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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-01-06 · Heft 1 (6.1.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 1 (6.1.1899)
Date
1899-01-06
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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iß erlitt, 6. Januar 1899. 63. z-vs-W. «r.1. ^Jtutiuöpbotf. HZeikage zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. B. Berlin, 3. Januar. Der neu erschienene Jahrgang des „Statistischen Jahrbuchs der Stadt Berlin", der das Jahr 1896 behandelt, enthält abermals eine Fülle interessanter Daten über die Berliner Juden heit. Die Zahl der Geburten ist etwas zurückgegangen, wie die beifolgenden Ziffern beweisen (die in den Klammern stehenden Zahlen find die des Vorjahres) Danach wurde 1896 geboren: todt lebend jüdischer Vater, jüdische Mutter 32 (46) 1438 (1519) „ „ evangelische „ - (4) 198 (96) „ „ katholische „ l (-) 3 (10) „ „ sonst christl. „ 1 (1) 1 (-) evangelischer Vater, jüdische Mutter 3 (1) 74 (73) katholischer - (-) 10 (8) sonst christlicher „ - (-) 8 (5) uneheliche Kinder jüdischer Mütter 3 (2) 90 (79) Während also im Vorjahre rein jüdischen Ehen 1519 Kinder entsproßten, waren es 1896 nur 1438, aus Mischehen 271 im Vorjahre, 294 im Jahre 1896, endlich 1895 noch 79, 1896 dagegen 90 uneheliche Kinder. Die Gesammtvermehrung der Juden betrug also 1895 1734 Seelen, 1896 dagegen nur 1675 Seelen. Dieser Verminderung entspricht bei den Todesfällen eine entsprechende Verminderung, denn von 1138 im Jahre 1895 ging die Ziffer derselben auf 1087 herab. Die Zahl der Ehen ist ebenfalls etwas zurückgegangen; es wurden geschloffen : 1896 gegen 1895 rein jüdische Ehen. 539 „ 555 Mischehen jüdischer Mann, evangelische Frau 101 „ 97 „ „ katholische „ 15 16 „ „ sonst christliche „ 2 „ 5 evangelischer Mann, jüdische Frau 74 „ 41 katholischer „ „ „ 7 „ 10 sonst christlicher „ „ „ 2 „ 3 Während also die Zahl der rein jüdischen Ehen um 16 zurückging, ist die der jüdisch-christlichen Mischehen wieder um 29 gestiegen. Den 539 jüdischen Ehen stehen schon 201 Mischehen entgegen, fast 40 Prozent! Man sieht, die Assimilation schreitet gewaltig vorwärts! Dafür wächst aber auch die Zahl der Scheidungen immer stärker. Auf 1391 Ehescheidungen überhaupt kommen 49 jüdische und 16 Mischehen gegen 38 jüdische und 14 Mischehen im Jahre 1895. Noch eine interessante Betrachtung: Am 2. Dezember 1898 wurden gezählt in Berlin 13 349 jüdische Ehepaare und 1587 jüdisch-christliche Mischpaare, während vor 10 Jahren die Zählung ergab 9720 rein jüdische und 1086 jüdisch-christliche Ehepaare. Die ersteren haben also um 27 Prozent zugenommen, die Mischehen um 46 Prozent. £££ Berlin, 1. Januar. Am 29. v. M. fand die achte ordentliche Generalversammlung des Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur in Cassels Hotel statt. Der Vorsitzende konnte in seinem Bericht über das abgelaufene Jahr der aufrichtigen Genugthuung darüber Ausdruck geben, daß der Verein an Mitgliedern immer mehr wachse, daß die Vorträge und Versammlungen immer zahlreicher besucht werden. Der Verein zählt jetzt 720 Mitglieder. Nur die Fortbildungskurse hätten bisher noch nicht den Erfolg gehabt, der im Interesse der Sache zu wünschen wäre. Der Vorsitzende beantragte deshalb die Einsetzung einer Kommission, deren spezielles Ressort die Fortbildungskurse sein soll. Der Bericht der Revisionskommission wurde durch Herrn Justizrath Basch erstattet und legte ein Bild der günstigen Finanzlage des Vereins dar. Trotz eines Budgets von mehr als 6000 Mark hat der Verein doch auch in diesem Jahre einen Ueberschuß von fast 1400 Mark. Bei den hierauf folgenden Wahlen wurden die Herren Dr. G. Karpeles, Kommerzienrath Julius Jsaac, Maximilian Heymann, Dr. M. Levin, Dr. Hirsch Hildesheimer, Rabbiner Dr. S. Maybaum, Benas Levy, Professor Dr. M. Philippson, Albert Katz, Dr. M. Schaefer und W. Bambus wiedergewählt, ebenso in die Revisionskommission die Herren Justizrath Basch, Willibald Loewenthal und als Stellvertreter Heinrich Fränkel. Zu dem letzten Punkt der Tagesordnung brachte Herr Dr. S. Bernfeld den Antrag ein, daß der hiesige Verein den Verband zur Drucklegung von wissenschaftlich bedeutenden Vorträgen veranlasse. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, die Herausgabe einer solchen Sammlung von Vorträgen nach dem Muster der Virchow- Holzendorfischen zu veranlassen. Hierauf erstattete Herr Oberlehrer Dr. Schaefer ein Referat über die eben erfolgte Revision der „Jüdischen Lesehalle", die sowohl was die Zahl der vorhandenen wie der entliehenen Bücher, als auch was die Frequenz der Lesehalle anbelangt, ein sehr günstiges Resultat ergeben hat. Auf Antrag des Vorsitzenden beschloß die Versammlung, auch in diesem Jahre der jüdischen Lesehalle eine Subvention von 600 Mark und dem Verbände jüdischer Litteraturvereine eine solche von 600 Mark zu bewilligen. Der Antrag, eine besondere Kommission für die Fortbildungskurse zu errichten, wurde hierauf angenommen, die Wahl der Mitglieder dieser Kommission aber dem Vorstand übertragen. Der Vorsitzende schloß hierauf die Generalversammlung mit dem Wunsch, daß der Verein auch im nächsten Jahr sich in gleich gedeihlicher Weise entwickeln möge. Wir wollen bei dieser Gelegenheit nicht verfehlen, darauf aufmerksam zu machen, daß seit dem 1. Januar der im vorigen Jahre wegen Mangel an Betheiligung fortgefallene'Fortbildungskursus, in dem die Grundprinzipien des Judenthums und die leitenden Ideen, von denen dasselbe getragen wird, versuchsweise wieder eingerichtet und Herrn Prediger Bleichrode übertragen wurde. Die Unterrichtsstunden finden zunächst wöchentlich einmal, und zwar am Mittwoch Abend von 8 bis 9 Uhr in der Jüdischen Lesehalle, Oranienburgerstraße 28, statt. Anmeldungen nehmen Herr Prediger Bleichrode, Köpenickerstraße 62, sowie der Vorsitzende des Vereins, Herr Dr. Gustav Karpeles, Kur fürstenstraße 21, entgegen. Es ist dringend zu wünschen, daß diesen Fortbildungskursen von den betheiligten Kreisen die Aufmerksamkeit entgegengebracht werde, die ihnen zukommt. 22 Berlin, 2. Januar. Der Senior der Berliner Stadtverordneten, Sanitätsrath Dr. Neumann, dessen gegenwärtige Wahlperiode noch in diesem Jahre (1899) abläuft, vollendet am 6. Januar sein vierzigstes Amtsjahr als Stadtverordneter. Er trat am 6. Januar 1859 in die Berliner Stadtverordneten-Bersammlung als Mitglied ein und wurde nach Ablauf seines Mandats immer wiedergewählt, — im Ganzen siebenmal. Dies seltene Ereigniß hat Magistrat und Stadtverordnete bestimmt, dem Jubilar an seinem Ehrentage eine werthvolle Glückwunsch-Adresse zu widmen. Auf eine vierzigjährige Dienstzeit als Gemeindevertreter kann außer ihm nur noch ein Stadtverordneter zurückblicken: der greise Gelehrte Professor Dr. Rudolf Birchow, der ebenfalls im Jahre 1859 in die Stadtverordneten-Bersammlung eintrat und auch siebenmal wiedergewählt wurde. §2 Berlin, 26. Dezember. Der erste Bericht über das Genesungs-Heim zu Briese-Birkenwerder ist soeben erschienen. Wir entnehmen demselben die erfreuliche Mittheilung, daß das Institut im Aufblühen begriffen ist. Die Armenkommission und das Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde hatten seit einer Reihe von Jahren in jedem Sommer eine große Anzahl von Gesuchen um Beihilfen zu Badereisen und Landaufenthalten zu erledigen. Es wurden alljährlich erhebliche Summen verausgabt, um den Bittstellern theils den Gebrauch einer Kur, theils eine Erholung auf dem Lande zu ermöglichen. Bei der ersteren Gruppe war in vielen Fällen ein Erfolg zu verzeichnen, besonders dann, wenn die Patienten in jüdischen Kurhäusern Aufnahme fanden, wie sie in Karlsbad, Franzensbad, Marienbad,

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