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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-12-01 · Heft 48 (1.12.1899) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 48 (1.12.1899)
Date
1899-12-01
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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zu dem auch die leitenden Da «neu des Berliner Hausfrattenvereius. des Lettevereins, des Berliner Franenvereins und altderer Vereine gehören und dem sich auch die Verleger der Werke der Jubilarin cm? geschlossen hatten, überbrachte mit einer vorn Landschaftsmaler Wentscher kunstvoll ansgeführten Adresse einen in englischem Stil gehaltenen Bücherschrank mit sänimtlichen Werken der Jubilarin in prächtigem weißen Einband und anßerdeni eine Ehrenspende, deren namhafter Betrag der Jubilarin einen längeren Aufenthalt in Italien gestatten soll. Der Allgemeine bentfctje Frauenverein sandte aus Leipzig einen grotzeii Lorbeerkrauz und eine Adresse, auch das Kuratorium der Viktoria-Forttzikdrittgsschule widmete eine Adresse. Fortgesetzt trafen die kostbarsten Blnmenspeudett, Briefe. Drahtungen und viele reizende Angebinde in der Wohnung der Jrrbilarin tm. Am 30. b. M. findet im Kaiserhof zu Ehren der Jubilarin ein Festmahl statt. Berlin, 29. Noveniber. Ein interessanter Ste n erprozeß xam jetzt vor dem Oberverwaltnngsgericht zur Entscheidung, ^er Rechtsanwalt Dr. Richard Grelli ng hat 1897 seine Thätigkeit aufgegeben und befiubet sich seit dieser Zeit ständig ans Reisen. Bei seiner Anwesenheit in Berlin logirt er in einem Hotel. Gegen seine Veranlagung zur Steuer der jüdischen Gemeinde in Höhe von 226 Mark hat er die Klage im Verlvaltuilgsstreitverfahren angestrengt und geltend gemacht, daß er im Bezirke der jüdischen Gemeinde Berlins einen Wohnsitz nicht habe und daher auch nicht mehr steuerpflichtig sei. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde stützte sich für seine Annahme, daß der Censit als in Berlin wohnend angesehen werden müsse, auf folgende Thatsacheu: auf die Eigenschaft desselben als beim Landgericht zugelassener Rechtsanwalt und auf seinen Besitz des Grundstückes Friedrichstraße 46. Sowohl der Bezirksausschuß als auch der zweite Senat des Oberverwaltungsgerichts erkannten auf Fre i st el l u n a des Klagers von der Steuer. Letzteres Gericht begründete seine Entscheidung wie folgt: Uebe Rechtsanwalt Dr. Grelling, wie er dem Justizministerium augezeigt habe, seit 1897 die Thätigkeit als Anwalt nicht mehr aus, so könne Berlin auch nicht mehr als Mittelpunkt derselben angesehen werden; das Halten eines Geschäftsbnreans allein könne diesen Mittelpunkt seiner Thätigkeit nicht ausmachen. Nun sei Censit zwar Eigenthümer eitles Grundstückes in Berlill, er habe in demselben aber keine eingerichtete Wohnung und steige, wenn er ab llnd zll von seinen Reisen nach Berlin komme, in einem Gasthofe ab. S. Berlin, 23. November. Der Verein „Mädchen ha ns Pankow" hielt heute unter zahlreicher Betheiligung seine sechste Generalversammlung ab. Der den Mitgliedern und Freunden des Vereins vorher übersandte gedruckte Bericht läßt ersehen, daß die Erwartungeil, mit lvelchen der Vereiil in das Berichtjahr 98/99 eingetreten ist, sich ill vollen! Umfange erfüllt haben. Mit der Vervollkommnung der Methode haben sich auch die Resultate gebessert. Währelld des verflossenen Jahres sind im Durchschnitt 17,5 Zöglilige im Hanse gewesen. Im Waschen unb Plätten ist eine bessere Ausbildung als früher ulöglich gewesen, da für viele fremde Haushaltungen — die Zahl ist jetzt auf 25 gestiegen — die Wäsche zu mäßigem Preise mitbesorgt wurde. Neben der Beschäftigung niit Hausarbeit und Wäsche wurde bei allen Zöglingen daraus gehalten, daß sie alles, lvas zu ihrer Bekleidung dient, sich selbst anfertigen lernen. Neu ausgenommen sind im letztell Jahre 11 Mädchen, in Dienst getreten 8; als ausgebildet entlassen sind bisher im Ganzen 31 Mädchen; davon ist eine verheirathet, 14 ill Berlin. 7 auslvärts in Stellung, die übrigen 9 find zu ihren Eltern oder Verwandten zurttckgekehrt. Von den im letzten Jahre als ausgebildet eutlaffeuen Mädchen ist kein einziges ihrem Berufe untreu gelvorden. Ans Anregung des Schlltzdamenkomitees, dessen Errichtllng sich außerordentlich gllt belvährt hat. fiub besondere Belohnungen ausgesetzt worden für diejenigen Mädchen, welche während eines Dienstjahres unullterbrochell bei einer Dienstherrschaft in Stellung geblieben sind, und welche drei Jahre hillter einander uliausgesetzt in Stellullg sich befillden. Die Prämiirung erfolgte zllm ersten Male all, 14. Mai im Beisein der in Berlin verbliebenen früheren Zöglinge in feierlicher Form. Gestützt ans diesen Bericht legte in der heutigen Generalversanlnllung im Saale der Gesellschaft der FrelNlde der Vörsitzende des Vereins. He^r Justizrath Breslauer, in ausführlicher Weise die Prinzipien des Hauses dar. Er schilderte die angestrengte Thätigkeit der Zöglinge, für lvelche der Tag lim 6 Uhr früh beginne und um 9 Uhr Abends anshöre. Durch die Uebernahme per Wäsche fremder Haushaltungen sei eine gründlichere Durchbildung der Mädchen möglich und zugleich eine Hebung und ^tähluntz der Körperkräfte zll erzielen. Die Einrichtnllg eines Belohnnngsfonds sei eine recht zweckmäßige, um den Eifer der Mädchen änzuspornen. Der Verein hoffe, rnl Frühjahr die zweite Belohnung vornehmen zu können. Das Mädchellhans dürfe die Anforderungen nicht zu hoch spannen, für den Dienst irr fetnemi Haushaltungen können die Mädchen nicht vorbereitet werden, wenn sie sich auch als Hilfskräfte in biefen sehr gut verwenden lassen durften. Der Verein habe sich auch zu wehren gegen die Eltern der nnfznnehnlenden Mädchen, und dieser Kampf sei der härteste und unangenehmste. Es dürfe nicht der Anschein erweckt werden, als ob der Verein zu wenig Zöglinge ausnehme. Der Grund der Nichtanfilahnle liege wesentlich in den viel^ strengeren Grundsätzen, die der Verein hinsichtlich der Körperbeschaffenheit der Zöglinge zu stellen verpflichtet sei. Nicht weniger als 20 Gesuche hätten aus diesen! Grunde znrnckgewiesen lverdell müssell. Die Versendung des gedruckten Berichtes habe dem Verein eine Anzahl neuer Mitglieder zngeführt. Der von dem Rendanten des Vereins alsdanil erstattete Rechnungsabschluß ergiebt, daß die Kosten des Unterhalts sich im letzten Jahre wesentlich verringert hahem nämlich 8338,17 Mark gegen 9114 Mark des Vorjahres. Die Verpflegungskosteil beliefen sich pro Kopf und Tag auf 52 Pfennige, wahrend sie im Jahre 94/95 noch 67^ Pfennig betragen hatten. 6500 Mark hätten, denl Betriebsfonds zugeführt werden können. Es sei jedoch noch eine Schuldenlast von 10,000 Mark dem Baufonds zn tilgen. Außerdem sei der Verein erst ill der Lage, 18 Mädchen aufzunehmen, lvährend das Haus für 40 Mädchen Raum böte. Der Reildant richtet deshalb zum Schluß seines Berichtes die eilldriligliche Bitte all Alle, die ein Interesse-für das Hans hegen, durch jährliche und reichliche Beiträge die Bestrebungen des Vereins zu fördern. In der sich hieran alischließenden Diskussion spricht Herr Manheimer im Namen der Mitglieder dern Vereinsvorstande den Dank für die Leitung des Hauses alls, Herr Rechtsanwalt Mako wer betont noch einmal, daß der finanzielle.Stand des Vereins durch Verlust an jährlichen Beiträgen kein allzu günstiger sei, und Herr Emil Mosse bittet, die Zahl der Zöglinge mindestens auf 25 zu steigern. Der Vorsitzende erkennt die Erhöhung der Zahl der Änfzunehmenden als nothwendig an nild erbittet zll diesem Zweck die Unterstützung der Vereinsdamen. Die hierauf vorgenonnnene Wahl der allsgetoosteil Vorstandsmitglieder und der Revisoren ergiebt feine Veränderung in der Zusammensetzung, da sämmtliche Ausscheidenden durch Zuruf wiedergewählt wurden. An die Generalversammlung schloß sich ein Essen, bei welchem die sehr adrett gekleideten Zöglinge des Mädchenhauses servirten. mf. Breslau, 25. November. Gestern starb hier der Sanitätsrath Dr. Salo Richter, einer der angesehensten Aerzte Schlesiens im .63. Lebellsjahre. Der Verstorbene hatte, bevor er von Beuthen nach Breslau übersiedelte, ein Menschenalter hindurch in aufopfernder Weise als Arzt im oberschlesischen Jndustriebezirk gewirkt und sich namentlich in den Zeiten der fnrchtbarell Typhnsepidelnieli. die früher häufig in Oberschlesien lvütheten, als ein unermüdlicher Helfer nild Menfchenfveuub gezeigt. Sanitätsrath Richter, den ein umfassendes Wissen nicht nur auf dem Gebiete der Medizin auszeichnete, nahm auch am kommullalen und politischen Leben stets lebhaften Antheil unb zeigte sich immer als ein entschieden freisinniger Mallll. Er hatte all drei Feldzügen theilgenommen. gegen die polnische Jllsurrektion llnd an den Kriegen von 1866 und 1870/71, ill beu letzten beider! als Stabsarzt, und war Augenzenge der Kaiserproklamation in Versailles. Seine hervorragenden Verdienste im Felde wurden durch Verleihung des Eisernen Kreuzes gelvürdigt. A Glogau, 29. Noveinber. Unsere Gerneinde hat ihren! vor nunmehr einem Jahre verstorbenen langjährigen und verdienten, durch seine schriftstellerische Thätigkeit auch weit über die Grenzen unserer Stadt bekannt gewordenen Rabbiner Dr. Benjamin Rippner ein lvürdiges Grabdenkmal gesetzt. Aus diesem Anlaß hat an» Todestage eille von der Gemeinde veranstaltete Trauerfeier am Grabe des Dahingeschiedenen stattgesnnden. Die überaus zahlreiche Betheiligung zeugte von der Liebe und Verehrung, die demselben von den Mitgliedern der Gemeinde auch über das Grab hinans in nugemindertem Maße bewahrt worden ist. Der Amtsnachfolger des Verstorbenen, Rabbiner Dr. Lneas. hielt eine ergreifende Ansprache, in der er der großell Geistesgaben Dr. Rippners gedachte und seiner nie erlahmenden Thätigkeit. wenn es galt, einem Bedrängten zu helfen. Gesang durch den von Musikdirektor Nissen geleiteten Chor eröffnete und schloß die würdige Feier.

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