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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-01-26 · Heft 4 (26.1.1900) · p. Seite 45

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 4 (26.1.1900)
Date
1900-01-26
Page
Seite 45 (sequence 11)
Language
German
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45 Juden dem Handwerk zuwenden, während die bisherigen Pfleglinge meist der Provinz Posen entflammten, wo das Handwerk zu allen Zeiten nuter den Inden zahlreiche Vertreter hatte. Nun beginnt eine Periode des Niedergauges. die von einer kurzen Unterbrechung im Jahre 1848 abgesehen, die niedersteigende Bahn bis zum untersten Tiefstand im Jahre 1872 herabführt. Seitdem ist ein erst langsamer aber stetiger Aufschwung zu verzeichnen; die Zeit seit 1882 dürfen wir als Blütheperiode bezeichnen, der wir eine recht lange Dauer wünschen. Der geschichtliche Ueberblick führt den Chronisten zu der interessanten Beobachtung, daß in den Zeiten, in denen sich die Juden einer unangefochteneil bürgerlichen Stellung zil erfreuen hatten, der Zugang zum Handwerk nachließ. Erklärlich! Aber muß es so sein und bleiben?! Vielfache Förderung haben die Bestrebungen der „Gesellschaft", die seit dem Jahre 1845 ihren heutigen Namen führt, durch Gönner erfahren. Eine Reihe von Stiftungerl, deren Statuten uns mitgetheilt werden, sind ihr zur Verfügung gestellt worden: in neuerer Zeit ist das nach Tendenz und Wirkfamfeit den Lesern genugsam bekannte „Lehrlingsheim" tu Pankow begründet worden. Uns interessiren hier die Leistttngeu der „Gesellschaft" im engeren Sinne. In der Zeit voll 1825 bis Ende 1898 hat die „Gesellschaft" ihre Fürsorge 1105 Lehrlingen zugewandt. Vott diesen hatten 802 vollständig ausgelernt, 71 befanden sich noch in der Lehre. Die Verlttstliste ist leider nicht klein: nicht weniger als 232 Pfleglinge haben ihre Lehrstelle verlassen oder sittd verstorben. Immerhin sind recht viele gute Resultate Dank der im gattzett ztveckmäßig arbeitenden Organisation mit verhältnismäßig geringen sinanziellett Opfern erreicht worden: die Dnrchschnittsausgabe für einen Pflegling belauft sich auf 111 Mark im Jahre, und dabei wird' den Psteglingen reiche Gelegenheit zu technischer Weiterbildung iu ihrem Fache geboten. Die Pflege des religiösen Sinttes wird durch einett für alle Schützlinge obligatorischen Religionsullterricht geübt: es sollen „jüdische" Hattdwerker herangebildet werden, und das ist wie zahlreiche erfreuliche Thatsachen beweisen, geglückt. Bei alledem hätten wir die Berliner „Gesellschaft zur Verbreitttng des Handwerks" als einett wenn auch Beträchtliches wirkenden Lokalvereitt ohtte Anspruch auf größere soziale Bedetttung zu betrachten. Sie ist aber zutn Vorbild für zahlreiche attdere Vereine gleicher Bestrebungetr getvordett, — die Chronik zählt nach dem „StatistischenJahrlntch vom Detltsch-Jsraelitischett Gemeindebunde" davott etwa 40 aus allen Thetlen des Vaterlandes auf — und diese Thatsache verleiht ihr die Bedeutung eittes wichtigen Faktors für den wirthschaftlichen Fortschritt unserer deutschen Glattbettsgenossen. Wenn im soeben begottnenen Jahrhuttdert für uns Judett eine bessere Zeit begittnett wird, wie wir, wenn auch nicht in der allernächsten Zukunft, zuversichtlich erhoffett, dann tttöge die ungünstige Erfahruttg, die vott unserem Chronisten hinsichtlich des schwittdendett Interesses für die Verbreittmg des Handwerks uttter dert Glaubettsgenossen gemacht wurde, sich nicht wieder entstellen. Nie wieder soll es der Berliner „Gesellschaft" und ihren Töchtervereinett an verständnißvoller Förderung fehlen. So wird die aufopferungsvolle Arbeit der Bereinsvorstände und Inspektoren auf wirthschaftlichem Bodett Früchte tragen. Statt der artnett und gedrückten Existenzen, die uns tu den elenden Gestalten der Hausirer als lebender Vorwurf gegettübertrelen, soll uns ein wirthschaftlich und körperlich gesunder, geistig frischer Handwerkerstattd herauwachsen, würdig ttnserer großen Mättner der Vergangenheit, die nicht nur das geistige Rüstzeug, sottdertt auch das Handwerksgerath zu führen verstanden. Der geschickte und tüchtige Handtverker tvird auch int Lebenskämpfe der Zukunft ein siegreicher Streiter sein! Möge die gute Sache recht viele Vertreter finden, die ihre Mitarbeit an den geschilderten Bestrebttttgen als eine ernste Pflicht gegenüber dem Jndenthum ttnd seinen Bekennern empfittdett, uttd sie so mit ganzem Herzen uttd Gemüth mit) dabei mit gutem Erfolge vertreten, rote der sehr verdienstvolle Verfasser der „Chronik". W. N. Me Jüdin von Toledo. Voll Professor Dr. Ludwig Geiger. m. ie ganze Art des Mädchens utacht es erklärlich, daß der König, der in ihrer Nähe bedrückt ist, sie, sobald er sich vott ihr entfernt hat, so gänzlich zu verachten scheint, daß er, freilich der Kölligin gegenüber, von ihr folgende Charakteristik giebt: „Nimm alle Fehler dieser weiten Erde, Die Thvrheit und die Eitelkeit, die Schwache, Die List, deu Trotz, Gefallsucht, ja, die Habsucht, Vereine sie, so hast Du dieses Weib." Ja, daß er in einer weiteren Rede nur ihre Allgen, den Körper, Hals und Wllchs als etloas von Gott meisterhaft Gefügtes erklärt. Und doch ist dies nur eine augenblickliche Aufwallung. Denn es ist nicht die körperliche Schönheit allein, die ihn gefesselt hat mld es silld nicht die fd)lumneii Eigenschaften des Mädchens, die ihn, sobald er jene Schönheit nicht mehr vor sich sieht, seine Leute vergessen lnachen. Viellllehr ist die Liebe begründet durch das Dämonische in ihr. Darum spielt ihr Bild eine so große Rolle, das der König mehrmals wegwirft, itm damit den Zauber los zu werden, immer wieder allfniullnt, weil er sich eben von denr Zauber nicht trennen faitu; es aufnimmt sogar in deui Augenblick, da er die Verzeihung der Kölligill zu erflehen im Begriff ist. Aber auch dies Bild ist etwas Aeußerliches. Der Zauber, der von den: Bilde itub der Person ausgegangen ist, nnrß etwas Stärkeres feilt. Dies gesteht der Köllig selbst in den Verseil, die er spricht, als er von dem Tod der Geliebten zwar weiß, die Leiche aber noch llicht gesehen hat: „All was sie that, ging aus ihrem Selbst. Urplötzlich, uuverhofft und ohue Beispiel; Seit ich sie sah, empfand ich, daß ich lebte, Ulld in der Tage trübem Einerlei War sie allein mir Wesen und Gestalt." Daß aber der mächtige Eindruck, der von ihr ausging, llicht etwa blos durch Schönheit, nicht durch ben von ihr gewährten Genuß, ja nicht alleill durch ihre mächtige Persönlichkeit ausgegarlgen ist, daß also der Eindruck nicht zu Ende sein kalln mit ihrenl körperlichen Verschwinden, bekennt der König mit den anderen Wortell: „Als sie noch lebte, wollt' ich sie verlassen, Null, da sie todt, verläßt sie nimnler mich. Und dies ihr Bild auf dieser meiner Brust, Es gräbt sich ein uub schlägt noch immer Wurzel."

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