Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 29 (8.3.1838)
- Date
- 1838-03-08
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
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114 ten, daß sie auf diese Empfindungen seien ausschließlich angewiesen. .Es ist dies ein edler Egoismus aller Kinder, dessen Befriedigung ihnen wohlthut fürs ganze Leben, eine Erinnerung heiliger und göttlicher Art. Wir wollen ihn unfern Waisen gönnen, wir alle, die Gott beglückte, unsre Jugend zu verleben im sonnigen Glanze heiliger Elternliebe. — Politische Controle. Mittheilung aus Prag. (Schluß.) ZN der Gründung dieses Bethauses, um dessen Entstehung^sich Herr Ludwig Pollack, wie bekannt, besonders verdient gemacht hat, glauben wir den Beginn einer neuen Aera, den Anbruch der Morgenröthe einer schönen Zeit unserer Gemeinde zu erblicken; ein schöner Anfang für weitere successiveVerbesserung. Denn sind erst die Gemüther unter dem Einfluß einer erhebenden Gottesverehtung veredelt, erhoben, auf sich und ihre Umgebung aufmerksam gemacht, einander naher gebracht, so muß manch schönes Resultat erfolgen, an das die Bekcittler des neuen Gotteshauses und seiner Gründung so wenig glauben werden, ats^sie früher an den bisher sich schon erwiesenen guten Folgen glauben wollten. Es wird von vielen Seiten auf diese und ähnliche Bestrebungen mit schelem spöttischem Auge gesehen, und überhaupt den jüdischen Reformatoren der Vorwurf gemacht, daß sie alle mit der Reform des Gottesdienstes beginnen, und daß sie diese für etwas so wesentlich Großes ausposaunen. Wenn wir uns nun auch mit der Ansicht einverstanden erklären, daß die Reinigung des Gotteshauses nicht der Entzweck aller Bestrebungen für Verbesserung israelitischer Zustände sein darf, so wird man uns doch einräumen müssen, daß für Höherstellung der Individuen wie der Massen erst die Gemüther veredelt und erhoben werden müssen, und hierzu kein tauglicheres Mittel als der erhebende Einfluß einer würdigen Gottesverehrung existire, und mit der Herstellung eines solchen, der Reigen der Verbesserungen in Israel gewiß würdig beginnt. Möchten diejenigen, die so sehr gegen diese Bestrebungen losziehen, unpartheiisch die Wirkungen solcher Institute würdigen, besonders wo tüchtige wohlmeinende PredigH an der Spitze stehen. Möchten sie erkennen, wie nach uW^rach die lockern Bande sich fester knüpfen, wie Halbabtrünnige reuig und bekehrt zurückkehrend, den Bruderband fester, inniger aufs Neue schließen; möchten sie die segensreichen Wirkungen in Wien unter dem trefflichen unermüdlichen Mannheimer, in Pesth unter dem würdigen Schwab, hier bej uns in Prag, wenn auch in dem bei weitem kleinern Theile der Gemeinde, unserem Tempelvereine, dabei aber auch auf das Ganze wohlthätig und belebend einwirkend, unter der Leitung unseres, für Religion und Sitte begeisterten v. Sachs sehen, sie würden, so es ihnen Ernst um die Erhaltung des Judenthums ist, sich mit allen Wohlgesinnten über diesen glücklichen Anfang in der Verbesserung freuen. Daß hierbei nicht stehen geblieben werden wird, und um ser neues Gotteshaus nur der Grund zum Aufbau femerer heilsamer Verbesserungen bilden werde, ist der Wunsch und die Hoffnung aller Wohlgesinnten unter uns. Vor Allem thäte uns ein Institut für öffentliches Studium der heiligen Schriften, mit darauf gegründetem Religionsunterricht,höchst noth. Und es ist gewiß, daß hiermit der tiefgefühlte Wunsch vieler würdigen Familienväter ausgesprochen ist, denen die religiöse Bildung ihrer Kinder so wie deren festes Halten an dem Glauben unsrer Vorfahren, sehr am Herzen liegt. — Es fehlt uns jetzt hier an Erziehern, die wie früher die Fähigkeit hätten, unsere Jugend mit unsern heiligen Sängern und Propheten vertraut zu machen, und so mit der Geschichte unseres Volkes die treue und die feste Anhänglichkeit an unsern heiligen Glauben in die zarten Gemüther der Kindheit zu senken. Um so dringender thut uns also die Gründung eines solchen Instituts noth, und es sollte zu verwundern sein, wenn ein Triumvirat Männern, wie unser trefflicher D. Sachs, Peter Beer und D. Wessely, die wir so glücklich sind, in unserer Gemeinde zu besitzen, sich nicht in Balde auf diese Weise, den Dank und den Segen unserer Glaubensgenossen für alle Zeiten erwerben sollten. Ehe dieser etwas lange Bericht schließet, suhle ich mich gedrungen, den Schwierigkeiten einen Rückblick zu schenken, welche die würdigen Gründer und Hersteller unseres neuen Gotteshauses zu bekämpfen hatten, und ihrer, wie -s sich ziemt, dankbarlichst ehrenvolle Erwähnung zu thun. Für den vielen Spott und übte Nachrede, die sie zu erdulden hatten, für all die Mühen, Leistungen und Getdopfer, für die edle Ausdauer inmitten so mancher Anfeindung, ist außer ihrem eigenen lohnenden Bewußtsein, die öffentliche Würdigung ihrer Bestrebungen der einzig mögliche wohlverdiente Lohn. Wenn es in jeder Gemeinde, und selbst in der unftrn, noch viel solcher Männer gäbe, wie sie der würdige Verein für Verbesserung des israel. Gottesdienstes in sich schließt, so ließen sich große höchst vortheilhafte Verbesserungen erzielen. Fünf Jahre hindurch verfolgten diese würdigen Ausschußj männer des Vereins mit ihrem noch jetzt ms kleinste Detail