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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-01-05 · Heft 1 (5.1.1900) · p. Seite 7

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 1 (5.1.1900)
Date
1900-01-05
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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7 selbst so nennenden, nationalen Partei (d. i. der „Verband deutscher Studenten sammt Gefolgschaft) jedell Zweifel über ihre wahren Gesinnungen uub Ziele selbst zerstört. Ein ehemaliges Mitglied des „Sozialwissenschaftlichen Studentenvereins", der praktische Arzt Herr Dr. Richard Roeder, wies in einem Flugblatte auf die Forderungen dieses Vereins hinsichtlich der Verwaltung der akademischen Lesehalle wie der allgemein studentischen Angelegenheiten hin und endete dann der vom „Verein deutscher Studenten" und seinem Anhänge ansgegebellen Parole gegenüber mit den kurzen und bündigen Wortell: „Kommilitonen! Labt euch nicht darüber hinwegtäuschen, daß diese Parole nicht nur mit der Wahrheit im Widerspruch steht, sondern darauf berechnet ist, den Mangel all jedem positivell Programm zu verdecken." Und was erwiederte darauf die sogellannte nationale Partei?! Leuchtet ihnen llicht der Hvchmuth des Pharisäers aus den Augen, lvenn sie die Forderung des „S.-W.St.-V." (Sozialwissenschaftlicher Stndentenverein), die Lesehalle all den Somitag-Nachrnittagen für jeden Erwachsenen unentgeltlich zu eröffnen, zurückweisen, weil sie llicht Lust hätten, die Le sehall e in eine Volks wärm eh alle ll m w an d eln zu lassen! — Danil heißt es weiter: „Eine unparteiische Verwaltung der Lesehallengeschäfte ist immer das vornehmste Bestreben der nationalen Partei gelvesen." Der Satz von der größterr Unparteilichkeit prangt auf der Fahne jeder Partei, durch feinen ideal-schönen Klang seine inllere Unmöglichkeit übertönend. Denll zu seiner faktischerl Durchführung bedurfte es eilles übermenschlich leidenschaftslosen Wesens, und mit deui Vorwurfe der Parteilichkeit wird ein vernüllftiger Mensch jenmud Anderen nicht immer auch gleich einer bösen Absicht bezichtigen wollen. — Allein eirrer vollkommell rechtlichell Gleichstellung der studirenden Fraueil in der Lesehalle glaubt die sogellanllte liationale Partei llicht das Wort reden zu dürfen, solange sie nicht vollberechtigte Universitätsallgehörige finb. Mall mag zu diesem Punkte stehen wie man will; aber dies Sichverschanzen hinter alntlicher Anerkellnung ist entweder eine Schwachheit, oder es bedeutet einen traurigen Verzicht auf die beglückende Macht zll fortschreitender Initiation. — Was über das Verdienst der sogenannten nationalell Partei all deul Zustandekommen eilles Stlldentenausschußelltlvurfes 1111b ihr Interesse darall gesagt ist, ist so schleierhaft, daß ich bis jetzt nicht habe entdeckell können, ob und welch ein Bild dieser Schleier birgt. — Als letzte Forderung hatte der „S.-W. St.-V." aufgestellt: VerwaltlNlgdes „Stlldentenfonds" dllrch denStlldentenausschuß, evelltuell durch das Direktorium der akadeluischen Lesehalle. Wahrscheinlich hatte mail dies gethan mit Rücksicht auf die bedauerlichen Differellzen, welche sich seiner Zeit bei der Goethefeier herausgestellt hatten. Aber hier waren sogar die Scheingründe der sogenallilten nationalell Partei erschöpft, und darum ward diese Forderung eillfach als nur des Stiulineirfanges wegen aufgestellt bezeichllet. Wie lnail sieht, also eine fast völlige Negation der Forderungen des „S. W. St.-V." mit dem, ulll falschen Verulllthllngell sofort ben Boden zu entziehen, der Verfasser dieser Zeilell nicht die geringste Fühlung hat. Und doch prangt an der Spitze jenes entzückendell Flugblattes der Satz: „Was der „S.-W. St.-V. auf seine Fahnen schreibt, hat die nationale Partei stets in erster Linie verfochten." Doch nein, da schimmert doch noch eine kleine > Klausel: „Soweit es erstrebenslverth ist". Und nach jenem Flugblatt soll mall urtheilen, ob die Parole: „Hie national — hie antinational" allsgegeben worden ist, um den Mangel eines Progranlnls zu verdeckell. Nun, das Verdikt ist leicht gefällt. — Jetzt aber, last not least, ein Passus, welchen ich nllr zu eitiren brauche, um ihn in seiner gallzen Bedentllng zu zeigell: „Alls den Nalneu der Vertreter der Gegenparteiell, die zur Hebung der ihnell fehlenden Anziehungskraft ben Raulen, „nationale Partei" zll ihrem eigentlichen hinzugefügt haben, kölint Ihr ja die nationale Eigenart der Herren deutlich erkemlen." Wahrhaftig, wenn die sogenannte nationale Partei voll jener Partei spricht, die ntit berechneter Täuschung arbeitet, so kann sie dabei nur sich selbst gemeint ha bell, ulld das Vertrauensvotum, welches sie in der von ihr terrorisirten Wahlversamlnlung sich selbst ausgestellt hat, schien sie lvirklich nöthig zu haben. Und der Erfolg? Es wurden gewählt: 6 Vertreter der sogellailllten nationalen Partei, o Vertreter der organisirten Finkenschaft, 2 Vertreter des „S.-W. St.-V." 1 Vertreter der „F. W. V." llnd 1 Vertreter der „Askania" Zum 1. Vorsitzenden wrrrde durch Zusammenschluß der anderen Parteien der Vertreter der „Askania" gewählt, llnd so ist glücklich die liationale Partei endlich einmal herausgedrängt aus der obersten Leitung. Aber der Sieg ist schwer errungen ulld nicht vollkommen genllg. Videant consules, ne quid detriineuti respuldica capiat! M. L. Michael Levy. Juowrazlaw, im Dezember. fern Alldenkerl des oben genannten Manlles, dem bereits seit zwanzig Jahretr denr irdischen Lebell sntrücktell Michael Levy, ist dieser Tage eine Ehrung zu Theil gelvorden, die nur außerordentlich hervorragendell, ausgezeichneten, verdienstvollen Mänllerll zir Theil wird. . . Am Hause des Stadtverordnetellvorstehers Herrn Konunerziellrath Julius Levy - er ist der Söhn des Herrn Michael Levy —- wurde nach deul Beschlüsse des Kreistages Freitag, den 1~>. Dezember 1890 eine kostbare Bronze-Tafel mit folgender Inschrift angebracht: „Dem An de nf en desKaufmannes Bt ichael Levy, geb. 12. August 1807, ge st. 80. Jalluar 1879. In Anerkennung feiner selbstlosen Thätigkeit ulld feiner Verdienste um die Entwickelung der Industrie gewidmet vom Kreise Jnowrazlaw." Der Antrag zu dieser außerordellttichell Ehrung gillg vom Kreisausschuß aus. Der Kreisausschuß, bestehend aus den Herren: Kölliglicher Landrath in Jnowrazlaw, Direktor v. Grabski, Lalldesökonomierath v. Kullkel, Oekonomierath Kunckell, Rittergutsbesitzer v. Ponillski, Kammerherr Baron v. Schlich ting, stellte den Antrag, daß die großen Verdienste dieses genialen ulld edlen Mannes, als Muster und Vorbild für die koulNlendell Gellerationen auch der Nachwelt bekannt gegeben werden, lmd der Kreistag hat diesen! Alltrage entsprechend die Anbrillgung einer kostbarell Gedächtnißtafel am Hause der Firma „Michael Levy" einstimmig beschlossen. Die Gedächtllißtafet ehrt die Männer des Kreisausschusses und die Mitglieder des Kreistages nicht minder als ben unvergeßlichen Michael Levy. Fern von jedem Vorurtheil, frei von der Schmach des zur Neige gehellden Jahrhllnderts, haben diese hervorragendell, angeseheilen Btällner unseres Kreises das Verdienst ihres

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