Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1899)
- Date
- 1899-12-29
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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schloß die Gründling eines Vereins und wählte sieben Mitglieder als Kommission zur BerathunA vonStatutell nild zurEinberufullg einer kollstituirenden Generalversammlung. In die Kommission, wnrden gewählt die Herren: M. Kahn, .I, Levinthal, A. Fischer. Dr. A. Lachmonn. Siegfried Manasse, S. Fischer und B. Kahn. Hoffentlich wird der Verein in die Lage kommeneine segensreiche Wirksamkeit zu entfalten. . \ . §2 Berlin, 26. Dezember. Die Vereinigung der Synagoge n s än g.e r z u B e r l i n, die den Zweck verfolgt, die Angehörigen derselben zusammen zu führen, um den künstlerischen Gesang und die Geselligkeit zu pflegen, sowie die materiellen Interessen ihrer Mitglieder zu fördern, hat ihren Kassenbericht pro 1898.99 verschickt. Die Einnahmen belaufen sich ans Mark 3146.51, die Ausgaben auf Mark 2747.34. Der Vermögensnachlveis setzte sich zusammen aus ausstehenden Darlehen im Betrage von Mark 695,05, aus angeschaffteu Utensilien Mark 166,60 u. s. w.. so daß der Gesalntntvermögensstalld Mark 1244,22 beträgt. ££ Königsberg i. Pr., 26. Dezember. Wie für die Vorjahre, so hat Herr Gemeindesekretär Kleiil auch für daß Jahr 1898 in tabellarischer Uebersicht die Wirksamkeit der Woh lthätigkeitsvereine und -Institute der hiesigen Synagogengemeinde zur Darstellung gebracht. Danach betrugen das Verrnögen derselben außer zwei Grundstücken 1270571 Mark, die Eillnahmen an Mitgliederbeiträgen 24257 Mark, die Jahresbeiträge 24257 Mark, die Gesammtsnmnre. der Unterstützungen 86 789,63 Mark. . Es bestehell hier im Ganzen 14 Stiftungen mit 2927 Mitgliedern, nnd zwar die folgenden: Wohlthätige Gesellschaft, Verein für Krankenpflege und Beerdigung (Chewra Kadischa), Frauenverein zur Unterstütznllg israelitischer Wittwell und Waisen, Frauenverein für Krankenpflege Ulld Beerdigung, Weiblicher Verein für israelitische Armenpflege, Feuerungsvereiil, Legateukommisstoll, Dr. Kosch'sche Legatellverwaltung, Waiienhaus für Stadt nnd Provinz, Dr. Kosch'sche Waisell-Erziehungsanstalt, Israelitisches Stift, Studien-Beförderungsverein für Ost- und Westpreußen, Bekleidungsverein für arme Zöglinge der Neligionsschule. Hilfsverein für kranke russische Israeliten. A Rastenburg, im Dezember. -Die vorläufige Tagesordnung für die Konferenz der jüdischen Religionslehrer am 1. und 2. Januar 1900 ist folgende: Aul 1. Januar, Abends 6^2 Uhr, Generalversanulllung im Hotel Thuleweit. 1. Jahresbericht über die Thätigkeit des Vereills, erstattet voni Vorsitzeilden Sturniann-Osterode. 2. Kassenbericht, erstattet vom Kassner Birnbaulu-Königsberg. 3. Bericht über die Pensionskasse. erstattet von Peritz-Königsberg. 4. Antrag ans Ernennung znm Ehrenmitglieds des Vereins. 5. Bericht über die Vereinsbibliothek, erstattet von Rosenthal-Königsberg. 6. Nernvahl des Vorstandes. 7. Freie Besprechung und Mittheilungen. 8. Definitive Feststellung der Tagesordnung für dell folgenden Tag. — Aln 2. Januar, Vormittags 9 Uhr, Lehrerkonferenz. 1. Begrüßung und Gebet. 2. Vortrag: „DasJndenthum, eine Religion der Schulen". Referent Rabbiner Dr. F. Perles- Königßberg. 8. Vortrag: „Welche Anforderungen müssen an die jüdischen Lehrer und Lehrerbildungsanstalten gestellt und von beiden erfüllt werden?" Referent Prediger Sturmann-Osterode. 4. Methodische Arbeiten: a) Die schnlgemäße Behandlung des fünften Gebots, besprocherl von Lehrer Rosenthal-Kölligsberg; b) die schulgemäße Uebersetzung des Schema-Gebets, besprochen von Kalltor Davidsohn-Rastenburg. 5. Lehrprobeu: a) Die erste hebräische Lesestunde, gehalten von Kantor Wolf- Königsberg; b) die Opferung Isaaks, gehalten uom Lehrer Dobrowolski- Memel. 6. Erste liturgische Uebnng unter Leitung vom Oberkantor Ed. Birnbarnu-Königsberg. Abends gemeinsanles Essen. Ratibvr, im Dezember. Eille erllste und lvürdige Feier fand dieser Tage auf dem Friedhöfe der hiesigen israelitischen Gemeinde statt. Frau Rittergutsbesitzer Zander hatte, nur das Andellken ihres verstorbenen Gatten zu ehren, der Syttagogengemeinde einen bedeutenden Betrag zum Ban einer Friedhosshalle zur Verfügung gestellt, und wurde dieselbe nunmehr nach ihrer Vollendung eingeweiht. Die Halle liegt auf der Höhe des Friedhofes lind stellt sich als ein vornehm gehaltener Bau Var. dessen Jlulenraum fünf- bis sechshulldert Personen faßt. Nach einleitendem Gesänge übernahnl als Vertreter des Vorstaildes Herr Schick den Ban und dankte herzlich der eblen Stiften«. Die Weihered? des Herrn Nabbillers Dr. Blumeuthal knüpfte an das Psalnlwort an: „Sein Zorn währt llur einen Augenblick, aber ein Leben lang seine Liebe". Eille Marmortafel über der Kanzel vor dem Priesterranm trägt die Namen der Stifter. Gleichzeitig beschlösse!, die Gemeindekörperschaften, das Bildniß des verstorbe»le,l Vorstehers Rittergutsbesitzers Jlrlins Zander, der bekanntlich einen Theil seines Vermögens testaurelltarisch fürjüdischeundchristlicheWohlthätigkejtszweckebestiumlt hatte, in Erinilerung an seine verdiellstvolle Wirksamkeit tut Berathnngszimmer der Gemeinde auzubringeu. Marburg, 24. Dezember. Der nachsolgeilde Aufruf zur Begrülldung eilles Jfra eli ti sch en Sch ü lern nd Lehrl i n g sh ei m s wird in diesen Tagen von hier aus versaildt werden: „Die seit luehr; als zwei Jahrzehnten gegen unsere Glaubensgenossenschast entfeffelte Agitation hat die Schwächung unserer wirthschaftlichen Kraft 311 ihrem ansgesprocheilen Ziele. Das hessische Land, zuerst das ehemalige Kur- Hessen. bald darauf auch das Großherzogthum Hessen, ist von dieser Agitation am heftigsten und nachhaltigsten betroffen worden. Ein untrügliches Zeichen dieses bereits andauernden Nothstandes bildet die Thatsache. daß, während früher jüdische Kinder vonl Lande mit einer gewissen Regelmäßigkeit nach Marburg znin Besllch der höheren Schnlerl in Pension gegeben wurden, seit. Jahren die Zahl derselben immer geringer und jetzt verschwindend klein gelvorden ist. Dieses Shmpton des wirthschaftlicheil Niedergangs urlserer Glaubensgellossen ans denl Lande ist nicht llur das Anzeichen einer drohenden Gefahr für den Fortbestand nnd die Verschlimmernilg dieser Nothlage. sondern es enthält zugleich die Warnung vor dem sittlichen Nothstand, der daraus entstehen könrlte. Bildmlg ist vorzugslveise im Stallde, die wirthschaftliche Kraft zu hebeil ulld die Gesittung zu sichern? Langjährige Berathung über die Mittel zur Abhilfe hat uns schließlich zu denl Entschlüsse geführt, in Marburg eiir Haus zu gründen, in welchem jüdische Knaben, insbesondere alls hessischen Orten, Aufnahme finden sottell. um ein Handwerk zll erlernen oder eille der hiesigell Schulell 311 besuchen. In diesem Hause sollen sie zu einem geringeren Betrage, eventuell umsonst, Aufnahme. Verpflegung. Ueberwachlmg und Erziehullg, endlich auch Nachhilfe finden! Auch für Unterricht in den Grundlagen unserer Religion, sowie in unserer Litteratur und Geschichte sott Sorge getragen werden. Denil lvährend lvenigstells in Deutschlaild der offene Kampf nicht gegen nllsere Religion gerichtet ist. so hat er seine Stütze in der versteckten Feindschaft, welche die sittliche Kraft nllserer religiösen Eigellart verdächtigt und zu mindern trachtet. Durch die jüdischell Studenten hier sind ur»s Lehrkräfte für diesen wichtigen Zweck verfügbar. denen wir wiederum durch die ihnen zu geivährende Unterkunft hilfreich sein könnten. Hochherzige Gaben habell uns in Stand gesetzt, dell Bau des Hauses zu beginnen, der lmilmehr feinem Abschluß entgegengeht. Zur Fertigstellung des Gebäudes, solvie zu einer inneren Einrichtung und endlich zur Sicherung des Betriebs lvendet sich der rnlterzeichllete Vorstand an weitere Kreise mit der vertrauensvollen Bitte, nllser Ullternehmen durch Spelldeil, sowie dllrch jährliche Beiträge zu unterstützen. Die jüdische Wohlthätigkeit ist allezeit von dem Grundsatz geleitet wordell, wirthschaftliche Mißstände und soziale Gefahren durch Hebung von Bildmlg und Gesittung unverdrossen zll bekämpfen." — Unstreitig verdient dieses Projekt nnl der besonderen Verhältnisse willen, die in Hessen nun einmal herrscheil, ganz besondere, Theilnahme. t. Nürnberg, 21. Dezember. Der Landesvereill für israelitische Kultusgemeinden in Bayerll speziell die Komnlission für einheitliche Regelung ulld Orgcnlisatioll der jüdischen Armenruld Krankellpflege hat ill Erledigung ihrer übernommenen Allfgabe in ihrer Sitzung vom 19. November er. den Beschluß gefaßt, die Bildung eines „Verbandes jüdischer Hilfsvereine in Bayern r. d. Rh." in Vorschlag zu zu bringen. Nunmehr hat sie alle betheiligtell Faktoren, Rabbiner, Vorstände n. s. w. zll einer Delegirtellversammlung ans den 26. d. M. in den Sitzullgssaal der israelitischen Knltnsgemeinde eingeladell. Wir benlerkell hierbei, daß die in der Delegirtellversalnmlnilg vom 18. Dezember v. I. zu Nürnberg beschlosselle Gründung eiiles „Verbandes Süddelltscher Israelitischer Hilfsvereine" wegen der Verschiedenheit der Verhältnisse in den betheiligtell Ländern, sowie lvegen allzu großer Ausdehnung des ill Aussicht genonlmenen Wirkungskreises llicht zu Stande komnlen konnte. Nachdem sich inzwischen in der Delegirtenversammlnng vom 22. Oktober d. I. zu Frankfurt a. M. ein „Süddeutscher Verba,ld israelitischer Hilfsvereine nild Gemeinden" gebildet hat, wird hoffentlich auch hier eine entsprechende Organisation zll Stande kommen, lvenn man sich zunächst auf das israelitische Arnienwesell ill Bayern r. d. Rh. beschränkt. Wünschenswer.th wäre es, lvelin weitere Verbände aller Orlen Deutschlands begründet würden, lim eine allgemeine Organisation für Wanderbettel rc. zu erhalten. Die. Grenzstationen sind lloch