Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1900)
- Date
- 1900-01-12
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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64. Jahrgang, tlr. 2. HZeitage Lerlin. 12. Januar 1900. zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. S. Berlin, 7. Januar. Die heutige Repräsentantenv ers a \\\ m l u u fl wurde vom Vorsitzenden mit dem Wunsche eröffnet, daß es der Versammlung auch im neuen Jahre vergönnt sein möge, wie bisher iu friedlicher Arbeit die Geschäfte der Gemeinde zlnn Segen ihrer Mitglieder zu erledigen. Alsdalln giebt der Vorsitzende der Versanilnlung Kenlitniß von dem Ableben des Herrn Adolf Ruß, der in den Jahren 1879—1895 der Gemeinde treue Dienste geleistet hätte und dessen Andenkeli das Repräsentautenkollegium stets in Ehren halten werde. Die für die erste Sitzung im neuen Jahre fällige Neuwahl der Vorsitzenden llnd der Schriftführer ergab bezüglich der Vorsitzenden die bisherige Zusammensetzung. Herr Lonis Sachs erhielt unter 17 Stinunen 13, 4 Zettel waren unbeschrieben. Justizrath A pol aut als erster stellvertretender Vorsitzender erhielt 9 Stimmen unter 18 abgegebenen, 9 Zettel waren unbeschrieben. Als zweitelstellvertretender Vorsitzender lvnrde wieder Herr G u sta v L ö wen b erg gelvählt, der unter 18 Stimmen 17 erhielt. Da der bisherige Schriftführer Professor Blas chke von seiner Wiederwahl Abstand zu nehmen bat, wurde an dessen Stelle Herr Willibald Löwenthal. der 12 unter 17 Stinunen erhielt, zum Schriftführer und Professor Bla sch ke znm stellvertretenden Schriftführer mit 16 unter 17 Stimmen gewählt. — Zur Ergänzung der ständigen Ausschüsse I und 11 wurde an Stelle des verstorbenen Herrn Albert Philipp Meyer auf Vorschlag der Kommission Herr Willibald Löwenthal gelvählt. — Der Rechnungsabschluß der F ü i* f o vg e! o m m i} fi o u wird von Herrn Oppenheim erstattet. Die Resultate der Kommission, die wir in einem besonderen Artikel besprechen. können als sehr erfreulich bezeichnet werden. Die Thütigkeit ist ausgedehnt worden, und es erstreckt sich jetzt die Fürsorge auf Strafgefangene, Familien voll Strafgefangellen und auf verwahrloste jugelidliche Personen. Die Vorlage wird mit der Nachbewillignng des Mehrverbrauches von 782,77 Mark angenommen. Der Bericht über die Revision der Hauptkasse, der Centralkasse uild der Stenereinziehungsstelle wird nach kurzem Referate gellehmigt. — Es folgte daun eine Interpellation betreffend die Thütigkeit der N abb iu erlv ahlkom m i ss i on. Er hätte, so führte Interpellant Professor Lewiu ails, beu einen Punkt herausgeholt ans einer ganzen Reihe von Dingen, die seit Jahren sein Befremden erregt hatten. Er könne nicht einen, sondern eine Reihe von Beschlüssen ans Kommissionsberathnngen mittheilen, die schließlich im Sallde verlausen seien oder sich in einem Zustande befälldeil, beu mau vielleicht büreaumäßig in suspenso bezeichnen könnte, die aber thatsächlich begraben seien. In diesem Stadium befände sich auch die Frage betreffs Abgrellzuilg der'Thütigkeit der Rabbiiler lind Kantoreil. In einer der Kommlssioussi Hungen sei vom Vorstalld selbst der Antrag gestellt lvordeil. feinen Rabbiner zu wühlen, bevor diese Frage erledigt wäre. In der That sei auch im Vorstand die Neigung und der Wunsch vorhallden gewesen, die Sache zll einen! endlichen Allstrag zu briligen. Es sei jedoch zllr Erlediguilg dieser Allgelegenheit bisher liichts geschehell. Innerhalb eilles Jahres sei eine einzige Sitzung in dieser Frage gelveseu. Wie groß auch die Unterschiede zwischell ben Parteien in der Versaunnlllllg sein nlögen, der Wunsch müsse ihnen gemeillsam sein, daß das, was beschlossen würde, auch allsgesührt werdeil müsse. Herr Vorsteher Jacoby erlviedert, daß die Arbeit der KonlUlission bereits im Jahre 1897 für beendet erklärt worden sei. Die Komnlission wollte sich lliit dieser Sache ails denl Grunde llicht besassell, da die Rabbiner bezüglich ihrer Thütigkeit feste Verträge mit der Gemeinde hätten. Man köllne auch llicht allen Rabbinerll bestimmte Bedingungen stellet!. Dian müsse unterscheiden zwischen den hervorragenden Rabbinern und Denen, deren Leistnllgen llicht so große seien. (!!) Hiernach seien auch die Jnstruktionell zu be- , messen. Die Versammlung möge doch den Kommissionen Aufgaben I ertheilen. die sie zu erfüllen im Stande seien; sie niöge allch ein Reglement für die Rabbiller ansstellen. Infolge der Neuanstellnng der beiden Rabbiner werde man jedoch nothlvendig auch diese Frage loieder in ErwÜgullg ziehen tniiffen und hoffentlich zll deren Lösnllg konnnen. Einen Normalbesoldullgs-Etat köllne die hiesige Gemeillde. lvie er bereits einlnal allsgeführt hätte, wohl für die unteren Bealnteu, aber nicht für die höheren durchführen. Die Vorlage befände sich innerhalb des Vorstandes in der zlveiten Lesung. Aus Antrag des Interpellanten, der genügende Unterstützung erhält, finbet eine Besprechung der Allfrage statt. Professor Lewin lveist auf den Widerspruch in den Anssührungen des Vorredners hin. der zunächst den Antrag für Mlansführbar erklärte mld bann dessen Erwägung in baldige Allssicht stellte. Es wäre sehr wohl Gelegenheit gewesen, den Rabbinern ein bestimmtes Arbeitsprogrannn znzuweisen, da vor gar nicht langer Zeit erst die lebenslänglichen Korrtrakte mit ihnen abgeschlossen worden feien. Er habe die Ueberzengnllg. daß seine Anregung genügen lverde, mit beim Vorstalld ein schnelleres Telllpo in diesen Dingen zu veranlassen. Herr Vorsteher Jaeoby erklärt, daß die Erwägungen, die jetzt angestellt würden, grnndverschiedeil voll ben früheren seien. Er halte die Abgrellznng der Thütigkeit der Rabbiner für llothlveildig. aber er köllne lloch llicht entscheidell, ob sie möglich seiil werde. — Debattelos wurden alsdann die nächsteil drei Punkte belvilligt, der Erlaß der Beiträge der Koscherfleischhändler znul Pellsionsnild Nllterstützungssonds, die Erhöhuirg der Sllbvelltioil an das jüdische Krankeilhaus in Memel auf 300 Mark für das Jahr 1900 itnb die Genehmigung eines neuen Miethsvertrages auf drei Jahre für beu Geflügelschlachthos. Eine sehr lange Debatte veranlaßte die Vorlage betr. Errichtung eines Baubürealls und Ailstellnllg eines Büreanbeamten. Die Nothwendigkeit eines derartigen Bürealls lvilrde voll Allell anerfannt, doch wurde voll mehreren Redilerll der Wunsch llach einer detaittirten Vorlage betreffs der Abgrenzung der Funktionen des Büreaubeamten ausgesprochen. Die Versammlullg vereinigt sich schließlich ausdell Alltrag Apo lallt, die Vorlage des Genleilldevorstalldes zu gellehlnigell und das Ersucheil all den letzteren zll richten, eine neue Vorlage betreffs der erwachsenden Kosten und der FlNlktionell des Beaultell zll veralllassen. Hiermit schloß die öffelltliche Sitzllna. der eille längere geheinle folgte. In der letztereil ist. wie wir von gut unterrichteter Seite vernehmen. Rabbinatskaudidat Dr. Warschauer als Prediger für die hiesige Gellleiilde auf ein Jahr mit absoluter Stimmenmehrheit gewählt lvordeil. Berlin, 7. Janliar. Volll Vorstalld des Verb all des der j ü di s chell Lehrerverei n e im Deu t schell Reiche erhaltell wir folgeilde Mittheilung: „Infolge seiner Berufung zur Leitung des Philanthropins in Frankfurt a. M. hat sich nilser erster Vorsitzeilder, Herr Direktor Dr. Adler, genöthigt geseheil. all den Verbaildsvorstand das Ersuchell zu richten, ihn bis auf Weiteres voll der Führung der Verbarldsgeschäfte zu dispellsirell. Der Verbandsvorstaild hat darallfhill in seiner letzten Sitzung die Leitnilg des Verbandes für die nächste Zeit dem 2. Vorsitzenden, Herr»! Lehrer S. Blumen selb in Adelebsell (Provinz Hailnover) übertrageil ulld ersucht die Eillzelvereine lind die Kollegen, alle Zuschriftell in Verbandsallgelegenheiten entweder denl llUlllnehrigeil geschäftsführenden Vorsitzenden SSlnntenfelb oder einem der beiden Schriftführer Steillhardt-Magdeburg oder Feiner-Halnbllrg zugehell zll laffen." S. Berlin, 8. Januar. Der „ Eentralverel n Deutscher Staatsbürger j ü d i s ch e ll G l a ll b e ll s " veranstaltete heute Abelid im großen Saale des Hotel Imperial (Schlaraffia Berolina) seine erste diesjährige Versalnullnng, welche sehr zahlreich besucht war. Nach einem interessanten Vortrage des Geh. Kanlmergerichtsraths Ernst Wi ch ert über „Biblische Dramenstoffe" gab lvie üblich der Vorsitzende Rechtsanwalt Dr. Horwitz einen Rückblick ans die Vorgänge der letzten Zeit. Nach einem^warm empfundenen Nachruf, den er ben verstorbenen Vereinsmitgliedern. den Herren Konlmerzienrath Julius Jsaac. Albert Philipp Meyer und Adolf Ruß. gelvidmet. theilte er die