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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-11-24 · Heft 47 (24.11.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 47 (24.11.1899)
Date
1899-11-24
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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63. Jahrgang. Ar. 47. Berlin. 24. November 1899. 'Meikage zur „Atkgemernen Zeitung des Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Nrutschla«). 8. Berlin. 19. November. Die heutige Sitzung der R ep rasen - t a u t e n - V e r s a m rtrHfii g riahm kaum eine halbe Stunde in Anspruch. Der Vorsitzende, Herr Louis Sachs, theilte mit, daß für den erkrankten Herrn Albert Philipp Meyer Herr Löwenthal einberufen worden und von Herrn Sanitätsrath Neumanii ein Dankschreiben für die ihm anläßlich seirres 80. Geburtstages übersandten Glückivüusche eingegangen ist. Vor Eintritt in die Tagesordnung bringt Herr Landgerichtsrath Löwe in dankenswerther Weise die Unzulänglichkeit der Jourualistentribüne zur Sprache und spricht feine Verwunderung ans. daß bei der so außerordentlich schlechten Anordnung der Plätze noch so gute Berichte geliefert würden. Um jedoch stets korrekte Referate über die Verhandlungen zu ermöglichen, sei eine Unterbringung der Korrespondenten im Repräsentantensaale selbst erforderlich. Der Vorstand solle sich mit dem Gemeindevorstand zu diesen! Zwecke in Verbindung sehen. Herr Sachs sagt dies zu. (Bravo! Die Red.) — Von einem Schreiben des Vorstandes des Krankenhauses, betreffend die Ausführung von Reparaturen nimmt die Versammlung Kenntniß. Zur ferneren Keuntnißnahme liegt der Bericht der gemischten Kommission zur Berathung der Angelegenheit des jüdischen Religionsunterrichts vor. Der Referent, Dr. Minden, giebt nur in kurzen Zügen die Daten über die Arbeitsleistung der Kommission, die zwar vor drei Jahren bereits eingesetzt, deren Zusannnensetzung aber gewechselt und deren Arbeitspensum im Laufe der Zeit sich so erweitert hätte, daß erst jetzt die Berathungen der inzwischen eingesetzten Subkommission zum Abschluß gelangt seien, deren Ergebniß die Aufstellung eines Lehrplanes für den jüdischen Religionsunterricht an Gemeindeschulen sei. Die große Arbeitsleistung der Kommission, die meist aus Volksschullehrern bestanden hatte, müsse dankbar anerkannt werden. In Aussicht genommen sei, daß nach Beendigung der Arbeiten dieser Fachkommission die Ausarbeitung des Lehrplanes für den Religionsunterricht an den höheren Schulen in Angriff genommen werden solle. Zn diesern Zwecke sollen an Stelle der Volksschullehrer einige Gymnasiallehrer, die Herren Professoren Blaschke und Elias. Dr. Schneider und Dr. Schäfer, in die Kommission eintreten. Die weitere Behandlung der Vorlage müsse vorläufig der Gemischten Kommission überlassen bleiben, die in dieser Woche zur Fortsetzung ihrer Berathungen zusammentreten solle. Debattelos wurden alsdann nach kurzer Befürwortung durch die Referenten bewilligt 2300 Mark zur Beschaffung von Beleuchtnngskörpkru Lür die Methalle des Fxiedhoss in We ißense. ferner 270Mark jährlich zur Erweiterung des in der Gemeinde Pankorv veranstalteten Religionsunterrichts. Die Revision der Kassen des Krankenhauses und der Altersversorgungsanstalt soll nach Beschluß der Versammlung durch die Revisoren der Cerrtralkasse ausgesührt werden. — Aus der gp.h e i m e n Sitzung erfahren wir noch, daß nach längerer Debatte die Herren Dr. Blumenthal-Danzig und Dr. Eschelbacher-Bruchsal zu Rabbinern der hiefitzen Gemeinde gewählt worden sind. Ein Beitrag an das oberschlefische Hilfskomitee für die galizischen Juden ist ebenfalls von der Versammlung genehmigt worden. Bezirksrabbiner Dr. I. Eschelbacher ist ein Zögling des Breslauer Seniinars und ein geschätzter Mitarbeiter dieses Blattes. Dr. Blumenthal ist ein Zögling der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judeuthurns und war früher Rabbiner in Frankfurt a. O. Wir dürfen der Gerneinde aus voller Ueberzeugung zu der Wahl dieser beiden Männer gratüliren. S£2 Berlin, 19. November. In der Stadtverordnetenversämmluu g kam am 16. d.M. ein Schreiben des Oberhofmeisters der Kaiserin, Freiherrn v. Mirbach, zur Verlesung, in dem es zum Schluffe heißt: „Auch hat Ihre Majestät mit tiefem Schmerze davon Kenntniß genommen, daß vor Kurzem in Euerer Hochwohlgeboren Abwesenheit in der Stadtverordnetenversannulung ein Lehrer der Königlichen Universität, ohne in gebührender Weise zurnckgewiesen zu werden heilige evangelische und biblische Trostesworte in einer Weise zum Spott benutzte, welche jede Sitte, vor allem aber das christliche Gefühl auf das Tiefste verletzen mußte." Der Vorsteher. Dr. LaugerhauS. knüpfte an. die Verlesung folgende Bemerkung: „Was sodann noch die Citate aus Bibel und Gesangbuch aubetrifft, die jüngst ein Stadtverordneter angeführt hat. so ist sogleich in derselben Sitzung von zwei Seiten r das Verletzende derselben gerügt worden. Auch hat der betreffende Stadtverordnete alsbald nach jener Sitzung in einer weitverbreiteten Zeiliiug öffentlich unter Namensnnterschrist sein Bedauern erklärt, in dieser Weise Anstoß hervorgernfcn zu haben." N. Berlin, 20. November. Auf eine Petition der israelitischen Gemeinde in W. (Provinz Hessen-Nassau) hat das K n l t u s m i n i st e r i u m mitgetheilt, daß aus seinem Extraordinarium ans Grund allerhöchsten Erlasses vom 13. Mai dieses Jahres der gedachten Gemeinde zum Neubau ihres Schulhauses eine Beihilfe von 7 500 Mark gewährt worden ist. Diese Thatsache ist um so erfreulicher und dankenswerther als der gestimmte Anschlag für den Neubau 11 500 M. betrug, so daß die Staatsbeihilfe sich beinahe auf zwei Drittel der Gesanuntkosten beläuft. Noch im Jahre 1896 war die Petition „wegen Mangels an verfügbaren Mitteln" abschlägig beschieden worden. Die unter dem Kultusminister Dr. Boffe noch erfolgte Bewilligung erweist um so mehr, daß nunmehr iin preußischen Kultusministerium ein den Inden freundlicher und gerechter Geist herrscht. Um so mehr ist darauf hinzuweiseu, daß die kleinen jüdischen Gemeinden sich auch in Betreff des Erlasses des Kultusministeriums vom 13. Mai 1899 nicht von vornherein durch die dort gestellten Bedingungen entmnthigen lassen, sondern innerhalb derselben die Staatsuuterstützung ihres Religionsnnterriches mit Mut und Zuversicht betreiben mögen. y. Berlin, 18. November. Wir freuen uns. im Interesse der guten Sache, darüber berichten zu können, daß unsere in diesem Blatte mehrfach gegebene Anregung einer Verschmelzung der „ Gesellschaft znr Verbreitung der Hau bidevte und des Ackerbaues unter den Inden int Preußische n Staate" mit dem „Verein L e h r l i n g s b e i m Pankow" aus fruchtbaren Boden gefallen ist. Wie wir ans zuverlässiger Quelle erfahren, ist die Angelegenheit bereits soweit vorgeschritten, daß aus der Mitte des Vorstandes der Gesellschaft beim Vorsitzenden ein dahingehender Antrag eingebracht worden ist, der demnächst aus die Tagesordnung gesetzt und, wenn auch uicht widerspruchslos. — da bedauerlicherweise einige Vorstandsmitglieder sich mit dem Gedanken einer Verschmelzung noch nicht befreunden können — hoffentlich doch zur Annahme gelangen wird. Ueber die fernere Entwickelung dieser weite Kreise interessirenden Angelegenheit werden wir unsere Leser auf dem Laufenden halten. ££2 Berlin, 19. November. In den L i t t e r a t u r v e r e i u e n hat die Saison bereits begonnen. Mit rührigem Eifer widmen sich die einzelneu Vereine ihrer Arbeit, und von überall gehen uns Berichte zu über schöne Erfolge und rege Theilnahme. Wir registriren in gewohnter Weise die einzelnen Vortrüge. In Ratibor sprach Rabbiner Dr. B l u ui e n t h a l über: „Blutaberglaube bei den Völkern der Erde"; in Ostrowo Dr. Freund über: „Sagen ans der alten Welt"; in Nogasen Dr. S. A. Nosenthal über: „Psalmen und Weltlitteratur"; in P löschen Dr. Königsberger über: „Das Reich der altjüdischen Fabel"; in Krotoschin Rabb. Dr.Berger über: „Das jüdische Weib in Bibel und Talmud", in Stettin Dr. Kalischer- Pasewalk über: „Ein dänischer Ghettodichter"; in Schivelbein Dr. N ordheim er-Schwetz über: „Das Kaddischgebet"; in Magdeburg Redakteur M. Ä. Klausner über: „Jüdische Zeitfragen". Das Programm für die einzelneu Vorträge ist dort folgendes. Im November Herr Max Weinberg von hier: „Eigene Dichtungen"; im Dezemher Rabbiner Dr. Jacob-Güttingen: „Die gegenwärtige Stellung der Juden im geistigen Leben Deutschlands"; im Januar Herr Oberstabsarzt a. D. Dr. Roseuthal: „Luther und die Rabbiner"; im März Herr Max Weinberg: „Nietzsche und das Judenthniu". In Leipzig sprachen Professor Dr. P h i l i pp f o n über:

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