Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1900)
- Date
- 1900-01-19
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
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Mrscelten. — A us a l t e r Ze i t. Es war gegen Eil de des vorigen Jahrhunderts, daß der Streit, der zwei Parteien „Kulpisch" und „Kcumisch" die Angehörigen der jüdischen Gemeinde zu Frankfurt a. M.. iu zwei Lager gespalten, den Höhepunkt erreicht hatte. Da geschah es. dasz am Sabbath Chaje und Sarah bei Versteigerung der Haftarah die Allhänger Kulps die letztere absolut zu erstehell trachteten. Die Partei Kalln bot lvaeker mit, aber die Knlp'schen blieben mit dem Letztgebote voll angeblich 150 Guldell Sieger. Darob große Freude bei deuselbeu. Als mtu der dalllit Beehrte, David Klllps, den letzten Satz 311 sprechell harte, da brach der Illbel seiner Allhänger los, uild Atle ftirmuteii laut und begeistert mit in die Worte eill: „Iechi Hameleeh David leolvm!" (Der König David lebe auf immer!) Das war eill Triumph, ihr Parteihallpt gleichsam als König der Gellleillde pvof(amiveii zu können! Dies Ereiglliß rief eine große Erregung innerhalb der Ghettomauern hervor, glücklich llttterbrochen voll zlvei Gottesdiensten der Hallptsynagoge unb die der Dielen Betstuben. Auch trligen die stark besllchten Vorträge illnerhalb der letzteren viel zur Besällstigllllg der Geluüther bei, so daß der folgende Tag ruhig, als sei llichts vorgefallell, dahinfloß. Meiil Gewährsmann der vor etlva zwei Jahrzehnten heimgegallgeue Herr S. D., eill Alt-Frailkflirter. erzählte dallu lveiter: Als aln folgenden Montag Morgell die Thore der verschlosseileil Judengasse aufgiugeu. ilud Viele scholl nach denl Ausgang zlldrällgteil, da fam ein Bauer der Umgegend mit verschiedenen Laudesprodllkten hereingesahrell. Am Wagen besallden sich zlveierlei Zllgthiere, eine Kllh lind eill Pferd. Da trat einer der Mäniler auf den Fllbrnlallll 31t und sagte ihm unter dem Beifall der Alllvesenden: Bauer, spanll alls, zweierlei Thiere bulbeu lvir llicht! Weilil wir allch Klllpisch und Kaunisch sind, iu llilseren religiösen Gesetzeil iu Toras Mosche sind lvir Alle einerlei Gesinnung. Und Alle wiederholten: „Bauer, spanll alls!" Er that es imb nicht zll feinem Schadell, denn er lvurde (eine Waareil rasch und 31t guten Preisen los. L. L. * Geschäftliche Notizen. — Wir lliachen Misere geehrten Leser auf das Nestanrant des Herrn Kochmaun, Berlin. Königstraße '29 I gallz besollders aufmerksam. Das seit ca. 80 Jahrell bestehellde altrenonunirte Nestanrant ist von dem Onkel des Herrn Kochmann. dein bekannten Herrll I. Wittner gegründet uub geleitet worden. Seit 2^ Jahren ist Herr Kochmallll an des Oheims Stelle getreten ulld führt es im gleichen Nahmell, jedoch in bedeutend ausgedehnterem Maßstab mit gutem Erfolg lveiter. Herr Kochmann enlpfiehlt sich speziell zur Ueberuahme von Hochzeiten, Diners, Soupers re. iu allbekannter Güte, garautirt streng koscher. Das Nestanrant nnb die Gesellschaftszimmer sind vollständig renovirt und bieten einen angeliehmen ulld behaglichen Aufenthalt. Für größere Festlichkeiten ulld Vergnügllngell stehen Säle allch außer dem Hanse zur Verfügung. — Ücirat§ge|'ucli — Für ein junges hübsches gebildetes Mädchen, welches zur Mitgift ein seit 27 Jahren bestehendes Fabrikgeschäft erhält, wird ein gebildeter Kaufmann, jüd.,m. einigem Kapital gesucht. Schriftl. Meldungen unter JT. Z. 6647 an die Exped. d. Blattes._ Israel. Heirath. Jmlger Mann, Ans. d. Dreißig, geb., angenehm.Aeuß.. tadelt. Ruf u. allgemein geacht., sucht Lebensgefährtin. Suchender istJnhab. eineralt. guten Metzgerei in eigen, größer. Besitz, in best. Lage ein. groß. Ort. des Westph. In dru strie- Bez. H ü b sch e M e tzge rs t ö ch t e r, auch and. Damen im Alt. von 24—30 I. mit 12 Mille Mitgift, lvelche Lust u. Liebe 3. Geschäft u. womögl. Kenntniß desselbv besitzen, werd. gebet, ihre Verhültn. nnt. Jf. 6675 a. d. Exp. d. Berl.-Tagebl. 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In gar spannender Darstellung schildert die rühmlichst bekannte Verfasserin die Folgen anonymer Briefe, die eine intrigante Salonschlange in der Gesellschaft einer Proviuzialstadt und deren Gutsnachbarschaft verbreitet. Alan wird bei der Lektüre der konfliktreichen und bewegten Handlung, die sich in dem gut beobachteten Milieu adliger Familien und deren Anhang abspielt, unwillkürlich an gewisse hauptstädtische Vorgänge der jüngsten Vergangenheit erinnert. Mit großer Geschicklichkeit ist der Knoten geschürzt, dessen Lösung eine Reihe von Ueberraschuugen bringt. Kein Leser wird diesen litterarisch werthvollen Roman, der zweifellos großes und berechtigtes Aufsehen machen wird, unbefriedigt aus der Hand legen. „dm Zuchthaus vorbei" <Htma Oeßmsch. von 420 Seiten. Preis 4 Mk. Die junge talentvolle Schriftstellerin, deren „Blutstropfen" erst unlängst bei der Kritik Aufsehen erregten, führt den Leser in eine fremde Welt. Hinter den Gittern eines Zuchthauses, und zwar im Hause des Direktors, spielt sich ein aufregendes Drama ab. Er selbst, der gestrenge Beamte und sein Bruder schleppen eine geheime Schuld aus ihrer Jugendzeit mit sich herum, die, der Entdeckung nahe, das Glück ihrer Familien bedroht. Der Konflikt ivird dadurch verschärft, daß der Schwiegersohn des Direktors, ein angesehener Richter, amtlich mit der Untersuchung betraut wird und einen schweren Kampf zwischen Pflicht und Liebe kämpft. Mit großem Geschick und hoher dichterischer Kraft versteht di» Verfasserin, den Leser bis zur letzten Seite zu fesseln. Undolf Mosse, verli» SW. 19, Zrrusnlemerstr. 48/49. Verlagsbuchhandlung. Juristen und Berwaltungsbeamte mit gewandtem Stil zur Mitarbeiterschaft für ein popul.-jurist. lausds. Iluternehmeu gesucht. Gef. Anerb. unter R. 68 an Haasenstein & Bögler A. G., Berlin, erbeten. 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