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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-01-19 · Heft 3 (19.1.1900) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 3 (19.1.1900)
Date
1900-01-19
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 Bericht giebt ein treues Bild der interessanten Verhandlungen, in deren Verlauf die Statute!, des Vereins festgestellt und angenommen wurden. Nach den Debatten vereinte ein vom Vorstand der hiesigen Gemeinde veranstaltetes Festmahl alle Theilnehmer. 0 Stuttgart, 5. Januar. Der Verein z n r U n t e vst ü tz n n g v on W i tt we „ u nd Wai s e n armer israelitischer Lehrer und Vorsänger Württembergs versendet seinen Rechen schaftsbericht über das 37. Rechnungsjahr 1898/99. Auch in diesem Jahr hat die Fürsorge für die israelitischen Lehrerwittwen und -Waisen der Theilnahme des Königs und der huldreichen Unterstützung der Königin sich 311 erfreuen gehabt. Der Verein hat zur Zeit 16 Wittwer, zu unterstützen, wobei ihn, sonstige Leistungen, den Satzungen entsprechend, noch obliegen. 3025 Mark hatte er im verflossenen Jahre all Unterstützungen anfzuweuden. ur,d die ordentlichen Vereinseiilnahnlen blieben lvieder um ein starkes Drittel hinter den Anforderungen zurück. Am 16. Juni ist der langjährige Vereinsvorstand, Oberlehrer Leopold Stern in Ehlingen, durch einen plötzlichen Tod seinen! ausgedehnten Wirkungskreise entrissen worden. Am 4. Februar starb der zu Stuttgart im Ruhestände iveilende Lehrer Rödelsheimer in hohem Greisenalter. Durch einen raschen Tod wurde Lehrer und Vorsänger Königsberger in Crailsheim ani 7,. September d. I. irn bestell Mannesalter dahingerasft. Der Ansschuh setzt sich solgendermahen zusammen: A.Schmal- Ludwigsburg, Vorstand, I. Metzger-Car,„statt, Kassirer, I. Prehburger- Treglingen. Schriftführer, engerer Ausschuß. B. Straßburger-Buchan L. Frank-Weikersheiln, N. Hähnlein-Hall, S. Spatz-Affaltrach, rveiterer Ausschuß. Jll ihrem nicht vereinlichen Theile berieth die Versau,mnug die Frage: Soll der Religionsunterricht in den höheren Lehraustattell obligatorisch gemacht werden? Man'kam zu der Erklärung,: „Die versammelten Lehrer stellen den Antrag, es solle der Religiorisnuterricht an den höheren Lehranstalten obligatorisch gemacht werden? Der Ausschuß erhielt ben Auftrag, in diesem Sinne der K. israelitischen Oberkircheubehorde eine Eingabe zu unterbreiten. Die Eillllahlueil des Vereins betrugen Mark 5017,81, die Ausgaben Mark 3301,12, das Gesanuntvermögeu Mark 50400. Oesterreich -Ungarn. □ Wien, 15. Januar. Vor einigen Tagen fand in Prag im Saale der Produktenbörse eine jüdische Protestversammlung statt, auf deren Tagesordnllug sich die Beschlußfassung über eine Kundgebung gegen die im böhmischeil Landtage durch Dr. Baxa dem Judellthllnr zngefngten Beleidignngeil befand. Es wurde ein Referat in deutscher Sprache von Herrn I. Wertheimer und in tschechischer von Herrn Steil, erstattet. Schließlich wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der protestirt wird gegen das Wiederanstauchell des seit Jahrhunderten widerlegten Ritualmärchens und gegen den Mitzbrauch der Presse und der Immunität zur Judenhetze. Man beschloß, diese Kundgebung öffentlich zlir Unterzeichnung aufznlegeu und bann dem böhmischen Landtage einzuschicken. — Wie ich Ihnen scholl in voriger Woche schrieb, wollten die Antisemiten in Nachod wieder eine kleine Ritualniordhetze arraugiren, was ihnen aber zu ihrem größten Bedauern nicht gelungen ist; deru, infolge der Auffinduug der Leiche der Marie Cervillka hat sich die Aufregung, die in verletzten Zeit, von antisemitischen Hetzern geschürt, herrschte, gelegt. Der Kanfmann Emauuel Kohn, bei dem die Cerviuka bedienstet war. wurde ans der Hast entlassen. Dagegen erfolgte die Verhaftung des Kaufmanns Sejp, eines übel beleumundeten Menschen, der Herrn Kohn eillen Erpr es su u gs bri ef geschrieben hatte. Er theilte in diesem Schreiben mit, er habe gesehen, wie Kohl, ben Leichnam des Mädchens aus einem Fellster seiner Wohnung zwei Männern reichte, die auf der Straße warteteil. Für das Verschweigen dieses Umstandes verlangte er von Kohn eine Entlohnung. Die Leiche der Cervinka befand sich im Fllisse in eillem Gestrüpp, weshalb die Auffindung so spät erfolgte. Die Obduktion der Leiche ergab eine abnormale Größe des Herzens und die Feststellung der Thatsache, daß ihr Tod durch Ertrinken herbei geführt wurde. — Einen gleich großen Aerger dürften den Antisemiten die Freisprechllngen des Dr. Groß und des Holleschauer israelitischen Polizeikommissärs Bernhard Ehrlich bereiten. Ersterer wurde in den, antisemitischen Blättcheir beschuldigt, einem christlichey Arbeiter durch medizinische Versuche Schaden an seiner Gesundheit zngefügt zn haben, nun hat sich die Unschuld des angeklägten Arztes erwiesen, da der Patient, der jetzt eine Strafe wegen Diebstahls und Vagabondage verbüßt, nichts Nachweisen tonnte, das sine solche Be^ schllldiguug allch mti* im Geringsten zu rechtfertigen im Stande wäre. Der Polizeikommissar der Holleschaner Jlldengelileinde aber sollte lvährend der Erzesse ein Christenrnädchen ailgefchossen und verwundet haben, was sich nur, nach Abschluß der Verhandlungen als böswillige Verhetzung herausstellte. Von Nah und Fern. — Der Laudgerichtsrath Dr. Pollack in Berlin ist für die Daller des von ihm zur Zeit bekleideter, Staatsamtes zum ställdigen richterlichen Beisitzer des Reichs-Versichernngsaruts für die in demselben von richterlichen Beamten lvahrzunehnreridell Obliegenheiten ernannt worden. — Der bisherige Hilfslehrer Dr. H. Straßmann ist zürn Oberlehrer all der 3. Realschule in Berlin befördert rvorden. — Bei der hiesigen Universität wird, wie berichtet wurde, ein Institut für Untersuchuugen mit Röntgenstrahlen errichtet. An dieSpitze des neuen Laboratoriums wurde Professor Dr. Grün mach gestellt. — Herr Hugo Heilmann wurde zun, Halldelsrichter beim Larrdgericht I ernannt. — Das Reisestipendium der Reichertffchen Stiftung für talelitvolle Stndirende der bildenden Künste ist in dieseni Jahre ben Herren cand. arch. Gnstav Oelsn er und ViktorMasu r zu gleichen Theilen verliehen rvorden. Oelsner hatte scholl bei der letzten Preisvertheilung der Technischen Hochschule in Charlottenbnrg ben großen Preis der Abtheilung für Architektur davongetragen. — Jll Eberswalde ist am 12. d. M. im 67. Lebellsjahre der Lehrer llnd Prediger S a l 0 m 0 l, R a w i t s ch er gestorben. — In Brieg hat irr der erstell Sitzung des Stadtverordneteukollegirrms der erste Bürgermeister die Thatsache als besonders erfreulich hervorgehobell, daß der Sellior der Versarilmlung, Herr Bankier Joseph Böhni, auf die Zeit von 6 Jahrer, wiedergewählt lvorder, sei. Böhm sei im Jahre 1850 in das Kollegium der Stadtverordneteuversamlnlllng gewählt worden und habe seit jener Zeit dernselberr liilunterbrocherl ein halbes Jahrhundert lang angehört. Es sei das ein so seltener Fall in der Geschichte des preußischer, Staates im Allgemeinen als auch in der der Stadt Brieg irn Besonderer,, daß er ganz besonders hervorgehoben zrr Werder, verdiene. Er handle zweifellos im Sinne der Bürgerschaft, wenn er Herrn Böhm herzlich beglückwünsche unb ihm den Dank ausspreche für seine Thätigkeit im Interesse und zurr, Wohle der Stadt. — In Paris hat ein antisemitischer Graf Muu die Tochter jener Frau Porges geheiratbet, rvelche durch ihr Geschenk von 100000 Francs an den Prinzen von Orleans von sich reben gemacht hat! — Eine jüdische statistische Gesellschaft mit dem Sitze in Paris soll auf Anregung Bernard Lazares demnächst gegründet werden. Sie soll verläßliche statistische Datell über die ökonomische und kulturelle Lage der Juden in den Ländern der neuen und der alten Welt einsammeln. — Alls Carpentras, den, gegelllvärtigen Aufenthaltsorte Alfred Drehfns', wird Pariser Blättern über einen jüdischer, Gottesdienst berichtet, der kürzlich in, Hause Dreyflls stattfand. Alls Anlaß des Todestages der Mutter Alfred Drehfns' lud nämlich seine Familie neun Juden zu einen, „Minjan" ein. Dreyfus sprach das Kaddischgebet mit großer Jnrrigkeit.—Der Reverend H err m a l, u G 0 ll a n cz in London hat die höchste Auszeichriung erhalten, rvelche ein Litterat in England erzielen kann, er ist — der erste Jude — zum Doktor der Litteratur von der Lorrdoner Universität ernannt worden. — New-Jork besitzt die meisten fremdsprachigen Zeitungen. Das Sonderbarste dabei ist, daß die jüdischen Bewohner des „Ghetto" vor, New-Jork die größte Arrzahl vor, täglichen Zeitunger, besitzerr, die sämrrrtlich irr hebräischer Schrift gesetzt sirld. Es sirrd ihrer sechs: Der „Jüdische Herold", dernokratisch; die „Jüdischeli täglichen Nachrichten", unabhängig; der „Vorwärts", und die „Volks-Zeitung", sozialistisch und besonders für die jüdischen Arbeiter bestinrult. die zu Tausenden in Kleiderfabrikation beschäftigt sind; ferner die „Abendzeitung", das offizielle Organ der sozialistischer, Arbeiter, und endlich die „Abendpost", unabhängig. — Wieder ist vor, Verlrtsten der jüdischen Soldatel, in Südafrika zu berichten. Bei Kirnberleh fiel Sergeant Charles Frielich von der Diamond Fields Horse, im Lazareth zu Ladysmith starb der Seesoldat Benjamin Blumsor, von den, Schiff „Terrible" und in, Lazareth 311 Pieterrnaritzburg der Gemeine A. Frarrks vor, den-LinZ Royal Rifles Corps. Als^ Gefangene werden ausBloenrfontein gemeldet: Landsberg. I. Hurnan und Mon. Leo voll der Caps Policy, E. G. Berg von der Diamond Fields Horse. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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