Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1900)
- Date
- 1900-01-05
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
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Iitin; nominell, sondern thatsächlich sehr scharf ist. In letzter Zeit werden Fleischlieferungen (um die Jna»»sprnch»»c»h»ne der Truppe»»-Osfiziere für die Abnahme um 6 Uhr Morgens und um 11 Uhr Vormittags zu verringern) garnisonlveise von der Intendantur vergeben und sucht diese, wie ich bestirnmt weiß, nieist möglichst Innungen oder einen Ring voit mehreren deutschen Fleischer»» damit zu betrauen, scheitert aber ebenso oft an der Uneinigkeit und Uucoulanz, so daß der Jude, nicht durch Unterbietung allein, sondern manchmal nur in Folge größeren Entgegenkommens, schließlich die Lieferung erhält." Der Schluß des in einen: Antisemitenblatte sich seltsam ausuehmenden offenherzigen Schreibens enthält nod) eine scharfe Nernrtheilnng der Agitation gege»» das „Waare»»haus für Armee und Marine", die bekanntlich von denselben Kreisen ausgeht, wie diejenige gegen die jüdischen Lieferanten — nämlich von beu Antisemiten, die sich zn Vormündern der Handwerker aufgeworfen, aber diesen bisher wahrlich noch keinen Segen gebracht haben. Das offene Bekenntnis; des Offiziers, das; er die Juden auszuschließen bemüht war, ist ebenso unerfreulich, wie es erfreulich ist, das; er durch die Thalsache»» von seinem unberechtigten Vvrurtheil zur besseren Erkenntnis; gelangt ist. * Wie italienische Blätter übereinstimmend berichten, hat Monsignor Merry del Val, der intimste Geheimkämmerer und Vertrante des Papstes von den: englischen Kardinal Vaugham ein Schreiben erhalten, worin sich dieser Namens der englischen Katholiken bitter über die rohe antisemitische Sprache des „Ofservatore Romano" und der übrigen Römischen Vatikanpresse beklagt. Es erfülle die englischen Katholiken mit Entrüstung, das; Blätter, welche sich als direkte Sprachrohre des Papstes ausgeben, jedes Mittel, selbst das Märchen des Ritualmordes, benutzen, um die Israeliten anzuschwärzen. Der Kardinal bittet den Monsignor del Val, diese Beschwerden zur Kenntnis; des Papstes zu bringen. Der Schritt des englischen Kardinals soll ans die Kurie einen tiefen Eindruck gemacht haben, und man darf neugierig darauf sein, was »mnmehr geschehen wird. * Eine mehr als seltsame Nachricht bringt das Wolffsche , Telegraphenbürean ans Paris vom 30. v. M. Sie lautet:! „Das Schwurgericht vernrtheilte in der Angelegenheit der Plünderung! der Kirche von St. Josef den jüdischer» Studenten Ben Hajin», einer: Algerier, zu fünf Jahren Zuchthaus. Sechs andere Angeklagte wurden zn Gefängnißstrafen von einem bis zu zwei Jahre»» verurtheilt. Vier- Angeklagte wurde»: freigesprochen. Ben Hajin» betheuerte laut seine Unschuld, ein Anderer suchte sich des Säbels eines Wachmannes zu be- »nächtigen, um sich selbst zn tödteu." Mllß schon die Hervorhebwlg der jüdische»» Abstammung bei den» verurtheilten Studenten aufrichtiges Befremden Hervorrufen, während doch die Religio»» der sechs arrderen Angeklagten nicht erwähnt »vird, so erscheint die Thatsache, daß dieser jüdische Student als der Haupträdelsführer bei der Plünderung einer Kirche ver»»rtheilt »vird, so ungeheuerlich, daß n»a»» eine»» ausführlichen Bericht »vird ab»varter» »Nüsse»», der diesen Vorgang erklären soll. Wir brauchen »vohl »»icht erst besonders hervorzuheben, daß »vir die Strafe, falls jene Nachricht sich bestätigen n»»d die Sch»»ld des jungen Ma»»nes feststehen sollte, durcha»»s »»icht für eine zu hohe a»»sehe»» »vürden. Ein solches Verbrechen heischt exemplarische Bestraf»»ng. Was aber die ga»»ze Geschichte > anbelangt, so »»»ächten »vir das Eintreffen authentischer ' Berichte abwarten, ehe »nan zu eine»»» Urtheil gelangt. Dies gilt natürlich nicht für die Antisemiten aller Länder. Die j waren mit ihre»»» Urtheil schor» fertig, — bevor die Nachricht kan»! Ceutral-Ans schuß des Rudbrner-Uerdaudes in Deutschland. 8. Berlin. 27. Dezember. diesjährige Sitznllg des Central-Ansschnsses fand heute im " Repräsentantensaal der jüdischen Gemeinde statt. Den Vorsitz führte Herr Rabbiner Dr. Mat»bäum; anwesend »varen die Herren Rabbiner Dr. H o r ov i tz -Frankfurt a. M., Dr. Vo g elfte in- Stetti»». Dr. Prager-Cassel, Dr. N a h »n er-Magdeburg, Dr. Köpfst ei»»-Beuthen. Dr. Werner-München, Dr. G »r t tm a n n-Breslau, Dr- Auerbach-Elberfeld und Dr. C o h »»-Kattowitz. Nach de»n von» Vorsitzeildei» erstatteten Geschäftsbericht, auf Grund desse»» beschlossen »ourde, eine Erklärung gegen die Blutbeschuldigungen bereit zu stellen, aber vorläufig uicht zu veröffeirtliche»», sprach Herr Landrabbiner Dr. Prager zum ersten Punkt der Tagesordnung betreffend die Petitio»» behnss Einführung des obligatorische»» Religionsunterrichts. Wir bringe»» in Erinneru»»g. daß es sich hier um de»» Bericht der Kominission haiidelt, »velche i»» der letzten Generalversammlung ge»vählt »vurde, un» das Material zu verarbeiten ltnb das Ergebnis; ihrer Berathnnge»» den» Vorstande zur »veitere»» Veranlassung bei den Staatsbehörden z»r übergeben. Der Referent verbreitete sich sehr eingehend über die in dieser Angelegenheit unternommene»» Schritte, empfahl jedoch auf Grund dieser, von der sofortigen Ausfi'»hrn»,g des obigen Beschlusses, der Absendung der Petition, Abstand z»» nehmen. I»» der Disk»rssion »varei» die Redner darii» einig, der Aufforderung des Refere»»te»» Folge z»» gebe»», un» so »nehr, als er i»» A»»ssicht stellte, i»» ei»»iger Zeit Weiteres über den Fortgang der Sache an den geschäftsführenden Vorsta»»d gelange»» zu lasse»». Jedoch kau» »nan dahin überein, die Kou»»r»ission z»l ersuche»», »veiteres statistisches Material zu Gunsten der Frage zu sannneln u»»d auf die Kleinarbeit das größte Gelvicht z»» legen. Die bei diesem Theu»a angeschllittene Frage der Aufnahme einer Note in das Abgangszengniß »ourde gleichfalls in suspenso gelassen und derselben Ko»»»»nission zur »veitereu Erlvägung über»viese»». — Es folgte da»»n der Bericht des Herrn Dr. G »»t tu» a n u - Bresla»» über die Arbeit der Kom»»»ission für die G r»"» n d n n g einer P e»»s i o n s k a s s e. A»»s Grund der mit den» Deutschen Privatbea»utenverei»» gepflogene»» Nnterhaudlunge»» ist in» Schovße der KomMissio»» beschlossen »vorbei», vo»» der Gri'l»»d»»ug einer Spezialversicher»u»gskasse abzllsehen. da es die Kräfte des Verbandes bei Weite»»» übersteigen »vurde. Zur Unterstützung derje»»ige»» Mitglieder, die a»»s eigene»» Mitteln eine Versicher»»»»g eir»z»lgehen nicht »ru Stailde seien, sei jedoch eine Kasse itubedillgt erforderlich itnb die Grüudnlig dieser Kasse die erste Vorbedingung. um beu Plan weiter zu verfolgen. Die Geineinden »vürden, »vie dies von einer Seite befürchtet worden sei, sich dadlirch nicht entlastet fühlen und sich dieser Verpflichtung, so rveit sie daz»» im Stande seie»», sicher »»icht e»»tziehe»». Es dürfe kei»»es»vegs den Einzelne»» überlasse»» bleiben. irge»»d ein er Versicher»»ng beizntreten; der Verba»»d miiffe eine Garantie haben, da er a»»s eige»»en Mitteln die Kasse nicht grüilden kö»»»»e. Es miiffe also znnächst eine Kommission z»»r Abfassung eine» Ausrufs an die Gemeinden imb Private behufs Herbei schaff»»ng eines ansehnlichen Fonds erna»»nt »verden. für »velche»» die Rabbiner in den Großgerueilldei» zu Gunsten ihrer »»»inderbegüterten Kollegen »virken »nüßtei». Dr. Werner-München bittet diese»» Beschl»»ß einz»»schränken. da Baien» eine eigene Kasse hätte, zn der der Staat die Hälfte der Beiträge zahle »n»d alle Geineinde»» erhebliche S»»n»n»en beiste»»ern. Die Beitragsguote hänge in Baien» von den» Alter und den» Gehalt des Versicherter» ab. H o r o v i tz-Frankfurt a. M. bittet alsdann, »»» dem Aufruf auf die ausgezeichnet wirkende Sonderkasse in Baiern Bezug z»» neunten. Die Mitglieder des Verbandes »näßten Alle derselbe»» Versicher»»l»g beitrete»», da hierdurch »veit bessere Bedingungen gewährt »verden »vürden. Auerbach-Elberfeld »veist auf die Ge»nei»»deverbände hi»i, durch deren Beiträge ei ne gute Unterlage für die Subve»»tionskasse gelvonnen »verden kö»»nte. Nachden» noch R ah m er-Magdeburg sich prinzipiell dagege»» ansgesprochen, daß es auch »licht de»» Gemeinden überlasse»» bleibe»» solle, irgend einer Versicherungsgesellschaft beizntrete»», »mb dara»»f aufmei ffa»»» ge »nacht, daß der Privatbeamteu-Verein die Nabbi»»er bis zun» 60. Jahre ansnehlnen »volle, zieht der Referent den Schluß a»»s der Debatte u»»d betont, daß das Interesse a»»» Verbände »vesentlich durch die e»»ergiscl»e Förderung dieser Frage erhöht »verde»» »vurde. Der vo«» der Ko»»»»»»ission vorgeschlagene Beschluß »vird durch dieBer-