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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-12-08 · Heft 49 (8.12.1899) · p. Seite 581

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 49 (8.12.1899)
Date
1899-12-08
Page
Seite 581 (sequence 5)
Language
German
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581 50 jährigen Doktorjubiläums feierte. Der geistreiche Mann, dessen würdevolle Erscheinung Der nicht vergessen kann, der einmal eine seiner glänzenden Vorlesungen allgehört hat — er ist einer der fesselndsten Sprecher — ifimmt in der philosophischen Litteratur der Gegenwart eine, eigene Stellung ein, die ich hier sicher nicht mehr ausführlich zu schildern brauche. Aehnlich wie der ihm befreundete Berthold Auerbach war auch Lazarus stets national deutsch gesinnt, und seine Lebensaufgabe war wie bei seillem Freunde der Einigmig und Versöhnung von Deutschthum und Judellthum gewidmet Und der Fortbildung jener Ethik, die er nun systematisch dargestellt hat. Vollendet ist das Werk noch nicht, der zweite Band steht noch aus; an bestell Abschluß ist der rüstige Greis derzeit thütig. Leider litt Professor Lazarus wie wirerfahren, in den letzten drei Wochen an einer Erkältung, die ihn zuul ersten Male während seines langjährigen Hierseins zeitweilig an das Bett fesselte, ist aber nun wieder ganz hergestellt und empfing der Besucher Schaar iu der leutseligstell Weise. Der Sonne Schein fluthete durch die Fenster in das behagliche Heim des Gelehrten, den wir mit freudigzufriedenem Lächeln am Gabentische mit der Sichtung aller eingelangten und fortwährend noch eilllallgenden Telegramme, Briefe rc. trafen; seine Gattill, die liebenswürdige Schriftstellerill Nahida Remy liebevoll, fürsorglich um ihn bemüht, jeden seiner Wünsche zu ersüllell, dem Rekonvaleszentell es behaglich zu machen. Sie war es auch, die den gefeierteil Gelehrten nlit einem Prachtband überraschte, der eine Auslese der in den Werken Lazarus' befilldlicheli Gedankenperlen enthält. „Zwar silld Lazarus' Werke Allen zugänglich und köllnten die Hausbibliothek jedes Gebildeten schlnücken, aber — „der Tag ist kurz, der Arbeit viel und die Arbeiter sind träge ..." — nicht Alle habell Muße, sich in größere Bücher zu versenken," heißt es im Vorworte dieses Buches, und Diesen wird vorliegende Sannnlung voll Gedallkell aus Offenbarungen einer geläuterten und läuternden Weltanschauung hochwillkommen sein. Sie kommen sicher auf das Buch noch ausführlich zurück Bernhard Müllz stellte sich mit der Broschüre: „Moriz Lazarus, zur Feier seines 50jährigen Doktorjubiläums" ein. Ferner schmückten den Gabelltisch: „Archiv für Retigiollswistellschaft von Prof. Dr. Achelis, Bremen"; ein Separatabdruck aus der „Gegenwart": Moriz Lazarus von Alfred Leicht. Der „Akademische Verein für jüdische Geschichte und Literatur" in Berlin sandte dem Jubilar die Ernennung zll seinem Ehrenmitgliede. Die Wiener Zeitschrift „Die Woche" brachte des Festes in Meran gedenkend das Bild des Jubilars rc. Der schönste Schmuck des' Gabentisches ist lvohl das Zeichen der Anerkennung von Seiten des deutschen Kaisers: Kaiser Wilhelm bedachte den greisen Jubilar mit dem Kronenorden 3. Klasse als Zeichell seiner Huld. Unter anderen Orden besitzt Lazarus bereits bei? rothen Adlerorden, deshalb bekam er wohl den Kronenorden. Eine Unmenge von Briefen und Telegrammerl nmsäumten die übrigen Gaben ans Gelehrtenuub Freundeskreisen. Aus den bis heute Vormittags eiugelangten Depeschen seien nur einige herausgegriffen: Das Wiener Kuratorium der Gesellschaft für Sammlung von Kunstlind historischen Denkmälern des Judenthums beglückwünscht den gefeierten Gelehrten in beredten Worten, nennt ihn dum „treuen Sohn seines Stamnles, Kenner und Schätzer des jüdischen Schristthnms, Begründer der Völkerpsychologie, dessen Name mit lrnauslöschlichen Lettern in den Annalen der Geisteswiffenschaft verzeichnet ist". Unterschrieben sind Oberrabbiner Dr. Güdemann, Baurath Stiaßny, Adolf von Sonnenthal, Prof. Adam Politzer, Max Fleischer, Ignatz Brüll, Abraham Epstein, Hofrath Grünhut, Leopold Hvtowitz, Isidor Kaufmann, Prof. Müller, Dr. Adolf Stein, Oberbaurath Taustig. Es folgten Telegramme und Adressen des Dekans Schmidt, des Rektors und Senates der philosophischen Fakultät in Berlin, des Vorstandes der israelitischen Kultusgenteinde zu Wien, des Oberrabbiners Dr. Güdemann, Prof. Boeckh (Halensee), Dr. Maybaum (Berlin), der Familie Herzberg-Fräukl, der Israelitischen Allianz in Wien, des Politischen Volksvereins, des Vorstandes der türkischen Gemeinde daselbst, des Oberrabbiners Dr. Drabkin aus Petersburg, des Prof. Dr. Bacher aus Budapest, des Dozenten Dr. I. Levy aus Breslau, der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin, und zwar des Kuratoriums, des Lehrerkollegiums und der Hörer, ferner des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, der Zrmz-Stiftnng, des Brüdervereius. Von nichtjüdischen hervorragenden Persönlichkeiten seien nur einige genannt: Oberbürgermeister Dr. Georgi aus Leipzig, Superintendent Dr. Haase aus Wien, Pfarrer Gamper aus Dresden, Prof. Albrecht Weber aus Berlin, Geh. Rath Henoch aus Dresden, Prof. v. Fritsch und Fitting aus Halle, Prof. Achelis aus Bremen, Prof. Bamberh aus Budapest, Oberstleutnant v. Pochhammer in Florenz, Prof. Arthur König, Prof. Karl Frenzel aus Berlin, K. Rath Pimentel aus Haag u. v. A. Eine Menge sonstiger wissenschaftlicher Vereine und hurnanitärec Gesellschaften oder die Namen Aller zu nennen ist fast unmöglich; noch heute liegen Hunderte von Briefen uneröffnet da, und immer kommen noch Glückwunsch-Telegramme an. Der „Politische Volksverein" in Wien veranstaltete vorgestern im Saale des Kaufmännischen Vereines zu Ehren des Jubilars eine Feier, bei welcher der Präsident Dr. Fialla in seiner Begrüßungsrede die bedeutsame Erscheinung des Gelehrten in seinen hohen Zielen und seinem Streben hervorhob und Schriftsteller Dr. Bernhard Münz die Festrede hielt. Im Rahmen der von ihm aus diesem Anlasse verfaßten, von uns erwähnten Broschüre entwarf Letzterer zuerst eilt fesselndes Bild der Persönlichkeit des Jubilars. Die Festversammlung verlief lallt eingelaufener Depesche glänzend. Sie entbot „dem verehrten Jubilar ihre Huldigung und herzliche Glückwünsche". Ernanilel BallNlgarten in Wien sandte „dem Weltweisen, dem Heros der Beredsanlkeit, dem unermüdlichen Kämpfer für Recht und Wahrheit, für Aufklärung ulld Sittenreinheit, dem treuell und unerschütterlichen Anhänger seines Volkes und Glaubens" telegraphisch „irr tiefer Berehrling die herzlichste Begrüßung und Beglückwünschung zu feinem 50jährigen Doktorjubiläum". Mittags fanden sich in der in einen Blumenhain umgewandelten Wohnung des Jubilars zur Gratulation Kllrvorsteher Hr. Dr. Huber ein, um Namerls des Knrvvrstandes die Glückwünsche darzubringen, sowie Mitglieder des Kuratoriums der Königswarterstiftung, Kaiserlicher Rath Dr. Schreiber mit Gattin, Sanitätsrath Dr. Hausmann (der letztere überaus beliebt hier, ein vortrefflicher Mensch!) u. v. A. Nun aber die Krone des Ganzen — die auf prachtvollem Blatt ansgesührte Erneuerung des Doktordiploms der llniversitätHalle. Der Text ist so ungewöhnlich genau eingehend, streng sachlich schildernd, erschöpfend mld dabei warm, ja liebevoll, daß dieses authentische Dokument zur Charakterisivüng Lazarus' und seiner Schöpfungen von allgemeinstem Interesse ist. Ich citire es zunächst wöxtlich, um es dann so gut

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