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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-12-15 · Heft 50 (15.12.1899) · p. Seite 595

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 50 (15.12.1899)
Date
1899-12-15
Page
Seite 595 (sequence 7)
Language
German
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KsrWMMM Nr. IWW Schöpf. Bon Dr. Bernhard Münz.;r lebenleider in einer Zeit, in welcher die Charaktere düyn.gesäet sind, in weicher »vir nur selten in die Lage kommen, das Ephiteton tvtus ieres atque rotundus Jemandem zuzuerkenrie»». Mehr denn je verdienen daher die Männer, welche der Menschheit Würde bewahren, allen Verlockungen nnd Versuchungen zum Trotz unentivegt an ihrer sittlichen Ausgestaltung arbeite»,, öffentlich geehrt zu »verden. Es ist uns Herzenspflicht, auf den frischen Grabeshügel des am 24. November in den Schoos; der Mutter Erde gebetteten Konsistorialraths Dr. Joseph Schöpf ein zartes Reis der Erinnerung zu Mauzen. Er war in» Jahre 1821 in den» schauerlich-schönen Oetzthale in Tirol geboren und führte in der Schule den Beinamen „der kleine Schöpf", zum Unterschiede von dem Bauerssohne Ignaz Schöpf aus Arzel bei Jinst, der, »vie sv »»»aucher andere arme Bursch, gezivungen in die Theologie wandern mußte. Joseph hingegei» widmete sich freiivillig dem geistlichen Stande rn»d »vnrde dann an die theologische Fakultät in Salzburg als Professor der Kirchen geschichte u»»d des Kirchenrechtes berufe»». Er »var eine »viffenschaftliche Autorität in seine»»» Fache und hatte auch en» großes Lehrbuch des Kirchenrechtes verfaßt. Den Abend seines Lebens verbrachte er in ehrenvollem R»»hestande in Guggeiithal bei Salzburg. Aber auch da ließ er die T»nte nicht eintrocknen. Klar, ruhig nnd human »virkte er als beliebter Prediger und Kalendern»«»»»», ohne sich gerade nach Brixen zu sehnen, »vo eine gar z»» scharfe ultraindntane Luft »veht. Nebenbei betrieb er »nit Leib und Seele^Landlvirthschaft auf einem Gute, das er sich gekauft, und freute sich als rüstiger Greis an seinen Hennen, Böcklem, Rindern, Heuschobern und Korngarben, die er mit »varmer, inniger Liebe zu schildern verstand. Er zeichnete sich allezeit d»,rch seine »nilde und tolerante Gesinnung nnd durch sein »vohlthätiges Wirken aus. Er »var ein echter Priester der Religion der Liebe. Weit entfernt davon, mit der Religion Mißbrauch zu treiben, sie als Änshängeschild niedriger egoistischer Bestrebungen zu verwenden, suchte er sie um ihrer selbst »villen und fand sie darum auch. Demgemäß »var er ein entschiedener Gegner des Antiseniitisinns, mißbilligte ihn gerade vvm katholischer» und kirchlichen Standpunkte aus und bekämpfte die wüste Agitation, die er entfesselte, offen und energisch in Wort und Schrift. Durch dieses männliche Auftreten hat er sich große Feindschaft zugezoger», welche ihm jedoch den Schlaf und Appetit nicht raubte. Die Devise seines Lebens waren die Worte, welche sein Herr, der Bischof Fürst Schwarzenberg, in» Juni des Jahres 1848 zu ihn» gesprochen: „Sie »nüffen »vider den Stron» schwimmen, es wird in Sie ein Kampfgeist kommen, der Sie zeitlebens nicht mehr verläßt. Verwenden Sie ihn immer und allezeit zu»»» Beste»» der Unterdrückten, Verfolgten und Gehetzten gegen die Tyrannen »»nd Verfolger. Wenn Sie das befolgen, so können sie am Abende Ihres Lebens sich sagen: Ich habe einen güten Kampf gekämpft." Diese schönen Worte hat Schöpf tief in sein Herz eingegraben »»nd »»ach Kräften befolgt. Er war immerdar bemüht, das Recht gegen das Recht'des Stärkere»» zu verfechten. Als infolge der Erhöhrmg hierarchischer Gewalt drirch das Konkordat die geistliche Stelle eine unkontrolirbare, absolute Gewalt über das Kirchenvermögen der Stadt Salzburg i»» An- Much nahm, erhob er 1861 in» Gemeinderathe seine Stirnine dagegen und setzte sich darüber hinweg, daß inan ihn deßhalb einen zweiten Luther nannte. Als in den»selben Jahre in seinen» liebe»» Heimathslande Tirol die Hetze gegen die Protestanten ausbrach, »var er der einzige Geistliche, welcher den Muth hatte, dem Fanatismus entgegen zu treten. Er wurde darob geächtet, beschiiupft, verläumdet. Kein Eiirziger nnter allen Dene»», die sich in Briefen ai» ihn „e»vig dankbar" genannt, hat sich damals seiner angenommen. Er konnte von sich sagen: dlultum Isboravi in ßemitu meo. Er ruhte »ind rastete nicht im Dienste der Unterdrückten. So trat er »»»verinerkt ins Greisenalter, in dem inan sich vor allen» Ruhe wünscht. Als er aber von den» lieblosen Treiben der Antisemiten in Salzburg, von deren fanatischer Jude»»hetze hörte nild las, da kam es ihm vor. als stände Schwarzenberg vor ihm und inahute ihn, seirre letzten Kräfte gegen die Störenfriede anzuspailnen. Und eS geschah. Natürlich mußt« er sich zunächst nach den Urhebern und Leitern der Agitation erkundigen. Einstimnlig wurde ihm als der führende Geist des Salzburger Antisemiten-Bundes der Reichsraths-Abgeordnete Dr. Sylvester bezeichnet. „Nachdein ich eines Tages mit demselben in» Gasthause z»»m Krebs an einen» und demselben Tische gesessen »»nd darüberhin von a»»der»värts Einiges gehört," schrieb er ii» der Broschüre: „Antisemitische, zu De»»tfch jndenhetzerische Bestrebungen in der Saison-Stadt Salzburg!!!" (Salzburg 1888), „so hielt ich ihn für eine»» getaufte»» Juden, jedenfalls für einen Man»» jüdischer Descendenz ä la Kinder Schönerers; in denen ja auch mütterlicherseits semitisches Blut fließt... Nachdem ich »»»ich über den Heeresführer nnd defsei» Truppe orierrtirt hatte, »rußte ich die Argumente ke»»»»en lernen, die voi» den Antisemiten gegen die Juden ins Feld geführt »vurden. Ich erfuhr dieselben aus dein Munde eines enragirten Antisemiten. Das Material — Führer, Truppen, Waffen — lag nun vor »nir. Was nun thun? Das Bequemste und Sicherste ist es freilich, sich in nichts einzumengen. Aber das Bequeliiste ist »licht immer das Beste. Jeder, der es »nit unserem Volke ehrlich »»»eint, muß heute seine Stiu»»»»e erheben gegen die Verirrungen einer künstlich erhitzten, von geivissenlosen Demagogen geführten und angefachten Leidenschaft, welche die »»atürlichsten und edelsten Regungen des menschlichen Herzens zu abscheulicher Hetze ausartei» läßt. Denn ein Anderes ist es, die Schlechtigkeit schlechter Juden zu bekämpfen, in der Weise, »vie »nan der Schlechtigkeit schlechter Christen entgegentritt, und ein Anderes ist eS, ein ganzes Volk — Jung und Alt, Ki»»d und Greis, Unschuldige und Schuldige — austilgen zu »vollen. Und Letzteres ist Ziveck und Aufgabe des Antisemitismus. — Die Stürine, »velche in» Falle eines Eiirgreifens über meinen» greisen Haupte toben würden, habe ich Vvrausgesehen. Aber deßungeachtet habe ich »neinen Schritt noch i»ie bereut in den» Bewußtsein, für eine gerechte Sache eiugetreten zu sein." Und nun geht er daran, die Argumente unserer Widersacher eitler ruhigen und unparteiischen Kritik zu unterziehen. Sie sagen, daß ihre Bestrebungen nicht gege»» die Religion, sondern gegen die Rasse gerichtet find. Darauf erlvidert er unter Anderer»: „Dieser „Rasse" ist die Uroffenbarung Gottes anvertraut worde», diese „Rasse" »var zur Zeit der Bölkerinacht einzige Trägerin des Glaubens au den eine»» wahren Gott.

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