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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-01-12 · Heft 2 (12.1.1900) · p. Seite 16

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 2 (12.1.1900)
Date
1900-01-12
Page
Seite 16 (sequence 6)
Language
German
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licht für strafbar gehalten habe. Graf Pückler wandte sich zum Schluß ln einer längeren pathetischen Ansprache an den Gerichtshof. Er führte aus. daß man die Juden mit eiserner Faust fassen und eine sehr deutliche Sprache führen müsse. DieJudenemanzipation sei die einige Krankheit, an der Deutschland 311 Grunde gehen und die schließlich die Revolution Hervorrufen werde. Der Gerichtshof erkannte auf Freisprechung beider Angeklagte n. Er war der Meinung, daß nach dem ganzen Inhalt der Rede eine Aufforderung zu Gewaltthätigkeiren nicht darin erblickt werden könne. Graf Pückler habe nur 311111 energischen Kampfe gegen die Juden ausgefordert, und das sei an sich nicht strafbar/' * Aus P aris kvulmeu jetzt nähere Aufklärungen über den Prozeß gegen die jungen Leute, welche sich am 20. August v. I. an dem Sturm auf eine Kirche betheiligt haben. Danach liegen, lvie wir vorausgesagt haben,' die Dinge doch etwas anders, als jenes Wolff'sche Telegramm vermuthen ließ. Unter den Angeklagten befanden sich zwei junge Israeliten, Eli Wertheimer, ein junger Banschüler, geboren in Paris unb Benhann Nessim, ein vielfach prämiirter Stiftungsschüler vom Lhceunl in Oran. Beide haben, lvie alle Mitallgeklagten, ihre Unschuld lebhaft bethenert und erklärt, daß sie durchaus keinen Antheil an den Plünderungerl genommen haben, lvegen deren man sie angeklagt hat. Benhaün vertheidigte sich in folgenden Worten: „Ich kam von einer Promenade im Bois de Vincent zurück, da traf ich mit den Manifestanten auf dem Place de la Nation zusammen. Ich folgte ihnen, aber ich habe feinen Antheil genommen. Ich bin nicht verantlvortlich für die Leute, lvelche die Carmagnvle gesungen, ich habe die Kirche St. Joseph überhaupt nicht betreten; Diejenigen, lvelche gesehen zn haben behaupten, daß ich Stühle rnrs der Kirche geschleppt habe, irren sich. Ich habe der ganzen Manifestation nur aus Neugierde beigelvohnt. Was die Waffe betrifft, so trage ich sie seit meinem vierzehnten Jahre. Ich habe keinen Polizeiagenten ge^ schlagen. Im Augenblick meiner Verhaftung bin ich über den Fuß des Sicherheitsinspektors gestolpert, der mich verhaftete". Diese Vertheidigung fand aber weder bei bem Staatsallwalt noch bei bem Gerichtshof irgend welchen Glauben. Gleichwohl lvarnte der Entere die Geschworenen eindringlich davor, sich durch das Bekenutmß der beiden Studenten in ihrem Urtheil beeinflussen 31t lassen. Religiöse Erwägungen hätten **»tt diesem Prozeß absolut nichts zu thun, und ein Katholik, st>er seine eigene Kirche entweiht, verdiente eine noch härtere ^Strafe. In einer Zeit, wo die Leidenschaften gegell die Inden so erregt seien, dürfe nmu an der Stätte des Rechts keine Waffe daralls schmieden, um die Juden zu verurtheilen, ehe ihre Schuld nicht vollständig klar sei. Die Jury erkannte trotzdem beide Angeklagte für schuldig, billigte Wertheimer mildernde Umstünde zu, versagte sie jedoch Benhaün. Im letzten Augenblick spielte sich noch eine dramatische Scene ab. Auf die Frage des Präsidellteli, ob sie noch etlvas zu bemerken hätten, erhob sich Benhai'm von seinem Sitz irnd rief ans: „Ich habe gesagt, daß ich unschuldig bin, und betheuere immer und immer wieder meine Unschuld, und ich schwöre (indem er alls das Kruzifix zeigte) bei diesen! gekreuzigten Juden, daß ich die Wahrheit sage". Gleichwohl vernrtheilte der Gerichtshof Benhaim zu fünf Jahren Zuchthaus. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Jury sofort nach der Verkündigung des Urtheilssprnchs eilt Gnadengesuch für die Berurtheilten einreichte. So weit unser Bericht. Wir haben nur wenig hinzuzufügen. Jeder wird dararrs erkennen, daß der algerische Student ein sehr excentrischer Jüngling ist. Ob er aber das Verbrechen begangen, dessen mall ihn beschuldigt, läßt sich aus der Ferlle lrichl beurtheilen. Jndessell erklären auch die Berichterstatter judenfeindlicher Blätter, daß aus seinen Betheuerungen ein Ton der Wahrheit Herallsklang, der das Auditorium tief erregte. Schließlich fragen die „Archives Jsraelites" mit Recht, in welchem Verhältniß dieses Erkenntlich zu den Urtheilen stehe, die gegell die Plünderer der Synagogen von Mostaganem-, von Bab-el-Qued sowie gegell Diejenigen gefüllt lvurden, welche dort die Thorarollen zerrissen unb das Pergament Mr. Drumont zu türkischen Hausschuhen offerirt haben! Was zuerst loohl ein Scherz, bann aber ein Ballon d’essai war, das ist jetzt in den antisemitischen Blättern schon 31t einer unumstößlichen Thatsache geworden: Den Krieg Englands gegen die Buren hat das jüdische Kapital verschllldet. Man muß nur lesen, was die „Ostdeutsche Rundschau" des sattsam bekannten österreichischen Abg. Wolf in dieser Beziehllllg ihren Lesern aufzutischen wagt: „Das britische Weltreich wird jetzt voll der Londoner Börse ans beherrscht, und da diese von vier Inden, worunter einer der englische Rothschild ist, regiert wird, so kann lnan füglich sagen: Das britische Reich lvird von Juden beherrscht. Das englische Parlament ist zur Filiale der Londoner Börse herabgesnnken und die Zeitungspresse zn ihren! Sprachrohr. Die englische Presse gleicht heute einer Riesen orgel mit tausend Pfeifen, die ihren Wind nur von der Londoner Börse empfängt. Eine große Zahl von englischen Blättern ist ganz in jüdischen Händen, andere werden von ihllen ullterstützt ilnd beeinflußt. Der Rest ist die Feigheit ans dem Bauche, die es nicht wagt, gegen den Strom zn schwimmen. In London, dieser Stadt von sechs Millionen, haben sich nur drei Blätter ihre Unabhängigkeit bewahrt! Die Judenpresse und ihr nichtjüdischer Anhang rührten die Kriegstronunel lvie besessen, weshalb dieser afrikanische Krieg lvie keiner zuvor ein Preßerzeuguiß ist. In deni kleinen Kreise Derjenigen, die sich im britischen Reiche voll der Börse und ihrem Treiben unbeeinflußt erhielten, heißt auch dieser Krieg kurzweg „The Jew’s War“ — der Judenkrieg. Unter den Londoner Blättern, die sich durch ihr Rühren der Kriegstronnnel besonders hervorthaten, sind „Daily News" Eigenthnm des Inden Oppenheim; „St. James'Gazette" Eigenthnm des Juden Steinkoff; „Daily Telegraph" Eigenthnm des Inden Lalvson, der aberfrüher Levi und Levis hieß; „The Critic" Eigenthnm des Inden Heß; „The Observers" Eigenthnm des Inden De Beers; „Sunday Times" ebenfalls; „Snnday Special" auch Judeneigellthum; „The Sun" Eigenthnm des Juden Marks, Parlamentsmitglied; „The Sunday Review" und noch viele, viele andere und kleinere Blätter, die theilweise zu eiuem halben Penlly verkauft werden. Die großen Randmillionäre. die Geldkolosse Südafrikas, sind fast durchwegs Judell, und zwar „deutsche" Juden, wie Wernher, Beit 11. Komp., die auf 50 Millionen Pfund Sterling geschützt lverdell. Heute thun aber diese Juden gar nichts für die Wittlven und Waisen der englischen Soldaten, die für sie kämpften und fielen — sie sitzen im Park-laue, denl Millionärviertel Londons, und thun nichts für ihre Opfer. Dies ist der Juden dank." Aber das ist ja alles heller Wahnsinn, wird der erstaunte Leser unwillig ausrufen. Gewiß! Aber in diesem Wahnsinn liegt eine nichtswürdige Methode, die ihre Anziehungskraft ans den weiten Kreis Derer, die nicht „alle" werden, längst erprobt hat. Was schadet es, daß die Mittheilungen über die Lolldoner Blätter wie über die südafrikanischen Millionäre fast durchweg, nicht den Thalsachen entsprechen - die Leser der antisemitischen Blätter glauben doch daran. * Die Lage der Juden in Rumänien wird immer schlechter. Das ganze Land leidet furchtbar unter der Mißernte, aber die Negierung sucht nach Möglichkeit ihren bedürftigen Unterthanen über die schwere Zeit hinwegzuhelfen; die Juden indeß existiren in diesem Fall nicht für sie, oder vielmehr sie kennt sie nur, um sie aufs Neue nach Kräften zu chikaniren. Unter diesen

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