Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1899)
- Date
- 1899-12-22
- Page
- Seite 609 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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War dieser große Philosoph für die ganze gebildete Welt seines Zeitalters von größtem Einstuffe, so wirkte er »roch mehr ans das Leben seiner Glaubensgenossen ein. Ihm ist es auch zu danken, daß von nun ab die Juden wieder den allgemeinen fragen sich zuznwenden begannen. Diesem Beginnen kam aber am meisten die große französische Revolution zu Hilfe, die in Verfolg ihrer leitenden Grundsätze Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit, den Paria der Gesellschaft als Vollmensch erkannte und ihm alle Rechte gab. Auch der edle Kaiser Josef II. mit seinem Tolerauzakt hatte viel dazu beigetragen, den Inden an der Mitarbeit am Ansbau der Menschheit theiluehmen zu laßen. Ihm war es hauptsächlich zuziischreiben, daß man die jüdischen Staatsangehörigen für würdig erklärte, für ihr Vaterland die Blntsteuer zu entrichten. Daß die Juden stets brave Soldaten waren und sich rühmlichst hervorthaten, ist erst unlängst durch den Artikel „Jüdische Offiziere" gezeigt worden. Es begann nun allmälig der Schatten zu verschwinden, und den Juden , wurde immer mehr Licht gespendet. Die Staaten, die dies thaten, gewannen sehr viel dabei, indem sie sich eines leider zü lange vernachlässi gten guten Volkselementes versicherten. Zwar folgten die einzelnen Regierungen nicht gleich dem großen Beispiele der Franzosen, aber mit der Zeit traten immer mehr Erleichterungen für die Bekenner des Judenthnms ein. Sie wurden zum akademischen Studium zugelassen und auch manche andere Berussarten erschloß man ihnen. Diese Begünstigungen, die zu lange auf sich warten ließen, vergalten und vergelten die Juden in schönster Weise. Eine große Summe der erlauchtesten Namen ist es, welche die Inden dem 19. Jahrhundert schenkten. Es hielt zwar schwer, alle anzuführen, aber aus der großen Menge ist eine kleine Zusammenstellung ausgewählt worden. Die folgende Liste nach Berufskategorien geordnet, erhebt bei Weitem keinen Anspruch ans Vollständigkeit. Nicht nur die bereits vom Schauplatze ihres Wirkens Abberufenen sind hier verzeichnet, sondern sehr viele üoch unter uns Lebende. Auch »volle man mit mir nicht darüber rechten, daß ich vielleicht manch Einen genannt habe, der es nicht verdient. Ich habe nur versucht, eine Anslese aus den bekanntesten Narnen zu geben, ohne Unterschied auf den Grad ihrer Bedeutung und auch ohne Rücksicht darauf, daß Manche von ihnen vielleicht dein Jndenthume den Rücken ge- »vandt haben. Sie »vürden es »vahrlich nicht gethar» haben, wenn sie mitunter die großen Männer ihres Stammes gekannt hätten. Stolz ans sie wären sie ihrem Stamme treu geblieben. In der Politik, die in erster Reihe genannt sein rnöge, haben die Juden stets sich ausgezeichnet, sobald es ihnen erlaubt »var, in dieselbe thätig einzugreifen. In Deutschland sind es die Namen: Bamberg er, Jacoby,Kosch, Lasker, Marcus — der mecklenburgische Rießer — Morgenstern, der erste jüdische Landtagsabgeordete Baierns, Rießer und Simson; zu neuner» wären noch die Abgeordneten Wolfgang Straßmann, der langjährige Präsident der Berliner Stadtverordueten-Versammlnng Ludwig Löwe, Ferdinand Lassalle und Karl Marx, ferner Moritz Veit. In Oesterreich sind es die Politiker Adolf Fisch Hof, der berühmte Achtundvierziger, Oswald Hönigsmanu und der langjährige Führer der deutsch-liberalen Partei im Reichsrath Ignatz Kuranda. Adolphe Crsmieux, der Justizminister, der Finanzminister Michel Gou dcheaux wie Achille Fould gereichen Frankreich zur Ehre, wie dem groß-britannischen Reiche Männer wie Disraeli, Lord Herschel und der Gouverneur von Neuseeland Vogel. Für England sei noch der Reichsoberarchivar George Jessel erwähnt. Italien hat den edelsten Vorkämpfer für feine Einheit Daniel Manin, Giuseppe Fiüzi,^ Mir Vermittler zwischen Cavonr und Garibaldi, den gelehrten Staatsmann Emil Morpnrg v und den noch lebenden Luzzatti. In den Niederlanden glänzen die Nameir Karl Äffer, Mitglied des Staatsrathesund der Justizminister Michael Godesroi. Um die schöne Litteratur machten sich verdient Äguilar, An erb ach, M. Be er, Bernstein, Börne, Cclnierini, Fortis, L. A. Frankl, Franzos, Hartmann, Gozlan, Heine, Jacobson, Jung, Kompert, Kuh, Manthner.Mosenthal, Weill, Zangwill. Die Humoristen Jacobsohn,Kalisch und Saphir. Die Kritiker Brandes und Nord an. DieModerneu: Hirschfeld, Fulda und Schnitzler. Hie schöne Tonkunst fand i»i»»ner an den Inden die begeistertsten Freuilde und eifrigsten Pfleger. Eine stattliche Zahl von Komponisten und eine noch größere von Virtuosen entstammen dem Jndenvolke. Zu Ersteren gehören vornehmlich Halevy, Mendelssohn, Meyerbeer und Offenbach; zu Letzteren, die aber auch zum großen Theile kvmpvnirteii oder es noch thun, die Geiger An er, Hauser, Joachim, Räppoldi und Singe r; die Pianisten A. Grünfeld, A. und N. Nnbinstein, Hofmann und Rosenthal: die Cellisten Davidow und Popper. Erwähnensiverth sind noch die Dirigenten Levi, Lassen und Gustav Mahler, die Tonsetzer Brüll, Jaddassohn und Goldinark und dieMnsikerfarnilie Damrosch. Auch die große Lucca soll von Inden abstammen. In der Schauspielkunst sind es die Namen Dawison, Friedmann, Sonnenthal und die Familie Des so i r. Die Rachel und Sarah Beruh« rdt sind ehenmlige Jüdinnen. Bedeutende Maler und Bildhauer: Autokolski, Alma Falkner, Fr. Friedländer, Horowitz, Israels, Liebermann, Ezechiel, Oppenheim und Salomon. In den verschiedensten »vissenschaftlichen Disziplinen ist die Fülle von Namen eine nahezn erdrückende. Nur ganz besonders bekannte Namen mögen hier hervorgehoben sei»». In der Jurisprudenz: Jonas D. Meyer, Gans. L. Goldsch »nidt, Carl Grünhut, Jellinek, Rnbo, der erste jüdische Rechtslehrer in Halle, und WolfgangWessely, der erste jüdische Ordinarius ander Prager Universität. In der Philologie: Salvatore de Benedetti, Ascoli, Bernays, Darmesteter, I., Fiorett» tino, Luzzatto, D. H. Müller, Eduard undSalomon Munk, Derenbourg, Mussafia, Reinach, Sanders, Sternund Steinthal. In der Geschichte: Beer, Büdinger, Grätz, Sir Francis Cohen, Palgrase, Philippson, und viele Andere. In der Philosophie: Maimon, Stern, Sommerhansen, Cohen, Lazarus ur»d Gomperz. Astronomie: Herschel, Beerund Maurice Loervy. Physik »Hertz, Marburg. Chemie: Lieben, Lieber»nann, Liebreich, Lunge und V. Meyer. Botanik: Cohn, Sele»»ka. Dst medizinischen Fächer haben eine Fülle leuchtender Namen, von denen folge»»de genan»»t seien: Die Augenärzte Hirschberg, Mauthner und Schnabel; die Anatoinen und Physiologen Bernstein, Haidenhain, Munk, Rosenthal, Schiff, Zuckerkand!; die Dernratologen: Kaposiund Neu mann; die Laryngologen: Fraenkel, Schnitzler und Stoerk; der Nervenarzt Benedikt, der Irrenarzt Lombroso; der Ohrenarzt Pölitz er und die Namen Casper, Cohnheim, G lu ge, I ako b H erz, der erste jüdische Ordinarius in Bayern