Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1899)
- Date
- 1899-11-17
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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im Hotel Imperial, Unter den Linde»» 44. Der Verein besteht gegeilt wärtig a»»s 40 Mitglieder»». Zn dem Vortrag, den Herr Professor Tachau, jetziger Direktor der Samkonschule, am 23. Deze»nber in dE Verein jüdischer Schulmänner halten »vird, hat der Verein eine EiÜladnng erhalten nnd beabsichtigt, sich zahlreich zn betheiligen. Der Vorstand des Vereins besteht gegenwärtig ans de»» Herren Scharlach, Müttdheiin r»»»d Goldschmidt. n. LobsenK, im November. Die hiesige jüdische Gemeinde hat einen herbe», Verlust erlitten. Einer ihrer besten Männer, Herr Isaak Levy, ist am 5. d. M. im 83. Lebensjahre abberufen morde»». Der Dahingeschiedene vereinigte in sich eine seltene Kenntniß der tal- »nudischen Wissenschaft mit einer außerordentlichen Belese»»heit iu vier jüdischen Litteratnr, einen streng religiösen Charakter, sowie ein bescheidenes Wesen. Die hiesige Gemeinde ließ es sich nicht »»ehrnen, einem solchen Manne, der ihnen Jahrelang gute Dienste leistete — er versah nämlich hier sä»n»ntliche Funktionen eines Rabbiners unentgeltlich — rvenigstens die letzte Ehre zu erweisen. Die Beerdigung fand am 7. d. M. statt. Es hatte»» sich zn derselbe»», anßer de»» Angehörige»», die Mitglieder der hiesigen israelitischen Kultnsgerneinde säst vollzählig eingefu»»de»». In der Synagoge ergriff znerst Rabbiner Dr. Schlick ans Zempelbnrg das Wort, um iu mariner Sprache des Herzens die Größe des Verlustes zu schildern, den die Gemeinde, sowie das ganze Judenthun» durch den Hintritt eines solchen Mannes erlitten. Sodann wurde die Leiche unter großen» Gefolge nach dem Friedhof geleitet. Wahrhaft erschütternd »virkte es auf die Trauerversammlung, als der älteste Sohn des Dahingeschiedenen Herr Dr. Abraham Levy aus Berlin an die Bahre trat und eine tiefergreifende Rede hielt. Hierauf sprach der älteste Enkel des Verstorbenen einige Abschiedsworte, dann ergriff Herr Rabbiner Dr. Schlick zum Schluß nochmals das Wort. Das Andenken des ausgezeichneten Mannes »vird fortleben nnd hoch in Ehren gehalten »verder» von Allen, die ihn kannten. e. Liegnitz, 14. Novembev. Hier verschied am vorigen Sonntag der frühere zweite Kantor und Religionslehrer der dortigen Gemeinde, Herr Theodor Schö»l selb. Fast 39 Jahre lang hat der Verewigte in treuer Hingebung seines Amtes gelvaltet, bis er am 1. April 1895 in den »vohlverdienten Ruhestand versetzt »vurde. Mit reichen Gaben des Geistes nnd Gemüths, und zugleich mit gediegenen Kenntnissen in de»» Religionsu»»d Prosanivissenschasten ausgestattet, hat der Entschlafene in gleicher Weise durch sein Beispiel »vie durch seine Lehre segensreich gelvirkt. In der Liegnitzer Gemeinde, besonders aber in de»» Herze»» seiner ehemaligen Schüler, die er mit Elser und frommer Begeisterung in die heilige Sprache und Lehre einführte, hat sich der Verstorbene ein dauerndes Denkmal gestiftet. Lu. MtMotvitz, 2. November. Am 22. v. M. fand die feierliche Einführung des für die hiesige Gemeinde^ gewählten Rabbiner Dr. Norden ans Neu-Stettin statt. Derselbe wurde von einem Vorstands- »nitgliede ans seiner Behausung abgeholt und an seineil Ehrenplatz an der geschmackvoll dekorirten Festtafel im Labuszinsky'schen Saale geleitet. Der erste Vorsteher der Gemeinde, Herr Rentier Jsaac Knzllitzkh, richtete sodann warme, zu Herzen gehende Worte an den Einznführendell und gab seiner Freude Ausdr»»ck, daß von nun au die bislang verwmste Gemeinde wieder ihren Seelsorger habe. Nunmehr ergriff Herr Dr. med. Blumenseld das Wort ulld brachte in sormgeivandter Weise ein Hoch auf Se. Majestät Kaiser Wilhelnr II. aus. Das Festdiner nahm seinen Anfang, und Toast folgte auf Toast. Der Oberschlesische Rabbinerverband »var durch drei feiner Mitglieder vertreten. Der Vorsitzende und Seliior derselbeil, Herr Rabbiner Dr. Cohn- Kattolvitz, hatte es sich nicht nehmen lassen, zur Einführung seines Kollegen und Landsmannes zu erscheinen, ebenso die Herren Rabbiner Dr. Kopfstein-Beuthen und Dr. Kaatz-Zabrze. Der Vorsitzende des Oberschlesi scheu Synagogengemeinde-Verbandes, Herr Rechtsanwalt Schüller-Gleiivitz, hatte sein Erscheinen zugesagt, »var jedoch leider verhindert. il»»d zeigte er dies der Festversanlmlnng telegraphisch all. Redner von Beruf und berufene Redner aus der Mitte der Gemeinde'^" verschönten durch ihre lvirklich großartigeir Reden das Fest. Herr Dr. Nordell dankte tiesbelvegt für die ihn» bargebrachtell Ovationen und entlvickelte iu kl»rze»l Worten sein Programm, welches »vohl im Simle aller Gemeindemitglieder ausgefallen sein mußte, dem» ein donnerndes Hoch belohnte den Redner. N. Hamburg, 3. November. Die Einweihung des voll den Eheleuten Martin Heiman lind Frau gegründeten „Heimanstiftes" hat iu feierlicher Weise staltgefunden. Das Grundstück, welches in der Breitenfelderstraße in Eppendorf liegt, ist voll Senat und Bürgerschaft im Frühjahr 1899 dem Ehepaar zu»»» Bau von Frei- »pohlmngell »»»»entgeltlich überwiesen »vorde»». Der Barl des ersten Gebäudes konnte noch in diese»»» Frühjahr begonnen und dank der trockenen Witterung im Sommer auch beendet werden, so daß dasselbe nnnmehr auch in Benutzung genommen »verden kann. Die Gesammtausführung, welche allen Anforderungen der moderne»» Hygiene entspricht, hat in den Händen unserer bewährtesten Architekten gelegen. Das Gebäude zeigt sich schon weithin in stattlicher Erscheinung, es enthält außer der'Käftettan»ooh»»ttng 40 Wohnungen, zwei- resp. dreigelassig, die bereits alle vergeben sind imb demnächst bezogen werden sollen. Das Gebäude liegt in einem großen, parkartigen Terrain, »velches allerdings nach den Bestimmungen der Stifter in einigen Jahren durch Errichtung neuer Stiftsgebände verkleinert »verden wird, es sind 4—5 solcher Gebäude mit ca. 200 Wohnungen in Aussicht genommen. Das schöne Werk verspricht somit bedürftigen, namentlich alte»» Leute»» eine segensreiche Einrichtung zn werde»», nnd es ist nur zn wünschen, daß die im rüstigen Alter noch lebenden Stifter eine lange Reihe von Jahren Freude an ihrem Liebesiverke haben mögen. Li Weitzeilfels, 6. November. Bor einigen Wochen hielt der hiesige „Verein D e u t s ch»»a t i o n a l e r Handlungsgehilfen", bekanntlich mit antisemitischer Tendenz, ein Vergnügen in einen» benachbarten Dorfe ab. Besonders »vurden komische Vorträge gehalten, die auch allgemein gefielen. Als nun durch Zufall die Frau nebst den Kindern eines hiesigen jüdischen Kaufmanns den Saal betrat, rief der Vortragende, ein hiesiger Kornmis, mit lauter Stimme „Juden raus!" Die Frau entfernte sich ohne ein Wort zu sagen, zeigte aber später die Sache an. Der junge Kaufmann entschuldigte sich nun, daß der Ruf durchaus nicht bös gemeint gewesen sei rc. und bat, die Klage zurückzunehmen. Es kam nun ein Vergleich zn Stande, »vonach der Merkursjnnger 20 Mark nebst de»» Kosten für milde Zwecke zu zahlen hat. Hoffentlich ist dies eine Warnung für die edlen deutschnationalcn Handlungsgehilfen, die unter antisemitischem Deckmantel nur gute Zwecke zu verfolgen beabsichtigen. Erfurt, 12. Novernber. Die hiesige Firma Gebrüder Lamm beging am 3. November die Feier ihres 50 jährigen Bestehens. Von der Werthschätzung der Firma und ihrer Inhaber — den. beiden Begründern Isaak und Louis Larnm, war es »»och vergönnt, an der Jllbelfeier theilzunehmen — in weitesten Kreisen legi Zengnitz ab die zahlreiche Betheiligung an dem Ehrentage ber■■•ffffcnä.-v'Stuftet den» Geschäftspersonal erschiene»» zur Beglück»oüttschr»ng ei»»e Deputation von Schneidermeistern, eine solche von Berliner Fabrikanten, Deptttatiolren der jüdische»» Gememde, der früheren Angestellter» der Finna u. A. Es fehlte nicht an Beglückwünschungen auch amtlicher Körperschaften »»nd Personen. So sandten amtliche Schreiben, iu beiten sie der Firma ihre herzlichsten Glückwünsche darbrachte»», das kölngliche Hauptzottamt und das kaiserliche Telegraphenamt. Ferner »vare»» zu verzeichnen je ein Glückwunschschreiben vom Herrn Oberbürgermeister Dr. Schmidt, vom Herrn Stadtverordnetenvorsteher Justizrath Dr. Weydeniann, vo»n Herr»» Geheime»» Kornmerzieurath Luciris, als Borsttze»»de»» der Ha»»delskanuner, dessen Mitglied der Jubilar Herr Isaak La»n»n seit einer Reihe von Jahren ist. h. HUdeKheUn, 12. November. Au» heutige»» Sonntag ist hier das fünfzigjähri ge Be stehe n der S yna go ge gefeiert »vorbei». Die mit Gewächsen und Guirlanden geschmückte Synagoge »var bis aus den letzten Platz gefüllt. Eingeleitet »v»»rde die Feier durch einen von der Gemeinde gesungelien Choral mit Orgelbegleitung. Dann »vurde Psalm 84: „Me lieblich sind deine Woh»»»»ngen, Herr Zebaoth" rezitirt, wobei Vörbeter und Getneinde versweise' sich ablvechselten. Hierauf trug der vpn einem Gen»einden»itgliede, Herrn Theodor Hornthal, zn diesem Zivecke eingeübte vierstimmige Chor der» Lewandowskyffchen Gesang : „Hoch thnt euch auf, ihr Thore der Welt" vor. Diese Darbietrrng. begleitet von Instrumentalmusik, zu der die hiesige Militärkapelle mehrere Mann stellte, »var von erhebender Wirknr»g. Die ei»»drucksvotte, von Herrn Landrabbin-er Dr. Lewinsky gehaltene Festrede hatte als Text aus der gestrigen Ssidrah den »veihevollen Ausspruch des gottessürchtigen Jakob: „Wie Ehrfurcht gebietend ist diese Stätte; nichts anderes hier ist Gottes Haus, hier ist die Pforte' des Himmels." Redner führte aus: Die hiesige Gemeinde bestehe seit 600 Jahren, feit 520 Jahren besitze sie eine Synagoge. An dieser Stätte hätte die Ge»»»einde fünfzig Jahre Erhebu»»g in Freud und Leid empfunden, hätte sich aber auch als eine Goltesgemeinde be»vährt, -.. -v $*&