Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-03-08 · Heft 29 (8.3.1838) · p. Seite 115

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 29 (8.3.1838)
Date
1838-03-08
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3224856-3224886--00873-3292214
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

115 eingehenden Direktor, Herrn Leopold von Lämmel, unablässig ihr Ziel, die einzigen in der sonst tauen Gemeinde, die das Werk förderten und es auch zu Ende brachten. Sie ließen Aufrufe ergehen, veranstalteten Subscriptionen, denen sie selbst mit namhaften Beitragen beitraten, leiteten den Bau, verwendeten sich bei den erleuchteten Behörden, für deren wirksame Unterstützung und Hinwegräumung aller Hindernisse nicht genug Dank zu sagen ist. Stets das höchste geistige Interesse im Auge, berief der Verein, Deutschlands größte israelitische Celebrität, den berühmten Zunz zum Prediger. Unglücklicher Weise fand dieser noch alles allzusehr in Chaos und kein Feld für seine Wirksamkeit. Bei den Reibungen der Pactheien, am Gelingen des Ganzen zweifelnd, verließ uns Zunz, nicht ohne in mehren Reden glänzende Proben seines Geistes und seiner reichen Gelehrsamkeit gegeben zu haben. Als Zunz schied, schien Alles zerfallen zu wollen. Allgemein fühlte man die Schmach, das Begonnene nicht vollenden zu können, und das gab neuen Impuls. — Dem erschöpften Fonds wurde durch Creirung von Actien aufgeholfen, deren schwieriger Placirung sich Vereinsglieder mit glücklichem Gelingen unterzogen. Schnell die geistigeLücke ausfüllend, wurde nun auch unser Prediger Dr. Sachs aus Berlin berufen, und wir können und müssen es sagen, hiermit hat der Verein den glücklichsten Wurf gethan und das Gelingen seines Werkes gesichert, welches Urtheil sicher unsere ganze Gemeinde, nicht blos unsere Tempelfreunde freudig unterschreiben werden. Eine glückliche Persönlichkeit, mkt Anmuth und Frische des Geistes verbindend, die nöthkgen Kenntnisse für sein Fach mit einer zeitgemäßen wissenschaftlichen Richtung und religiösen Gesinnung vereinigend, steht er inmitten zweier Partheien, der sich indifferent abwendenden und der orthodox sich rückwendenden, beide versöhnend, beide an sich ziehend. Niemandem Blößen gebend, so in dem sonst die Geißel der Spottsucht und Satyre unbarmherzig schwingenden 'Prag ein schweres Problem lösend, Alles befriedigend, von allen Partheien geschätzt, anerkannt und doch so geistig selbstständig da. Seine Predigten, die er von 14 zu 14 Tagen hält, sind vom Herzen kommende und zum Herzen dringende Reden, deren Tendenz er bei der Einweihungsrede mit dem Motto „Licht und Wahrheit" bezeichnete, und ihr bisher immer treu geblieben ist. Ohne Effecthascherei, ohne auf heftige Erschütterung und Rührung auszugehen, sucht er mit eindringlichem Ernste die Erhaltung der Religiosität, Moral und Sitte im Geiste und auf der Basis des Judenthums zu fördern. Der immer zunehmende Besuch des Gotteshauses, der Andrang bei seinen Predigten beweisen nicht allein den Anklang, den seine Worte finden, sondern auch, wie sehr mit dem neu ins Leben getretenen Institute einem dringendenBedürfnisse der Gemeinde entgegen gekommen wurde.— Wie erhebend waren an den nun vorübergegangenen Festtagen die mit Betern gefüllten Räume des Gotteshauses anzuschauen. Menschen, die seit Jahren schon die heiligen Statten gemieden, kamen hieher,und gingen erbaut und erhoben von dannen.— Wie erfreulich ist es nicht, die Jugend hieherwallen zu sehen, deren Herz hier für die wohlthätigen Einflüsse der Religion empfänglich gemacht wird, an deren Stelle sonst das Herz mit nicht erwärmender Moral abgefertigt wurde. Die Stagnation, die m dem Gemeindeleben herrschte, die Indifferenz gegen alle gemeinsame Interessen, die Ichsucht beginnen zu schwinden, seitdem es einen Ort gibt, wo die heiligen Angelegenheiten der Gemeinde be* sprochen werden. Die Glieder der Tempelgemeinde stehen sich unter einander näher, sie haben ein gemeinsames Interesse, das sie bindet, Familien, die sich sonst fern standen, werden einander befreundet, und so beginnen wir jetzt schon Blüthen eines Saamenkornes zu sehen, von der wir mit der göttlichen Hilft noch die schönsten Früchte zu pflücken hoffen. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß auch außer unsrem Kresse sich diesegensreichen Wirkungen verspüren lassen; auch andereSynagogen fangen an, mehrOrdnung in ihre gottesdienstlichen Gebräuche zu bringen,in derNeuschulepredigteintalentvollerjunger Mann, derz« schönen Hoffnungen berechtigt, und somit schließe ich einen vielleicht zu langen Bericht mit §em Wunsche, daß es bald möglich werde, von jenen weiteren Verbesserungen Meldung zu thun, auf deren Eintritt die Hoffnungen gestellt sind. Correspondenzen, Auszüge, Repliken. Kopenhagen, Februar. Kirchliche Angelegenheiten. Dr. Wolfs. Ueber den Standpunkt unserer kirchlichen Angelegenheiten ist in Deutschland wenig bekannt. Außer den Mittbeilungen aus unsrer dänisch' geschriebenen '.Agende in dem israelit. Predigt- und Schul-Magazin, in die sich jedoch mehre Fehler eingeschlichen, hat sich noch nirgends eine Stimme darüber erschöpfend vernehmen lassen. Ich habe daher Gelegenheit genommen, Ihnen eine ausführliche Abhandlung zukommen zu lassen, welche in einem historisch-pragmatischen Versuche die Geschichte der neuern Gestaltung darstellen soll °). Daß dies jetzt erst geschieht, muß Sie nicht verleiten, zu glauben, daß es uns an befähigten Männern, die solches früher bewirken konnten, am wenigsten aber, daß es unS an Stoff fehlt; sondern nur die Abgeschiedenheit des Nordens, und die an Trägheit grenzende Kaltblütigkeit desselben, zum Theil auch die Sprache, da hier viel Deutsch gelesen, aber wenig geschrieben wird, ist die Ursache. Seit anderthalb Jahren ist hier eine Gesellschaft, besonders junger Leute, gebildet worden, deren Tendenz es ist, auf Weckung und Belebung des Sinnes für •) Dieselbe ist bereits eingetroffen, und wird nächstens gegeben. D. Redact.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.