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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-01-12 · Heft 2 (12.1.1900) · p. Seite 21

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 2 (12.1.1900)
Date
1900-01-12
Page
Seite 21 (sequence 11)
Language
German
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21 seine Pension als Rabbino maggiore onorario. — Von (literarischen Arbeiten des Verewigten sind besonders seine Teilnahme an der von Lnzzatto begonnenen italienischen Bibelübersetznllg zu nennen, in der der größte Theil von Hosea uitb Micha sowie die Bücher Daniel, Esra, Rehemia von ihm herrühren, sowie eine Biographie seines Schwiegervaters Jsaac Reggio zu erlvähuell. Seit der Nenbegründung des Vereins Mekize Nirdaminr gehörte er dem Komitee dieser segerrsreichen Litteraturaustalt an. Bei der Bestattung, welche Freitag stattfand, sprachen im Namen der Gemeinde deren Präsident Avv. Sereni und der Rabbiner Fornari, als Vertreter des Collegio Rabbinico Italiano der Präsident des Kuratoriums Bankier Prato sowie der gegenwärtige Direktor Ober-Rabbiner Dr. Margulies-Florenz; besoilders die meisterhafte Charakteristik, die Letzterer im Anschluß an Mal. 2,6 von dem Freunde und Kollegen entwarf, machte auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck. Dr. Ehrenreich war in der That ein wahrhafter, aufrichtiger Mensch von seltener Herzensgute und Milde, auch gegen Diejenigen, die ihm übel wollten, der in echter Frömmigkeit seine ganze Kraft der religiösen Erziehung seiner Gemeinde widmete. Ehre seinem Andenken! Neues von und über Lazarus. Von Dr. Bernhard M n n z. tie wahre, echte Wissenschaft ist nicht jene verkümmerte, verwachsene Wissenschaft, welche Gelehrsamkeit heißt, sondern die freie, hohe Wissenschaft, welche das Haupt emporhält, welche Hinunel und Erde in Einem schauen läßt und die ganze Persönlichkeit mit den: Bewußtsein der Welt durchdringt. Sie ist von der Ueberzeuguug getragen, daß eine gewisse Größe in der Behandlung eines Gegenstandes nicht aus intellektuellen Anlagen allein, sondern vorzugsweise aus der Größe des Charakters, aus einem freien, von der Gegenwart nie beschränkten Sinne und den nnergründeten Tiefen der Gefühle entspringt, und schlägt so eine Brücke vom Geiste zum Gemüthe. Sie seht die graue Theorie in des Lebens goldenen Baum um; sie wendet sich nicht allein an den Verstand, sondern auch an das Gefühl. Nicht trocken und hausbacken zu belehren, sonderll zu veredeln und anzuregen, darauf kommt es ihr an. Demgemäß tischt sie ihre Ergebnisse nicht tu jener von des Gedankens Blässe angekränkelten Zubereitung auf, welche dem großen Publikum nicht mulldet, sondern sie durchsetzt sie mit dem sinnigen, die Herzen erobernden Zauber der Unmittelbarkeit und haucht ihnen Leben und Odern eill. Ihr ist die herrliche, erhabene Aufgabe anvertraut, geistige Bergwerksarbeit für den Volksgeist zu verrichten. Ein Mann dieser Wissenschaft im besten Sinne des Wortes ist Moriz Lazarus, beit wir mit Stolz bett Unfern nennen. Mit lebendigen Ueberzeugungen erfüllt, sucht er auch uns lebendige Ueberzeugungen beiznbringen. Es erhellt dies unter Anderem auch in glänzender Weise ans der die populär-wissenschaftlichen Vortrüge über Juden und Judenthum inaugurirenden Schrift: „Was heißt und zu welchem Eilde studirt man jüdis che Geschichte und Litteratur?" (Leipzig,M.W.Kaufmann, 1900), mit welcher er ulls anläßlich seines fünfzigjährigen Doktorjubiläums überraschte. Lazarus gemahnt nlich in derselben au Carlyle. Dieser unterscheidet in der Geschichtsschreibung den Künstler vom Handwerker, der nur mechanisch, ohne Idee für das Ganze arbeitet. Der einfache Landmann, meint er, versteht wohl fein Feld zu bebauen, er weiß es mit dem geeigneten Korn zu besäen, die tief unten liegenden Felsen ulld das Feuer der Mitte sind ihm jedoch ullbekanilt. Seine Aussaat hängt über und nutet: einem Firmament von Sternen lind segelt durch die ganzen spurlosen Räume des Himmels zwischen dem Widder und' der Wage; ihn kümmert nur die sichere Ernte. Als Landmann können nur ihn nicht wegen seiner Gleichgiltigkeit für diese höheren Wunder tadeln; wäre er Forscher auf dein Gebiete der Naturwissenschaft, dann hätte er unbedingt Unrecht. Auch der Geschichtschreiber, der ans gleichen politischen, ökonomischen und ntoratifdien Ursachen immer auf dieselben Wirkungen schließt, ist im Recht. Nur darf er nicht glauben, mit solchen Erfahrungen sei die Sache erschöpft. Thut er das, so sinkt er zum Handwerker herab.... Lazarus lvurde zu seiner Schrift durch die von Schiller bei Antritt seiner Professur der Geschichte gehaltene Eröffnungsrede : „Was heißt und zu welchem Ende studirt mall Universalgeschichte?" angeregt und erklärt die Begriffe voll der hohen Warte der Völkerpsychologie. Er bemerkt ebenso geistvoll als wahr: „Wenden wir uns von Schiller zu dem Gegenstände unserer heutigell Betrachtung, so sehen wir vor allem, daß lllan seinen Hauptgedankell auch umkehren darf: man kann nämlich Weltgeschichte, mall kann namentlich die Geschichte aller modernen Kulturvölker nicht verstehell ohne die jüdische Geschichte, d. h. ohne die Erkenntniß des Einflusses, welchen das Judenthum auf alle spätere Kultureutfaltung geübt hat." Jüdische Geschichte ist auch etlvatz Anderes als Geschichte der Juden ulld etwas Anderes als Geschichte des Judenthums. Jede dieser Geschichten ist etlvas anders Geartetes und bedarf eigener Studien und eigener Darstellungsweise. Die jüdische Geschichte reicht bis zwll Falle voll Bethar, derul mit diesem Ereignisse stürzt der jüdische Staat unter den Schlägen des römischell Reiches eudgiltig zusammen. Die Periode des heimathlosen Wanderlebens llimmt ihren Anfang und damit die Geschichte der Juden als Theile der verschiedenen Nationen. Obwohl den Juden aber politische Selbständigkeit abgeht, leben sie nichtsdestoweniger aller Assimilation zum Trotze nach wie vor als ein scharf ausgeprägtes, selbständiges geistiges Individuum. Jll dieser Kontinuität des Geistes wurzelt die Geschichte des Judenthunls. * Das sinnigste Geschenk, welches denl greisen Jubilar an feinem Ehrentage überreicht wurde ulld ihm wohl anl meisten aus denl Herzen gesprochell war, ist die literarische Gabe seiner collgeniaten Schülerin ulld Gattin. Beinahe hätte ich gesagt: seiner bessern Hälfte; doch bei aller Galanterie gegen die Damen und aller Ritterlichkeit gegell die edle Geberin diesmal will das Wort sich mir nicht voll der Zunge lösen. Einfach llnd bescheiden kündigt sich ihr Angebinde au: „Sprüche von Lazarus" (Leipzig, Eduard Heinrich Mayer, 1900); gütig lächelnd bringt sie denr Meister zllnl fefteuen Feste einen duftigen Straub von Blättern und Blüthen, die sie voll seinem eigenen reichen Lebensbaume gepflückt hat. Indem sie hinter f dem Gatten zurücktritt, ihn selbst sprechell läßt, liefert sie den besten Befähigungsnachweis dafür, daß sie seine Schülerin ist. Ja wohl, aus der Art und Weise, wie sie goldene Aehren von . seinem Acker windet, geht effatant hervor, daß sie sich mit Völkerpsychologie beschäftigt, sich gründlich in dieselbe eingelebl

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