Theiletl des deutschell Reiches beschlossen, von beiieu dann nach und nach drei Kinder entlaffeu wurden. Voll diesen gingen zwei alsDienstmädchell in Stellung und eines kehrte zll seinem Vormunde in die Heimath zurück, lvo es auf Kosten eitler Stiftung zltr Kleiderutacherill allsgebildet wird. Trotz unzulänglicher Mittel wllrdeu die Bakatlzen lticht nur lvieder atlsgefüllt, sotlderil tuit Rücksicht auf die Dringlichkeit der einzelnen Fälle die Zahl der Zöglinge auf 31 erhöht. 25 dieser Zöglinge besuchen die städtische, lltehrklassige Volksschltle. Der Religiotlsullterricht wird voll Herrn Bezirksrabbilter Dr. Weillgarten ertheilt. Als Leiterill der Allstalt lvurde seit bem 1. Januar 1899 an Stelle des ausscheidendeu Fräuleilt Bertha Jeidel atls Messillgwerk die geprüfte Schulvorsteherin Fräulein Jeu uh Lazarus aus Breslau ertgagirt. Zur Stütze iln Hallshalte ist ihr eine israelitische Wirthschasterin lllld eilt christliches Dienstnlädchell all die Seite gegeben. Die Oberaufsicht übt wie bisher Herr Bezirksrabbilter Dr. Weingarten aus. Die Verlvaltuug lvird voll eitlem Vorstände geleitet, der zullt größtetl Theile auswärts lvohut. Ans dieseul Grutlde ist eilt Lokalkotnitee, bestehetld atls ben hierorts wohnenden Vorstandsmitgliedern, gebildet, lvelches die laufendetl Geschäfte erledigt. Die ftatutellnläßige Gelleralversanllrltung fand ant 9. Jllli statt. Es schiedeil dllrch das Los folgetlde Herren aus: Dr. Cvhu- Jchellhausen. Heinrich Fränkel-Berlin, Joseph Kirchberger - Ents. Dr. Latldau-Weilburg. Sälitmtliche Herrell lvurden lviedergelvählt, ntld durch Netllvahl traten die Herren: Mar Ettinghausen-Höchst a. M. nild I. Goldschnlidt-Kölll hiitztl. Zllln erstell Vorsitzeildetl lvurde Herr Dr. Arotlsohll-Ellls, zu ftetloevtveteuben Vorsitzetldetl Herr Dr. Horovitz- Frankfurt a. M. lind Herr Kirchberger-Ems. zu Schriftführern Herr Dr. Weingarten-Ems und Herr Frankel-Berlin nild zunt Kassirer Herr Heiltrich Koeiligsberger-Ems ernannt. Oesterreich-Ungarn. HI Wien, 20. Jalluar. Pfarrer Deckert erschien heute als Einspruchswerber vor eiueui Senate Mlter Vorsitz des Vize-Präsideutelt v. Holzinger, lveil eilte voll ihtu verfaßte Broschüre über ben Tod Simon's von Trieilt konfiszirt lvordeu lvar. Staatsanwalt Dr. Bobies legte dar, daß diese Schrift nur bestimmt gewesen sei, dell Zülldstvff, der sich aus Anlaß des Polnaer Prozesses bei manchen Kreisen der Bevölkeruttg gegett die Judett altgehällft hatte, zu verstärkell. Der Eillspruch lvurde zllrückgewieseli. — Die Gesellschaft für Samultulig lmd Konservirung von Kutlstmtd historischetl Detlktttälertl desJlldenthlllus veratistaltete zttr Eriutlerlntg an den Oberkantor Salvulvll Slllzer all feinem Sterbetag am 20. d. im kleineu Mnsikvereinssaale eilte solenne Gedetikfeier. Der Bllrgschatlspieler Ritter v. Sonlieuthal trug die Biographie Sulzer's vor, lllld die SällgerUlauotvski lllld Gärtlter die Tempelchöre, derOrgelvirtuose Storch und der Solospieler der Oper, Herr Prof. Joseph Slllzer, brachten Koulpositiouetl Snlzer's zu Gehör. — Herr Wilhelm Spitzer hat anläßlich der Bartnizloah-Feier seines Sohnes 10000Kroneil für die Erziehung eines jüdischen Waisenknaben gespendet. — Atn 21. d. M. feierte in Wischau der ärarische Manthpächter Herr Moritz Placzek ben Eriluterlntgstag seines Eintrittes ill die Armee, der Herr Placzek seit denl Jahre 1840 angehörte. Er hat sich aitcf) in lltehrereu Schlachten durch feinen Muth uub Tapferkeit vor dem Feillde rühmlich hervorgethan. — Die österreichischen Humallitätsvereine Bne Berith haben unter detn Titel „Hi l fsv er ei u für d i e nottjteibeube jüdische B e v ölke r rt u g Galiziens" eine Jnstitlltiou ins Leben gerufen, lvelche für die llnglücklichetl galizischeil Jlldeil sehr wichtig ist. Zlveck des Vereins ist: 1. Schaffmtg voll Arbeit nub Erlverb für die jüdische Bevölkerung ill Galizien, Errichtllng voll Hausindustrien tmd Celltralverkatlssstellell für gelverbliche lmd landwirthschaftliche Erzeugnisse, evetlt. Sllbvelltiollirtnlg voll lteu ztl grülldenden Jlldllstrie-Unterllehnulngell. 2. Errichtlntg von Gewerbeschlltell, Creirllng voll Stipendien für Halldtverkslehrlilige lllld Veratlstaltung voll Vorträgen durch Wanderlehrer. 3. Beschaffung.