Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1900)
- Date
- 1900-01-19
- Page
- Seite 28 (sequence 6)
- Language
- German
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28 merksamkeit wird zu wenden müssen, um Angesichts der vielen Schwierigkeiten, die ncui) zu überwinden sind, aus dem Stadium der Experimente zu einem gedeihlichen Resultat zu gelangen. Erst jetzt wird die Denkschrift bekannt, welche Ohm Krüger der Präsident von Transvaal, feinem Volksraad eingereicht hatte, um die von ihln beantragte Emanzipation der Juden und Katholiken 31t rechtfertigen. Der Passus von den Inden lautet wie folgt: „Der Grundsatz, wegen konfessioneller Unterschiede Jemand vorn Genuß der Bürgerrechte ausznschließen, ist durch die Geschichte verletzten Jahrhunderte ein Gegenstand der ernsten Ueberlegnug geworden. Bezüglich der Juden muß ein christliches Volk sich die Frage vorlegeu: Kanu ein christliches Volk, fcuui eine christliche Regierung aus dem gesellschaftlichen Gebiete Beschränkungen aufrecht erhalten, welche die Inden inmitten der Völker der Welt in ihrer Entwickelung hemmen und durch die sie in eine gedrückte Lage gebracht und gleichzeitig von der Wahrheit in Christus serngehalten lverden? Hierauf antworten wir sreimüthig Nein! Die kalvinistische Einseitigkeit, die man bisher gezeigt, ist eine geistige Ueberhebung. Diese Ueberhebnng auf geistlichem Gebiete wird übertragen auf das politische Gebiet, insofern wir wegen der uns doch nur aus Erbarmen geschenkteil Erleuchtung die Inden als die Geringeren zurückdrängell und von den bürgerlichen Rechten allsschließen. Durch diese Geringschätzung wird stets bei ihnen der Haß gegen das Christenthum genährt. Dagegen liefert die Geschichte der testen Jahrhunderte den Beweis, daß in den verschiedenen Ländern, wo die Inden das Bürgerrecht erhalten haben, das Christenthum viel mehr Eingang bei ihnen gefunden hat und statistisch kann nachgewiesen werden, daß dort die meisten Bekehrungen von Inden erfolgen." Diese Sprache von Krüger charakterisirt den Mann wie sein Volk in vorzüglicher Weise! Verband der jüdischen Fet/rervereine im Meutschen Reiche. Ser erste Verbandstag des Verbandes der jüdischen Lehrervereine, welcher am 26. und 27. Dezember 1898 zu Berlin abgehalten wurde, hatte ein anßerm.-dentlich reiches Arbeitsprogramm zu erledigen. Ill zwei Verhandlnngstagen hat derselbe eine Anzahl von Beschlüssen gefaßt, die voraussichtlich von weittragender Bedeutung für die Zukunft der jüdischen Lehrer wie der jüdischen Schule sein werden. Aufgabe des neu gewählten Verbandsvorstandes war es null, diese Beschlüsse zur Ausführung zu bringen sowie auch denjenigen Fragen näher zu treteil, die, weil sie zur Zeit der Berathung noch nicht spruchreif erschienen, von den Delegnten dem Vorstande zur weiteren Veranlassung überwiesell lvorden fitxb. Der Beschluß der Delegirtenversammluug „der Vorstand lvird erinächtigt, eine Denkschrift über die Verhältnisse der jüdischen Volksschule abzufassen" irnlrde einer Kommission überwiesen, welche aus ben Kollegen B l n m e n fel d- Adelebsen als Vorsitzellden, A lllr a m - Borken, L i ep m a u n s 0 h n - Minden und Dr. H'e i l b e rg-Euskirchen bestand und welche den Kollegell Spa tz-Affattrach kooptirte. Die Konnnissiorl hat eine Denkschrift entworfen. lvelche deni Vorstände in der am 25. Dezember v. I. 31t Berlin stattfindenden Sitzung vorgelegt unb nach erfolgter Genehmigung durch denselben zur Vertheilnllg an Gemeinden und Lehrer gelangell wird. Eine zweiteKonimission, besteheild ans dellKollegen Steil:Hardt- Magdeburg als Vorsitzenden. B ernh a rd-Tarnowitz, Levy-Neuß llnd Graf-Essen, lvurde berufen, um die Frage der Begründung einer periodisch erscheilienden Verballdsschrift zn prüfell. Die Kommission, welche die Kollegell Mn l l e r-Müllheün inid P eri H-Königsberg kooptirte, hat vorgeschlagen, vom 1. April nächsten Jahres ab eine pädagogische Mollatsschrist znnl Jahrespreise voll 3 Mark erscheinen zu lassen, vorausgesetzt, daß sich nlindestells 400 Kollegen zu einem Abonnement auf zwei Jahre verpflichten und eine genügende Anzahl von Mitarbeitern gesichert ist. Zu diesem Zwecke hat sich die Kommission wiederholt an die Vereinsvorsitzenden sowie mit 1000 Aufrufen unmittelbar an die jüdischen Lehrer gewandt. Ein definitives Ergebniß steht zur Zeit noch aus. Die Kommission wird das eingegangene Material einschließlich eilles Programrnartikels dem Vorstande zur eildgiltigeil Beschlußfassung unterbreiten. Eille dritte Kommission, welcher die Kollegell W ertHeinier- Heldenbergen als Vorsitzender, Fein er-Hamburg, Sturmann- Osterode und Becker-Wollstein angehören, wurde berufen, itm Material für den im Prinzip gefaßten Beschluß der Delegirten auf Begründnllg"eines Stelleuuachweises für die Mitglieder des Verbandes zu sammeln. Die Kommission hat auf Grundlage eilles Entwlnfs des Kollegell Becker ein Statut entlvorfen, nach dem der!Nachweis organisirt lverden soll und lvird dasselbe der ilächsten Delegirteuversalnmlllilg zur Genehmigung ullterbreiteil. Die von den Delegirtell gefaßte Nesollltiorl: „deil Gemeindebund zu ersnchell. bei den Gellleiilden dahill 311 wirkeil. daß dem Lehrer Sitz lnrd Stimme inlSchlllvorstandeeirlgerällmt werde" wllrdedenlGemeindebnnde alsbald übermittelt, mld dieser verfehlte nicht, in den „Mittheilnilgen" Nr. 51, Mai 1899, S. 31, dell ©emeinbeit dringend zu empfehlen, diesem berechtigteil Wunsche der Lehrer 31t entsprechen. Inwieweit die Gemeillden dieser Mahnung gefolgt sind, entzieht sich unserer Kenntnifinahlne; wir bitten die Herren Kollegen, uns Kellntniß davon zn geben, ob die Gemeindebehörden darüber in Berathung getreten mtb lvelche Beschlüsse gefaßt wvrdell silld. Jlll Anschluß ail die Berhalldlmlgen des Delegirtentages, die Vorbildmlg der jüdischen Lehrer betreffend, hatte der Vorstand den Vereinen die Berathung folgenden Themas anheimgegeben.' „Welche Allforderullgell mi'rssen all die jüdischen Lehrer lmd Lehrerbildnngsailstalten gestellt und von beideil erfüllt werdell?" Die meisteil Vereine haben ill ihrer diesjährigen Versammlnllg dieses Thema behandelt; die eiugegallgenen Referate silld dem Kollegell Dr. S p a n i e r-Magdeburg zur Bearbeitung übergeben worden, welcher dem Vorstände in der Sitzung Bericht erstatten wird. In zahlreichen Fällen hat der Verbandsvorstand, gemäß 8 58 der Statuten, die Standesillteressen der jüdischen Lehrer 31t wahren gesucht und ist jeder Verkünnnerllng uilserer Rechte nachdrücklich entgegengetretell. Zn besonderem Danke fühlen wir uns hierbei Herril Rechtsanwalt Dr. Engen Fuchs ill Berlin verpflichtet, der allezeit uns zur Seite gestallden und uilsere Interessen energisch vertreteil hat. Als ill jüdischen Lehrerkreisen sowie in der jüdischell Presse die Befürchtung ausgesprochen wurde, daß den Zöglillgen der jüdischen Senlinarien die Berechtigung zum einjährig-sreiwilligen Militärdienst vorenthalten werden würde, wandte sich der Verbandsvorstand an die Herren Leiter der jüdischen Lehrerbildungsanstalten und ersuchte dieselben um Anskllllft über den Stand der fraglichen Angelegenheit. Die Antlvorten ergaben leider eine Bestätigung jener Befürchtung. Darauf richtete der Vorstand am 8. Jlini eine Eillgabe an den Herrli Kultusminister, „der Herr Minister wolle die Prüfllngskonnuission der jüdischen Lehrerseminarien ermächtigen, ihren Zöglingen nach ordnungsmäßigem Besllch dieser Seminarien nnb nach bestandener Seminar - Entlassnngsprüfung Zeugnisse für die lvissenschaftliche Besähignng znm eiiljährig - freiwilligen Dienst anszustetten". Da auf die eingehend begründete Petition ani 6. Juli seitens des Herril Kultusministers eine abschlägige-Antwort erfolgte, richtete der Verbandsvorstaud am 11. September eille weitere Petition an den Herrn Reichskanzler; leider erfolgte auch auf diese Bittschrift am 5. Dezember ein ablehnender Bescheid. Der Borstaild ist entschlossen, fein gesetzliches Mittel unversucht zu lassen, den jüdischen Lehrern 31t ihrem Rechte zu verhelfen; über die Mittel und Wege, die nunmehr zn beschreitell sind, wird der Verbandsvorstaud in feiner diesjährigen Sitzung in Berathung treten. Eine besondere Aufmerksamkeit wandte der Vorstand der Entwickelung der Peilsiolls-, Wittwenmld Waisenkasse des Verbandes zu. Die Satznllgen derselben haben anl 7. März die Genehmigllng der Herreil Minister des Jllnern ulld der geistlichen Allgelegenheitell erhalten; ani 9. Oktober erfolgte die landesherrliche Erlaubniß zur Annahme der uns gewordelleil Zllwendullgen. Inzwischen hat sich das Kuratoriuul der Kasse konstitnirt nnb tu mehreren Sitzungen über die voll vielen Seitell gewünschte Herabsetzung der Mitgliederbeiträge berathen. Nach eingehender Vorprüfullg dllrch eilte Kommission