Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1899)
- Date
- 1899-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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63. Jahrgang. Nr. 50. Der Gemelndebole Nerün, 1b. Desember 18S0 'Ueikcrge zur „Akkgerrreinen Zeitung öes IuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Neutsch»««-. §2 Berlin, 13. Dezember. Unmittelbar vor Schluß des Blattes erhalten wir die Trcmerknnde von dem Hinscheiden des Herrn Kornmerzienraths Julius Jsaac, der heute Nacht nach kurzen, schweren Leider» im besten Mannesälter gestorben ist. Wir müssen es uns heute versagen, das Wirken dieses Mannes innerhalb nuferer Gemeinde und darüber hinaus zu schildern und können nur, indem wir uns Weiteres für die nächste Nummer Vorbehalten, den» liefen Schmerz über den Verlust, den das Judenthum durch den Tod dieses Man»,es erlitten hat, wehmüthigen Ausdruck geben. Das Begräbniß findet a»n 15. d. M. auf den». Friedhof irr der Schönhauser Allee statt. Das Andenken des vortrefflichen Mannes aber wird fortleben! L2 Berlin, 11. Dezember. Von de», Mittheilungen' des l i b e r a l e n V e r e i r» s für d i e A n g e l e g er» h e i t e n d e r j ü d i s ch e n Gemeinde zu Berlin ist soeben Nummer 8 erschienen. Sie enthält einen lesens- und beherzigenswerthenAufsatz: „Der Liberalismus im Judenthum". gewissermaßen eine Art Rückschau ans das zu Ende gehende Jahrhundert, ferner ei»»e Blumenlese aus de», gesammelten Werken Emil Lehmanns unter den, Titel: „Gedanken eines liberalen Juden". Wir wünschten nur sehnlichst, daß man in den Mittheilungen und auch sonst das Wort „liberal", das nun einmal einen politischen Beigeschmack hat, thünlichst vermeiden uiib durch das Wort „Reform" ersetzen möchte, unter dem das Werk der religiösen Ent- »vickelung seit Beginn des Jahrhunderts sich nun einn»al vollzogen hat. Und ferner wünschen wir, daß Alle, die für die Ziele und Zwecke des Vereins sich interessiren, sich diesem anschließeu möchten. Beitrittserklärungen nimmt der Vorsitzende, Herr Justizrath Breslauer, Kaiser Withelmstratze 3, gern entgegen. LL Berlin, 10. Dezember. Der Vorstand des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche hält seine diesjährige Sitzung am 25. d. M. in Berlin ab und hat für dieselbe folgende Tagesordnung festgesetzt: 1. Bericht über die Thätigkeit des Verbandsvorstandes im laufenden Jahre. 2. Kassenbericht des Schatz»neisters. 3. Berichterstattung über die ben einzelnen Vereinen gewährten Subventione», zu den Jahresversannnlnngen und Festsetzung der Subventionen pro 190Q. 4. Berichterstattung der Kommission zur Abfassung einer Denkschrift über die Verhältnisse der jüdischen Volksschulen. 5. Referat des Lehrers Wertheimer über die Lage der jüdischen Lehrer im Grotzherzogthuu» Hessen-Darn»stadt. 6. Berichterstattung der Kommission über die Frage der Begründ»»»,g einerWM bandsschrist. 7. Ergebnisse der Referate über das diesjährige Verbandsthema Welche Anforderungen müssen au die jüdischen Lehrer und Lehrerbildungsanstalten gestMt und von beide»» erfüllt werden? Referent Dr. Spanier - Magdeburg). 8. Beschlußfassung über das Verbandsthema für das Jahr 1900. 9. Geschäftliches. Ä»n 24. d. M. findet eine Sitzung des Kuratoriums der Pensions-Wittwen- und Waisenkasse des Verbandes in» Bureau des Deutsch-Israelitische»» Gemein debundes, Sigismuirdstraße 5, statt, an der die Mitglieder des Verbandsvorstandes theilzuehn»en gedenken. 82 Bettln, 6. Dezember. Im „Verein für jüdische Geschichte r»d Literatur" hielt au» 5. d. M. Professor Dr. Fritz H o m m e aus München einen höchst interessanten Vortrag über das Thema: „Der Gestirndienst der alten Araber und die altisraelitische Ueberliefer»l»lg". Gestützt a»»f die'neuesten assyriologiWen Forschungen führte der gelehrte Redner de»» Nachweis, daß die alten Israeliten vor Abraham schon den» Moudkultus der Assyrer ergeben waren iiitö daß sich Elemente dieses Volksglaubens in der ganzen Periode bis zum Auftreten Moses', ja auch noch länger neben der rein »nonotheistschen Religion erhalten haben. Ueber diesen Nachweis im Ei»»zelnen zu referiren, können wir »»»iS um so eher ersparen als ja der lichtvolle Vortrag sicher bald als Ganzer »»»» Druck vorliegen wird. Bon besonderem Interesse.waren für unS die Ausführungende- Vortragende»», die die Autheuticität der biblischen Ueberlieferung gegenüber de»» Hypothesen der modernen Kritik mit unrviderleglicher Klarheit begrü»»deter». — Aus den anderen Literaturvereinen ist Folgendes zu berichten : In Br a»» denburg sprach Dr. Adolf K oh ut über: „Friedrich der Große und Josef II. in ihre»»» Verhältr»iß zu de»» Juden"; Knufmcnm I. Loewerithal über Gabriel Riesser. I»» Danzig hielt Dr. »ned. H i r s ch s el d einen Vortrag über „das Frauenpreistiedin den salomonischen Sprüchen". In Tilsit sprach Rabbiner Dr. Ehrl i ch über „Schicksale r»nd Geistesleben der Inden in» rö»»»ischen Reiche." Ji» S chivelbein hielt Rabbiner Dr. Nordheirner-Schwetz einI»» Vortrag über das Kaddischgebet. Ir» den Vereinen zu O st ro »v o, Kr o t v sch in , Li ss a . Kemp en.Wres che»»hielt Professor P hi l ippson in der vergangenen Woche Vorträge. In Ratibor sprachen Redakteur Erichsen-Breslau über „de»» Orierrt" und Rabbi»»er Dr. R o sei»thal aus Pr. Stargard über „Psalmen und Weltliteratur"; in > B r es l an Rabbiner Dr. Ackern» a n u-Brandenb»»rg über de»» Ursprung dersync»gogalen Melodien; in P l e ß Rabbi»»er Dr. Deutsch über R. Lipruau Heller. I», Magdeburg trug Herr Max Weinberg eigene Dichtungen vor, in Harnburg sprach Oberlehrer Dr. Feilchenseld über den „Streit liu» die Judenbücher im Anfang des 16.Jahrhu»»derts", in Frankfu rta. M. Rabbiner Dr. N obel- Köln über Salo»r»o ibn Gabirol, Herr W. Bam bus über „die Juden als Palriote»»". Ein neuer Verein wnrde in Kiel nach einem Vortrag des Rabbiners Dr Rosenak-Bremen über „Jüdische Geschichte »rnd Literatur" gebildet, dein sofort 55 Mitglieder beilraten. In de»» Vorstand wurden die Herrer» Dr. »ned. Jacob zu»»» Vorsitzenden. Lehrer L. Katz z»» dessen Stellvertreter, Brauereidirektor Katz zum Beisitzer. Bankier Hes zun» Schatzmeister und Kaufmann Meyer zum Schriftführer gewählt. Ferner »vnrde »»» Bocholt die Gründung eines Vereins beschlossen. Ei»»e nachahrrrsnslverthe Ei»»richtung hat der Literatnrvereiu in Lissa getroffe»». 4S& wird nämlich von Zeit z»» Zeit ein besonders ausgewähltes Kapitel aus der jüdischen Geschichte (und anch der Literatur) vorgelese«. und daran schließt sich dam» eine Diskussion über das Gehörte. Die ersten nach dieser Richtung dort gemachte»» Vers»»che haben vollen Ankla»»g gef»»nden. Nach den» Rechnungsabschluß des Literatnrveins zu Leipzig für 1899 betrüge»» die Einnahmen 2537,35 Mark, die Ausgaben 1609,55 Mark. Der Kassenbestand beträgt sornit 929,80 Mark. Die Generalversamnilurzg fand a»n 3. d. M. statt. 22 Berlin, 8. Dezember. Die Trauerfeier für den nach längerem Leiden verstorbenen früheren Chef des Hauses Herma»»»» Gerson, Herrn Albert Philipp Meyer* wurde heute unter TheiLnahme vieler Hunderte in den» Hanse des Verelvigter», Nanchstratze 19, abgehalten. Der feierlich ausgebahrte Sarg verschlvand ur»ter der Fülle der Pal»ue»» m»d Kränze. Die jetziger» Vertreter der Firma, die Angestellten »md der weite Kreis der Geschäftsfreunde hatte»» reiche Blürnerrspender» dargebracht. Die Großloge von Hamburg hatte eine Abordnung entsandt; die Mitglieder der hiesigen Tochterloge „Hammonia zur Treue" wäre»» »»ahezu vollzählig erschienen. Die Ressource von 1794, der Vorstand und die Repräse»»tanter»versan»n»lung der jüdischen Gerneinde, der Vereirr für jüdische Kranke»»pstegerinr»en, der Hilfsverei»» Magine New» und viele aridere Vereine und Anstalten, denei» er ein opferbereiter Förderer gewesen, »baren i»» der Trauerversammlung vertreten. Die Gedenkrede hielt Rabbiner Dr. Maybaum. Mit Worten, die alle»» Mitgliedern der Trauerversam»nlui»g aus dem Herzen gesprochen wäre»», entwarf der Redner ei»» Bild vor» dem Leben »»r»d dem Schaffer» Albert Philipp Meyers, der in allen seirrer» Wirkungskreisen, in feiner Fümitie, ii» seiner geschäftliche»» Thätigkeit und seiner Wirksanrkeit für dis Ge»nei»»de und für das öffentliche Wohl Segen.zu verbreiten wetzte. Nach »viederholten» Chorgesang ergriff Professor Baume als Vertreter der Loge „Hammonia zur Treue" das Wort. „Im Namen eir»er großen Ge»»ossenschaft vor» Brüdern" rief er den» verstorbenen Meister vom Muhl einen Abschiedsgruß »wch. Da»»»» wurde die Leiche