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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-12-29 · Heft 52 (29.12.1899) · p. Seite 621

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 52 (29.12.1899)
Date
1899-12-29
Page
Seite 621 (sequence 9)
Language
German
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621 Zeugen unkenntlich find, berichtet uns, daß Freitag deil 6. Mai 1L51 -dM Buch in Avignon bereits verkauft wurde. Der ursprüngliche Besitzer, Don Luis den Samuel de Lagarde,8) verkauft die herrliche Handschrift, von deren Miniatnrenschmnck in den« Kaufbriefe nicht gesprochen wird, an den Manaffe den Jakob aus Navarra, wohnhaft in Avignon. Als Vermittler, der den Verkauf abschließt, den Kaufpreis überniinmt und vor dein Käufer und den Zeugei« darüber quittirt und mit feinem ganzen Vermögen vor dem päpstlichen Gerichtshof von Avignon und jeden« anderen gegen jede Anfechtung des Kaufe? sich haftbar erklärt, führt den Na»«ei« Eliot Josef de la Hahe, d. i., nach der Sitte, den Namen des Vaters dem des Sohnes als zweiten Nainen folgen zu lassen, die darnals schon bestand.9) Elia den Josef, >vohl ans einem Orte, La Hahe genannt. Der Kaufpreis, der für die Handschrift bezahlt ivurde, ist später in der Urkunde offenbar absichtlich ausgelöscht worden, sicherlich, um eine höhere Siiinme beim liächsten Verkaufe zu erzielen. Daraus erklärt sich die einzige Lücke in der sonst tadellos erhaltenen Urkunde. Kaum 22 Jahre später, wieder an einem Freitag, am 25. Februar 1373, sehen «vir die Handschrift in Arles aus dem Befitze Don Abraham Vidals de Bourrian in den des Jehnda ben Daniel um den Preis von fünfzig avignonesischen Gillden 10) übergehen. Vor den Zeugen David bei« David Abigdor und Jsak ben Jizhar Kaslia n) erklärt der Verkäufer, den Kaufpreis vollzählig erhalten zu haben und dagegen die Verpflichtung zu übernehmen, den neuen Besitzer gegen jede Anfechtung seines Eigenthumsrechtes zu schützen. Der Verkärifer dürfte der Vater jenes Vidal Abraham de Bourrian gewesen sein, der in dem Prozesse des Maestro Dnran de Cagenet und seiner angeblich ihn» angelobten Braut Meronne, der Tochter des En Salves Kazin von Arles 1387 als falscher Zenge eine traurige Robe gespielt hat. Auch David Abigdor, der den Kaufvertrag unterschrieb, dürfte einer angesehenen Familie angehört haben, anS der auch der Prvvencalische Uebersetzer Salomo ben Abraham Abigdor hervorgegangen ist.12) Fast 175 Jahre verstreichen, ehe wir «vieder von den« Verbleib nnseres Codex genane Knude erhalten. Wohin die Handschrift bei der Vertreibnng der Juden aus Arles in« Jahre 1493 zunächst gekomuien sein mag, das erfahren >vir nicht. Wir finden sie urkundlich bezeugt erst 1547 in Ferrara, >vo sie wieder an einem Freitag, am 18. November, verkauft wird. Verkäufer wi? Käufer uild Zeugen sind Persönlichkeiten, die von hellem geschichtlichen Lichte beschienei« werden. Abraham ben Menachem Finzi aus Rovigo, der Besitzer der Handschrift, nachmals dem Rabbinate von Ferrara angehörig/b) war wohl der Eiikel R. Abrahan« de Novigos und Neffe N. Israels, des *) Vgl. Neubauer R. E. T. IX, 215 n. 2 »ad H. Groß, Gallia Jndaica S. 16, 134. — 313 im Index p. 685 ist ein Drncksehler. 9) Vgl. H. Groß in Frankel-Grätz' Monatsschrift 1880 S.409 n. 1. Zunz. Zur Geschichte S. 563. '*) H. Groß. Gallia Judaica 621 theilt im Name» Israel Levis die Lesung: "INL' s'v mit «>'d möchte d. h. aus Caglar verbessern. Die Lesung ist jedoch nnziveiselhast sicher und nur angeblich sen, das jedoch stets geschrieben »vird. in p zu berichtige». ll) Vgl. H. Groß, Monatsschrift 1880, 408 ff. und Gallia Judaica S. 87 ff. -^'Jb. Mtschr. S. 410 ». 1. 1S) So unterschreibt er mit Chaskito und Abrahan» Bondia am 22. Marcheschivan 5327 in Ferrara einen Akt des Rabbinates; vergleiche Mortara .'V2N DISJID Seite 24 (nach Q"“i 31). Schuloberhaliptes von Ferrara, die uns beide Gedalja Jbn Jachja'^) als seine Lehrer neitnt, die ihr» die rabbinische Ordination ertheilt haben. Sein Vater Menachem hatte z«vei Brüder Mieser nnd Eljakim, mit denen er gewissermaßen die Sammlung seiner Bibliothek betrieb. In« Juni 1512 «vurde auf einer Pergainenthandschrift des Pentateuchkommentars Abrahan« Jbn Esras, die jetzt in meinem Besitze ist, vermerkt, daß sie mit anderen Büchern in dei« Besitz'.der drei Brüder Elieser, Eljakim und Menachen«, der Söhne Abrahan« Rovigos in Ferrara, übergegangen ist. Im Jahre 1527 wurde die Bibliothek u««ter den Brüdern zu Mantua getheilt.^) In den Besitz Menachems allein gelangten damals 56 Handschriften und Drucke, deren genaue Liste er auf dem letzten Blatte ««nseres Codex verzeichnet. Der Codex selbst, auf dessen Illustrationen >vohl durch die Beinerkung: schön hingewiesen «vird, steht a>« der Spitze der Liste. Abraham ben Menachein de Novigo, sein Erbe, hat sich nicht lange des Besitzes dieser Kostbarkeit erfreut. In» Jahre 1547 sehen »vir ihn des Schatzes sich entäußern, der offenbar das Wohlgefallen und die Kauflust der z»vei angesehenste»« Gemeindernitglieder von Ferrara,'I der Brüder Don Jakob und Don Jeh««da Abravanel erregt haben muß. Bei der Vertreibung der Juden aus Neapel »varen sie 1540 mit dem großen Wohlthäter der neapolitanischen Juden, ihrem Vater Don Saimiel Abravanel,^) nach Ferrara gekonnnen. Don Samuel »var bereits verstorben, als seine Söhne, die Fortsetzer der Ueberliefernngei» und Tugenden der Familie, die stets die Pflege des hebräischen Schriftthums dnrch Mäcenatenthun« und Sammlung ihrer Bücherschätze sich zur Aufgabe stellten, die kostbare Maimnnihandschrist in ihren Besitz brachten. Die Zeugen, der erste nachmals dem Rabbinate von Ferrara angehörig, Baruch Uriel ben Baruch Chasak, sonst Chaskito oder Forti genannt?2) und Mose Jabez erklären, daß Abraham ben Menache»« Finzi de Rovigo aus freien« Willen die Handschrift ben Brüder»« Abravanel verkanft, auf den etivaigen Mehrwerts) verzichtet und jeden etwa auftanchenden Anspruch auf diesen Besitz abzniveisen und abzmvehren sich verpflichtet. Es ist derselbe Chaskito, der seiner Verehrung für Don Jsak Abravanel in der kurzen Biographie, die er über ihn geschrieben, ein Denkmal errichtet hat.29) Der Preis, den Rovigo für seinen Schatz erhalten hat, ist mit keinen« Worte angegeben,2») ebenso »venig «vie auch nur eine Spur a««f der Handschrift zu entdecken ist. daß jenials Isaak Abravanel seine»« Namen auf ihre Blätter geschrieben hätte. '0 PDSpn ed. Venedig Seite 65. Menachen» ben Abraham Nvvigv in cod. Halberstamm fl^np war wohl sein Vater. i;) Nach dein Bncherkatalog im Anhang. *'°) Der Donnerstag den 15. Dezember 1583 in Ferrara «»erstorbene Jehnda ben Josef ben Jehnda Abravanel, dessen Grabstein I. B. Levi O’IMn rröpn e('- Halbersta IN Nl (Brody 1879) Seite 10 in Ferrara entdeckt hat, »var wohl der Enkel dieses Jehnda. 1;) n*»pn f- 65 d. ls) Zlinz, Kerem Chenled IV. 155. 19) In der Uebersetzung Vorrede wird daraus: „Ich bestätige zugleich, datz in diesem Bucke kein Fehler vorhanden ist; sollten die genannten Herren. Gott beschütze sie, doch einen Fehler finden, so erkläre ich meinen Vertrag für gelöst." 2 ) S. Abravanels «NV -1) Borrede erklärt Abrahanr ben Menachem der hier M a r a n i k genannt wird: „Ich habe dafür 300 Dukaten in Gold empfangen."

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