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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-11-17 · Heft 46 (17.11.1899) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 46 (17.11.1899)
Date
1899-11-17
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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- - y* r; 4 ——'- ' ' .' , ' ■ ' wmm . I ■ Belgien. s. Brüssel, 12. November. Die belgische Judenheit hat durch den Tod von Jaques Wiener, der am 4.November verstarb, eines ihrer besten Mitglieder verloren. Der Verstorbene war 1815 in Hoorstgen in der Rheinprovinz geboren Ulld kam schon als Kind von zwei Jahren mit seinen Eltern nach Venloo (Holland), wo einer feiner Spielkameraden, der später berühmte General Brialmont, )uav. Wiener wurde Graveur und bildete sich in diesem Berufe künstlerisch aus. So entwarf er die Stempel, nach denen die erstell belgischell Briefmarken angesertigt wurden. 1872 verlor er leider sein Augenlicht, doch blieb er bis tu die letzten Tage seilles hohell Alters, er lvurde 84 Jahre, sehr rüstig. Bis zuletzt bekleidete er auch die Würde des Präsidenten des jüdischen Centralkonsistorilims voll Belgiell. Von dell Orden, die der Verstorbene besaß, feien der belgische Leopold-Orden und der preußische Rothe Adlerorden genannt. Am Montag fand bei enormer Beiheiligung jüdischer, wie christlicher Kreise das Begräbuiß statt, bei dem Bloch, Oberrabbiner von Belgiell, ZadokKahn, Oberrabbiner von Frankreich und Baron Lambert Rothschild in Brüssel sprachen. Der König von Belgien und die Prinzessin Klementine hatten in eigenhändigen Schreiben kondolirt. Großbritannien. 6. London, 10. November. „Jewish Chronicle" veröffentlicht ein Interview mit einem der Flüchtlinge ans B l o e m s o n t e i n . das mallcherlei Jntereffalltes über die Inden des Oranjefreistaätes enthält. Ihre Zahl beträgt zwischen 700 und 800, nild sie leben in ziemlich günstiger Lage. Einige stammen ans England, aber die meisten sind delltscheu Ursprungs, doch wandern jetzt auch russische Juden ein. In Bloemfontein ist die einzige Gemeinde, dieselbe zählt 60 Familien, hat aber lloch keine Synagoge, sonderll bellntzt als solche' eine alte Sabbatharierkapelle. An Feiertagen wird der Saal der Stadtverwaltuilg für den Gottesdierlst iti liberaler Weise zur Verfügung gestellt. Die Regierung hat ein Grundstück für die Errichtung einer Synagoge geschenkt, und man hatte auch schon zuln Ban die erstell Schritte gethan, Pläne entlverfen lassen rc., als jetzt durch den Ausbruch des Krieges alles wieder in Frage gestellt ist. Viele dieser jüdischen Bürger des Oranjefreistaates fechten mit den Buren gegön Englalld. — Als ein Kuriosum verdient es notirt zu werden, daß in unserer Stadt ein Jude zugleich Parnes und Kirchenrath lvar. Es handelt sich um H. L. Keeling. der Parnes der Westsynagoge und Kirchenrath seines Kirchspiels war. — Was wir kürzlich ankündigen konrlten, ist jetzt eingetroffen. Mr. Louis S. Cohen ist zum Lordmayor von Liverpool, der.zweitgrößten Stadt Englands, ernannt worden, ulld zwar erfreulicherweise einstimmig. Louis S. Cohen stammt alls Sydney, kaur aber schon mit 13 Jahren nach England, das feine Heimath lvurde. Er trat dort in die große Firma seines Onkels Dawid Lelvis ein. wurde dann Konipagnoil und erwarb ein ellvrmes Vermögen. Sein Interesse für jüdische Dinge hat er bei vielen Gelegenheiten gezeigt. Von Nah und Fern. — Der Sanitätsrath Dr. P. Elsner hier ist zlMl Geheimen Sallitätsrath und Dr. Felix Unger zum Sallitätsrath ernannt worden. — Die königliche Akademie der Wissenschaften hat dem Regiernngsrath Professor Dr. Bernhard Weinstein in Berlin zur Veröffentlichung der Ergebllisse seiner Beobachtungeil über Erdströnle und Erdmagnetismus 800 Mark überwiesell. — Dr. Il> lius R 0'- denberg hat allläßlich des 25 jährigen Jubiläums der „Deutschen Rundschau" den Professortitel erhalten. — Der Maler Hermann Struck hat den Ernst Reichenheim-Preis erhalten. — Der Geheime Sanitätsrath Dr. Zacharias in Königsberg i. Pr. hat den Rothen Adlerorden IV. Klasse erhalten. — In Fra u st a dt ist am 7. d. M., allgemein betrauert, der dortige Rabbiner Marcus Groß gestorben, der 33 Jahre in dieser Gemeinde segensreich gelvirkt hat. — In B rieg lvurde all Stelle des nach Breslau verzogenen Lehrers und Predigers Pj orko lv sky am vergangenen Sonntag Dr. Enoch in das Amt des Predigers eingeführt. — Die Polizeiverwaltung in Elberfeld hat in einem Plakat, welches eine antisemitische Versammlung, in der Reichstagsabgeordneter Raab über Heinrich v. Treitschkes Ausspruch: „Die Jndell fiub ullser Unglück" sprecheil sollte, ankttndigte, dell Satz „Die Judep^ sind unser UuglL'E überkleben lassen und sowohl gegen den Drucker des Plakats, als auch gegen den Unterzeichner der Bekanntmachung wegen groben Unfugs eine Polizeistrafe verfügt. — In München ist atu 8. b. M. der im Alter von 90 Jahren verstorbene Rentier Simon Raff beerdigt worden, der als Arbeiter in einer Weberei begonnen und sich durch unermüdlichen Fleiß und Ausdauer trotz vieler Hindernisse eine Existenz gründete; er hinterläßt seinen Söhnen eine große Fabrik. Für feine aufopfernde Thätigkeit im Kriegsjahre 1870/1871 als Pfleger der Verwundeten wurde er mit dem bayerischen Verdienstkreuze, dem württernbergischell Olga-Orden und der preußischell Kriegsdenkrnülize ausgezeichrret. — Freiherr Willy v. Rothschild in F r a n k f u r t a. M. lu,d seine Gemahlin Freifrau Mathilde v. Rothschild begingen das Fest der goldenen Hochzeit. Die Feier beschränkte sich auf den engsten Familienkreis. Aus Anlaß des Eieignisses sind Stiftungen gemacht lvorden, u. a. der Israelitischen Religionsgefellschaft 80 000 Mark, je 10 000 Mark der Israelitischen Volksschule und dem Pensionsfonds der Rothschild'schen Beamten, denen außerdem ein Vierteljahrsgehalt als Gratifikation angewiesen wurde, welche Summe ebenfalls rund 100 000 Mark betrügt. — Geheimer Sanitätsrath Professor Karl Weigert ist zum Geheimen Medizinalrath und Ehrenmitglied des Instituts für experimentelle Therapie zu Frankfurt a. M. ernannt worden. — Bei den Landtagswahlen im Großherzogthnm Baden erlitten die Antisemiten eine vollständige Niederlage, indem diesmal kein einziger Antisemit mehr in deu Landtag gewählt wurde und auch keiner in die Stichwahl kommt. Im letzten Landtage waren die Antiseniiten noch durch eiilen Abgeordneten ihrer Partei vertreten. — Die Stelle eines Hausvaters und Lehrers in der israelitischen Waisenanstalt zu Eßlingen ist Lehrer Eichberg in Sontheim bei Heilbronn übertragen worden. — Die beiden vakanten Rabbinate in Oberdorf und Göppingen find definitiv besetzt worden, ersteres durch Herrn Dr. H. Krön er. Sohn des Herrn Kirchenraths Dr. Kroner, letzteres durch Herrn I. Straßburger. Beide Herren haben die betreffenden Stellen bisher als Rabbinats- Verweser verwaltet. — Zum Oberrabbiner der israelitischen Gemeinde in Straßburg i. E. wurde der seitherige Oberrabbiuer Ury in Metz gewählt. — Der k. k. Hanptmann Bardach. Edler von Chlumberg in Wien, erhielt vom Kaiser von Oesterreich aus Anlaß seines Austrittes aus der Armee den Majorsrang verliehen. — In Sto ckholm ist der frühere Konsul C. Philipp so n verstorben. — Der Großhändler Friedländer und Fran daselbst schenkte anläßlich einer Familienfeier 50 000 Kronen dem allgemeinen Kinderhospital und bestimmte eine gleiche Summe zweien nahverwandten Waisen als Leibrente. — Der frühere Polizeimeister T. Rüben so n von Stockholm, nunmehr 60 Jahre alt. wurde mit 6000 Kronen Pension irt. — Die Zeitung „Rossia" will wissen, daß die Jllden in Rußland zu dem Amte eines Geschworenen nicht 'mehr zngelassen werden sollen. Auch möglich. — Eine Feuersbrunft, die dieser Tage in Kiew wüthete, äscherte viele, meistentheils von Juden bewohnte Häuser gänzlich ein. Zahlreiche jüdische Handwerker, Kleinhändler und Fuhrleute sind infolge des Brandes zu Bettlern geworden. — Aus Gal atz schreibt man, daß sich dort angeblich jüdische Freiwillige in großer Zahl angeboteu habeil, um gegen die Leistung des Kriegsdienstes bei der englischen ^Armee in diesem Feldzüge das Recht zu erlverbell, daß die Ueberlebenden in Cypern kolouisirt. werden. Es sollen 1000 junge Leute llnter diesen Bedingungen sich angeboteu haben. falls das Ganze nicht ein Trie des Herrn Trietsch, des Propagators der jüdischen Kolonisatiolr in Cypern, ist. — Der Noth unter den Tauseilden von Flüchtlingen aus Transvaal abznhelfen, hat sich in Kapstadt ein Uitlanderkomitee gebildet, dem von angesehenen Glanbensgenossen die beiden Stadträthe voll Johannesburg. Solomon und Grau in a n n angehören. die mit größter persönlicher Aufopferung an der Arbeit finb, lveliigstens einen Theil der unvermeidlichen Noth zu lindern. Man hat besonders große Mühe gehabt. Obdach für die Tansellde von Flüchtlingen zn finden, indessen zur Zeit sind wohl die meistell untergebracht. Auch mehrere tausend Jllden befinden sich nntel den Hilfesuchenden. und die Glaubensgellossen in Kapstadt haben Gelegellheit gehabt, ihre Hilfsbereitschaft in vollstem Maße zll zeigen. .... Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. -''rBHanHVyM'lch fjrr.bie'Mdaktion: Max Äauchwitz in'Berlin.

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