Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-12-01 · Heft 48 (1.12.1899) · p. Seite 569

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 48 (1.12.1899)
Date
1899-12-01
Page
Seite 569 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3228311-3228360--55966-3292222
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Waage, das von Wien kam und das aus den drei Koryphäen, dem früheren Dajan Mordechaj Model, ferner Benjamür Fraenkel und Salnian Mirels bestand. So fattden. die Wiener auch auf gelehrtem Gebiete ihr Gegengewicht wie auf dem weltlichen Gebiete an Israel Aron und Anderen. Da sich keine der beiden Parteien das Prinzipat gönnte und einräumte, wurde Berlin eine Filiale von Landsberg a. W., unter dem Rabbiner Chaim, Sohl! des Schemajah. Daß sich nicht zwischen den Wienern einerseits und den Aschkenasim und Polen andererseits eins durchgreifende Trennung vollzog, nach Art^der Sephardirn und Aschkenasin:, so. sehr diese Separation auch im Anzüge war und von Einigen gehegt wurde, ist das Verdienst der gegenseitigen Verheirathnngen. Däs Connubium durchbrach den Bann. So verheirathete beispielsweise der von Wien immigrirte Beitel I. (st. Schewat 1700) eine Tochter Hanele an Heimann Hamburger, deren Sohn der Münzpächter Beitel war, und eine andere Tochter Vögele an Wolf Grodner. Ferner verheirathete Wolf Salman Mirels, der mit dem. Hofprediger Jablonsky die hebräische Druckerei betrieb, ..seine Tochter Mirel an Jsaac Bri Bro, dessen Großvater, der Dajan Rabbi Oren, aus Lemberg gekommen war. Dieser wieder gab seine beiden Töchter nach einander an Beer Ries Wiener. Letzterer wieder gab seine Tochter Mirel an Moses Aron, der aus Straüßburg stammte und der Großvater mütterlicherseits... von dem in der Familienkunde Alt-Berlins sehr bewanderten S. N. Speier war. Trotz dieses Amalgamirungsprozesses erhielt sich die. Spannung noch lange und ließ keine innige Verbindung zu Staude kommen. So reichte Aron Ries, Enkel von Mordechaj Model, einen Protest ein bei der Regierung gegen den Rabbiner Rabbi Michael Chafid, weil dieser ein Verwandter. von Jost. Libmann sei. Dasselbe thun Bendix und Genossen umgekehrt gegen Rabbiner David Fraenkel, der von den Wienern stamme. Erst mit dem Rabbinats-Alltritte. von Hirschel Lewin (1772) erlischt dieser Gegensatz ganz, und aridere Patriziate mit anderen Klientelschaften suchen Geltung zu gewinnen. Was Leib Minden anbetrifft, so finden sich auf dem Begräbnißplatze hier zwei dieses Namens. Der Eine heißt genauer: Jehuda Leib, Sohn von Heinrann Minden aus Königsberg, gest. 1722. Der Ändere.heißt blos Leib Minden, gest. betagt 1792. Ob nun eurer von Diesen jenes Buch verfaßt oder ein Dajan-Amt verwaltet hat, ist leider nicht zu eruiren. Es ist jedenfalls merkwürdig, daß dies nicht auf dem Grabsteine steht, .wie bei allen anderen Dajanim dies nicht unterlassen wird, um es zum ewigen Gedächtnisse aufzubewahren. Eine Verwandtschaft zwischen jenern Jehuda Löb Minder: und Joseph Dobrisch läßt sich nur wie folgt Nachweisen: die Frau von Moses Minden und die Mutter der Frau, von Hirsch Dobrisch waren Schrvestern, beide Töchter von Sandel Jpseph Petschierer. Nach diesem Joseph erhielt Joseph Dobrisch . seinen Personennamen, und nach diesem Sandel heißt sein Sohn, der.Vater von Herrn Leopold Minden. Moses Minden hat aber nur eine- Tochter hinterlassen, Namens Golde, die unverehelicht blieb und durch Verunglückung ums Leben kam. Wahrscheinlich hat durch diese Familienanhärrglichkeit der Großvater von Herrn Leopold Minden diesen Rainen adoprirt. . Der Vater von Herrn Leopold Minden, Sanvel oder Samuel, heirathete die Schwester seiner früh verstorbenen ersten Frau. Namens Hanna, und starb, 89 Jahre alt, 1861. Soweit die Genealogie der Familie Minden, und nun wollen wir zum Schluffe die Vorrede aus .jenem merkwürdigen Buche in wortgetreuer deutscher Uebersetzuug geben. Sie lautet folgendermaßen: Es sprach Jehuda Löw, Sohn des Joel Minden sel. Andenkens: . „Ich habe die Vorwürfe vieler unserer Glaubensgenossen gegen die Bibellehrer vernommen, daß sie nämlich die israelitische Jngend verdummen, indem sie Kindern, die wederdas Böse zu verachten, noch das Gute zu wählen verstehen, die Lehre des Gottesmaunes Mose und die prophetischen Bücher zu verdeutschen sich bemühen. Dabei verstehen sie nicht und haben keine Ahnung von den Gesetzen der hebräischen Sprache, von der Feinheit ihrer Uebersetzung und von der Größe ihrer Schönheit im Gegensatz zu der profanen Sprache, in die sie das Wort Gottes und die Weissagungen der Propheten übersetzen. Sie gebrauchen als Hilfsmittel für sich ganz unbedeutende Werke, das des Verfassers von Melamed Siach und von Beer Mosche und anderer Heber-. setzer. Wer wüßte aber nicht, daß diese Autoren oftmals von dem Sinne des Bibelwortes an vielen Stellen weit abgeirrt sind? Auch verstümmelten sie die lieblichen Worte unserer Thora durch eine undeutliche Sprache, weit entfernt selbst von derjenigen Volkssprache, die wir, nachdem wir aus unserem heiligen Lande vertrieben sind, nnd die Hilfe gesunken, reden — sondern sie gebrauchen solche Ausdrücke, in denen keine Deutlichkeit für Schulkinder liegt. Sie stammeln und reden nach fürs Gehör, aber ohne Verstandniß, bis der Jüngling heranwächst und von selbst verständig wird, oder bis der Samen abfällt und wenn kein Hinderniß dazwischen getreten, er Greis wird und in seiner Dümmheit Hoffnung und Zuversicht verliert. Die großen und berühmten Bibelexegeten Raschi. Nabed. Rdack haben die Worte der Bibel beleuchtet und erklärt. Dann ging der Rdack einen Schritt weiter und sammelte alle Wurzelwörter nach dem Alphabet, nnd bei jedem Wurzelwort führte er zugleich die Ableitungs- Wörter an. Dazu suchte er passende noch aus der Bibel, der rabbinischen Sprache, der Mischnah oder Gemarah; auch ans dem Lateinischen und Griechischen brachte er Belege, wie er es in der Vorrede zum Sepher H asch ora schim ausgeführt hat. Der Grundgedanke dieses Gelehrten tvär nur, um die Zweideutigkeit in der Pnnktation der heiligen Bücher zü heben und'um, eine falsche Aussprache beim Lesen zu verhüten Ans diesen! Grunde vertiefte er sich in die Gesetze der Pnnktation und der Aussprache derart, daß ein Lernender die kostbare Vorbereitung dieses Werkes nur verstehen kann, nachdem er die mächtigen Fluchen des ersten Theiles dieses Werkes durchschwommen hat. Verfasser nannte sein Werk Sepher Hamichlal, wie er es in seinerVorrede auseinandergesetzt hat. Nun unternahrn meine Wenigkeit dieses Werk; ich habe mich im Buche des Rdack belehrt und andere Bibelexegese kennen gelernt nnd das große dickbäudige Werk, die sogenannte Konkordanz, benutzt, Ans allen habe ich nach Gebühr die Wörter berücksichtigt, die mir geeignet schienen znm Verstandniß der Bibel uäch dem einfachen Sinn, in alphabetischer Ordnung, in deutscher Uebersetzuug, in gedrängter Kürze, nur um den richtigen Sinn leicht zu finden und um die Vorzüglichkeit der heiligen Belehrung zu erklären. Denn manchmal hat ein Wurzelwort mehrere Bedeutungen von verschiedenem Sinn. Ich führe alsdann die Bedeutung eines jeden Wurzelwortes innerhalb einer Rubrik in demselben Artikel an, und ich führe hieraus ein Beispielwort ans der Bibel an, damit der Leser mit seinen Augen sieht und mit dem Verstände das Vorliegende erfaßt. . . Auch habe ich die Erklärung vieler Stellen ans der Bibel, über deren Sinn Zweifel besteht, angeführt. Und um den Streit zwischen den Erklärern abzukürzen, habe ich d i e Ansicht gewählt, für die die meisten Stimmen in Verbindung mit der Grundbedeutung des Wortes waren. Und ich führte sie dem Leser eine nach dem anderen vor, und sur die er sich entscheidet, die mag geltem Fortan mögen die Jugendlehrer, sobald sie die Wurzel der Wörter, deren Bedeutung sie wiffen wollen, kennen, in diesen! Buche suchen, und ihre Augen werden sich zurechtfinden in den Grundbedeutungen und Ableitungen, aus hxhräisch und deutsch, und in den Lehrwörtern mit chren allrnäligen Abstufungen, wie sie dort angeführt sind. Nur un! Eines bitte ich den geehrten Leser, nämlich, daher es mir nicht als Fehler anrechnen möge, daß ich vom Wege des Drusch und der Geheimuißkrämerei abgewichen bin und nur die Bedeutungen gebrauche. die ans.den einfachen Sinn des Bibelverses leiten. Auch bin ich oft vpn. den Fnßtäpfeu Raschis abgewichen und habe rnich an Pen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.