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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-01-05 · Heft 1 (5.1.1900) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 1 (5.1.1900)
Date
1900-01-05
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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M. Schneideniuhl, 27. Dezember. Herr Bankier Herz B e r l i u e r wurde von den Repräsentanten einstimmig aus weitere 6 Jahre zum Gemeinde-Vorsteher gewählt und ist in dieser Woche von dem Ersten Bürgermeister in sein Amt eingefuhrt worden. Im Anschluß hieran wurde Herr SBerltncv von den Vorstandsmitgliedern auf fernere drei Jahre zu ihrem Vorsitzenden gelvählt. — Der Shuagogeu-Berband in Bromberg hat Herrn Berliner 200 Mark zwecks Organisation des jüdischen Religions-Unterrichts in Friedheim überwiesen. Friedheim hat 8 schulpflichtige jüdische Kinder im Alter von 7 bis 19 Jahren, die noch nie Religions-Unterricht erhalten haben. Mit der Einrichtung und Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichtes ist der LehrerM os es aus Schneidernühl betraut worden, der in gleicher Weise seit einem Jahre auch den Religionsunterricht in Usch ertheilt. — Der hiesige Gemeinde-Vorstand hat heute an jüdische Arme 100 Centner Kohlen vertheilen lassen. Wahrlich! ein sehr nachahnmngswerthes Beispiel!- Vor einigen Wochen legten sich aus dem hiesigen Bahnhof eine russische jüdische Frau mit zwei siebegleitenden Mädchen auf die Eisenbahnschienei,, um sich üb ersah reu zu lassen. Dieser versuchte Selbstmord wurde rechtzeitig bemerkt und die drei Personen auf das Polizeibüreau gebracht. Die Frau, welche jegliche Auskunft verweigerte, kam in das Krankenhaus und von hier, da sie die Aerzte für geistesgestört erklärten, in eine Irrenanstalt. Die beiden Mädchen, welche im Alter von 7 resp. 9 Jahren zu sein scheinen, wurden bei einer jüdischen Familie auf Kosten der Stadt in Pflege gegeben. Die beiden Kinder, die keinerlei Angaben, weder voll ihren Eltern llorh ihrer Heimath 31t geben im Stande sind, nennen sich Dewertsche uild Rösel und besuchen bis ans Weiteres die hiesige jüdische Elementarschule. L. Hannover, 28. Dezember. In der am 14. 0. M. stattgefundenell Wa hl sind die dem Turnus nach anSscheideilden Herren Emil L. Meher und S. Neuberg als Vorstandsmitglieder, die Herrell Gustav Hildesheimer und Hernlarlll Meher als Repräsentaliten wiedergewählt und die Herren Dr. Nled. Raphael Hirsch uild S. Katz als Repräsentanten neu gewählt. — Das vor einiger Zeit eröffnet? is ra elitischeMädchen - heim zeigt eine gesegnete Thätigkeit. Die Räume sind äußerst geschickt gelvählt und zeigen in ihrer einfachen, aber sauber lind praktischeil Ausstattung beu Charakter des Instituts. Die Mädchen betragen sich gut und nlachell erfreuliche Fortschritte. Sie werden von der Vorsteherin des Heims, Frau Lippniann, in allen Zweigen des Haushaltes unterrichtet. Auch sür die Fortbildung in den hebräischen und profanen Fächern ist gesorgt. Die Zöglinge sehen geslNld alls und fühlen sich glücklich lind zufrieden. Es ist 31t erwarten, daß sich die bemittelten Mitglieder der Gemeillde für dieses Institut in der allsgiebigstell Weise interessirell. fgg Köln, 28. Dezember. Am vergangenen Morltag (25. d.) hat der Vorsitzellde des Vorstallds unserer Synagogengemeinde, Herr Jakob de Joilge, in erstaurllicher körperlicher uild geistiger Rüstigkeit feinen 80. Geburtstag gefeiert. Deputatiollen des Vorstands- und Repräsentantenkollegiums sowie des Nabbinats, für die Herr Dr. med. Apfel, Herr Max Bendix und Rabbiner Dr. Rosenthal spracheil. ferner Abordnungen fämintlicfjev Wohlfahrtsinstitutionell unserer Gemeinde sandeil sich im Laufe des Vormittags in der Wohnung des Jubilars ein, llm mit ihren Glückwünschen demselben den innigsten Dank für seine nunmehr 40jährige, unermüdliche und ebenso selbstlose als segensreiche Thätigkeit im Interesse der Geuleiilde nbznstatten. Der Nachmittag vereinigte die Familie des Jubilars itub die Gemeindeverwaltung zu einem Festessen, das in aligeregtester Stimmung verlies und Gelegeilheit 311 erneuten Bekundungen der ungetbeilten Hochachtung lind Verehrlmg gab, deren sich HerV de Jonge erfreut; alle natürlich gipfelten sie in dem Wunsche, daß der Jubilar lloch lange seiner bewundernswerthen Frische sich erfreuen und fein Amt zum Segen der Kölner Gemeinde verwalteil möge. — Im Allschlllß an die Feier theilell lvir noch mit, daß am vorigen Sabbath der Jubilar die Synagoge in der Glockengasse besuchte und vor der Thora reiche Spenden gelobte. Am Schlüsse der Predigt richtete Herr Rabbiner Dr. Frank, der am 25. Dezember amtlich abwesend war, eine Ansprache an den Jubilar, hob seine Verdienste um die Gemeinde hervor, wies hin ans das Schriftwort: „Ein herrlicher Schmuck ist das Greisenatter, wenn es ans dem Wege des tugendhaften Wirkens erreicht wird", und schloß mit dem Priestersegen, den er über das Greisenhanpt des Jubilars aussprach. M. Suhl, 27. Dezember. Am 12. d. M. starb hier Herr Louis Sander, Begründer der gleichnamigen Bankfirma unb Vorsteher der israelitischen Gemeinde. In dem Heimgegangenen betrauert die Familie einen zärtlichen Gatten und fürsorglichen Vater, die Gemeinde eines ihrer treuesten Mitglieder, die Stadt einen ihrer besten Bürger. Als glanbenstrener Jude genoß er die Achtung Aller, die ihn kannten, uild die Verehrung uild Freundschaft Derer, die in näherem Verkehr mit ihm standen. Durch seine Biederkeit und strenge Ehrenhaftigkeit ent» waffnete er so manch gehässiges Vorurtheil und verwandelte es in unbegrenztes Zutrauen nub in aufrichtige Zuneigung. Von rührender Bescheidenheit, verzichtete er leichten Herzens auf jede Ehrung sür sein gemeinnütziges Streben, ja. er vermochte in seiner Selbstverleugnung Anerkenilung und Dailk, die ihm selbst in erster Reihe gebührten. Anderen rückhaltlos zu zollen. Von seinem ansehnlichen Vermögen, das er sich durch seinen klaren Blick und unermüdlichen Fleiß allmälig erworben, machte er den edelsten Gebrauch. Er übte Wohlthütigkeit im Geheimen, jene Art. die in unseren Tagen immer seltener lvird und mit Selbstberäncherung llichts gemein hat. Wohlthnn war ihm Selbstzlveck, wahre Herzenssache; und gar vielen lvar er ein kluger Berather und bereitwilliger Helfer in der Roth. 9!och aus dem Sterbebette traf er mit bewundernswerther Seelenruhe Bestimmungen, die von seiner Herzensgüte und seinem Edelsinn beredtes Zeugniß ablegen. So lebt der Gerechte in seinen Thaten fort, lind fein Andenken wird znm Segeil. t. München, 1. Januar. Wie es im Vorjahr schon gewesell ist, so befinben sich auch Heller unter den alls Anlaß des Jahreswechsels mit Orden oder Titeln in Baiern A u s g ez ei ch ll e t e n Angehörige der israelitischeil Religionsgesellschaft; feine Bevorzugung, keine Benachtheiligung; unter Anderein ist der Verdienstordell vom heiligen Michael IV. Klasse verliehen worden dem Schriftführer lllld Kassirer des oberbairischen Kreisansschllsses des baierischell Franenvereins voni rothen Kreuz, Bankier und fürstlich schwarzbnrgischer Kommerzienrath Moritz Kirchdörfer in München. Kirchdörfer ist seit mehr als 20 Jahren Mitglied der Verlvaltiuig der israelitischen Knltnsgenleinde Mülichell und seit eiiligell Jahren deren zweiter Vorstand; die Auszeichnung durste ihren Gruild in der Thätigkeit Kirchdorfers für den genannten Franenverein haben. 8. Karlsruhe. 1. Januar. Bei der gegen Ende des vorigen Jahres von dein Großherzog vollzogenen Verleihung von Ordens-Ansz ei ch ll ll llge n wurdeil folgende hiesige Israeliten bedacht: beu Zähringer Löwenorden T. Klasse erhielten: der Lalldesgerichtsrath Dr. Heinsheim er, der Landesgerichtsrath Dr. Stein, der Stadtnnd Konferenzrabbiuer Dr. Appel, der Professor Dr. G 0 l d s ch ln id t Ulld der Rentner lllld Handelsrichter R li d 0 l f Her m n it 11. Dell Zäh ringer Lowenorden II. Klasse erhielten : der Kaufmann uild Handelsrichter Leopold Etttillger lind der Bankier und Stadtrath Fritz Hamburger. Regierungsrath Dr. Meyer Uuivbe 311m „Geheimen Regiernngsrath" ernannt. Oesterreich - Ungarn. Hl Wien, 1. Januar. Der Präsident der Wiener israelitischen Knltttsgemeillde, kaiserlicher Rath Heinrich Klillger. hat in der vorgestrigen Plenarsitzung des Vorstandes unter Hilllveis auf seine angegriffene Gesundheit fein Amt niedergelegt und gleichzeitig auch ans seill Vorstandsmandat verzichtet. Herr Heilirich Klillger lvar als Präses der Knltusgemeinde der Nachfolger des verstorbenen Gemeinderathes Gustav Simon ulld hat sich während seiner Anltsthätigkeit besoliders unl das Zustalldekolllmeil des neuen Gemeindestatuts sowie um das Kultnsstenerregulativ verdieilt gemacht. — Der Tenlpelbanvereiil im,VIII. Bezirk hat beschlossen, in der Nendeggergasse einen Tempel aufzuführen uild die diesbezüglichen der Ballordllnlig entsprechenden Schritte bei der städtischen Ballbehörde, beziehnngslveise beim Magistrat unternommen. Der Magistrat elltschied aus bantechnischen Gründen gegell beu Tempelbau. Der Verein ergriff gegen dieses Ballverbot den Rekurs an die Bandeputation als die nächste Appell-Instanz. Diese hat dem Rekurse stattgegebell. Der Magistrat hat nun. beu Rekurs an das Ministerium des Jruiern ergriffell. — Die letzte öffentliche Sitzung unseres Kultusvorstandes lvar eine sehr wichtige. Es halldelte sich um das Budget, d. h. um ein Defizit im Gemeilldesäckel. Der Vorallschlag schließt auch in diesen! Jahre mit einem Defizit. Allerdings übersteigt dasselbe alle Erwartungeil, beim es beträgt 360913 Gulden gegen 52 732 Gulden im Vorjahre. Die Einnahmen sind sür das Jahr 1900 prälilninirt mit 1644390 Kronen,

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