Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1899)
- Date
- 1899-12-22
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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-MW 63. Jahrgang. Nr. S1. ^£1? Ottf* Serlin. 23. De;ember 1899 Werl'age zur „Atkgerneinen Zeitung des IrröentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. JBlt’litt, 15. Dezember. Am 13. d. M. ist, wie »vir-bereits kurz gemeldet im 58. Lebensjahre hier Herr Ko»nn»erzienrath Julius Jsäae nach kurzen, aber schweren Leiden an Herzlähmung gestorben. Mit diesem Mann ist einer unserer Besten, ein Freund der Wissenschaft nub Kunst, ein hochherziger Mäcen, ein Förderer aller gemeinnützigen und humanitären Bestrebungen, ein Wohlthäter der Artnen und Bedürftige»», ein »vahrhaft edler Mensch dahingegangen. Für alles Große und Schöne, für jedes Werk der Menschenliebe hatte er »varme Sympathie. Seine innige Liebe und seine volle Thatkraft »vidmete er ' aber vor Allem den Bestrebungen des Judenthums ans allen Gebieten. Er »var bei fast allen großen Wohlthätigkeitsn»»terneh»nu»tgen der letzten Jahre hervorragend betheiligt. Mit Nath und That förderte er alle Bestrebmlgen für Handwerk' Ackerbau und Krankenpflege. Was ihn aber am meisten auszeichnete, das »var feilte Llebe zum Jtldenthtim selbst. Unter den Männern, die sich z»»r Abtvehr antisemitischer Angriffe vereittigl hattet», stand er tu vorderster Reihe. Dem Verein für jüdische Geschichte und Litteratur gehörte er seit beffen Begründung im Herbst 1891 als zweiter Vorsitzender, und dem Verband der jüdische»» litteraturvereiue in Deutschland seit dessen Konstituirung in» Jahre 1893 als Schatzmeister an. Ueberall hat er mit hingebender Liebe, mit inniger persönlicher Theilnahme, mit nie ermüdenden» Eifer gervirkt. Weite Kreise trauert» heute um dsu vortreffliche»» Mat»u und de»» edle»», »varntherzigen Freuttd, dessen Name dauernd mit der Geschichte unserer Litteraturvereiue verknüpft sein »vird, und dem »vir für alle Zeit ei»» treues und dankbares Andettkeu betvahre»» »verden! — Das Leichenbegängniß J»tlit»s Jsaacs war eit» beredtes Zcugniß für die Liebe und Achtung, die er in unserer Stadt und Gemeinde getlvssen hat. Die Trauerfeier fa»»d heute Voru»ittag in» Tranerhause statt. Es hatte sich ei»» sehr großer Kreis, von Leidtragenden eingefundeu, der sich ans allen Schichte»» der Berliner Gesellschaft zusamnieusetzte. Man bemerkte die Geheimräthe Virchotv. Möbills und von Bergmann, die Professoren Baginsky, Israel. Philippson, ntehrere Stadtverordnete sowie die Vertreter zahlreicher Anstaltei» und Vereine, derer» thätiges ' Mitglied der Verstorbene gewesen war, so der Berliirer Rettu»»gs-Gesellschaft, des Vereitrs Berliner Kausleute und Jtrdnstrieller. des Kaiser und Kaiserin Friedrich-Krankenhauses, des Kolberger Kurhospitals, des Brüderverei»»s, der Gesellschaft der Freunde und anderer wohlthätiger Institute. Die Feier tv»»rde mit einem von» Musikdirektor Ketterman»» »irigirten Gesartg des Syrragogenchores eitigeleitet. Daun hielt Nabuner Dr. Mahbcn.nn die Trauerrede, in der er die vielen Verdienste des Verstorbenen um das Gemeinwohl würdigte. Hierauf sprach Dr. G»»stav Karpeles im Na »ne»» der jüdischen Litteraturvereitie und der Lesehalle, um in »varmen Worten für die Liebe und .Treue zu danken, die der Verstorbene länger dem» ein Jahrzehnt diesen Bestrebungen mit unerinndlicher Thatkraft gewidmet hat. Mit nochmaligem Chorgesang schloß die Feier, dann belvegte sich der Trauerkoudukt nach den» Friedhof in der Schönhauser Allee, wo die Beerdig»l»»g in» Erbbegräbniß stattfand. Das A»»deuken dieses Mannes wird aber fortleben zum Segen »»ach der Verheifzn»»g des Schrifttvortes: „Det»n die Edle»» werde»» leuchte»» »vie der Glanz des Firmaments l»nd die, welche Viele auf den Weg der Erkenn tniß geleitet», »vre der Sterne Chor für und für!" 2/D Neiiiii 15. Dezember. Der Bericht über die Rudolf Mosseffche Erziehungsanstalt für Knaben und Mädchen zu Wilmersdorf für die Zeit vom 1. April 1897 bis 31. Marz 1899 bietet ei»» »nahrhaft erfreuliches Bild vo»» dem Gedeihe»» und der Blüthe dieser Attstalt. Der Bestand au Zögli»»ge»» »var nur geri»»ge»» Sch»va»»kungen untenvorfen, da in der kttrze»» Zeit, die seit Eröffnung der Anstalt verflossen war, nur wenige von den n»eist in j»»gendliche»»i Alter ausgenommenen Zöglingen den Abschluß ihrer Schulbildung erreicht hatten. Der Wunsch des Stifters, christliche und jüdische Kinder in annäheritd gleichem Umfange mit beit Wohlthaten der Stiftung zu bedenken, »vurde etlvas erschwert dttrch die verhältnißntäßig geringe Anzahl von Gesuchen aus geeignetett jüdischen Fantilien. Zu Beginn dieses Jahres befanden sich in der Anstalt 50 K»tabe»t und 47^ Mädchen, und ztvar 25 evangelische, 23 jüdische und 2 katholische Knaben. 25 evangelische, 22 jüdische und 3 katholische Mädchen, u. zw. aus Preußen 76, aus Baiern 3, Sachsen 3, Württemberg 1. Hessen 1. Sachsen-Weimar 2, Braunschtveig 1, Anhalt 1. Reuß 1, Hamburg- 2. Elsaß-Lothringett 3. ans Oesterreich 4, Schweiz 1. Serbien 1. Der Berns der Väter der Zöglinge stellt sich solgender»i»aßeu: & i B '! : G!g|T? K! ® «822 G Christen. . Juden. . . '!!! I 1 1 1 12 12 2; — 5 5 3 5 1 2 i — i — 4! 3 .55 - i — I! 45 Summe 47 3! 12! 5! 6 i 5 3! 100 Das Lehrerkollegium besteht aus dent Direktor, der Vorsteheritt Fränlei»» Ottilie Broennnel, beu beiden Erziehert», Herrn Pfarramtskandidat Herman»» Thiel und Herrn Lehrer Elias Witt, und den beibeu Erzieherinnen Fräulein Marianne Neuntann und Frättlein Eutma Kohwalt. Die »»nterrichtliche Versorgung der Zöglinge ist so geregelt, daß die jüngsten Kinder. und ztvar Knaben und Mädchet» gemeinsam, vom 6. bis 9. Jahre in der mit der Attstalt verbundenen Vorschule unterrichtet »verden. Der mit der staatlichen Atlfsicht über die Erziehungsanstalt betraute Kreisschnlinspektor des Kreises Teltow, Schulrath Kob, und der Regiernttgsrath Taroith a»ts Potsdam revidirten öfters den Unterricht in der Vorschule. Für alle Zöglt»»ge, die das Lehrziel der Vorschule erreicht hatten, »var ursprünglich als a»»ge»nessene Fortsetzung der Besuch höherer Lehranstalten in Aussicht genommen und auch durchgeführt »vorder». Sämmtliche Zöglinge erhielten von» ersten Schuljahre an Unterricht in ihrer Religion; soweit es anging, in ben betreffenden Schulen selbst. Für die älteren jüdischen Zöglinge, beiten in ihren Schulen feine religiöse Unterweisung geboten »vurde, »varen in der Anstalt besondere Stunden eittgerichtet. in bettet» Herr Witt den in der Vorschule begonnenen Religionsunterricht weiterführte. Außerdem »vurde»» alle Zöglinge zu fleißigetn Besuche des Gottesdienstes angehalteu. Die evangelischen und katholischen Kinder ko»»nten ihre religiösen Bedürf»»isse in Wilmersdorf befriedigen; die jüdische»» besuchten das Gotteshaus der jüdischen Neformgemeiude zu Berlin. Besondere Aufmerksamkeit wurde der praktischen Ausbildung der Kinder getvidtnet. Die Anstalt beschräitkte ihre Fürsorge für die Kinder nicht auf die Jahre des Schulbesuches, sondern lieh den Zöglingen. die mit de»n 16. Jahre im Allgemeinen die Anstalt zu verlassen hatten, auch »veiterhin ihren Beistand, indeu» sie ihnen zu einer geeig»»eten Stellung in dem ertvählten Berufe verhals und sie beim Abgänge mit einer angeinessenen Ausstattung versah. Die Summe der Ausgaben der beide»» Betriebsjahre beträgt im Ganzeu 130668 Mark. Die Kosten für das einzelne Kind betrugen 1897/98, als 99 Zögli'.lge in der Anstalt »varen, 651.59 Mk., in» folge»»denJahre, bei 95Zöglingen 696.43 Mk. Die Chronik der Anstalt ebenso »vie die den» Bericht beigesügten Bilder zengen von dem innigen und gernüthvollen Zusa»nti,en»virken aller Faktoren. Möge die rasch ausblühende Anstalt ihre segensreiche Thätigkeit auch ferner in gleicher Weise fortsetzen. Ihre Existenz und ihr Gedeihen sind an sich schon ein Zeugnis; »vider ben Rassenhaß nnserer Tage und erwecken für die Zuknnst die schönsten Hoffnungen. 22 Berlin, 18. Dezember. Aus den Litteraturvereiue t». In Memel hielt Rabbiner Dr. Beertnann-Jnsterbnrg einen Vortrag über „Israels Erlösungshoffnuug. ein religionsgeschichtliches Problem". In Nakel -wurde der nenbegründete Verein, der bereits