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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-12-29 · Heft 52 (29.12.1899) · p. Seite 624

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 52 (29.12.1899)
Date
1899-12-29
Page
Seite 624 (sequence 12)
Language
German
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624 sie, indem ich auf den neben ihr stehenden Bauern beutete. „Ach wo, dies ist »nein Bruder," gab sie mir zur Antwort. Ich erkuudigte mich bei der Zweiten, der Dritteln aber Keine hatte ihren richtigen Manll bekommen, meill Freund Meyer hatte die traurigste Verwirrmlg in ihr schönes Verwandtschaftsverhältniß gebracht. „Nachdem es Ihnen gelungen ist, die Identität dieser Leute so glänzend zll beweisen, muß ich Sie dringend ersuchen, beu Saal zu verlassen." Aber Herr Meyer, an den ich diese Worte richtete, hatte augenscheinlich kein Verständnis; für meine so freundlich ausgesprochelle Aufforderung, im Gegentheil, sie schiell ihn sogar in Wnth zu versetzen, aus deur Meyer wurde urplötzlich ein Tiger, ilud da mall von Thieren keine Diplomatie verlangen kann, so vergaß der Edle jede Rücksicht ans die menschliche Schwäche, warf seine Taktik über Bord und rief mir wütheild zll: „Wie heißt verlassen, was bilderl Se sich denn eill, ich bin ä ehrlicher Mann, ä Mann, lvas is lvoht ßehu bis funfßehn Jahr älter als Sie, junger Malln," — ich hatte ihn stark ill Verdacht, daß er etlvas Anderes sageil wollte — ,chaben Se verstandell, heißt ä Chuzpeh, komint so ä lnmpiger Refrendegar, ruacht ä Stuß mit de Zeigen rrnd sagt mer, mer hem alten Meyer, ich soll den Saal verlassen," — bei den letzten Worten versuchte er meine Stimme nachznahmen und sprach deshalb Hochdeutsch, — „Se bilden sich wohl gar eill, Se sein der Herr Richter, so lvas is lner mei Lebtag noch nicht vorgekommen." Ohne auf seine Liebesbethenernngen zu achten, gab ich dem Gerichtsdiener den Auftrag, meinen Freund Meyer an die Luft zu setzen. Ich hatte jedoch lveder seine Intelligenz, noch das offene Fenster in Betracht gezogen, bald vernahm ich wieder feine liebliche Stimme: „Se Assesponim, Se Schalld for de Jüdenheit, ich lvär gedenkell an Ihre Niedertracht, und wenn mer Gott soll erhalten bis hllndert Jahr zu gesund; nu nü, ä Goj rvird was thun bem Jüd, das größte Unrecht thlrt imnler ä Jüd dem Anderen, es is ü gebenschtes Massel, daß mer »lischt haben ü jüdischen Melech, wenn Uler hätten ä jüdischen Melech, nlöchten alle Jüdeu aus'm Land ransgeschnlissen werden, Gott soll mer strafen, wenn ich nicht Hab' recht." Ich mußte das Feilster schließen lassen, nlld so entging mir leider der weitere Theil seiner Rede. Von diesem Tage aber all war unser schönes Freulldschaftsverhältniß gestört, Herr Meyer gillg mir stets ill lveitenl Bogen aus dem Wege, auch vor Gericht hat er Keinen mehr rekognoszirt. Frtterarrsche Mittheilrmgen. — Professor Dr. Moritz Steinschneider, der im April des nächsten Jahres sein vierundachtzigstes Lebensjahr vollendet, ist noch ganz jüngst an die Ausarbeitung eines Werkes herangegangen. zudem er seit fast 50 Jahren die Materialien gesammelt hat. Professor Steillschneider wird in diesenl „Bibliotheca judaea-arabica“ betitelten Werke das gesammte Schriftthnul der Jllden in arabischer Sprache, einschließlich der Uebersetzungen. bibliographisch verzeichnen und zugleich die wichtigsten biographischen Nachrichten über deren Verfasser mittheileu. Sprechfaal. Geehrter Herr! t nser gelehrter Freund S. I. Halberstamm ist am 22. Adar 5592 in Krakau geboren, wie ans meinem Magazin Jahrg. VIII.» S. 109 zu ersehen. Herr Professor Deutsch in Ci»»einnati ist daher mit seiner Notiz in der jüngsten Nummer im Jrrthum. zugleich aber auch darin, daß es erst einer Anregung von dort her bedurft hätte, um an,den 70. Geburtstag Halberstamms zu denken. Berlin, 19. Dezember: Ihr Dr. Berliner. * Geehrter Herr Redakteur! Äln Jezierzanij bei Czortkow will sich eine AnzahL Personen züsammenthnn, u»n als angebliches Komitee gemeinsam die Mildthätigkeit ihrer im Weste»» wohne»»den Glanbensge»»osse»» anSzllbeute»». Einer von ihnen wird als Rabbiner unterzeichuen. um mehr Eindruck zu machen. Ich mache darauf a»,s»nerksau», daß Jezierza»»ij »»ahe bei Skala, Borczow. Kndrynce liegt, drei Orten, die sich durch ihre Schnorrerko»»sortien in der Welt ei»»en Nalnen gemacht haben. Es ist bezeichnend, daß der Gegner eines solche»» Treibens sich »»ach auswärts lvende»» muß; »»ach meinen Ersah» »mgen finden diese Gauner bei den Behörden Schutz, denen die schlechte»» Juden, welchen mau mit Gefängniß drohe»! kann, wegen der Wahlmache lieber sind als die anständigen. Ein echt galizisches Stimmnngsbild. Ein A bo n »»en t. ^K>er ve» ehrlichen Redaktio»» sende ich in Verfolg des Artikels in Nr. 51 Ihrer Zeitmlg „Nochmals das Lehrlingsheim Pankow" ganz ergebenst folgende Berichtigllng: 1. Voll einen» „Widerstand" seitens des Unterzeichneten Vorsitzenden gegen de»» „Verschlnelzungs-"Plan ist bisher gar nicht die Rede gewesen; seine Ansichte»» darüber hat der Vorsitzende amtlich zu äußern noch kei»ie Veranlassung gehabt, sondern hierzu ist erst statutenmäßig in der Generalversam»lllung Raum. 2. Der Vorsitzende hat nicht „es abgelehnt" den diesbezügliche»» Antrag ans die Tagesordillmg einer Vorftandssitznng zu bringen; er hat vielrnehr den Antrag — »vie er dies statutenmäßig allei»» durfte — iil Form der Berichterstattung über den eingelanfeuen Antrag auf die Tagesordnung, und z»var nrehrerer Sitzungen gesetzt, so daß zur Aenßernng über den Antrag jeden» Vorstandsmitgliede in der umfassendsteir Weise das Wort gestattet war. 3. Es ist nicht ersichtlich, »»ach welcher Richtliug durch irgend »velche „Handlnngsweise" die Verfolgung des Antrags gehindert gewesen sein sollte, zn»nal doch der Artikel selbst erwähnt, daß »»»»»»»»»ehr der statutenmäßige Weg der Antragstellnng für die Generalversamrrllung eingeschlage»» »vorden ist. Ei»r solcher Antrag ist thatsächlich eingegauge»», uild z»var u»»ter Verrneidnng der juristischen Unkorrektheiten des in den» Artikel gedachten Antrages der drei Vorstandsmitglieder. 4. Es ist eine Verdunkelu»»g des Sachverhalts, wenn immer von einer „Verschmelzung" mit einem auderen Verein gesprochen »vird. Ei»»e solche Verschmelzung ist und bleibt nur als. eine Auslösung der „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke rc." unter Uebergang des Gesellschaftsvermögens in das Vermögen des „Lehrlingsheims" möglich, so lange nicht umgekehrt die Einwerfung des Vermögens dieses Vereins in das nr»serer besteheilde»» Gesellschaft erzielt »vird. Ei»»e Auflösung ist aber u»»r »»ach de»» ausdrücklichen Bestilnmnngen des Statuts »nöglich, nünllich durch Beschluß der Generalversa»»»mlu»»g; und der Vorsitzeilde durste und »vird eine etwa pflichtwidrig von einzelnen älteren oder neu eiugetretenen Vvrstar»dsnütglieder»» vers»»chte Umgehung der Ge»»eralversamn»lnng nicht dulden. 5. U»»richtigerwe»se spricht der Verfasser des Artikels von ca. 100 Lehrlingen, die durch „vier sogenannte Jnspektore»»" zu bewachen seien. Thatsächlich werden ca. 65 Lehrlinge d»»rch sechs Jnspektore»» und' ei»»em Vorsitzende»» derselbe»» belvacht. 6. Der Vorsitzeilde verlvahrt die Gesellschaft, derei» achtzigjährige Thätigkeit der Verfasser des Artikels selbst erwähnt, gegen jede Diskreditirung. Der Verfasser, der die Gesellschaftseillrichtnngen nicht z»» kennen scheillt, verrnag llicht zu benrtheilen, ob ihre alter» Einrichtungen sich aus ihrer bisherigen Grundlage nicht Halter» lassen und mag, wen»» er es ernst mit den» Jrlteresse der Gesellschaft meint, als Mitglied ordnungsmäßig feine Ansichten in der Generalversammlung in sachlicher Weise äußern. Mit vorzüglicher Hochachtung Leopold Lesser, Vorsitzender der Gesellschaft z»»r Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Jude»» int Preußischen Staate gegründet 1813. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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