Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-01-19 · Heft 3 (19.1.1900) · p. Seite 36

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 3 (19.1.1900)
Date
1900-01-19
Page
Seite 36 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/3224737-3228365-3228369--56107-3292383
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

36 Sehr geehrter Herr Redakteur! 68)a Ihr geschätztes Blatt nun einmal die in jüdischeil Studenteu- <33 kreisen herrschenden Ströninngen irr den Kreis seiner Betrachtungen gezogen hat. so gestatten Sie wohl auch einem Vertreter der großen Mehrzahl der jüdischen Studirenden das Wort, eillem Studenten, der überhaupt keiner Korporation angehört und der es gleich seinen zahlreichen Freunden ulld Gesinnungsgenossen au allen Universitäten Deutschlands ablehnt, eillem jener Vereine und Verbilldullgen beizntretell, die „das Indellthllttl auf ihre Fahne geschrieben haben". Der Schreiber dieser Zeilen verkennt llicht, daß gegenüber dem Antisernitismus ein starkes Selbstbewnßtsein Roth thnt, er verurtheilt aufs Schärfste die Haltung der Posener jüdischen Studentenschaft in Sachen der Goethefeier als eitle „beklagenswerthe Selbsterniedrigung"; er hält es für die Pflicht jedes deutschen Studellten jüdischen Glaubens, Anfeindullgell und Schnlähungen seiner Religion in gebührender Weise Ullnachsichtlich entgegen zu treten. Er weiß sich in diesen Bestrebungen eins lllit beu Angehörigen der jüdischen Studentenverbindungen, auch er hält gleich ihilen körperliche Allsbildung jeder Art für höchst erstrebenswerth, er sieht aber in der Grnndthatsache der offenkundigen Separatioll — und nlag auch die Ausschließung von den Allgemeinverbilldullgen noch so daraus hillweisen — eine Einseitigkeit, eine Verschärfllng der konfessiollellen Gegeilsätze. Der Angehörige einer jüdischell Verbilldmlg ist mld bleibt in den Allgell der christlichell Koulmilitollen immer llur der jüdische Student, - so sehr der jüdische Student, daß fein Deutschthum darunter verschwindet; erwirb immer — ich beklage diese Thatsache — nlir als der Vertreter von Sonderinteressen angesehen. Es hält sich wegen dieser prononeirteil Stellung der christliche Student nach Möglichkeit fern, währelld der unabhängige jüdische Student mit seinen christlichen Kommilitonen — selbstverställdlich darf er llicht in dem Verkehr mit diesen eine besolldere Ehre sehen, lvie es ja leider oft geschieht - mehr in Berührung konlmt, sie so iil Gesprächen belehren kalln, daß auch er deutsch denkt unb deutsch fühlt, daß Jude sein unb Deutscher sein, keine Gegensätze fiub. Als Juden in religiöser Gesinnung, in gleicher Weise als Deutsche der Nationalität nach, so ist die Mehrzahl der jüdischen Studirenden erzogen'; diesell unseren Anschanlmgen rnüssen wir Ausdruck geben tm Sinne Gabriel Rießers, der Jeden, der ihm sein Deutschthum raubell wollte. als einen elenden Verleumder erklärte. Aufklärend nach dieser Richtung wirken, können wir aber nur — auch ohne Schmälerung llnseres Selbstbewußtseins —, wellll wir keiner jüdischen Sonderverbindung angehören; daher erklärt sich die Thatsache, daß liur ein geringer Bruchtheil der jüdischen Studirenden den betreffeilden Verbindungen angehört. Ich persönlich stehe fast durchweg auf denl Standpunkt des bekailnten Straßburger Professors Theobald Ziegler, der in seinem Buche „Der deutsche Studeilt am Ende des 19. Jahrhullderts" in vorurtheilslosester Weise alle Phasen des Studellteillebens behandelt uild auch alle SeparatiollsgeLüste konfessiolleller Art — mögell sie voll Christen oder Judell ausgehen — verurtheilt. Ich begrüße, wie es den voll mir entwickelten Anschauungen entspricht, mit Frendell die Konstituiruilg der Berliner Finkenfchaft als geeignet, Gegensätze 311 vermitteln lind den Frieden unter jüdischen und christlichen Studellten zu fördern; es ist daher zu wünschen, daß all allerl deutschen Ulliversitäten „Finkenschaften" erstehen. Was zllm Schluß die in Nr. 50 erwähllten Weihnachtsklleipen betrifft, so betrachte ich dieselben, solveit nlir als nichtiukorporirtem Stlldelltell ein Urtheil darüber zukonimt, nicht als Verallstaltungen. die ben Charakter des betveffenben Vereills verschleiern, die vielmehr ein spezifisch deutsches Recht in spezifisch delltscher Weise feiern sollen. Ich kann mir aber wohl vorstellen, daß in gewissen Fällen galrz alldere Motive zu ben Weihnachtskneipen Veranlassung geben, und dagegeil mlltz lnan energisch Front nlacheil. Ein deutscher Student jüdischen G l a ll b e n s. Geehrter Herr Redakteur! 68^ie ill Nummer 45 der Allgemeinen Zeitung des Judellthums, <33 Seite 531 enthaltene Bemerkung, daß David Kaufmallll s. A. ein elltschiedener Gegner des Zionisrnns gewesen ist. kann ich aus eigener Wahrnehmung vollinhaltlich bestätigen. Ende Dezember 1897 besuchte ich ihn in Blidapest; im Laufe des Gespräches, das sich über verschiedelle wissenschaftliche lind religiöse Fragen erstreckte, erklärte er llur seine volle Uebereillstimmung mit den von mir einige Wochen zuvor im „liberalell Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin" gehaltenen Vortrag gegen ben Zionismus. Wie über alles, was in der jüdischell Welt vorgillg, war er auch über den Jilhalt dieses Vortrages, der erst später gedruckt worden ist, nnb über die turbulenten Szenen, die sich dabei abgespielt hatten, wohl unterrichtet: er erblickte ebellso wie ich, im Zionismus eine Gefahr für das Judenthum, tröstete sich aber mit der Hoffnung, daß die zionistische Bewegullg, die etlvas künstlich Gemachtes sei und der historischen Entwickelung des Judenthllttls zuwiderlaufe, bald allshören werde. — Daß Kaufmann seitdem seine Ansicht geändert habeil sollte, ist mir nicht bekannt gewordell. Mit hochachtungsvollem Grnß Stettill. 10. Dezember. Dr. H. Vogelsteiil. Sehr geehrte Redaktion! l^^ein Herr Kritiker im „Sprechsaal" der Nummer 1 vom 5. Jarlllar Ihres geschätzten Blattes thut mir, lvie ich ihm hiermit gewissenhaft bezeuge, Unrecht, wenn er mich der Bibelunkeuntniß zeiht, die ich in llleiuem Aufsatz im „Berliner Tageblatt" (Nr. 596, 1899) über „Bibelwort i m V 0 lksmunde" bewiesen haben soll. Alle die „Berichtigungen", die Herr Dr. Ecksteill-Bamberg mir zu Gemüthe zu führen sucht, sind nämlich solche Bibelworte' die sowohl inl Altell lvie int Neuen Testamellt stehen- Und bei diesen! Stand der Dinge darf ich doch wohl, welln ich als Fellilletonist einen Artikel fertig gestatten will — dieweil variatio, lvie schon die Römer wußten, ckelsetat — bei sageil wir fünf Bibelworten, die sämmtlich in beiden Theilen der Bibel sich finden, zwei dem Neuen Testament entnehmell und zwei dem Alten — oder umgekehrt? Ein frischer Zeitullgsaufsatz. denl der Tag das Kolorit giebt oder geben soll, ist keine wissellschaftliche Abhandlung, ill der mau mit Behagen Quellenforschung treibt. Ulld ferner: des Kritikers Fragezeichen zu Uleinenl Excurs über das Ordenskapitel des Bischofs Chrodegang von Metz ist kein Gegenargument; was soll solch ein schwaches „doch wohl nicht"? — In einer Kleinigkeit hat Herr Dr. Eckstein gegen mich Recht: „Die Tage die uns nicht gefallen" citirt ein Kollege Hiobs nicht „im Psalmtoll", sondern aus Koheleth. Ich danke verbindlichst. Berlin, Januar 1900. Dozent Theodor Kapp st ein, Redakteur des Berliner Tageblatts. * Hochgeehrter Herr Redakteur! Öfen der mir soeben zugegangenen „Zeitung des Judenthums" finde 3g ich auf Seite 12 folgende Notiz: „Gut Woch" Verlag von Dr. W. Kallfnlalln, Leipzig. „Gut Woch" ist eine Fortsetzung mehrerer humoristischer Blätter, die hier als Festschriften für den „Verein der Freimüthigeil" vor 10 unb 5 Jahren erschienen sind, u. s. w. — Ich bitte freundlichst davon Notiz zu llehmell, daß der Verein der Freimüthigen in keiner Beziehllllg zu dent genannten Blatte steht ulld daß der Titel „Gilt Woch" ohne nnfer Vorwissen und gegen unserll Willen gebraucht wird, da in nächster Zeit eine Neuausgabe von „Gut Woch" geplant ist. Mit vorzüglicher Hochachtung B e r l i lt, 5. Januar. G 0 t t h e l f N a t h a ll s 0 n, geschäftsführeltder Vorsitzender. * Sehr geehrter Herr Redakteur! Öfen der Voraussetzung, daß ruanchen Kollegen und auch Vorständen 3g von Armenvereinen damit eül Diellst geschieht, würde ich Sie höflichst bitten, die Mittheilung abzudrucken, daß^mir, vermuthlich von einent durchreisendell Schilorrer ein Stempel: „Dr. S. Freund—Rabbiner" (ohne Orts all gäbe) entwendet worden ist. Da ich Niemandenl eine Schnorr-Empfehlmlg ansgestellt habe, so erkläre ich jede ill nleinenl Namen ausgestellte für gefälscht und würde eventuell bitten, dieselbe vorkommendell Falls anzuhalten. Ostrowo, 8. Janliar. Dr. S. Freund, Rabbiner. * in einer der letzten Nummern veröffentlichte Uebersetzling des (33 Chanukah-Festliedes von Schwanthaler ist der im Verlag voll I. Kau ffmann in Frankfllrt a. M. erschienenen „Tefillath Israel" entnommen. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.