Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1899)
- Date
- 1899-12-15
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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sehr gefördert. Daneben war er freilich von einem religiösen FanatisnntK erfüllt, der .jede,, auch die geringfügigste Reform hier.lange Jahre verhjuderl hat. Wenn es ihnt znm Rnhnte nachgesagt wird, daß er mit Feuereifer für die Orthodoxie sein Leben lang gewirkt hat, sp ist dem nichts hinznzufügen^' als daß dieser Nachruf den Thatsachen durchweg entspricht. Es gereicht dem Verstorbenen aber zur Ehre, daß er trotzdem die ungetheilto Achtung Imd Werthschätznng aller Parteien in der Gelneinde genossen hat. wie sich dies bei der Beerdigung am Freitag kund that. Trotz der ungeeigneten Stunde und grimmigen Kälte geleitete ein ansehnliches Trauergefvlge die irdischen Ueberreste des allgemein geachteten Mannes zur letzten Ruhestätte. Im Trauerhause sprach ein.Bruder des Verstorbenen, Direktor Dr. M. Hirsch aus Frankfurt a. M., am Grabe die Herren Landrabbiner Dr. Gronemann, Seminardirektor Knoller und Dr. M. Braunschweiger. Das Andenken des frömmelt Mannes bleibe gesegnet. L. Ha-tzlßyver, 8. Dezentber. Jl, der am 7. Dezember abgehal teilen Generalversanttnlllng des „Vereins zur Besörderun.g d e s H a n d w e r k s unter d e n I n d e n i n der Provinz Hannover" ergab es sich, daß die Anforderungen, lvelche in dem verflossenen Vereinsjahre an die Mittel des Vereins gestellt wurden,, sich gesteigert, die Mitglieder dagegen sich um 19 verringert haben. Unter ' den vom Vereine unterstützten Jünglingen haben sich mehrere der Schlosserei, andere der Tischlerei und wieder andere der Mechanik und Elektrotechnik zugewandt. In der Stadt Hannover sind z. Z. 12 Lehrlinge nntergebracht, die von dem emexitirten Lehrer, Herrn Nosenbcnnn, in ihrer sittlichen nud religiösen Führung überwacht Werdern Mehrere Lehrlinge haben im verflossenen Jahre ihr Gesellenstück zum Theile mit dem Prädikate „Gut" abgelegt. Die iu der Lehre befindlichen jungen Leute erhalten von ihren Meistern durchweg gute Zeugnisse. Eine bedauerliche Ausnahme voll schlechter Führung ist leider zll verzeichnen gewesen. Herr Moritz Magnus, der eilte Reihe von Jahren dem Vorstande angehörte und seines Amtes mit Treue und Hingebung gewaltet hat, ist durch den Tod dem Vereine entrissen worden. In den Vorstand neu gewählt sind die Herren Fabrikbesitzer Leopold Gompertz und Bankier Julius Mendel. Zum Schlüsse soll eine Tabelle über die Wirksamkeit des Vereins in der Zeit von 1897 bis 1899 Zengniß ablegen. In dieser Zeit habet, sich zugewandt: der Buchbinderei 7, der Schneiderei 7, der Schlachterei 9, der Uhrmacherei 2, der Schlosserei 8, der Klempnerei 1. der Sattlerei 9, dev Malerei 9, der Kürschnerei 1, der Tischlerei 32, der Drechslerei 1, der Bäckerei 2, dev Glaserei 2 Jünglinge. Ferner wurden 2 Goldarbeiter, 14 Mechaniker, 2 Schuhmacher, 10 Tapeziere. 2 Photographen, 7 Techniker. 1 Maschinenbauer und ein Metalldreher unterstützt. - ** Hamburg, 7. Dezember. In dem am 2. dl M. hier gestorbenen Herrn Marens Nordheim ist, wie wir bereits in dem Nachruf gesagt haben, ein großer Wohlthäter dahingegangen. Heute, ist sein Testament auf dem Rathhanse eröffnet worden. Der Testator vermachte außer, den Familienlegaten folgende Legate an Wohlthätigkeits- Stiftungen: Deutsch-Israelitische Gemeinde 60000Mark, Pevstonsforchs der Lehrerinnen der israelitischen Töchterschule 10000 Mark, PaulinMstist 5000 Mark, Talmud-Thoraschnle 5000 Mark. Israelitisches Waisenhaus 5000 Mark, Mißthßhilfsverein 5000 Mark, Verein zur Vertheilutlg von Feuerung 5000 MaHk< Verein zur Uuterstntznllg armer Wöchtlerintlen der israelitischell Gemeinde 5000 Mark, Kratlkenhaus der israelitischen Gemeinde 5000 Mark. Altenhaus 5000 Mar'k. Pestalozzistlftung 5000 Mk., Poliklinik des Krankenhauses der israelitischen Gemeinde 5000 Mark, Vaterländischer Frauenhilfsverein 5000 Mark. Wohlthatiger Schulverein 5000 Mark, Seenwnns-Krallkenhaus 5000 Mark, Kunsthalle 10000 Mk., Memmels.dorfer Gemeinde (Geburtsort des Testators) 10000 Mark, das dortige Kinderheim 5000 Mark, die dprtihe israelitische Gemeinde 5000 Mark, das hiesige Pflegeheim und Siechenhäus 15000 Mark. Die^ Gemäldesammlung wltrde der Kunsthalle vermacht. Außerdem find das Komtorpersonal sowie die übrigen von dem Testator beschäftigt gewesenen Personell mit Legaten bedacht. D e r g a n z e ü bri ge T h e il des aus etwa 10 Millionen geschätzten Vermögens soll n g ch t b e m E r m e s s en d e r T e st a ui e n t s Vollstrecker z tt W oh l - thätigkeitszwecken verwandt werden. Zu Testamentsvollstreckern find Herr Jacob Nordheim, Bruder des. Verstorbenen.sowie Herr Dr. Albert Wolffson ernannt worden. ü. Münster t. W . 8. Dezentber. Am 26. v. M. fand hier unter dem Vorsitze der Herren Statt iu aus Rheine und Dr. Gutmann aus Master eine Bezirkskonfe^enz des israelitischen Lehre r- Vereins für Rheinland und Westfalen (Sitz: Esseu) stath die wxgen des am Abend beginnenden Chanukahfestes nicht so gut wie sonst besucht war. Herr Semillarlehrer Coblenz aus Münster Reit einen mit großem Beifall ausgenommenen Vortrag über die Fortbildung des Lehrers. an beit sich eine recht lebhafte Debatte knüpfte. H/rr C. hob im Eingänge seines Vortrages namentlich hervor, wie w^njg begründet die Vorwürfe sind, die ans Lehrerkonferenzen imb in Zeitschriften gegen die Seminarien erhöbell werden und wie die auf diesen Anstalten erworbene Bildung wohl geeignet ist, eine gesunde Grundlage für das Weiterstreben abzngeben. Daß eine Erweiterung und Vertiesullg der Lehrerbildutlg wütlschenswerth sei, uamenllich für den jüdischen Lehrer, au den so mannigfache Anfordernngen gestellt werden, solle nicht bestritten werden, nur wende mau sich an die falsche Adresse, wenn man die Seminarien ausfordert, ans diesem Gebiete selbstständig vorzugehen. Besitzen die jüdischen Semittarien auch größere Selbstständigkeit als die gleichartigen öffentlichenLnstalten, so sind sie doch an die allgemeinen Bestinnnungen vom 15. Oktober 1872 gebunden unb tbiiiteii aus eigener Initiative unnlöglich aus diesem Nahmen heranstreten, ohlte mit den die Aufsicht führenden Behörden in Konflikt zu gerathen. — In der Debatte wurde namentlich die Frage behandelt, ob es nothwendig sei, daß. wie jetzt so häufig gefordert wird, der Volksschullehrer an der Universität für sein Amt . gebildet werde. Die Versammlung war allgemein der Allsicht, daß eine Erfüllung dieser Forderung weder nothwendig noch bei der jetzigen Einrichtung der Universitäten wünschenswerth sei. daß es dagegen auch mit Freuden zu begrüßen wäre, wenn sich dem Lehrer zu seiner weiteren Ausbildttng die Pjorten der Universität öffneten. — Die nächste Konferenz soll im Juli k. I. wieder in Münster stattfinden. 2. Bocholt, 4. Dezember. Gestern feierte der diesige'jü d isch e Männerverein sein 98. Stiftungsfest. Bei dieser Gelegenheit war, dem Wunsche des Vereins entsprechend, Herr Rabbiner Dr. Frank aus Köln herübergekommen und hielt einen Vortrag über „die Geschichte des Judenthums und der Inden". Säntmtliche Gemeindenntglleder waren erschienen und folgten mit größter Spannung den tiefsinnigen und formvollendeten Ausführungen des gewandten Redners. Es'kann njcht Aufgabe des Berichterstatters sein, an dieser Stelle ans die Einzelheiten des Vortrages einzngehen, aber es soll betont werden, daß der geistvolle Redner von dem Bestreben ausging, den Zuhörern einen Begriff von der geistigen und sittlichen Bedentnng des Judenthums zu geben und mit flammenden Worten die Ermahnung daran zu knüpfen, sich mit der Geschichte des Judenthums bekannt zu machen, um so wirksamer all den Angriffen, denen das Judenthum gerade jetzt ansgesetzt ist, entgegen treten zu können. Um diesen Zweck erreichen zu können, empfahl der Redner am Schlüsse seiner Aussührnngen, am hiesigen Platze einen jüdischen Literaturverein zu gründen. Stürmischer Beifall wurde dem ausgezeichneten Redner von allen Seiten gezollt. Daraus erhob sich Herr Lehrer a. D. Spier, der Nestor unserer Genteinde, welcher hier stets an der Spitze marschirt, wenn es heißt, die geistigen Bestrebungen innerhalb des Jndenthnms zu fördert!. Mit wgrmen und launigen Worten dankte der interessante Redner denr Herrn Rabbiner Dr. Frank, und anknüpfend an dessen Worte ermahnte auch er die Zuhörer, sofort zusammenzutreien. um der Gründung eines jüdischen Literaturvereins die Wege zu ebnen. Nach diesen mit Begeisterung atlfgenommenen Mo^rtdn erklärtert sich säntmtliche Gemeindemitglieder bereitdem ztl gründenden Verein beizutreten, eilt Beweis, in wiewrtisanwr Weise die beiden Herren Redner, denen wir an dieser Kieste nochmals unfern Dank abstatten, auf die Zuhörer eingewirkd haben. Und so hoffen wir, schon in den nächsten Tagen über die Gründung des Vereins berichten zu können. , $£ Bonn, 4. Dezember. Ein fast unabsehbarer Tranerzug bewegte sich gestern Nachmittag von der Tempelstraße aus nach dem Friedhofe. Nicht nur säntmtliche Mitglieder der hiesigen Synagogen- Gemeinde, sondern auch viele der in der Umgegend von Bonn wohnenden Glaubensgenossen und eine große Anzahl nicht israelitischer Bürger der hiesigen Stadt gaben dem im 74. Lebensjahre dahingeschiedetten Kantor Joseph Abraham das Geleite zu seiner letzten Rnhestätte. Beinahe 50 Jahre hat der mm Verklärte hier in seiner Vaterstadt mit treuer Pflichtersüllung seinem Amte vorgestanden. Der Vielbetvunderte Schntelz seiner herrlichen, klangreichett Tenorstimme verlieh seinen kantoralen Byrträgen einen außerordentlichen Reiz selbst vor drei Wochen noch, als eine tückische Krankheit ihn befallen