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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-12-22 · Heft 51 (22.12.1899) · p. Seite 604

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 51 (22.12.1899)
Date
1899-12-22
Page
Seite 604 (sequence 4)
Language
German
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604 Nochmals das Lehrlingsherin Panksrv Berlin, 44. Dezember. f ie weitere Entwickelung der Angelegenheit betr. Verschmelzung der „Gesellschaft zurVerbreitung der Handwerk« und des Ackerbaues unter den Juden im PreußischenStaate"mit dem „Verein Lehrlingsheim Pankow" geht nicht so gut von Statten, wie anfänglich erhofft werden konnte. Infolge einer, wenn auch nicht statutenwidrigen — da das Statut der „Gesellschaft", ebenso reformbedürftig wie die Thätigkeit derselben, nichts über die Geschäftsleitnng seitens des Vorsitzenden enthält — so doch von der bisher in Vereinen üblichen Gepflogenheit abweichenden Handlungsweise hat der Vorsitzende es abgelehnt, den von drei Mitgliedern eingebrachten und von vier anderen Vorstandsmitgliedern »och besonders unterstützten Antrag ans die Tagesordnung einer Vorstandssitzung zu bringen. — Erfreulicherweise hat indeß die auch von uns seit längerer Zeit für sinn- und zeitgemäß gehaltene und daher in diesem Blatte oftmals vertretene Idee der Verschmelzung unter den Mitgliedern der Gesellschaft schon so viel an Boden gewonnen, daß. wie wir in Erfahrung gebracht haben, aus der Mitte derselben ein ähnlicher Antrag direkt für die ordentliche Generalversammlung, die im ersten Viertel des nächsten Kalenderjahres statutenmäßig stattzufinden hat, beim Vorsitzenden bereits eingereicht worden ist. — . Hieran erlauben wir uns einige Bemerkungen zu knüpfen. Erwägt man die Thatsache, daß im Schooße des aus elf Mitgliedern bestehenden Borstandskollegiums sieben, denen man doch dieselbe Uneigennützigkeit und dasselbe Jntereffe für die Bestrebungen der Gesellschaft zntrauen darf und kann ivie der Minorität, sich für einen Plan erklären, so kann ihm Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit nicht abgesprochen werden. Berücksichtigt man ferner, daß mit diesem Plane und seiner Verwirklichung ja nichts gegen .den Geist und die Bestrebungen der Gesellschaft unternommen wird, sondern daß die von ihr gepflegte Idee der Verbreitung und Förderung der Handwerke und des Ackerbaues lediglich in einer den veränderten Zeitnnd Lebensverhältniffen angemesseneren und darum nützlicheren Art und Weise zum Ausdruck gebracht werden solle, so wird man den Widerstand nicht begreifen. Zieht man endlich in Erwägung, daß viele Vereine mit gleicher Tendenz entweder Lehrlingsheime gegründet Haben (wie der Verein in Wien, Budapest, Düsseldorf, Köln), oder sich gezwungen gesehen haben, wenigstens einen besoldeten Beamten zur Neberwachung ihrer Pflegebefohlenen anzustellen, weil, wie der vor einigen Tagen uns zngegangene „Bericht über die Thätigkeit des Vereins zur Beförderung des Handwerks unter den Inden in der Provinz Hannover für die Jahre 1897—99" es offen und ehrlich ausspricht, die Beanfsichtignng ihrer Lehrlinge den Direktions- Mitgliedern zu schiver wurde —, so müffen wir unserer Verwunderung Ausdruck geben, wie der Vorstand der „Gesellschaft zur Verbreitung k." behaupten könnte, ca. 100 Lehrlinge in der Hauptstadt des deutschen Reiches durch vier sogenannte Inspektoren genügend überwachen zu können — durch Herren, von denen Jeder seinen Lebensberuf und viele Ehrenämter und Bürgerpflichten hat! Wir haben daher schon einmal an dieser Stelle betont, daß es seitens der „Gesellschaft" ein großer Fehler gewesen war, das ans ihrem Schooße entstandene Tochterinstitut, obgleich es den Beweis seiner Lebensfähigkeit und seiner Existenzberechtigung erbracht hatte, stiefmütterlich von sich abgeschüttelt und gleichsam es ausgesetzt zu haben, weil sie angeblich das Kind nicht habe ernähren können oder wollen. Uns dünkt, diese Gesellschaft hätte gern die Schöpfung des Lehrlingsheims als ihren den sekunim, als die Krone ihrer achtzigjährigen Thätigkeit, auffassen und so verjüngt in das zivanzigste Jahrhundert hineingehen sollen! — Nun, es bietet sich die beste Gelegenheit, den Fehler wieder gut machen. Das Kind ist zwar ohne die natürliche Liebe und Hilfe der Mutter herangewachsen, andere Eltern haben sich seiner angenommen, aber die Mutter darf trotzdem ihre alten Tage im Heini ihrer Tochter verbringen. Begeht die Mutter den Fehler wiederum, von ihren Kindern nichts wissen zu wollen, weil sie in engherziger Weise bei Lebzeiten nicht beerbt sein möchte — so wird sie es sicherlich später einmal bereuen! Denn es ist gewiß, daß die Gesellschaft tu den Erfolgen ihrer Thätigkeit Zurückbleiben wird und muß, weil neuere Zeitverhältniffe neuere Einrichtungen erfordern, und weil sich, tute Gabriel Rießer so treffend ln seiner „Vertheidigung der bürgerlichen Gleichstellung der Inden" ausführt, „die alten Einrichtungen auf ihrer alten Grundlage nicht halten lassen." Bericht über die Versammlung des Vereins Indischer Lehrer der Provinz Brandenburg. Berlin, den 12. Dezember 1899. rn 22. v. M. fand die Versaninllung des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg. wie alljährlich am Bußtage, in Berlin statt. Die Sitzung wurde um 11V§ Uhr in der zweiten Neligionsschnle der jüdischen Gemeinde. Lindenstraße 48/50, mit einer Lehrprobe des Herrn Nemack über „die drei Männer im Feuerofen" eröffnet. Herr Nemack beniühte sich 311 zeigen, daß man auch im biblischen Geschichtsunterricht die konzentrische Methode wohl anwenden dürfe. Er suchte, nachdem er in elementarer Weise den Stoff den Schülern nahegebracht, den sittlich-religiösen Gehalt zu entwickeln, fand aber in der Diskussion nicht überall die Zustimmung der Anwesenden. Namentlich wurde in der Debatte darauf hingewieseu, daß die Erzählung für die Schüler hatte fruchtbarer gemacht werden könllen. — Darauf trat die Versa»nmlnng in die Fortsetzung der Debatte über die von Herrn Kolodzinsky in der Maiversarumlung ausgestellten Thesen zu denl Verbandsthema: „Welche Anforderungen müssen all den jüdischen Lehrer gestellt werden?" ein. Das Ergebniß dieser Debatte lvar die Annahme folgender Leitsätze: I. Der Verein jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg stellt sich ill Bezug ans die allgenieine Ausbildung der Lehrer auf deil Boden der Beschlüsse der deutschen Lehrerversamnllung in Breslau im Jahre 1898. II. Mit Rücksicht auf die besonderen Anforderungen, die an die jüdischen Lehrer gestellt werden, ist zu verlangen: 1. bei der Aufnahmeprüfnttg für das Seminar genügende Vertrautheit a) mit der biblischen Geschichte und den wichtigsten nachbiblischen Epochen, b) mit dem Pentateuch im Urtext und mit dem Gebetbuch; 2. bei der Entlassungsprüfung: a) gründliche Kenutniß der jüdischen Geschichte und Neligiouslehre, d) im Hebräischen das Verstaudnist der Bibel und leichter rabbinischer Texte, c) Vertrautheit mit der Methodik des gesummten Religionsunterrichts, ä) Bekanlltschaft mit der Liturgie und dem Vorbeterdienst. Nachdem diese Thesen mit allen gegell drei Stimmen angellomuren rvaren, wurde noch folgende Resolution gefaßt: Der Verein jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg richtet an den Deutsch-israelitischen Gemeindebund die Bitte,. dafür Sorge tragen zu wollen, daß 1. zur

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