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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-01-26 · Heft 4 (26.1.1900) · p. Seite 44

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 4 (26.1.1900)
Date
1900-01-26
Page
Seite 44 (sequence 10)
Language
German
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44 schon so viel ftetyan und auLenblicklich wieder im Begriff steht, die Besoldnngsverhältnisse namhaft zu verbessern, zeigt sich dermalen. geneigt, auch an die Verbesserung der jüdischen Lehrer und Schulverhältnisse heranzntreten. Eine Deputation des israelitischen Lehrervereins wurde von den maszgebenden Herren aufgefordert, der Regierung eine förmliche Vorlage auszuarbeiten und einznreichen. Diese Vorlage wird demnächst dem Grobherzoglichen Ministerium überreicht werde», und wollen wir Alle Hoffell, daß die bescheidenen Wünsche der jüdischen Lehrer erfüllt Werder: und endlich auch für diese eine bessere Zllkunft entstehe. Die Versammlung nimmt unter aufrichtigem Danke für die eingehende, klare Berichterstattnrlg vor: den: Referate Kenntniß, spricht dein israelitischen Lehrervereine im Großherzogthum Hessen ihre wärmste Anerkennung für dessen mllthiges und doch besonnenes Vorgehen aus lind würrscht den Bestrebnilgell der israelitischen Lehrerschaft Hessens auch weiterhin die bestell Erfolge. 11. Steinhardt-Magdeburg erstattet Bericht über die Thätigkeit der Kommission zur Begründung eines Verbandsorganes. Die Versammlung beschließt, mit der weiteren Leitung der Angelegenheit die beiden Schriftführer des Verbandes zu betrauen mit der Maßgabe, mindestens noch zwei Mitglieder zu kooptiren. Die Vorbereitungen sollen so gefördert werden, daß die erste Nummer der Zeitschrift bereits anr 1. April erscheinen soll; die Versamnilnng spricht ferner den Wunsch ans, die Zeitschrift, lvenn möglich, eitler Verlagsanstalt zu übergeben. 12. Als Ergebnisse der Referate über das diesjährige Verbaudsthema lagen dem Referenten, Dr. Spanier-Magdeburg. 10 Referate vor. aus denen derselbe die für die Allgelegenheit lvichtigsten Punkte übersichtlich znsammeilgestellt hat. Refereilt schließt mit ben Worten Unser pädagogisches Ideal ist ein lvissenschastlich gut durchbildeter, durch das Band der genleinschaftlicheil Interessen imb Aufgaben fest geeinter jüdischer Lehrerstand. der als große und machtvolle Korporation stets ulld überall die Majestät des Geistigen vertritt imb im Gemeindeleben geltend macht. Die Versammlung beschließt, drei noch ansstehende Referate dem Referenten zu überweisen und alsdann die Arbeit zu veröffentlichen. Auch soll auf dem nächsten Delegirtentage die Frage nochmals erörtert und zur endgiltigen Erledigung gebracht werden. 13. Beschlußfassung über das Verbandsthema für das Jahr 1900. Nach kurzer Berathnng stimmt der Vorstand dem Anträge des Kollegen I n c o bsoy n-Leipzig zu. den Emzelvereinen die Berathnng folgenden Themas für das Jahr 1900 anheimzugeben: „Soll die systematische Religionslehre in der Volks- und Religionsschule als besonderer Unterrichtsgegenstand behandelt werden?" Die Vereine sollen ersucht lverden. ihre Ansichten in Thesen zu formnliren und dieselben, sowie die Referate selbst, dem Verbandsvorstande einznreichen. 14. Geschäftliches. Der Vorsitzende theilt mit, daß er im April nach Frankfurt a. M. übersiedele und darum den Vorsitz im Verbandsvorstande niederzulegen gedenke. Nach längerer Berathnng willigt derselbe jedoch ein, den Vorsitz noch weiter zu führen, so daß nach § 4 der Verbandssatzungen vom April 1900 ab Frankfurt a. M. als Sitz des Verbandes zu betrachten ist. Mit der Leitung der Geschäfte des Verbandes wird bis ans Weiteres der zlveite Vorsitzende. Kollege Blumen selb - Adelebsen, betraut; eine diesbezügliche Mittheilung soll dllrch die jüdischen Zeitungen bekannt gegeben werden. 15. Ein Antrag des Vereins Westprenßens „fernerhin alle 2 Jahre einen Verbandstag abzuhalten" luirb dem nächsten Delegirtentage zur Beschlußfassung überlviesen; eine Anregung des Vereins Emden-Oldenbürg „es ist dringend nöthig, daß ein Verzeichniß von Jugendschriften, die sich zur Anschaffung für jüdische Schulbibliotheken eignen, anfgenonnnen werde", luirb zur Kenntniß genommen. 16. Der Vorsitzende theilt noch mit, daß er Herrn Geheinirath Pros. Lazarus zur Feier des Dvktorjnbiläums die Glückwünsche des Verbandes übermittelt und voll demselben folgende Antwort erhalten habe: „Ich brauche wohl nicht zu wiederholen, daß die Lehrer meine liebsten Anhänger. Freunde und Leser sind. Ich habe mich Ihre Kundgebung zu meinem Doktorjnbilänm mit besonderer Genligthnung empfangen und danke Ihnen Allen ans das Herzlichste!"? Kollege Bernhard spricht dem Vorsitzenden für seine mühevolle und nmsichlige Leitung der Verhandlungen den Dank des Vorstandes aus; die Mitglieder erheben sich von ihren Plätzen. Mit einem Hoch, auf den Verband der jüdischen Lehrervereine schließt der Vorsitzende die Sitzung. Die Schriftführer: Steinhardt, Feiner. 'Handwerk und Ackerbau unter den Juden in Preußen. f ie Jahrhundertwende ist ein schicklicher Zeitpunkt für eine Rückschau, die zum Vorwärtsblicken anregt. Da stellt sich zur rechten Zeit ein Büchlein ein, welches einer wichtigen Seite, der von den deutschen Juden im abgelaufenen Säknlum eingeschlagenen wirthschastlichen Entwickelung eine knappe und bei aller Unparteilichkeit von Begeisterung für die Sache eingegebenen Darstellung widmet. Die Schrift ist von Marcus Adler herausgegeben und führt den Titel: „Chronik der Gesellschaft zur Verbreitung der H and werke und des Ackerbaues unter den Inden im preußischen Staate für die Jahre 1812 bis incl. 1898." Es handelt sich um Größeres, als den Bericht über die von einem einzelnen Vereine wahrend eines langen Zeitraumes entfaltete Thätiakeit, sonst hätten die im Vorwort erwähnten berühmten Gelehrten, zwei Geschichtsforscher und ein Philosoph, dem Merkchen wohl kaum ihr schwerwiegendes Interesse zugeivendet. Auch die äußere Ausstattung der „Chronik" ist ansprechend. Die Zeichnung des Titelblattes, von der Hand des jugendlichen Architekten Julius Müller, zeigt uns „das Handwerk und die Bodenkultur" unter dem Schutze des Davidsterns erblüht; als das gelungene Werk eines früheren Zöglings der Gesellschaft wird die symbolische Darstellung selbst zum Symbol. „Ach, wenn ich mit einer Rezension 50 Judenkinder zu Handwerksgesellen mid 30 Leibeigene zu Frehbanern machen könnte, so würde ich den guten Geschmack »nt Verzeihung bitten und auf eine halbe Stunde ins Nebenzimmer zu gehe» ersuchen!" rnst Moses Mendelssohn in einem am 8. Juli 1779 an seinen Freund Nicolai gerichteten Briefe aus. Ein Faksimile dieses denkwürdigen Schreibens bildet den schönsten Schmuck unseres Büchleins. Der menschenfreundliche Wunsch des Philosophen ging erst tut Jahre 1812 in Erfüllung. Als die Leibeigenschaft der Bauern fiel, eröfsnete eine humane Gesetzgebung auch den Juden den Zugang zu allen freien Gewerben. Das Jahr 1813 brachte den mit Sachkenntniß, Fürsorge und Wohlivollen entworfenen „Gesetzen" der „Gesellschaft zur Beförderung der Industrie unter den Bewohnern der königlichprenßischen Staaten jüdischer Religion" die formelle Anerkennung durch den Berliner Polizeipräsidenten Le Coq; dochoerlegt die Chronik mit Recht den Geburtstag der Gesellschaft ins Jahr 1812; denn schon in diesem Jahre ist die maßgebende Anerkennung durch die obersten Staatsbehörden erfolgt. Mit Genugthuung ist festzustellen, daß die Nachkommen Mendelssohns und Träger seines Namens in fortlaufenden Generationen in der Leitung der Gesellschaft mitgearbeitet haben. Ueber die Geschichte der „Gesellschaft" bis zum Jahre 1825 geben die Archive nur dürftige Nachrichten. Aus einein int letztere» Jahre erschienenen Berichte erfahren wir. daß die Gesellschaft seit ihrer Begründung insgesainmt 107 Pfleglinge in ihre Obhut genommen hatte; von diesen hatten sich 6 als Meister niedergelassen, 17 waren Gesellen, 73 standen noch in Lehre, 9 hatten das Handwerk wieder aufgegebett, 2 waren gestorben. Die Zeit von 1825 bis 1840 ist eine Periode des Aufschwunges, in Hder sich namentlich die Kinder der Berliner

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