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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-12-08 · Heft 49 (8.12.1899) · p. Seite 582

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 49 (8.12.1899)
Date
1899-12-08
Page
Seite 582 (sequence 6)
Language
German
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es geht, zu übersetzen, natürlich mit Weglassung der hergebrachten Eingangsformeln und des beglückwünschenden Schlusses. Es ist das Interessanteste an der ganzen Jubiläumsfeier. . Qm postquam in universitate fridericiana halensi cum vitebergensi consociala summos in philosophia honores impetravit per dimidium saeculi in his splendidissimis et fructuosissimis studiis perseveravit eximiamque ingenii aciem sobrietatemque iudieii quae in ipso erat indefesso studio cum in alias doctrinae philosophicae partes provinciasque tum praecipue in excolendam emendandamque psychologiae rationem contulit quae eo polissimum nomine memorabilem profectum ipsi acceptum fert quod philosophos antea singulorum modo hominum mentibus animisque explorandis intentos docuit quantum momenti haberent gentium nationumque discrimina et proprietates atque ita ipse princeps ac signifer exstitit. novae disciplinae philosophicae omnibusque qui ad eam excolendam se accingerent amplissimum camp um aperuit edita ephemerida cuius totum argumentum in hoc litterarum geilere versaretur cui mul tos per annos egregia cum laude praefuit una cum H. Steinthalio viro clarissimo quem suavissimis affiuitatis et amicitiae vinculis secum coniunctum socium sibi asciverat neque vero doctrinae modo excolendae operam dedit sed etiam seriptis rara elegantia insignibus omnes palitiores homines de gravissimis philosophiae quaestionibus edocere studuit denique praeceptores academici officio egregia diligentia fide sollerlia functus est decem lustra in stadiis liberalibus feliciter peracta ex animi sententia gratulatur bona fausta fortunata etc. etc.1) Den Jubilar selbst — und das ist sicher sehr charakteristisch — hat besonders die Betheiligung so vieler Rabbiner der größten Gemeinden, ferner die Adressen so vieler Lehrervereinedenen er von jeher die innigste Sympathie entgegenbrachte, y Welcher, nachdem er in der Friedrichs-Universität zu Halle, vereint mit Wittenberg, die höchsten Ehren tu der Philosophie erlangte, ein halbes Jahrhundert lang andauernd sich mit diesen überaus glänzenden und ergiebigen Studien beschästigt hat und seine ausgezeichnete Geistesschärfe, verbunden mit nüchternem Urtheil und unermüdlichem Eifer, sowohl ans andere Zweige der philosophischen Disziplin und ihre Nachbargebiete als auch ganz besonders ans die Pflege und Verbesserung der theoretischen Psychologie verwandte, die ihm speziell einen eigenartigen Namen und Ausgestaltung verdankt, weil er die vorher nur mit der Erforschung des Geistes und der Seele einzelner Menschen beschäftigten Philosophen belehrt hat, welche Tragweite und Bedeutung den Unterschieden und Eigenthnmlichkeiten der Völker und Nationen innewohnt. So trat er selbst als Führer und Fahnenträger einer neuen philosophischen Wissenschaft auf und eröffnete allen Denen, welche Verständniß und Neigung für ihre Bearbeitung besitzen, ein fruchtbares Feld, insbesondere durch Herausgabe einer Zeitschrift, die lediglich in diesem Wissenszweige wurzelte und welche er viele Jahre hindurch in glänzendster Weise gemeinschaftlich mit dem hochbedeutenden, ihm durch Frenndschasts-lUld Verwandtschaftsbande gleich nahestehenden Gelehrten Heymann Steiuthal leitete. Aber nicht allein auf die Ausgestaltung der Wissenschaft richtete er sein Allgenmerk, solldern er erachtete es ebenfalls als eine Hauptaufgabe durch Schristen, die sich durch eilien glänzeilden Styl anszeichneten. alle gebildeten Menschen mit den schwierigsten philosophischen Problemen bekannt zu machen. Schließlich erfüllte er die Pflichten eines akademischen Lehrers mit aufopfernder Treue lllld seltener Gewissenhaftigkeit. Fünfzig Jahre hat er in den freien Wissenschaften glücklich und erfolgreich sich bethätigt. Alls vollem Herzen wünscht ihln ferneres Glück, Gedeihen und Wohlergehen die philosophische Fakultät zu Halle-Wittenberg. einer großen Anzahl von Gemeindevorstehern, dör Litteraturvereine und wissenschaftlichen Körperschaften, besonders des Professorenkollegiums der jüdisch-theologischen Lehranstalt in Wien, gefreut, da Alle schließlich Beziehung nahmen auf die „Ethik". Namentlich geschah dies durch das Wiener Seminar, dessen Telegramm folgendermaßen lautet: „Das Professorenkollegium der israelitisch -theologischen Lehranstalt in Wien beglückwünscht Sie zum heutigen Tage auf das Herzlichste schon dafür, daß Sie in Ihrem jüngsten Meisterlverke Psalm 92, 16 zur Wahrheit gemacht! Möge Psalm 92, 15 an Ihnen sich erfüllen. Rektor Schwarz." Zu der Feier in Wien, von der ich oben gesprochen, hat Lazarus einen sehr interessanten Brief geschrieben, den ich mir kopirt habe Ultd der mm folgen möge: Meran, 25. November 1899. Hochgeehrte Herren! Aufs Tiefste gerührt, danke ich Ihnen für die hohe Auszeichnuug, daß Sie Ihre gütige Theilnahme an meinem Doktorjubitällm in einer öffentlichen Feier desselbell bekunden wollen. Was feiten ist. wird hochgeschätzt. Die Ehre aber, die Sie mir erweisen, ist von einer absoluten Seltenheit. Es ist mein Stolz, welln ich glaube, daß Sie bei aller Herzensfreundlichkeit für mich, doch »licht sowohl meine Persoll ehren, als den Gedanken huldigen »vollen, die ulls mit einander verbindell und den Gesinnungen, die uns vereinen. Es ist jetzt bei uns keine Zeit, frohe Feste zu feiern: aber alle Vereinigungen, alle Zusammenkünfte sind jetzt gut; ob festlich-heiter, ob arbeitsernst, ob praktisch gerichtet oder theoretisch verwerthet, alle Zusammenkünfte sind jetzt Kontrolversamml ullg eit! - Die zum Kanipfe berufen find — und Alle sind berufen!! — - sotten sich treffen, ihrer Einheit und Zusammengehörigkeit inne werden, — sie sollen einander den Mnth und die Ausdauer stärken, den Gedanken Klarheit und Richtung, den Plänen Energie geben, und ganz besonders die Zuversicht befestigen auf endlichen Sieg, — auf den Sieg, der den 'Besiegten noch lverthvoller ist als dem Sieger — auf den Sieg der Gerechtigkeit! Ich werde mit meiner Frau im Geiste mitten unter Ihnen sein. Fühlen wir doch mit sicherster Ueberzeugung und höchster Genngthuung die Innigkeit, mit der Sie uns anhängeu und wir Ihnen! Wenn ich bei Ihnen wäre, würde ich darauf Hinweisen, daß wir Juden die Träger der höchsten Ideen find, welche die ganze Menschheit zu Tage gefördert, — darum und wegen der Anfechtungen, die daraus folgen, bedürfen wir unsäglicher Kraft, immer neuer, immer reicherer, gesegneter Kraft. Darum erhebe ich meine Hände und rufe Euch zu, meine Schwestern, und meine Brüder: Gott segne Euch! — Gott segne Eure Kraft zu Kampf und Sieg! In tiefer Ergriffenheit Lazarus. Das charakteristische Moment der ganzen Feier war aber dieses: Von Petersburg bis Florenz, von Berditschew bis Zürich, von Botuschan bis Hamburg, von Aachen bis Lemberg, von London bis Neapel rc. kamen die Zeichen tiefer Verehrung und inniger Anhänglichkeit. Aber nicht nur von den Akademien und Gelehrten, sondern auch von den einfachsten Leuten, voll armen Schreibern (E. R. aus Leipzig), deren einer Lazarus dankt, daß er so „human und gütig" vor 45 Jahren gegen ihn gewesen sei! Daß solche Zeichen der Erinnerung kleiner Leute den Psychologen am Meister fesselten, läßt sich denken. Möge es dem greisen Denker noch lange beschieden sein, sich der Liebe und Anerkennung seiner Zeitgenossen in ungetrübtem Glück zu erfreuen!

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