Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1899)
- Date
- 1899-12-15
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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:\v>:•' X'"XXX.X:r;X' von einem gro Trauerkondnkt gefolgt, an den im Trauerschnijick Prangenden geschlosseneil Geschäftshäusern der Firma Gerson vorbei, nach dem Friedhof an der SchÄlhanser Allee überführt und dort untW Gebet mit) Segen der Erde übergeben. SG Berlin,8. Dezember. Pas Berliner Ad.reßb uch für 1Ä0 ist soeben erschienell und bietet auch diesmal ein werthvolles Nachschlagebuch über die jüdischen Institutionell, Vereille. Stiftungen n. s. w. ill Berlin. Der Verkauf nicht vmbestellter Exemplare zum Lädenpreffe voll 10 Mark (für die Ausgabe in zwei Bänden) findet nur in der Hallptexpedition. Zinrnlerstr. 39/41, statt. Auf die Ausstattung ist große Sorgfalt verwandt. Auf 3472 Seiten Großquartformat vertheilt sich der gefammt<Jtthalt; davon führt der Einwohner,lachweis üb^er 450000 Adressen ans. ulld mehr denn 50000 Firmen find in den ettva 1700 verschiedenen Geschäftszweigen des Gewerbenachweises vertretest. Vollständigkeit ist^auch diesmal aus unserem Gebiete nicht erzielt worden- Es^fehlen zwei in Berlin erscheinellde jüdische Wochenschriften, eine Monatsschrift und mehrere große Vereine. Jndeß steht zu erwartest, daß bei der Fürsorge, die dem Werke zugewalldt wird, im nächsten Jahrgang die erwünschtie Vollständigkeit erreicht werden wird. ' Kp. BnA der Provinz Posen, im Dezember. Jil Won g r o» w itz wird ein neues jüdisches Schnlhaus gebaut. — Der ans Ostrowo stammende, jüngst in Berlin verstorbene Rentier Löbel Müller hat der jüdischen Gemeinde daselbst ein Legat in Höhe von 3000 Mk. nnt der Bestimmung vermacht, die Zillsen des Kapitals alle drei Jahre an eine bedürftige Braut ans der Gemeinde zu verabfolgen. —Die Ehefrau des jüngst verstorbenen Liqueurfabrikanten Ruß in Kosten hat am Todestage ihres Gatten dem dortigen Magistrat eine namhafte Summe zur Unterstützung voll Bedürftigen ohne Unterschied der Kostfeffion überwiesen. — Am 17. v. M. feierte der Stadtverordueteüvorsteher Rentier Jacob R o t h m n ii n in Kolmar i. P. das Fest der goldenen Hochzeit. Voll Seiten des Magistrats und der Stadtverordneten wurde dem Jubilar kille kunstvoll ansgestattete Adresse überreicht. — Der israelitischeJungfrauenvereiu „Snlamit" inW res ch eil hielt jüngst seine diesjährige Hauptverfalnmillug ab. Die Gesamlnteinahnle im letzteil Jahre betrllg 222,72 Mk., die Allsgabe 159,70 Mk. In den Vorstand wurden die Damen BoaS, Ehrenfried, Biberfeld, Türk und Melmisfohn gelvählt. Das Protektorat des Vereins füW Frau Rabbiner Dr. Lewin. — Aus Alllaß des Ablebells ihrer Eltern haben die Geschwister Ollen dorf in Ra witsch der Stadtgemeinde daselbst eine Schenkuilg von 5000 Mk. überwiesen llnd dabei den Wunsch ausgedrückt, das Kapital möge als „Kallmann und Amalie Ollendorsstistung " verwaltet werden, deren Zinserträgnisse zllr Unterstütznng armer Handwerkslehrlinge bienen lottern — Bankier Oppler in Pleschen hat der dortigen Synagoge eine Hauptkrone behufs elektrischer Beleuchtung des Gotteshallses im Werthe voll 1000 Mk. gespeildet. — Der seit dem Jahre 1828 in Ostrowö bestehende israelitische Holzverein, dessen Zweck in der Vertheilung. von Brennnlaterialien an Bedürftige während der Winternronate besteht, hielt am 21. v. M. unter deni Vorsitz des Königlichen Oekonomierathes Herrn D. G oldst ein nach Ablauf eines -Trienninms seine statutengemäße ordentliche Gelleralversammlung ab. Nach dem in derselbtst vom Vorsitzenden erstatteten Verwaltungs- und Kassenbericht hatte der Vereill ill den letzten drei Jahren eine Gesaulmteinnahme von 1625.57 Mk. ulld eine Gesammtausgabe von 1480,92 Mk. Der Verein besitzt allßer einem Baarbestalld von ca. 150 Mk. in Effekten die Summe von nahezll 3600 Mk. Der Verein zählt gegenwärtig 71 Mitglieder, darunter drei immerwährende. Er ist einer der segensreichsten in der Gemeinde. — Fabrikbesitzer Ascher in Crone a. Br. ist anläßlich seiner Ueberstedelung nach Bromberg zum Ehrenmitglied des dortigell Beerdigungs- und Leichenbestattungsvereins ernannt worden. — Lehrer Bar nt ist jüngst definitiv an der jüdischen Volksschule ill Rogowo angestellt worden. — Ende September starb in W o n g r o w i tz der Begründer und 2. Vorsitzende des dortigell jüdischen LiteraturvereinS Hernrann Sch winke. — Stadtverordneteuvorsteher Herzfeld in Gr ätz ist kürzlich von der Stadtverordlletenversamnllullg daselbst eillstimmig zum Kreistagsabgeordnetett gewählt worden. M Labischitt. 11. Dezember. Am 2. Dezember cr. feierte, det hiesige Frauen verein für Krankenpflege im Borkffchen Lokale das Fest seilles 10jährigen Bestehens unter überaus reger Betheiligun^ Die Feier wurde mit einem schönen Prolog, vorgetragen von Fräulein Regina Rynarzewski. eröffnet; die Festrede hielt Herr Lehrer Jacobsohn, zum Schluß wurde die Nationalhymne gesungen. Junge Herren und Damen ergötzten hierauf das Publikum durch Theater und komische Vorträge, wofür die Darsteller reichlichen Beifall ernteten. Auch mangelte es an Toastell nicht. In recht heiterer Stimmung verblieben die Festtheilnehnler bis 4 Uhr Morgens. Sie schieden von einander mit dem Wunsche, daß es ihnen noch recht lange beschieden sein möge, alljährlich das Stiftungsfest in derselben Weise und derselben Stimmnng zu feiern. Es verdiellt noch besonders hervorgehoben zu werden, daß der Frauenverein für Krankenpflege auf Anregung seines Vorstandes zur Erinnerung an das 10jährige Bestehen einen schönen Kronenleuchter unserer Synagoge gespendet und anläßlich des Chanukah sowie des erwähnten Festes die Gemeindearmen mit milden Gaben bedacht hat. F. R. Breslau, 2. Dezember. Nach langen, schweren, mit Geduld ertragenen Leiden entschlief hier am 24. v. M.. wie Sie bereits kurz gemeldet, der königl. Sanitätsrath Dr. Säly Richter. 1837 erblickte er zu Benthe« O.-Schl. das Licht der Welt in einem Hause, wo Religiofität, wahre Frömniigkeit ihre Heilnstätte gesunden hatteil. Nachdem er in Oppelll das Gymnasium durchgemacht hatte, siedelte er nach Breslau und von da aus nach Berlin über, in« der Medizin, seinem Lieblingsfache obzuliegen. 1860 beendigte er seine Studien. Er ließ sich jetzt in seiner Vaterstadt Beuthen nieder, wo er sein umfassendes Wissen in den Dierlst der Allgemeinheit stellte. Bald hatte er sich durch seilte unermüdliche Pflichttreue einen klangvollen Namen geschaffen, der weit über die Grenzen Benthens hiilansging. Richter war eiti seltener Mensch; er faßte seinem Berus als. Arzt rein von der idealen Seite an, er trat mit eben derselben Liebe und Hingebung an das Bett der Reichen wie an das elende Lager des Arnten. Ermüdultg oder Ermattung kannte er nicht, wenn es galt, dem unerbittlichen Tode ein „Halt!" zu gebieten, ihm ein Opfer zu entreißen. Und trotzdem fand er, der ganz und gar in seinem Berufe anfging, noch die Zeit, sich den öffentlichen Angelegenheiten seiner Heimathsstadt zu widmen, für deren Wohl er als Stadtverordneter unermüdlich thätig war. Jedoch fein schwächlicher Körper konnte die Anstrengungen und Mühen, die er sich auferlegte, für längere Zeit nicht ertragen. Er mußte seiner angegriffenen Gesundheit das Opfer bringen, seine ärztliche Thätigkeit, wenn auch nicht ganz aufzugeben, so doch zu beschränken. 1889 siedelte er nach Breslau über, wo er feinen Beruf nur noch in wenigen, ihm befreundeten Familien ausübte. 1898 trat bei ihm Herzverkalkung ein, und null ging es rapide bergab. Sein Ende als kundiger Arzt voraussehend, von den furchtbarsten Leiden gequält, wülischte er selbst sich den Tod herbei. Am 24. November, Vormittags 10 Uhr, erlöste ihn der Tod von feinen Qualen. Am nächsten Tage, Nachmittags V2A Uhr, fand die feierliche Beisetzung Richters statt. Eine große Menschenmenge hatte sich eingefunden, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Die verschiedenen Korporationen^ denen der Verstorbene allgehörte, hatten ihre Vertreter entsandt. Nachdem der Synagogenchor feine traurige Melodie beendet hatte, ergriff Herr Rabbiner Dr. Rosenthal das Wort. Ill einer trefflichen Rede, aus der die Liebe und Wehmuth des Freundes mit vollen Akkorden hervorklang, pries der Redner die hervorragenden Eigenschaften Richters, namentlich aber die Liebe und Begeisterung desselben für das Judenthnm, an deni er mit allen Fasern seines Herzens hillg. Als der trauernde Fremrd feine Rede geendigt hatte, stimmte der Chor das Lied an: „Es ist bestimnlt in Gottes Rath." Nach einem kurzen Gesallge und Gebet wurden die sterblichen Ueberreste des selteilen Mannes der Erde übergeben. Möge er, der im Leben sich niemals Ruhe gegönnt hat, die ersehnte Ruhe im Grabe finden. X. Hannover. 10. Dezember. Unsere Gemeinde hat durch dem Tod ihres zweiten Vorstehers Jsaae Hirsch einen-schweren, ja unersetzlichen Verlust erlitten. 1836 als der drittälteste Sohn voll Samson Raphael Hirsch geborell, wurde er früh dem Kaufmannsstande gewidmet. Daneben aber' lag er dem Studium ob. Hier in Hannover wirkte er durch Wort und Schrift und vor allem durch sein Beispiel. Zu Beginn der achtziger Jahre gab er eine Zeit lalig die Wochenschrift „Jeschurun" heraus, die sein Vater als Monatsschrift begründet hatte. Außerdem schrieb er mehrere Erzählungen jüdischen Inhaltes ulld einige sehr scharfe und gediegene Broschürenfgegen den Antisemitismus. Um unsere Gemeinde hat sich Hirsch nach einer bestimmten Richtung große Verdienste erworben: er hat das religiöse Leben gehoben und das Vereinswesen, namentlich die Chebra Kadischa