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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-12-08 · Heft 49 (8.12.1899) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 49 (8.12.1899)
Date
1899-12-08
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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wiederholen auch wir die Segettsworte der Weiherede : Möge das Min- I denMe Haus auch - fernerhin sein eitle Stätte der Liebe und Freund, I schaft, des Friedens und des Gemeinsinues; möge das dreifache Banddas Vater, Mutter und Sohn umschlingt. noch lange strahlen im Abglanze goldener Sonnenhaftigkeit, zur Freude der Angehörigen, ihrer Freunde/und der ganzen Gemeinde! L2 Berlin, 5. Dezember. Heute ist hier eines der geachtetsten Mitglieder unserer Gemeinde, der frühere Inhaber der Firma Hermann Gerson. Herr Albert Philipp Meyer, nach längerem, schwerem Leiden im 65. Lebensjahre gestorben. A. P. Meyer leitete das bekannte Welthans, dessen Begründer er verwandtschaftlich nahestand — seine ihn überlebende Fran ist die älteste Tochter Hermann Gersons — seit länger als dreißig Jahren. Der Verstorbene hat sich nur die Entwickelung des Berliner Handels und'der Industrie große Verdienste erworben nnd war auf dem Gebiete der Wohlthätigkeitspflege tu hervorragender Weise thätig. Albert Philipp Meyer war ein glaubenstrener Jude^ der att allen Angelegeitheiten der Gemeinde warmen Antheil nahnr ittib als Repräsentant wie als Mitglied des Vorstatldes in vielen Vereinen seine Kraft stets mit Freuden in den Dienst unserer Sache stellte. Seilt Andenken wird in Ehrett fortleben. Hamburg, 28. November. Herr M a r c tt s M. N o r d h e i nt, der Langjährige Präses der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. wurde am Sonnabend nach längerer Krankheit im Alter von 88 Jahren vom Tode ereilt. Der Verstorbene war Begründer der sehr bedeutendett Firma M. Nordheim & Co., welche vor zwei Jahren nach 60jährigem Bestehett tu Liquidation trat. Der Verstorbene, in Memutelsdorf itt Bayern geboren, kam in jungen Jahren nach Hamburg, grüttdete hier eilt Geschäft in Fellett tntd Häuten und hat diese Branche, die bisher aut Platze noch gar nicht kultivirt wurde, zu-ihrer jetzigen Blnthe gebracht. Durch seine Energie und feinen Fleiß nt achte er feilte Firma zu eitler der bedeutettdstett unserer Stadt und erlvarb sich ent enormes Verntögen. Da er tticht mit Kindern gesegttet war. stellte er sein Vertnögen in den Dienst der Wohlthätigkeit; so gründete er im Verein mit seiner Gattin mit einem Aufwand von mehreren Httnderttansettd Mark ein herrliches Schulgebäude für die Israelitische Töchterschule der Gemeittde, auch ließ er das „Nordheim-Stisr" erbauen, tvelches 50 unbemittelten Familien freie Wohnung gewährt. Ueberall, wo es galt, helfend eittzttgreifetl, spendete er tttit reichen Mittellt; die Institutionen seittes Gebttrtsortes Memutelsdorf wurden von ihm reich unterstützt. Die Beerdigung, welche heute Morgen vom Trauerhause aus der Uhlenhorst aus stattfatld, gestaltete sich zu einer großartigen Trauerkundgebuttg. Die Mitglieder des Genteindevorstandes tvarett vollzählig erschiettett. die übrigen Jnstitltttouen nnd Wohlthätigkeitsvereitte waren durch Delegirte vertreten. Besonders zahlreich hatten sich die Vertreter unserer Handels- und Finanzwelt ungesunden; unter der zahlreichen Tranergemeinde bemerktett wir attch dett zweiten Präses mtserer Bürgerschaft. Herrn Johannes Halben. Der Geburtsort des Verewigten, Meutmelsd orf, hatte zur Trauerfeier den Bürgermeister sowie eine Deputation des Kriegervereins nach hier entsandt. Die Gedächtttißrede hielt Oberrabbitter M. Hirsch, der itt formvollendeter Weise ein Lebensbild des Verblichenen entrollte. Der imposante Leichenzng bewegte sich nach dem Ohlsdorser Friedhof, dicht hinter dem Sarg folgte eine Deputation des Kriegervereins mit umflorter Fahne, hierauf die 'Schülerinnen der Töchterschule sowie die Bewohner vom „Nordheim- Stist", außerdem Hunderte voit Fußgängern und zahlreiche Equipagen. Nachdem auf beut Friedhof Herr Prediger Dr. Leimdörfer noch einen Nachruf gehalten hatte, tvurde die Leiche der Erde übergebett. Der VerbLichene soll einen größeren Tbeil seittes auf 12 Milliotten Mark geschätzten Vermögens für Wohlthätigkeitszwecke testirt haben. Bnrgsteinfnrt. 29. November. Die hiesige Firma Joseph Marcus ist auf der Münchener Nahrungsmittel-Ausstellung für ihre Matzes mit der goldenen Medaille ausgezeichnet. Der Vgter (der Inhaber Elias uub Philipp Marcus) begründete die Matzesfabrik 1839 mit Handbetrieb; Anfangs der vierziger Jahre schaffte sich derselbe eine Knetuub Walzmaschine an, die ersten in Westfalen, dieselben wurden in Kassel angefertigt. Der Betrieb war ebettfatts Hattdbetrieb. Zu Begitltt der neunziger Jahre bauten die jetzigen Inhaber eine Fabrik mit Motorenbetrieb am hiesigen Bahtthof, mtd diesen Herbst wurde Dampfbetrieb eingeführt. Die Fabrikatiott steht unter Aussicht des Lattdrabbiners Dr. Loeb in Emden; der dortige Synagogendiener und Schocket ist von Dr. Loeb angewiesen, die Fabrikation zu überwachen. Der Vater und Gründer des Geschäfts, der dortige Vorsteher, tvelcher aut Sabbath Bereschits seinen achtzigsten Ätzbttrtstag gefeiert hat, ist noch recht rüstig. xKr München, 3. Dezember. Das Schöffengericht verhattdelte gegen dett bekannten Antisemitenführer und Herausgeber des „Deutschett Volksblattes", Ludwig Wengg, tntd gegen den Redakteur des Sigllschen „Vaterlandes", Schoy, am 1. d. M. wegett groben Mtfugs. Beide hatten wegen Artikel über die „Blutgreuel in Polna" Strafmandate von je 50 Mark erhalten und dagegett Einspruch erhoben. Schoy war nicht erschietten, an feiner Stelle war Dr. Sigl. der Herausgeber des „Bayerischen Vaterlandes", als Vertheidiger aitwesettd. doch wurde er nicht als solcher zugelassen; dentt es sei keilte Frage, daß er der Spiritus reotor des „Bayerischelt Vaterlattdes" sei und ohtte seine Zustimmung oder Veranlassung ein derartiger Artikel tticht ausgenommen fein würde. Es bestehe also der Verdacht der Theilhabersckast an der iutriiuinirteu That, und es widerspreche dem Geiste der Gerichtsordnung, einen so Verdächtigen als Vertheidiger zuzulassen. Der Amtsanwalt beatttragte eiye Strafe von 50 Mark wegett grobett Unfugs. Das Strafntandat sei tticht verfügt worden, weil der Potltaer Gerichtsfall besprochen worden sei, sondern wegen der maßlosen Sprache des Artikels und wegett der Bennruhigungen, die durch die Aufforderung, die Jttden auszutreiben, erzeugt worden sei. Wettgg bestritt die Anwendbarkeit des grobett Unsugsparagraphen ans Preßdelikte. Im Uebrigelt habe er ttur die nothwendigen Kottsequeitzen aus gegebenetl Thätsachen gezogen. Er habe auch nicht von den Juden, fpitberu nur von Anhängern des Ritnalmordes gesprochen. Das Urtheil verwarf die Beschwerde Schoys, weil er nicht erschienen ist, und verurtheilte Wengg zu 50 Mark Geldstrafe. O Stuttgart, 30. November. Nach dem Vorbild der „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter dett Judeit im Preußischen Staate" wurde im Mai d. I. hier ein „Verein z tt r Förderung des Handwerks nnd des Gartenbaus unter den Israeliten in Württemberg" gegrütldet. dem sich als Kontitee Männer aller religiösen Richtungen, voran Herr Kirchenrath Dr. Kroner. zur Verfügung gestellt haben. Die Einladungen zunt Beitritt itt den Verein waren vott guteut Erfolg, so daß die finattzielle Lage desselben gesichert erscheittt. Ob sich die Bestrebungen des Vereins in der Praxis bewährett. wird hauptsächlich von der Halttntg einzelner Komiteentitglieder in der Frage der Sabbathheiligung abhättgett, da es, im Falle darauf beharrt werden sollte, schlver fein wird, geeignete Lehranstalten und Lehrherrn zu finden. Oesterreich - Ungar«. □ Wien, 4. Dezember. Vor dem Kreisgericht in Neutitschein fand vor einigen Tagen die Verhandlung gegen die H o l l e s ch a u e r und Meseritsch er Excedentett statt; einige wurden zil sechs Mottateit strengett Arrests vernrtheilt, attdere erhielten kleiuere Gesäugtiißstrafeu, nttter den letzterett befand sich attch der Lehrer Liharzik. Ebenso tvurde der Großbürger itub Fleischhauer in Prerau Alois Sotornik in die Olmützer Frohnveste eiltgeliefert, da er au den Ausschreitungen in Preran hervorragend betheiligt war. — Dein Redaktettr Wilhelm N e u m a tt tt wurde der Titel eines Regieruttgsrathes verliehett. — Bei der Polizei-Direktion wurde der Konzeptspraktikant Siegfried Spitzer zum Polizei-Kottzipisten befördert. — Itt Gnggenthal bei Salzburg ist am 21. v. M. Kousistorialrath Joseph Schöps, der vormals Professor der Kirchengeschichte und des Kirchettrechtes au der theologischen Fakultät in Salzburg war. eilt wahrhaft edler Priester, im Alter vott 78 Jahrett gestorbett. Er war eitle tvissenschaftliche Autorität itt seinem Fache uttd hatte auch eilt großes Lehrbuch des Kirchenrechtes verfaßt. Zugleich zeichnete er sich durch seine milde uttd tolerante Gesittntttig uttd durch seitt wohlthätiges Wirkett aus. Konsistortalrath Schöpf war ein entschiedener Gegner des Antisemitismus, mißbilligte ihn gerade vom kathoUscheu uttd kirchlichett Statidputtkte aus und hat die antisemitische Agitation mit großem Eifer in Wort uttd Schrift offen bekämpft. Ehre feinem Andenken! Rußland. ' ,g. Riga, int Dezeutber. Ein herber Schlag hat die hiesige jüdische Gemeinde getroffen. Der unerbittliche Tod hat einen Mattit hinweggerafft, der weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus gekattttl itnd jltochverehri wurde: der alte Rabbiner Salottto u Pucher weilt nicht mehr unter dett Lebenden. Schon als jitngev Mann zeichnete sich der Verewigte durch allgemeitte Gelehrsamkeit

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