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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-01-19 · Heft 3 (19.1.1900) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 3 (19.1.1900)
Date
1900-01-19
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 Thoresschlüssel überreichte. Dieser gab den Schlüssel dem Vorsitzenden der Shnagogengemeinde Herrn Ndewald, dieser dem Herrn Landrath, der beiifelbeii mit passenden Worten an den Rabbiner Dr. Frank ans Köln weitergab. Derselbe schloß die Thür auf, und nnter Orgelbegleitnng zogen die Festtheilnehmer in die Synagoge ein. Run ergriff Herr Rabbiner Dr. Frank das Wort zu einer Weiherede, wie sie an tieferer Empfindung und größerem Eindruck ans die Zuhörer bei ähnlichen Anlässen wohl kann, gewesen sein dürfte. Es ist unmöglich Einzelnes ans der Rede besonders hervorzuheben, denn kämen wir bei solchen! Auszüge anr Schluß an, so würden wir die Rede wohl wörtlich — und das gestattet uns der Raum aber nicht — wiedergegeben haben. Den Schluß des Weiheaktes, an welchen! auch die Herren Landrath Spring, Bürgermeister Evers und Vertreter der städtischen Körperschaften theilnahmen, bildete wiederChorgesang, welchem alsdann noch der übliche Gottesdienst folgte. Abends fand ein sehr gut gelungenes Symphouiekonzert im Saale des Herrn Rosemann (Westfälischer Hof) statt. Sonnabend versammelte sich die israelitische Gemeinde zur Abhaltung ihres ersten Sabbath - Gottesdienstes wieder in der neuen Synagoge, wo Herr Rabbiner Dr. Frank die Andächtigen in gleicher Weise wie am vorhergehenden Tage durch die Gewalt seiner Worte sortriß. Un: 2 Uhr folgte sodann die öffentliche Feier durch ein glänzendes Festessen, bei deni Dr. Frank den Kaisertoast ansbrachte und in wahrhaft herrlichen Worten die israelitische Gemeinde hoch leben ließ. Es folgten noch Toaste der Herren Dr. Steilberger, Jacob Gans. Koppel u. s. w. Die schönen Festtage bleiben sicher Allen in treuer Erinnerung. L. Herford, 8. Januar. Am 5. d. M. feierten dahier Rabbiner Dr. Hulisch und seine Gattin nnter allgemeiner Theilnahme das Fest der silbernen Hochzeit. Obwohl das Jubelpaar in bescheidener Weise eine offizielle Festlichkeit nicht beabsichtigte, ließen sich doch die zahlreichen Bekannten und Freunde die Gelegenheit nicht entgehen, demselben ihre Sympathien entgegenznbringen. Von allen Seiten, nah und fern, gingen mündliche, schriftliche und telegrapische Glückwünsche, Blmnenspenden und geradezu kostbare Geschenke ein. Allen voran aber feierte in hochherziger Weise die jüdische Gemeinde ihren Seelsorger. Im Laufe des Vormittags erschien eine Deputation des Vorstandes und der Repräsentanten, deren Vorsitzender, Herr Westfeld, unter Ueberreichnng eines beträchtlichen Geldgeschenkes eine ergreifende Ansprache an den Jubilar hielt, den Wunsch und die Hoffnung aussprechend, es möge dem Jubilar und seiner wackeren Gattin vergönnt sein, in dieser Gemeinde auch das goldene Ehejubiläum in gleicher Rüstigkeit und Frische zu feiern. Abends versannuelten sich die Gemeindernitglieder zu einen! Festgottesdienste in der hellerleuchteten Synagoge, ohne Wissen der Gefeierten, und der Jubilar, sichtlich erfreut und ergriffen über diese sinnige Ueberraschnng, dankte in einer kurzen aber warm empfundenen Ansprache den Erschienenen und Allen, die ihm an seinem Ehrentage so viele Theilnahme. Liebe und Treue entgegengebracht, die Gemeinde segnend und ihr gelobend, auch fernerhin seine Kraft dem Gemeiudewohl zu widmen und ihr nach besten! Können zu dienen. Der Franenverein, dessen Vorsitzende schon seit Jahren Frau Dr. Hulisch ist, gratnlirte ebenfalls offiziell unter Ueberreichung zweier werthvoller und praktischer Haushaltnngsgegenstände. Daß auch die übrige städtische Bevölkerung dem Jubelpaare Verehrung und Achtung entgegenbringt, zeigen die Festberichte in den Tageszeitungen, die innigen Glückwünsche des Stadtoberhanptes, des Pastors Schenkberg, welcher persönlich erschien und die Blunienspenden und Glückwünsche, die auch von dieser Seite sehr zahlreich eingiugen. Möge die Vorsehung den! allgemein geschätzten Ehepaare eine noch lange Reihe von Jahren des ungetrübtesten Glückes verleihen! n. Essen-Ruhr, 12. Januar. Die unerquicklichen Streitigkeiten, welche seit 1894 in den 1856 ins Leben gerufenen „Verein israelitischer Lehrersür Westfalen und Rheinpr o vi nz" hineingetragen waren und dessen segensreiches Wirken hätten schädigen können, sind urunnehr beglichen. Mit Recht hat der Vorsitzende besagten Vereins. Hauptlehrer Graf-Essen, im Jahresbericht 1896 betonen können: „Roch ein anderer Faktor war es, welcher zum festgefügten Bau beigetragen hat." Es ist die Einigkeit, welche seit den! Bestehen des Vereins und seiner Unterstützungskasse seinen Vorstand und seine Mitglieder beseelt hat. Dieses Bild änderte sich durch Gründung des neuen Vereins, dein der Raine des bereits bestehenden Vereins gegeben wurde, und ulanche Gemeinde und Gönner des alten Vereins glaubten, dieser sei aufgelöst. Doch Dank der Energie, Umsicht und Rührigkeit des- (obengenannten) Präses des Vorstandes wurde die Gefahr abgewendet, es hob sich sogar das Interesse für die Unterstütznngskasse in erfreulicher Weise; einige Gönner, voran der Herr Rabbiner Dr. Frank-Köln, bethältigten ihr Wohllvollen durch Anregung zu Beiträgen in ihren! Kreisv. —Nun ist auch das Einigungswerk hoffentlich gesichert. Herr Graf, als Vertreter des alten Vereins, in Verbindung mit-Herrn Eppstein-Hopstädteu für den Westdeutschen israelitischen L. V. und des K. V.. dessen Mitglieder schon zuni Theil auch den! israelitischen V. für Wests, und Schl, angehören, haben sich über die Bedingungen des Zusammenschlusses geeinigt. Die Verwirklichung bleibt selbstredend der Genehmigung der zu Pfingsten in Minden tagenden Generalversammlung Vorbehalten. Der V. i. L. für Wests, und Schl, zählt 107 Mitglieder, ist wohl der älteste und größte israelitische Lehrerverein Deutschlands und wächst durch den Zusammenschluß wesentlich. Seine Vorstandsmitglieder fanden sich an! 7. Januar in Essen zu einer Sitzung ein. Da der Jahresbericht demnächst erscheint, mögen hier nur einige Zahlen auf seine Leistungen Hinweisen: Das - Grundkapital hat sich seit 5 Jahren von 82 000 auf 107 825 Mark verinehrt; die Eingänge des abgelaufenen Jahres betragen 14 918 Mark. Zur statntenlnäßigen Vertheilung kommen 8670 für 172 Ouoten, also die Quote 50 Mark, 6 Mark gegen das Vorjahr n,ehr. Möge der Verein, der sich die Hebung der idealen Bestrebungen des Lehrerverbandes und die Unterstützung dienstunfähig gewordener Lehrer, der Wittwen und Waisen zur Ausgabe gestellt hat, auch lveiter wachsen zu»! Segen. Das walte Gott! v. Sayn, bei Coblenz, 12. Januar. Inder „ Israel i tischen H e i l- und PflegeanstattfürNerven« u u d G e m ü t h s k r a u ke " dahier j fand am 31. November v. I. eiu schönes Fest statt. An diesen! Tage waren 25 Jahre verflossen, daß Herr Dr. Behrendt die ärztliche Leitung der Anstalt übernonnnen hatte. Die Anstalt beging dieses seltene Jubiläutt! in festlicher Weise. In den schön geschmückten j Räumlichkeiten versammelten sich Abends 7 Uhr die Farnilien der - Besitzer und Aerzte, die geladenen Gäste, darunter auch der Bürgerj meister und Gemeindevorsteher, sowie die sämmtlichen zur Theilnahme I fähigen Patienten. Zunächst wurde in einem der Speisesäle. der zu j einen! Theatersaal hergerichtet war, die Märchenoper „Häusel und! Gretel" von den Kindern der Anstaltsbesitzer in tadelloser Weise aufj geführt. Hieran schloß sich das Festessen. Herr Jacoby feierte in j einer wirkungsvollen Ansprache die Verdienste des Jubilars um das! Gedeihen der Anstalt und dessen segensreiche ärztliche Thätigkeit j während des laugen Zeitraumes von 25 Jahren und gab seiner und seiner Familie Dankbarkeit beredten Ausdruck, Nachdem das Festessen unter den Klängen einer Musikkapelle, unter Reden und dem Absingen von eigens gedichteten Festliedern einige Stunden gewährt, begab sich die Gesellschaft wieder zurück in den Theatersaal, um der Fortsetzung der Festvorstellung, die aus mehreren Nummern bestand, beizuwohnen. Von Nah und Fern waren telegraphisch und brieflich Glücklvünsche in zahlreicher Menge eingelaufen und eine große Zahl von früheren Patienten erschienen, dafürZengniß ablegend, welcher Verehrung der Jubilar sich erfreut. Auch wir wünschen, daß es demselben vergönnt sein möge, noch viele Jahre seine segensreiche Wirksamkeit zu entfalten. Frankfurt a. M., 3. Januar. Der Israelitische Hilsßverein (Verein zur Beschränkung des Wanderbettels und zugleich Auskunftsstelle für seine Arlnenpflege) versendet seinen 17. Jahresbericht. Nach diesem wurden 6580 Mark (gegen 5186 im vorigen Jahr) an Unterstützungen verabreicht, aus den! Spezialfonds 36195 Mark gegen 32 258 Mark ansgegeben. Im Aufträge des Rosch-Chodesch-Vereins erfolgte die Vertheilung von 5900 Mark in monatlichen Spenden. Die Beiträge der Mitglieder beliefen sich auf 6370 Mark, an Geschenken gingen 330 Mark ein, der Kapitalfonds hat 4400 Mark von einzelnen Spendern erhalten. Die Gesammtansgabeu beziffern sich ans Mark 46 232,45, die Einnahmen auf Mark 43 469,41. Als ein Beispiel, in welcher Weise unsere Glaubensgenossen ausgebeutet werden, wird in dem Bericht folgender Vorfall ans der letzten Zeit angeführt: Von der Polizei wurde ein galizischer Bettler, der von Haus zu Hans seinem Gewerbe nachging, festgenonnuen und in seinen! Besitz ein Sparkassenbuch über nicht weniger als 18 000 Mark sowie 40Mark in baarem Gelde vorgefunden'.— Zugleich mit dem Jahresbericht foninit auch der Bericht über die Verhandlungen der Delegirtenversammlnng israelitischer Gemeinden und Unterstützungsvereine ans der Provinz Hessen-Nassau und dein Großherzogthum Hessen, die au! 22. Oktober hier stattgefunden hat. Der

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