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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-12-22 · Heft 51 (22.12.1899) · p. Seite 610

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 51 (22.12.1899)
Date
1899-12-22
Page
Seite 610 (sequence 10)
Language
German
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MO und der erste Jude, dem im deutschen Reiche durch allgemeine --Sammlung ein Standbild errichtet wurde, H.irs ch, H i r s ch fe l d, Kuhn, Laürertce. Senator,Trwube,Valentin, Wald end u r g und Wi n t e r n i tz. Auch das Schachspiel erfuhr von den Juden große Förderung. Als Meister find zu nennen:.Cohn, Lasker> Rösenthal, Steiuitz, Tarrasch, Zucherlart. Aber nicht bws auf geistigeirl Gebiete, sondern.auch in allen körperlichen Uebungeu leisten sie Hervorragendes. So sind die besten Fechter an der Wiener Alma inater die jüdischen Studenten, deren Verbindung „Kadimah" als bestschlageyde seit Jahren gefürchtet ist; so hat . vor einigen Jahren in chen olympischen Wettspielen zu Athen der Jude Dr. Paul Neumann, ein Sohn des bereits genannten großen Hautarztes in Wien, Hofrath Professor Neumann, im Schwimmen derr ersten Preis davongetragen, und so hat auch im Borjahre auf dem allgemeinen deutschen Turnfeste zu Hamburg ein Jude den ersten Kranz errungen. Daß die Juden auf dem Gebiete der Finanz und des Handels Großes geleistet und leisten, ist bekannt. Sind doch viele der berühmtesten Geldinstitute von ihnen gegründet worden. Aber nicht nur für sich haben die jüdischen Millionäre ihre großen Vermögen verwendet, sondern auch die Roth und Leiden ihrer Mitmenschen gelindert. Wo irgen d etwas zu helfen ist, greifen die Juden stets mit ihrem bekannten guten Herzen in hilfreichster Weise ein. Unter den vielen jüdischen Philanthropen seien erwähnt: Der große Wohlthäter Hamburgs Salomon Heine, der Philanthrop Roms Samuel Alatri, derjenige Brüssels J.R. Bisch offs heim und die Barone Hirsch, Touro, und Montefiore. Wie sich die Juden stets um ihre Mitbürgerverdienten, zeigen die beiden jüdichen Lordmayors der englischen Metropole, die Herren Salomons und Jsaacs. Wir sehen also, daß die Juden in allen Zweigen menschlicher Thätigkeit wacker und tüchtig mitarbeiteten und Mitarbeiten. Wahrlich, die Fülle der angeführten Namen genügt, um Jedem, sei er noch so voreingenommen, zu zeigen, daß der Jude überall seinen Mann zu stellen versteht. Wirken doch gegenwärtig an der Wiener Universität 151 ordentliche Professoren, die Juden sind, abgesehen von einer sehr großen Anzahl Extraordinarii und Privatdozenten. Daselbst sind auch die ersten Lehrer der Musik Juden. Auch an der Berliner Hochschule hatten im Jahre 1889 29 Juden Lehrstühle, wenn auch keine ordentlichen, inne, und dazu gesellten sich noch 49 Privatdozenten. Es dürfte keine deutsche Hochschule geben, die keinen Juden im Lehrkörper hätte. Mit vollem Recht kann der Jude sich sagen, daß er einen großen Antheil an der Kulturarbeit der ganzen Welt hat. Möge die Zeit nicht zu ferne sein, wo man beim Namen „Jude" sich nichts Anderes vorstellt als einen der thätigsten und tüchtigsten Mitarbeiter am Kulturleben der Menschheit. EUILLETO m ••••«• . Eifernde Liebe. Eine Erzählung von I. Zaugwill. IV. f ie Tage wurden länger und länger, der Sommer kam und überfluthete den arniseligen Krankensaal mit goldenen Sonnenstrahlen. — An dem Abend, an welchem Herzel den Get brachte, hätte Sarah jedes Wort auf dem Pergament lesen können, wenn ihre Augen nicht von Thränen getrübt gewesen wären. — Sie. streckte ihre Hand nach ihrem Manne aus üud suchte; das Dokument; er legte es in ihre brennend Heißen Finger; ihre Hand schloß sich krampfhaft, dann öffnete sie sich wieder, und das; Papier fiel auf den Fußboden. - Sarah war nicht mehr sein Weib. Herzel war froh, sein glühendes Gesicht verbergen zu können, indem er sich bückte, um das Dokument aufzuheben.. Es dauerte lange, ehe er es gefunden hatte. — Als er sie wieder anblickte, hatte sie sich im Bette aufgerichtet. — Große, heiße Thränen rollten über ihre verwelkten Wangen, aber sie nahm das Dokument ruhig in Empfang und verbarg es an ihrem Busen. „Latz es hier liegen," sagte sie mit steiniger Kälte, „hier, wo Dein Haupt so oft geruht. — Gesegnet sei der gerechte Richter!" „Du bist doch nicht böse mit mir, Sarah?" „Warum sollte ich böse sein? — Sie hatten Recht, ich bin nichts weiter als eine todte Frau. Aber Nieniand soll den Kaddisch für mich sagen. Niemand für die Ruhe meiner Seele beten. — Ich bin nicht böse, Herzel. — Dein Weib sollte die Sabbathlichter anzünden und das Stückchen Teig in das Feuer werfen. Aber Den« Hein« «var einsam und verlassen. Du hattest Niemand, der diese Pflichten für Dich hätte erfüllen können. Ich habe hier alles, waS ich brauche. — Und Du wirst auch glücklich sein!" „Du bist ein gutes Weib gewesen, Sarah," sagte er mit tiefer Bewegung. „Bring nicht die Vergangenheit zurück, von jetzt an sind «vir Fremde!" sagte sie mit der früheren Bitterkeit. „Aber ich darf Dich doch von Zeit zu Zeit besuchen?" Jetzt, «vo der Augenblick des Abschieds gekommen ivar, rührte sich sein Geivissen. . ' „Willst Du die alten Wunden wieder aufreißen?" „Lebe wohl denn!" Zögernd hielt er seine Hand hin, die sie schnell ergriff und leidenschaftlich an ihren Busen drückte. „Ja! Ja! Herzel! Verlasse mich nicht so. Komm und besuche mich von Zeit zu Zeit, ivie ein Freund, wie ein alter Bekannter, den ich in früheren Jahren gekannt habe. — Die Anderen vergessen mich; hier werde ich liegen, vielleicht sogar der Todesengel wird mich vergessen." — Sie drückte seine Hand krampfhaft in der ihrigen, so daß sie ihn schinerzte. „Ja, Sarah, ich werde kommen, ich iverde oft kommen," sagte er schluchzend. Sie ließ seine Hand los. „Aber nicht, bevor Du verheirathet bist." „Wie Du willst." „Du mußt selbstverständlich eine stille Hochzeit haben; in der englischen Synagoge wird man Dich nicht trauen." „Der Maggid wird mich trauen." „Du ivirst inir doch den Kesubah zeigen, wenn Du das nächste Mal kommst?" „Ja, ganz geiviß, wenn ich ihn von ihr bekommen kann." Eine Woche ging vorüber, dann kam er mit dem Trauschein. Sie bewahrte äußerlich ihre Ruhe vollkoinmen u»«d las das Dokument aufmerksam durch. „Gott sei Dank!" sagte, sie endlich als sie es ihm znrückgab, — Sie unterhielten sich Noch lange von gleichgiltigen

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