Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1899)
- Date
- 1899-11-24
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 i»iei seinen Lebgeite»» a»; stj»»e»n 80. Geburtstag zu ehren/ deshalb hat die Stadt Strelitz beschlossen, eine Gedenktafel diesem Hanfe zu stiften, um auch der Nachwelt noch die Stätte zu zeige»», wo der berühmte Sprachforscher Professor Dr. Daniel Sanders seine Laufbahn voll rastloser Thätigkeit beschloß." Während sännutliche Vereine die Fahnen fenftci», fiel die Hülle von der Gedenktafel. Hierauf sprach der Sohn des /Verewigten sichtbar tief bewegt: „Geehrte-Anwesende! Gestatten Sie. daß ich Ihnen Allen, die Sie heute zum 80 jährigen Geburtstage meines verewigten Vaters hierher gekommen sind, ties bewegten Herzens meinen wärmsten Dank ansspreche. Ich richte diese!» Dank vor allem an die hohe Behörde für die schöne Ehrengabe znm Gedächtniß an den Dahingeschiedenen, die fortan einen Schmuck und eine Zierde dieses Hauses bildet. Ich danke dem Herrn Bürgermeister Rath Müller voir ganzem Herzeil für die erhebende!» Worte imb den Gesangvereinen für den schönen Liedervortrag. .Lassen Sie niich mit diese»! Dank den Wunsch verbinden, daß unsere gemeinsame Vaterstadt, unser liebes Strelitz blühen, wachse»» und gedeihen möge." Hierauf sangen, die beiden Gesangvereine: Das treue deutsche Herz von Inl. Otto: „Ich kenn'ein'»» hellen Edelstein von köstlich hoher Art. in einem stille» Kämmerlein, da liegt er gut verlvahrt n. s. w." Mit diese«! Liede schloß die schöne Feier. In den Herzen Aller aber, ivelche den großen.Mann, in seiner edlen Einfachheit, seiner »vahrhaft rührenden Bescheidenheit hu Leben kannten, klingt trotz des Gefühls der Wehinuth, ihn verloren zn haben, ein Gefühl des Stolzes nach und läßt sie in der Einnernng an diese weihevolle Stnnde höher schlagen. X Wittrnrind, 11. November. Kaufmann Leeser und Genossen in Wilhelmshaven haben gegen den israelitischen Schulvorstand in Neustadtgödens ans Freistellung von den dortigen Schulabgaben in» Berwaltungsstreitverfahren geklagt. Sie wurden nach mündlicher Verhandlung der Sache in der Kreisansschußsitznng mit ihrer Klage abgewiesen. Die Begründung des Uriheils ist in» Wesentlichen folgende: Es steht fest, daß die Juden in Wilhelmshavei» ans Grund der Zuweisung durch Verfügung der vormaligen Landdrostei in Anrich von» 14. März 1876 zur. Synagogengemeinde in Neustadtgödens gehören. Die gesetzliche Regel ist die. daß der Bezirk der Synagogengemeinde auch den Bezirk der Schnlgelneiude bildet. Eine Ausnahme von dieser Regel müßte besonders sestgelegt worden sein. Dies ist in dem vorliegenden Falle nicht geschehen. Der jüdische Schulbezirk Nenstadtgödens umfaßt also auch Wilhelmshaven. Nach der Schulordnung für jüdische Schulen ist aber jedes zahlungsfähige Mitglied eines Schülverbandes verpflichtet, zn den Kosten der Unterhaltung der jüdischen Schulen beizutragen. Zwar sind Kläger aus Grund des Gesetzes vom 28, Juli 1876 aus der Synagogengemeinde ausgetreten. Jedoch bewirkt dieser Austritt nicht auch die Befreiung von de!» Schullasten; letztere sind vielmehr nach ausdrücklicher Bestimmung des Gesetzes auch von de!» Ausgetretene»» nach wie vor z»» zahle»». Wert»! nun thatsächlich die J»lden i»r Wilhelmshaven von der jüdische!» Schule iu Neustadtgödens keinen Nutzen Haber», so »nuß es ihnen überlassen bleiben, den richtigen Weg zu betrete»», damit Abhilfe geschaffen werde, sei es. daß anch in Wilhelmshaven ei»» Lehrer unterrichtet, oder daß die Juden in Wilhelmshave»» von Neustadtgödens abgetre»»»»t »verde»» und einen eigenen Schnlverband bilden. Das Berwaltnngsgericht hat sich inbeß mit dieser letztere»» Frage nicht zu befassen, sondern lediglich nach der gegenwärtiger» Sachlage über die Zahlungs- Pflicht der Kläger zu befinden. Diese Zahlungspflicht kann aber nicht zweifelhaft sein. A Nürnberg, 20. Novenrber. Am 1. »»nd 2. d. M. tagte hier die VII. freie Konferenz der baierischen Rabbiner, die »vie ihre Vorgäugerirnren ans allen Landestheilen, mit Ausnahme der Rhein- Pfalz. gut besucht »var. Es »»ahmei» Persö»»lich Theil die Herrei» Rabbiner Dr. Banrberger-Bnrgpeeppach. N. Baurberger-Würzburg, Dr. Cohn- Jchenhausen. Dr. Eckstein-Banrberg, Dr. Goite»n-B»»rgku»»dstadt, Dr. Groß-Augsburg. Dr. Koh»»-A»»sbach, Dr. Meyer-Regensbnrg. Dr. Nenbürger-Fürth, Dr. Stein-Schweinfurt, Dr. Wachenheilner-Aschaffenbnrg, D»'. Weinberg-Snlzbürg, Dr. Werner-Müncher» »n»d Dr. Ziemlich- Nürnberg. Die übrige»» Herrer» waren geschäftsordnungsuräßig vertreten. Der Vorsitzende des geschästssührenden Ausschusses, Dr. Cohn- Jchenhausen, widmete bei der Eröffnung der Konfere»»z dem jüngst Heimgegangenen Rabbiirer Baiuberger s. A.-Kisfingei» einen »varrn ernpfundenen Nachruf. Die Kolrferenz »vrirde vor» Dr. Ziernlich als Vorsitzende»» und Dr. Cohn als dessen Stellvertreter geleitet; als Schriftführer surrgirten Dr. Baurberger n»»d Dr. Weinberg. Außer über aktuelle wichtige Zeitfragen verhandelte die Konferenz zunächst über die vor zwei Jahren beschlossene Abfassung eines Religionsbnches. Der Referent der Kornurission Dr. Kohn berichtete in Stellvertretung des arn 2. Tage amtlich nach München znrückberrrfenen Dr. Werner über den Fortgang der Arbeit, die Dr. Groß in nicht ferner Zeit fertigzustellen. hofft. Die bis jetzt vorliegenden Theile des B»»ches seien vorzüglich und entsprechen vollkommen den» von der Münchener Konferenz s. Z. gegebenen Austrage. Dr. Meyer referirte über die staatsrechtliche Stellung der Rabbiner und »nachte auf einige ir» der Praxis vorko»nn»ende Mä»»gel a»ifmerksa»n. zu deren Beseitigung,'er er»1spreche»»tze Anträge stellte. Er besprach die bereits in früheren Jahre»» angeregte Frage der Z»igehörigkeit der Rabbiner znm Arrnenpflegschaftsrathe u»»d z»ir Lokalsch»llkomrnission u. s. w. Die Konferenz beschloß, nachdem einige Kollege»» vor» der Vorgesetzten Behörde für die Anfrechthaltung der Stistnnge»» vermitwortlich gemacht wurden, die erforderlichen Schritte bei den» Kgl. Staatsministerium zu thnn, um es den Nabbiirern z»» ermögliche»», ihrer Pflicht der Ueberwachung der Kultusstiftuugen zn genügen. — Infolge bekannt gewordener Mißbräuche sprach die Ko»»fere»»z aus gegebe»»e Arnegung den Wunsch aus. daß die Vertretung bei Tranungen i»ur solche»» Persönlichkeiten übertrage»» werde, die im Besitze einer Hattorath-Harooh sind. Als „geeignete Substitute" bei Beerdign»»gen in» Sinne der hohen Ministerialentscheidung von» Juni 1863 könne»» auch Lehrer ausgestellt »verden; dein Rabbiner steht selbstverständlich das Reckt zn. die dem Lehrer einmal ertheilte Genehmigung wieder zrirückzuziehen. Ans »veitere Anfrage »vnrde konstatirt, daß auf Grund der gesetzlicher» Bestimn»ungen die Lehrer nur mit Genehmigung des zuständigen Rabbiners religiöse Vorfrage in der Synagoge halte»» dürfen. — Der als Gast eingesührfe Herr Dr. inec!. M üuz-Nürnberg hielt der Konferenz einen Vortrag über die projekttirte Gründung einer Ki»»derheilstätte ii» Kissingen und berichtete über die bisherigen Resultate seiner E»»q»»ete über die voraussichtliche Zweckdienlichkeit einer solchen Anstalt. Die Konferenz nahm von seinen Mittheilungen dankend Kennt»»iß, und die Theilnehmer versprachen, durch Umfragen bei den Aerzten il» ihren Kreisen die vorbereite»»den Arbeiten zu uriterstützen. — Der geschästsführende Aussch»»ß (Dr. Cohn- Jche»»hausei», Dr. Wer»»er-Münchel». Dr. Neubürger-Fürth, Dr. Meyer- Regensburg. Dr. Ziemlich-Nürnberg) und die Lehrbuchskomnrission (Dr. Groß-Allgsburg. D». Werner-München, Dr. Kohl»-Ansbach) wurde wiedergewählt; an die Slelle des sel. Rabbiner Bamberger-Kissingeu tritt, nachden» dessel» Bruder Rabbiner N. Ban»berger-Würzb»»rg die aus ihn gefallene Wahl abgelehnt hat. Dr. Stein-Schweil»furt in den Ausschuß u»»d in die Komnnssiyn. — Aus eine am ersten Konserenztage an Se. königliche Hoheit den Pril»zregente»» gesarrdte Hrildigungsdepesche traf beim Vorsitze»»de»» folgerrde telegraphische Ant»vort ein: „Se. königliche Hoheit der Priuzregent entbieten den zur diesjährige»» Konferenz in Nür»»berg versammelte»» baierische»» Nabbirrer»» für die allerhöchstdernselbe»» z»rm gestrigen Na»ne»»sfeste dargebrachte loyale Hlildigu»»g Ihren beste»» Dank. In» allerhöchsten Aufträge: Freiherr von Zoller, Ge»»eralletttnant, Generaladj»»ta»»t." Grsterrrilh - Nr» ga rn. LI Wien. 20. November. Leider kan»r ich auch heute blos vo»» einer Verminderung, jedoch noch nicht von» gänzlichen Allshören der antisemitische»» Exzesse il» Mähren berichten; in der abgelaufenen Woche hat der Mob »»och in de»» Gemeinden Golitz, Böhmisch-Skalitz. Lielusko n. a, arg gewüthet. In glärrzenden Reden haben die jüdischer» Abgeordrreten Dr. Byk und Strancher die Blntbeschrrldigung znrückgewiese»». Dr. Straucher appellirte zurr» Schlüsse an alle anständigen Christen. es nicht zn dulden, daß durch derartige Verläumdrrngen ein ganzes Volk an den Pranger gestellt »verde. In geradezu vortrefflicher Weise wurde in derselben Reichstagssitzrnig dem bekannten-Agitator P. Stojalowsky heimgeleuchtet nnb ihm haarscharf bewiese»», daß er in den Tagen der Noth bei den Inden um Hilfe gebettelt und ih»n diese jüdische Hilfe auch zu Theil geworde»» »st. — De»»» Professor Ma saryk, der in seiner in tschechischer und deutscher Sprache erschieuei»en Broschüre die Revisio»» des Prozesses Hüls»»er dringendst fordert, »verden vo»» zahlreichen Studenten Ovationen dargebracht — im Gegensätze zu dei» tschechischen Studenten, die ihn» täglich Katzenmnsiker» bringen. — Der Abg. Dr. Byk hat in seiner Eigenschaft als Präsident der Leu»berger israelitische»» K»»ltusgen»ei»»de dem Ministerium des Jn»»ern. dem Justizministerium mrd den» Ministerium für Kultus und Unterricht eine von den Rabbinern sämmtlicher galizischer Kultus-