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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-12-22 · Heft 51 (22.12.1899) · p. Seite 605

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 51 (22.12.1899)
Date
1899-12-22
Page
Seite 605 (sequence 5)
Language
German
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— 665 —— religionswisseiischäftlichen und guv homiletischen Fvrtbildlmg der Lehrer, sowie zur 'Ausbildung derselben für den Schnlaufsichtsdienst besondere Fortbildungskurse, 2. zur Weiterbildung für die zum Kcmtorat besonders Befähigten Kantorenkurse eingerichtet werden. — Bei der vorgerückten Zeit wurde Punkt 3. Mittheilungen des Verbandsvorstandes von der Tagesordnung abgesetzt. — Dann erfolgte, da Herr Dr. Adler voraussichtlich zu Ostern seinen Wohnsitz aus der Provinz Brandenburg verlegt, die Wahl des ersten Vorsitzenden; durch Zuruf wurde Dr. Fiegel gewählt. Hierauf ergriff der 2. Vorsitzende. Herr Heideiiseld. das Wort, -um Herrn Dr. Adler für seine so nutzbringende Thätigkeit im Interesse des Vereins seinen und der Versammlung herzlichsten Dank auszusprechen und dem Wunsche Ausdruck zu geben, daß Herr Dr. Adler auch in seinem neuen Wirkungskreise sich das Vertrauen und die Liebe gewinne, die er hier in so reichern Matze genossen.— Endlich wurde beschlossen, die nächste Versammlung am Himmelfahrtstage 1900 in Luckenwalde abzuhalteu. Damit war die Tagesordnung erledigt. Nunmehr ergriff Herr Kolodzinsky das Wort zu folgender Erklärung: Im Protokoll der Generalversammlung des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg vom 11. Mai 1899 steht infolge eines Mißverständnisses, daß der Neserent über das Verbandsthema: „Welche Anforderungen müssen an den jüdischen Lehrer gestellt werden?" „im Allgemeinen sein Einverständuitz mit den Ausführungen, des Kollegen Feiner-Haniburg erklärt hat." Gerade das Gegeutheil war der Fall. Der Referent ist im Gegensatz zum Kollegen Feiner für die unbedingte Beibehaltung der jüdischen Lehrerseminarien. Das Mitzverständnitz in dem Protokoll ist wohl dadurch zu erklären, daß der Referent im Läufe seines Referats den Namen'Feiner mehrmals erwähnt hat. Nach Schluß der Sitzung hielt ein gemeinsames Mittagsmahl die Kollegen noch lange zusammen. Auch bei dieser Gelegenheit wurde von mehreren Rednern dem Bedauern über das Scheidern des Herrn Dr. Adler lebhaft Ausdruck gegeben. Herr Dr. Adler versicherte, daß er auch in der Ferne den Bestrebungen des Vereins dauernd sein Interesse zmvenden werde. Dr. Fiegel i. V. Aus dem Studentenleben. Von cand. jur. SOt. girier. , Berlin, 10. Dezember. estatten Sie einem Studenten, der freilich wohl die längste Zeit Stndent gewesen ist, im Anschluß an den in Nr. 27 Ihrer geschätzten Zeitung befindlichen Aufsatz des.Herrn Rechtsanwalts Eugen Beer, München, „Ans dem Studentenleben" das Wort zn ergreifen in einer Angelegenheit, von der schon längst die Oeffentlichkeit zn erfahren verdient hätte. Denen, die im Siudententhum selbst stehen oder wenigstens in reger Verbindung sich mit ihm befinden, werden diese Zeilen nichts Neues sagen, wohl aber werden sie den Fernstehenden die Augen öffnen und ihnen Wahrheit und Klarheit geben über Zustände des jüdischen Studentenlebens, von denen sie sich nichts hätten träumen lassen. Ich stimme mit dem Verfasser jenes Aussatzes völlig überein darin, daß es für uns Juden eine schmerzliche Thatsache ist, daß ans den Universitäten in immer stärkerem Maße der Antisemitismus um sich greift und den jüdischen Studenten die Möglichkeit genommen ist, in Korps,Bnrschenschasten und die anderen „christlichen" Verbindniigen einzutreten; daß es aber andererseits recht erfreulich ist, daß sich insolge dieses Druckes eine Anzahl rein jüdischer Korporationen gebildet hätten. Ferner macht der Verfaffer mit Recht auf die allzu bekannte Erscheinung aufmerksam, daß jüdische „Alte Herren" noch immer m ihren alten Verbindungen verkehren, obivohl diese den Ausschluß von Inden proklamirt haben. Alls die Selbstachtung und Gesinnung dieser „Alten Herren" wirft das ein grelles Licht. In manchem Anderen aber bin. ich nicht einverstanden mit den Ausführungen deS Herrn Verfassers, und ich werde inr Folgenden mich bemühen, objektiv darzustellen wie in Wahrheit die ganze Sache liegt. Man kann unter den bestehenden jüdischen Verbindungen zwei Arten unterscheiden, die, welche sich selbst jüdisch nennen, und die, welche dies nicht thun, aber von deil anderen so bezeichnet werden. Diese letztere»! bestehen zwar ausschließlich aus Inden (wenn es hoch kommt, habeil sie zlvei bis drei Reiiomrniergojim), wollen aber durchaus nichts vom Judenthmn »bissen.. Ihren Namen Pflegen sie meist urgermanischen, den Wotanskult Pflegenden Stämmen zu entlehnen, wie sie denn auch ihre christlich-deutsche Gesinnung in fidelen Weihnachtskneipen zir bethätigen suchen, bei denen sie unterm Weihnachtsbäum vielleicht selbst an ihre nrarische Abstainmllug glanberi. Auch kommt es vor, daß sie an» Jom-Kippur (wahrscheinlich haben sie an anderen Tagen keine Zeit) Ausflüge unternehmen. Eine Spezies dieser Vereine sind die Prozeiltjndenvereine; diese haben sich das Verhältniß der, jüdischen, evangelischen und katholischen Bevölkerung ausgerechnet und bestimmen demgeniäß die Höhe der zuzulassenden Juden. Da sie aber nicht allzu viel Christen zum Eiritritt bekommen können, so fitib sie zu ihrem großen Leidwesen genöthigt, die gefundene Prozentzahl zu »nnltipliziren, und es ist klar, daß diejenige Korporation als die feinste gilt, die bei ihrem ersten Prozentsatz verbliebei» ist. Dies kommt jedoch kaum vor; meist bestimmen sie, daß höchstens 25 Prozent oder 50 Prozent Juden ausgenommen werden dürfen. Und das Schönste ist, daß ein derartiger Beschluß prozentweise Juden aufzunehmeu, meist von Juden ausgeht! Der Entwickelungsgang dieser, für Gerechtigkeit und Prozente so begeisterten Juden, pflegt dann geivöhnlich der zu sein, daß sie „aus tiefster Ueberzeugung von der Wahrheit der christlichen Lehre" baldigst sich taufen lassen und eine vorzügliche Carriere machen. Gott sei Dank sind diese Gesellen nllnmehr auch Von christlicher Seite durchschaut worden, und es wird ihnen auf beiden Seiten gleiche Verachtung zu Theil. Aber den Eltern und Erziehern jener jungen Herren ist eill Vorwurf nicht zu ersparen, denn abgesehen von Denen, die gleiche Anschauung haben, wenden Jene nicht Energie genug auf, nur diesem Treiben Einhalt z»i thun. Es mag ein Trost für uns sein, daß nicht die gesanlinte jüdische Jugend so niedrig denkt. Vielmehr ist anzuerkenllen, daß in letzter Zeit von Jahr z»l Jahr immer mehr Verbindungeil entstehen, die treu znm Judenthum stehen. Erwecknng einer echten religiösen Gesinilung, Hebung des Selbstbewußtseins und der Selbstachtung ist ihr erstes Ziel; daneben erstreben sie auch durch Leibesübungen den Körperkräftig und gewandt zu machen. Leider kann ich nicht so unbedingt in das Lob des sog. K-C einstimmen, d. h. eines Verbandes jüdischer Korporationen, der sich über die nieisten bedeutenderen deutschen Ulliversttäten erstreckt. Wenn der Verfasser davon spricht: „In der einen Hand den Schläger, mit dem Jeder zur Rechenschaft gezogen wird, der sich erfrecht, die Leute (!) zu beleidige» . . ", so bedauere ich außerordentlich, daß jüdische Studenten sich auf den Mensur- und Duellstandpunkt stellen, der nur noch für die Fernstehenden ein Stück echter, schöner Romantik bedeutet, der aber, im Grunde genommen. doch nur als Nachäffung mittelalterlicher Unsitten .anzusehen ist. DenGinwand, den die Herren von» K-C immer machen, daß sie nur so den den Juden gemachten Vorwurf üiiik f!

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