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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-12-29 · Heft 52 (29.12.1899) · p. Seite 620

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 52 (29.12.1899)
Date
1899-12-29
Page
Seite 620 (sequence 8)
Language
German
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c. 620 Thora) geschrieben, welcher an Unkenntniß der jüdischen Praxis und Gedankenrichtung das Menschenmöglichste aufweist und dabei voll der gemeinsten Entstellungen, des jüdischen Charakters ist. Ich will mir Näheres für einen Artikel über die Inden in der englisch-amerikanischen Litteratur Vorbehalten und bemerke nur, daß gerade tu solchen Karrikaturen sich die Anschaunitg von dem jüdischen Charakter widerspiegelt, sowie in Zolas jüdischem Figuren, in den: Abgeordneten und Gründer Kahn (Son Excellence Rougon), in seinem Justus Steinberger, der die jüdische Weltherrschaft anbahnen will, indem er seine Tochter mit dem Erben seines Konkurrenten verheirathet (Paris), viel mehr die französische Anschauung zu Tage tritt als in seinem Briefe an Fran Dreysns. Schlimmer als diese litterarischen Verunglimpfungen des Jndenthnms sind die apologetischen Ver- . sllche wie das Buch des Sensationspfaffen Madison C. Peters „Jnstice to Ihe Jew“ oder der Artikel Mark Twains irr der Septembernummer des Century Magazine. Mark Twain sagt uns alles erdenkbare Grrte nach, aber wir sirrd eben auch rricht nach seinem Geschmacke, und das trifft den Nagel auf beit Kopf. Der amerikanische Jude hat sich nicht am Eisenbahnschwindel betheiligt, er kauft nicht die Gesetzgebung zu Gunsten dorr Straßenbahnen von Industriemonopolen, ans seiner Mitte sirrd nicht die sinanziellen Massenmörder wie Jay Gonld, die Monopolisten roie Haverrreyer, welche sich in Form von Bonifikationen vom Staate Millionen schenken lasset!, nicht die Clans Spreckels, welche die Regierung in Abenteuer drängen, rmr ihre Zuckerplantagen zrr schützen, nicht die schmutzigen Geizhälse wie Rüssel Sage hervorgegangen, der sich von einem Buchhalter, der ihm das Leben gerettet hat, um einer geringfügigen Sumrne wegen klagen ließ. Die Erklärung all dieser Deklamationen über die Eigenschaften des Juderr, die ihrr verhaßt machen, liegt irr denr amerikanischerr Sprichworte: Wenrr man einen Hnrrd todtschlagen roill, beweist man zuerst, daß er toll sei. Manchem mag es politisch erscheinen, diese Dinge zu verschweigen oder zu beschönigen. Ich halte es für eine Pflicht der Selbstachtung, die Wahrheit zu sagen. Der jüdische Arbeiter findet in der Zeitung ein Arbeitsangebot — mir liegt ein solches in der New-Dorker Staatszeitung eberr vor — mit der Bemerkung: kein Israelit. Der jüdische Hausirer wird mit Steinerr beworfen, — trotz Ihrem Korrespondenten nur der jüdische — der jüdische Student wird in die Fraternität nicht ausgenommen, der jüdische Millionär wird im Sommerhotel der baute volee nicht zugelassen. Wem das nicht genug Antisemitismus ist, der mag fortfahren „sich nischt zu derkennen zu geben". Wohin eine solche Politik führt, hat die Dreyfusaffäre gezeigt. Jur Geschichte einer Handschrift. Von Prof. Dr. David Kaufmann s. A. m die merkwürdige Handschrift des Mischne Thora Maimunis,die vor etwa einem Jahrzehnt mit der Bibliothek des Marchese Carlo Trivulzio aus Mailand in den Besitz des Antiquitätenhändlers Julius Hamburger in Frankfurt a. M. übergegangen ist, h hat sich eine Legende gesannnelt, welche h Katalog der Antiquitäten-Sammlnng von Julius Hamburger, (Frankfurt a. M. 1888) S. '75—76. dem an sich schon kostbaren Codex noch das pretinm affecticnis einer historischen Reliquie verlieh. Etz. sollte 'WWbeDirw^inM sein, für das angeblich Jsak Abravanel 3Ü 000 Dukaten gezahlt hättet) Ja, um dcn Glorienschein dieses Denkmals zu erhöhen, hatte sich sogar angeblich von seiner Hand darin der ausdrückliche Vermerk gefunden, der hebräisch in blasser Tinte verkündet: „Hier in Venedig schreibe ich mit gebrochenem Herzen im Andenken an die gesegneten Tage, Jsaac'.Abarbanel, der kleinste unter den Menschen." Die Enkel Don Jsaks sollten den entfremdeten Familienschatz, wie uns scheinbar.mit '.dein Ernste zuverlässiger Wissenschaftlichkeit aus der Kaufurkunde selbst mitgethei.lt wird,3) nachmals nur den Preis von fünfhundert Dukaten in Ferrara zurückerworben haben. Ans dem ersten Kaufbrief, den die Handschrift enthält, soll als Zeuge 135.1 Moses Nachmanides unterschrieben sein, allerdings „schwer zu ent- Ziffern", wie in strenger Wahrhaftigkeit hinzugefügt wird.4) Bedenken mußte freilich schon ein Blick auf die Lesung des angeblichen Censnrvermerkes erregen. Da soll am 15. Dezember 1574 der Censor unter die Handschrift geschrieben haben :5) venims s. me Sausennii frangellii oder nachher zweiten berichtigten Entzifferung Revisus s. me Laurentiü Franguellü. Das ist natürlich der bekannte Censor Laurentius Franguella, der seit 1571 jüdische Drucke und Handschrifterl 31t puriftziren allsing, selber ein Haudbuch für Censoren dieser Litteratur anfertigte und iroch 1595 als Censor nach Mantua zur Untersuchung aller rabbülischen Bücher dieser Gemeinde entfeubet wurde.7) Wenn aber bei diesem Detail sich wenigstens doch die Wahrheit, wenn arrch mit Entstellungen, ergiebt, so ahnt man bei den übrigen Angabell, die den Codex so berühmt gemacht haben, nach sorgfältiger Einsicht in die Vorlage rricht einmal, wie sie zu Stande gekommen sind. Dank der Bereitwilligkeit des jetzigen Besitzers der Handschrift, des Herrn. L. Kramer irr Frankfurt am Main, und der Güte des Herrn Direktors Frarr- >. berger in Düsseldorf, der die Photographien der entscheidenden Dokumente arrs derrr Codex für mich angefertigt hat, kann nänrlich jetzt die wahre und nrkrrrldliche Geschichte der Handschrift hergestellt werderr, bei dererr Lichte die bisher behauptete zwar wie Gespensternebel vor der Sonne verrirrnen rnnß, dafür aber eine ganze Reihe von Thatsacheu zrr Tage kvmrrrt, die den Codex trotz der scheinbaren Zerstörung seiner Aureole nur um so bemerkenswerther machen. Bleibt auch die Entstehung dieses kostbaren Denkmales jüdischer Schreibernild Jlluminirkunst vorläufig noch in Dunkel gehüllt, da weder Urheber noch Zeit und Ort der Entstehung der Handschrift überliefert sind, so kann die Geschichte der Schicksale nlld des Besitzerwechsels des Codex, 311m Theile wenigstens, mit um so größerer Klarheit nild Sicherheit ermittelt werdeil. Das erste der drei Berkaufsinstrunlente, die am Schlüsse der Handschrift erhalten sind, am Fuße des vorletzten Blattes - angebracht, weshalb auch in der Photographie die Rauten der Nach der Fabel in JlVTHH S. 125. Vgl. Abweichungen des gedruckten Textes des Iad Hacbasaka (Fraukfnrt a. M. 1889) Vorrede. g Katalog S. 76. ) Ib. 75. ,;) a. a. O. h Vgl. G. S acer d 0 te in llsvue ües etuckes.siiives XXX. 271 ll. und M. Stern, Urkundliche Beiträge über die Stellung der Päpste zu deu Judeu S. 165 k.

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