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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-12-01 · Heft 48 (1.12.1899) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 48 (1.12.1899)
Date
1899-12-01
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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L. Harinovet, 18. Novenrber. Am5. b. M. faub die Kuratoriümssitzuiig der israelitischen Erzieh»» »»gSarrstalt ait Ahlen» statt. Das Kuratorium ^at in den« verstossenen Jahre durch den Tod des stellvet treteirden Vorsitze»»der»> Herrn Sirnoni Oppenheimer, einen harten Verlust erlitten, mib der Vorsitzende, Herr Justizrath Dr. Betend, gedachte deshalb n^it warmen, von Herzen kommenden und zn Herzen gehenden Worten der Verdienste des Verstorbenen, die er sich um die Erziehutrgsanstalt erworben hat. Zu stellvertretendeil Vorsitze»»de»» wurden Herr Senator Fischer-Linden und für SköchmOek»'' Berlin, der aus GesltttdheitsrirckfiMeM Wnrich Meyer Cohn-BerM gewLW. VEM^tzttNng flw das Jahr 1898 ivnrde genehmigt, ebe«ks der SEnfWäg für das Jahr 1900, in welchen ein Betr«bsHMmM der Gärtnerei tu Höhe von 5000 Mark vorgesehen werben konnte. Ein Ueberschuß in gleicher Höhe soll für einen Neubau reservirt bleiben. Dieser Bau, Vereine bedeutende Erweiterung der Anstalt bilden soll, wird 40—50 000 Mark erfordern. Das Nähere soll in einer späteren Sitzllng zur Berathnng gelangen. Zu erwähnen bleibt noch, daß Herr Marti»» Lebrecht-Nnrnberg »»nd Herr Landrichter Hantmerschlag-Haunover als neue Mitglieder in das Kuratvriu»»» aufgeilommen wurden. — Der Vorstand des hiesigen Handfertigkeits- Vereins konnte in der am 8. d. M. stattgesundene»» Sitzung recht erfreuliche Resultate konstatnen. Hier in Hannover erhalten augenblicklich 95 Schüler Unterricht in Handfertigkeit. Außerdem haben die aus dem hiesigen Lehrerseminar hervorgegangenen Lehrer, die Herren Rothschild-Aclnno und Ludwig Katz-Borek. mit Hilfe des Vereins in ihren Gemeinde», Handfertigkeitsschulen, die gut besucht werden, gegründet. Verschiedene andere jüdische Lehrer haben die Absicht, in allernächster Zeit solche Schulen zu eröffne»,. Besonders erfreulich ist die Schaffenslust der Seminaristen, die eingesehen haben, daß sie in diesen Unterrichtsstunden die ih»»en so nöthige Erholung von geistiger Anstrengung finden. Der Vorstarrd des Vereins hat darum auch, wie schon oft, jetzt wieder den hiesigen Handfertigkeitslehrer durch herzliche Worte der Anerkennung erfreut. — Wie - man hört, sollen mehrere hiesige Wohlthäter, die sich durch die Gründu»,g von gemeinnützigen Instituten eilten Namen tu der jüdischen Welt erworben haben, beabsichtigen, durch namhafte Spenden eine Nenovirung der inneren' Räume unserer herrlichen Synagoge zn beschleunigen. o. Bochinil, 28. November. Mit Freuden konstatiren wir. daß die bisherige private jüdische El en» ent arschule in Wattenscheid zur öffentlichen gemacht worden ist. Ein vor zwei Jahren feite,»s des Vorstandes der Synagoisen-Gemeinde Wattenscheid bei der Königl. Regienmg zu Arnsberg gestellter Antrag rvnrde mit dem Bemerken zurückgeschickt, daß die Schule zuerst von der politischen Gemeinde zu übernehmen sei. Die Stadt war nun unter der Bedingung dazu bereit, daß die Synagogen-GeMeinde einen Theil ihres alte»,, an einem öffentlichen Wege belegenen Friedhofes behufs Verbreiterung der Straße abtrete. Gegen diese Bedin'grlng der Stadt »vnrde — wegen der erforderlichen Exhumirung — innerhalb der Gemeinde starke Opposition gemacht. Aber aus Grund eines von dem Rabbiner De. Platos ausgestellten Gutachtens, welches'die Ausgrabung nicht allein gestattete, sondern sogar forderte, gelang es dem allzeit rührigen Vorstandspräses und Stadtverordneten Herrn Dr. Bonnin eilte Einigung mit der Stadt zu erzielen und alle Hindernisse aus dem Wege zu räumen. -Am 23. d.M. wurde der Lehrer Rothschild von dem KteisschnlInspektor in Anwesenheit des städtischen Vertreters und des jüdischen Schulvorstandes vereidigt u»td in sein Amt eingeführt. Diese rastlosen Bemühungen des Herrn Dr. Bonnin und sein warmes Eintreten für alle Interessen der Lehrer verdient Nacheiferung in all den Gemeinden. *deren Schulen noch privatert Charakter tragen. Oesterreich-Ungar». □ Wien, 27. November. Wir schreite»» hier von Tag zu Tag vorwärts in der Kultur, allerdings in der Richtung: Rußland. Da hat vor »venigen Tagen der de»»tsch-»»atiönale Abgeordnete Kittel im Äbgeordnetenha»»se eine»» Antrag eingebracht, in dem er verlangt, die Juden mögen nur nach dem Prozentverhältniß der Kopfzahl iwm Hochschulstudium zugelaffen n»»d ferner nicht mehr zu richterlichen Beaniter» ernannt »verden. Genau so »vie in Rußland! — Anläßlich des am 30. d. M. stattfindeirden fünfzigjährige»» Doktorjubiläums des Geheirnraths Universitätsprofessor Dr. M. Lazarus veranstaltet der Politische Volksvereiu unter dem Vorsitz seines Präsidenten Herrn Dr. Fiatta im Festsaale des Kanfniännifchen Vererns eine Festfeier, bei welcher die Festrede von dern Schriftsteller Dr. Bernhard Münz ^gehälten wird, ans dessen Feder auch soeben im Verlage von Dümmler ' in Berlin eine die philosophisch-rvissenschaftliche Thätigkeit des Jubilars iv»"»rdige»»de Festschrift erschiene»» ist. — A»»läßlich der Generalversammlung desFrauen - Wohlthätigkeitsvereins „ Kinder - h o r t" wurde derPräsideutin Frau Dr. Fri scha u er im NamendesOrtslchrckvathM forme des B^irMfchukroLhes dEDauk votirt für dasgemeinutWWWLcherc dres^sVereins. — Eir» etwas günstigeres Ergebniß kiefern; MStttabdieG emei »»de wählen; so si»»d in B o z e n trotz klerikaler Gegeiiaiistrengungen die fortschrittlicher»Kandidaten dnrchgedrnngen. ebenso bei der Landtagswahl in Hos, in Mähren und bei der Reichstags- »pahl i»» Marmaros-Szigeth in Ungarn. — Am 20. d. M. ist hier der Rabbiner Herr Josef Breuer. Rabbi na tsassessor der Kultnsgemeilide. im Alter vo»» 62 Jahren verschieden. Ehre sei»»em Andenken! — Der Kaiser hat dem Großgrmrdbesitzer Max Ritter v,?G u t t,»»a»»n in Anerkennturg seines gerneinnützige»» Wirkens de», Eitel eiires Bergraths verliehe»». — Dem Sekretär der österreichischen Kreditanstalt, Regierurlgsrath Wies «»eher, wurde .vom Sultan der Osmanieorden II. Klasse verliehen. — Wie alljährlich, fand sich letzten S mm abend eine Deputation der Preßburger israelitischen Knltusgerüeirrde in der Wiener Hosburg ein, um der althergebrachte»» Sitte gemäß die für den Kaiser bestimmten Martinigänse zn überreichen. Es Ware»» zrvei Prachtexemplare, die auf »veißem Liiute»» lagen. Die Gänse wäre»» mit Bä»»dern u»»d Maschen in den ungarischen National färben gesch»nückt. — Der Kaiser hat dem bereits mit der Franz Josefs-Jubiläumsmedaille dekorirten Rabbiner Dr. Alex. Kisch in Präg das goldene Verdienstkrenz mit der Kro»»e verliehe»,. Uußlan-. H Petersburg, 29. Noveniber. Am 21. d. M. ist hier einer unser geachtetsteu Mitbürger, Herr A. L. F r i e d l a n d. im 65. Lebensjahres gestorbe»». Friedland war früher in Dünaburg und seit mehr als dreißig Jahren hier als Großspediteur der russischeu Regierung eine in kanfrnännischen Kreisen sehr angesehene Persönlichkeit. Viel wichtiger aber »var noch sein öffentliches Wirken. Friedland hat hier ein Waisenhaus und im Anschlüsse hieran eine Handwerkerschule, in ' Ierusale»»» das Altersheim Moschab Sekenim begründet. Die Krone seiner Schöpfungen aber ist die Bibliotheka Friedla»»diana, jene berühntte große Sammlung kostbarer hebräischer Drucke und Manuskripte, die er als »»nennüdlicher Bibliophile Jahrzehnte la»»g gesammelt r»nd dam» dem hiesigen asiatischer» Mnseun» der kaiserlichen Akadernie der Wissenschaften geschenkt hat. Einen Katalog dieser großartige»» Sammlung ließ er von de»»» bekannten Gelehrte»» Samuel Wiener anfertigen. Es find von diesen» bereits drei Lieferungen erschienen. Ebenso lieb er von einem anderen Schriftsteller I. M. Eisenstadt eine Biographie über die alte und berühmte Fantilie anfertige»», der er »»nd seine edle, in» Tode ihm vorangegangene Gattin entstarmnten. Friedland »var hiesiger Ehrerrbürger und besaß mehrere rnssische Order». Er war wohlthäkig, fromm, gebildet und ein durchaus offener, ausgezeichneter Charakter. Friede seinem Geiste, Ehre seinem Ar»de»»ken! ■ T. Obeffa, 8. -ftooewfcer. Die heutige Nummer des „Odessky Listok" brachte folgenden Artikel über ei»»en kürzlich in Wie»» in der Blüthe seines Alters »u»d ii» Erfüllung seü»er Pflicht jäh dahingerafften russisch-jüdischen Arzt. Dr. Boris Fanjoung: „In Wien starb vor Kurzem der russische Arzt Dr. Boris Fanjoung; er fiel als Opfer seines Bernses. mit Aufopferung pflegte er die kra»»ken Ki»»der, steckte sich von ihnen an n»»d starb. Ist das r»icht die Heldenthat der Mer»sche»»liebe, soll man nicht über einer solcher» That in die Zeitnngsglocken läuten und die Gesellschaft aussordern, den» Verervigten alle gebührenden Ehren z»» enveise»»? Ueber das schreckliche, grauenhafte Verbrechen des Arzteß Schatnno»vsky brachte »»»an telegraphische Mittheillmgen. man schilderte sogar oas eurrieuluna vitae dieses Arztes, man erroähnte sogar sein Glauberrsbekenntiiiß, aber über die hervorragende Helde»»that des Dr. Fanjoung spricht man gar nicht. Die Leitungen brachten ganz kleine Nvtize»», die sterbliche Hülle des Airglücklicher» übergab mar» der Mutter Erde, und über seine Selbstaufopferung, über seine so allz»» früh vernichtete Jugend — kein Laut, ^kein Ton! Und dennoch ist Boris Fanjormg unser La»»dsn»a»»n, ein Aind unseres Südens, ein Sohn des Chersoner Gouvernements. Hier besuchte der Frühverblicherre das Gymnasium, und uni seine

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