Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1899)
- Date
- 1899-11-17
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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welche die der gelammten. Menschheit Erleuchtung und Assrehelniig gewährende heilige Lehre hochgehalten und gewahrt habe, wovon u, a. die in dieser Zeit zum Wohle der Mitmenschen gemachten vielen Stiftungen zeugten. , Auch fürderh»»» sollte die Gemeinde für den heiligen Väterglauben einmüthig ei»,stehen. Es folgte ein stimmnngsvoller Vortrag des' herrlichen „Hallelujah" von Herrn Lehrer Bach, und ein abermaliger Chorgesa»lg: „Die Him»nel r»"»h»»»en des Ewigen Ehre" schloß die erhebende Feier. Zu Ehren des Tages findet noch morgen ein Festessen statt. S, Kölrr, 9. Novenrber. Auf Gr»md einer von» Vorstände der Kölner Gemeinde ergangene», Einladung versamlnelten sich an, 5. d. M. i»»» Sitzungssaale des neuen Shnagogengebändes die Vorstände der rheinischen Gemeinden, behufs Gründung eines Provinzial Verba», des. — Vertreten waren 39 Gemeinden — alle gröberen und ein großer Theil der mittleren und kleinen durch 70 Delegirte. Anwesend waren ferner fast vollzählig Vorstand und Repräsentanz der Kölner Gemeinde, neun Rabbiner rheinischer Ge»neinden, sorvie Professor Dr. Martin Philippson-Berlin als Vorsitzender des D.-J. G.-B. Das Büreau wurde gebildet ans Herrn Dr. med. Apfel-Köln als Vorsitzender, den Herren Professor Dr. Philippson, Dr. Anerbach-Elberfeld in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des rheinischen Rabbiner verbandes »rnd B. Feilchenfeld-Köln als Beisitzer. Nach einigen Begrüß»»»»gs»vortel» des Vorsitzenden referirte Herr Feilchenseld über die Nothwendigkeit eines Zusan,menschlusses ans den» Boden eines Verbandes; Professor Martin Philippson erläuterte die Ziele des D.-J. G.-B. Beide Redner ernteten Beifall, so daß die Anwesenden, über den Zweck des zu gründenden Verbandes aufgeklärt, in die nun solgeude Diskussion hiueingiugeu, Nach einer kurzen Generaldebatte, in welcher Herr Dr. Auerbach-Elberfeld Namens des rheinischen Nabbmerverbaudes Einführung eines Anstellungsr»rodus der Beamte»», sowie Errichtung eines Schiedsamtes sür Differenzen innerhalb derGemeinde»; vorschltrg, ferner festgestellt wnrde, daß politische und religiöse Streitfragen von dem Program»»» auszuschließen seien, trat man in die Spezialdebatte über die Frage ein: Soll ein Verband gegründet werden? Da die Versamn,lur,g zunächst u»,r ei»»en »»isormatorischen Charakter hat, indem der mit Koste»» verknüpfte Beitritt der Gemeinden von den betreffe»»den Repräsentanzen erst ge»»ehmigt rverde»» »nnß, andererseits alle Anwesenden von der Nothlvendigkeit der Gründung des Verbandes überzeugt sind, »vird »uit Einstiutmigkeit folge»»der BeschUrß gefaßt: Versammlung genehmigt nn Prinzip die Bildn»»g eines Provinzialverbandes rhoi»»ischer Shnagogengemeinde»» mit beut Sitze in Köln und wählt zu diesen» Zwecke resp. zur Feststellung von Satzungen einen vorberathenden Ar»slch»»ß, die Vertretungen der Gemeinden sollen über die Sache verha»»del»» und den»ge»näß ihren Beitritt erklären. — I»» den Ansskhnß wurde»».gervählt die Herre»r Dr. Apfel, B. Feilcheitseld und Sallh Bielefeld-Köln. Jak. L»ppn»an-Aachen, Wahl-Barn»en, Rechtsanwalt Harff-Bon»». Fröhlich-Brühl, Dr. Landau-Koblenz. Direktor Wormser - Dinslaken .. Levison - Düsseldorf, M. Sinton - Elberfeld, I. S. Hirschland-Essen, B. Blutn-Kempen, Mayer-Linz, Rosenthal- Mayen, Mor.^ Marx-Oberwesel. Steri»-Rheydt, Lö»ve»»stei»»-S»egburg, Eng. Rothschild-Trier »»nd der Vorsitzende des rheinischen Rabbinerverbandes Dr. Atlerbach-Elderfeld. Nach einigen Schlußworten des Rabbiners.-Dr. Frank »vnrde die Versammlung geschlosse»». 1. Ans der Pfalz, 3. November. Israelitische Lehrer dürfen im Königreich Baiern »»ach einer der körügliche»» Regier»»»»g der Pfalz in einer Beschwerdesache eines pfälzische»» israelitischen Lehrers zi»^ gegangenen Entscheidung des königlichen Ministeriums des Innern, Abtheilung für Kirche»»- u»»d Schulsachen^ an konfessionell gentischten Schulen nicht^ »»»ehr verlvendet werden. Der früher als Lehrer an einer pfälzischen israelitischen Volksschule thätige. seit lä»»ger als Jahresfrist mit dem Amte des Vorlesers der israelitischen Gemeinde einer Industriestadt betraute und deshalb auf zwei Jahre aus den» pfälzischen Volksschuldienst beurlaubte Beschtverdesührer hatte, un» sich die ihm zustehenden Pensionsansprttche z»» sicher»» uub das Amt eines Kantors beibehalten zu können. an den Stadtxath sei»»es Wohnortes das Ersuchen gerichtet, ihn als Lehrer an der koitfesfionell getnischte»» Volksfch»»le — eine israelitische Volksschule besteht »n der in Betracht komme»»dei» Stadt nicht — anzustelle»» und als Aushilfs- und Fachlehrer zu verwenden. Der Stadtrath-hatte dem Ersuchen in volle»»» Umfa»»ge entsprochen und die Bestätigung sei»»es Beschl»»sses bei der köitiglichen Regiernttg drittgend befürtvortet. Das königliche Mi»»ister»u»tt hat die erbetene Ge»»eh»»»igm»g jedoch u i ch t ertheist. . I»» der Ministerialentschließ»»ng »vird gesagt, daß an der Ablehnung des Gesuches auch die Ertvägnng nichts zu äildern verniöge, das; der Gesnchsteller nur anWlfslveise »n attderen Fächer»» als in der israelitischen ReligionslehLe verwendet werden solle, denn die Ver»vend»u»g israelitischer Lehrkräfte ai» christlichenVolksschnle»» erscheine, gleichviel, ob sie als Klaffenlchrer fungire»» sollten oder nicht, prinzipiell »»»»zulässig. Eine Mi»»isteriale»»tschließ»»ng a»»s den» Jahre 1880, die eine a»lshilfs»veise Verwe»»dn»»g eines israelitischen Lehrers an einer pfälzischen konfessionell geniischten Volksschule gestattete, habe ihre»» Grund in ganz beso»»dere»» Verhältnissen, »»»sbesondere dar»»» gehabt, daß durch eine frühere Ministerialentschlntz»»»»g die Verlvendtmg des israelitische»» Religionslehrers in der in Rede stehe»»dei» Schule gestattet »vordei» war. Un» de»»» Gesuchsteller jedoch ein längeres Verbleiben in seiner gegenwärtigen Stell»n»g ohne de»» Verlust der von ihm erworbenen Pe»»sionsansprüche zu ermöglichen, »vird ihr»» von der kötiiglichen Regier»»»»g noch auf »veitere z»ve» Jahre Dienstlirlanb zun» Zwecke der Fortführung der von ihm bekleideten Funktion eines israelitischen Vorbeters bewilligt. Nach Ablauf dieser Frist hat er iudeß bei Ver»»»eidu»»g des Verl»»stes der Pensionsansprüche in den pfälzische»» Volksschuldienst z»»r»"»ckzutrete»» und eine Stelle an einer israelitischen Volkssch»»le zu übernehnte»». Grstrrreich-Ungarn. □ Wien, 13. November. Das A bgeord »»etenha»» s vertagte sich sür einige Tage, ohne die Debatte über die Ruhestörungen zu Ende zu führen. Genug des Absonderliche»» gab es anläßlich dieser Debatte bereits, und es steht »voh! noch Mehreres zu erwarten. Trotz der beruhigenden Versicherunge»» des Mi»»»sters v. Koerber, daß fortan keilte Exzeffe »nehr stattfinde»» werden, haben dieselben in manchen böhntischeu und mährischen Städte»» noch nicht anfgehört; so »nußte sich in der Gemeiiibc Predlnerih der jüdische Kausntann Sächsel mit {einer Familie vor den ihm bedrohettde»» Pöbel in den Keller flüchte»», in der Gemeinde Loschitz w»»rden Drohbriefe an die Inden gefunden, und so geht es noch allerorten bedenklich zu, »mb unsere bedrängten Glaubensgenossen lebe»» in steter Angst vor den» verhetzte»» tschechische»» Mob. — Die Abgeordneten Kronawetter »»nd Genosse»» richtete»» a»» den Minister eine Juterpellatioi» betreffs der Bes chla gna h»»»e der in deutscher und böhmischer Sprache erschie»»e»»en Broschüre des Prager Professors Masaryk, der »n klarer und sachlicher Darstellurrg die Besch»»ldigu»»g des Nitualmordes in der Polnaer Mordaffäre zurück- »veist und auf Grund eingehender St»»dien, die er an Ort und Stelle getnacht, belveist, daß die Hrnza nicht in» Walde, »ittb da selbstredend nicht von Hils»»er, sonder»; i»» einer Woh»»»»»»g, intb »vie aus der Art der E»»tkleid»»ng der Leiche hervorgeht, im Bette errnordet worden ist. — Der srühere Minister, Ritter v. Jaworski, der als Erster die Interpellation bezüglich der Exzeffe u»»d Polna unterzei»b»»ete »»nd detnznfolge von de»» antisetnitischen Blättern angefei»»det »vurde. sieht sich in» Pole»»klub zu einer Erklärnitg verattlaßt, in der er sich über seine Antheil»»ahrne an dieser Interpellation ansspricht »»nd »». A. sagt: „Fürs Zweite bin ich in meinem Inneren der festesten Ueberze»»g»»ng, daß die AnsÄ»»ld»'g»»»»g des Rit»»al»»»ordes eine ebenso schantlose als gefährliche und grundfalsche ist. Deshalb stinunt es vollkotnmen mit meiner Anffasftmg von «»eine»» Pflichte»» nberei»», einer Abwehr gegen diese Anschuldigung me»»»e Unterstützung zu leihen." — Ir» der Sitzung des Stadtrathes beantragte Dr. Krer»»» im Sirtne eines A»»trages des Gemeinderathes Hierh a»»»n»er. a»» den Wiener Thierschutzvereinmit de»»» Ersuchen heranz»»treten, gegen die Dort»ahme des Schächtens von Thieren Stellung zu »»chmen. Dem A»»trage »vnrde selbverständlich zrrgestimmt. — Als Opfer. der. a»»tiseu»ik»sche»» Umtriebe, an denei» er regen A»»theil nahm, »vurde hier ein früher friedliebender Manu der Kunststicker Joha»»»» Friedl in das Irrenhaus gebracht; seine Wah»»idee bestarrd »mter Arrderen» darin, sich als vertranten Freund und Rathgeber Luegers zu betrachten. — Die „Wiener Zeitung" meldet dre Ernennung des außerordentliche»» Professors der österreichischen Reichsgefihichte an der Wiener Universität, Dr. Sig»»»»»nd Adler, z»rm. ordentlichen Professor dieses Faches. Er veröffe»»tlichte unter Anderem ein großes Werk über die „Centralver»valtung »n»ter Kaiser Maxitnilian I." — Der Gerichtssekretär »»nd Privatdozent Dr. ^ars Grünberg wurde z»»»n außerordentliche»» Professor der politischen Oekonornie ai» der Wiener U»»»versität ernannt. — In Budapest ist deviAdvokat Dr. Theodor Kern, hauptstädtischer Repräsentani und Ausschntzrnitglied der Budapester Advokate»»kammer. im 47. Lebe»»sjahre gLstorber».