Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1899)
- Date
- 1899-11-17
- Page
- Seite 548 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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deren Erfüllung dem Hause Ansehen und Glanz verschafften. Oder sind sie nicht Weihegefäße, jene Gebote und Vorschriften, : jene Mahnungen und Warnungen des Talmud an den Mann?) „Dem Manne liegt es ob, die Frau zu ehren, sie bringt Glück und Segen in das Haus." „Wer seine Iran liebt wie sich selbst, sie ehrt mehr als sich selbst, dessen Haus ist eine Stätte des Friederis, eine Schatzkammer des Segens." „Es hüte sich der Manu, seine Frau zu betrüben, denn ihr Gemüth ist weich, und leicht treten ihr Thränen ins Auge. „Ja, «och mehr. Da gab es eine reiche und luxuriöse Stadt, Mechuza, am Tigris gelegen, deren Frauen den zweifelhaften Ruhm der Trunksucht und Faulheit?) genoffen und ihren Männern, die auch nicht viel werth waren3 * *), viel : Verdruß bereiteten. Diesen Männern nun legt der Talmud die Pflicht der Nachsicht gegen ihre Frauen ans Herz und ruft ihnen zu: „Ehret eure Frauendamit es euch wohl ergehe." h Andererseits begegnet der Talmud mit Verachtung und Abscheu dem Manne, der seine Frau ungeziemend behandelt; „sündhaft und strafwürdig" nennt er ihn und erklärt: „Die Frau soll durch den Mann steigen, aber nicht fallen."8) Sehr früh schon bestand das Gesetz, daß der Mann der Frau bei der Vermählung eine Urkunde einhändigen mußte, in welcher er derselben eine bestimmte Summe als Heirathsgut aussetzte?) und strenge Vorschriftelt waren daran geknüpft, um seitens der Frau jedwede Milderling dieser Verpflichtung zu verhüten?) Diese Vorschriften waren im Interesse der Frau gegeben und bienten dazu, dem Manne die Scheidung von der Frau zu erschweren.8) Gewiß, es bleibt noch ein Rest von Uebelständen uttd Benachtheiligung, besonders nach der juridischen Seite, die für die Frau verletzend erscheinen, — ein solcher Rest besteht ja selbst noch in der heutigen Gesetzgebung der Völker. Allein gleichwohl beruht die talmudische Gesetzgebung über die Ehe auf einer bei Weitem höheren Anschauung und würdigeren Auffassung als bei den benachbarten klassischen Völkern, und die Frauen im Talmud können im Gegensatz zu ihren Genossinnen bei den Griechen und Römern auf einen großen Uebexschuß von Vortheilen und Segnungen Hinweisen. Je mehr in Griechenland der edle, ritterliche Geist unter den Männern sich verlor, desto trauriger wurde dort das Loos der Frauen. In Rom scheint ein richtigeres Gefühl vorgewaltet zu haben. Allein auch dort hatte das sittliche Bewußtsein der Männer keine höhere als eine politische und natürliche Norm. Ziehen mir noch ein anderes Volk in unsere Betrachturig, das Jahrhunderte lang neben dem Talmud herging, ich nreine das germanische, das von dem römischen Schriftsteller Tacitus wegen der Hochachtung und Verehrung für seine Frauen gerühmt wird. In der That haftet diesem Volke eine gewisse Ehrerbietung vor seinen Frauen an, und zwar schon früher, als es mit dem Christenthum bekannt wurde. Allein auch bei den Germanen war die Frau ursprünglich rechtlos und ebenso wie die Kinder völlig der Willkür des Mannes überlassen. Von einer besonderen Achtung, deren sie vorzugsweise als Ehefrauen von ihren Männern genossen, ist mir nicht viel bekannt. Wie hell und leuchtend hebt sich dem gegenüber die Stellung der Frau im Talmud ab, die den Odem der Erhebung, den Zauber innerer Beglückung h B. Mez. 59 s. Jebam. 62 s. Main,. Jschuth. XV. 19-20, E. Eser 154, 3. 2) Sabb. 32-33. Ketnb. 65 s Pessach.50d. *) R.Jcschar. 17 s, Thaan. 26 a. h B. Mezia 59 ». >) E. Eser § 154, 3. not., Ketub. 48 a, das. 61a. °) Ketnb. 82b, Sabb. 14b, Jeriisch. Ketnb. VIII Ende; vgl. Grcitz III not. 14. 7) Ketnb. 54 b, das. 57 oben, Maim. Jschuth XII, 8, Tur. E. E. § 66. 6) Jebam. 89 s, Maim. Jschuth 24, 16. und Berufung empfand, wenn sie in die Ehe eiiltrat, oder wenn sie, was in der Regel keine Frau unterließzum ersten Mste nach ihrer Hochzeit in ihr Elternhaus als Besuch zurückkehrte?) um dort den Ihrigen persönlich Mittheilnng von dem Glücke zu machen, das ihr der Gatte und die Schwiegereltern gewähren. — Freilich nicht immer zeigen sich die Frauen im Talmud der Stellung werth, die ihnen eiugeräumt wird. (Forts, folgt.) Jum Ursprung -es Wortes „Taufe". Don Oberlehrer Dr. M. Goldschmidt in Wolfenbüttel. #err Rabbiner Dr. Kohn in Jtiowrazlaw hat in Nr. 29, und dann nochmals in einer kurzen Notiz in Nr. 40 der Zeitung des Judenthums den Gebrauch der Taufe bei den Christen auf einen jüdisch-effäischen Brauch und das Wort Taufe selbst auf ein hebräisches pata „untertauchen" zurückführen wollen. Mit jener sachlichen Ableitung mag er Recht haben. Wie so vieles im Christenthum, könnte ja auch dieser, wie es scheint, echt christliche Brauch der Taufe auf das Judenthum zurückzuführeu sein. Viel bedenklicher aber ist die sprachliche Ableitung, deren Richtigkeit Herrn Dr. Kohn so über jedem Zweifel erhaben scheint, daß er aus ihr auch die Richtigkeit der sachlichen Ableitung „bis zur Evidenz" erweisen will. Das Wort „Taufe" ist wie das Zeitwort „taufen" nicht von den verwandten germanischen Wörtern (gothisch: daupeius, daupjan, altniederdeutsch: döpi, döpian, niederländisch: doopen) zu trennen. Eine Erklärung, die allenfalls für das Wort „Tause" (althochdeutsch: toufa, mittelhochdeutsch: toufe) ausreicht, aber nicht für die verwandten germanischen Wörter, ist deshalb zu verwerfen. Dieser Art ist aber die Ableitung des Herrn Dr. Kohn. Das chaldäische rpa könnte ja wohl die Quelle des althochdeutschen toufa sein, wenn auch schwer zu erklären wäre, wie gerade die chaldäische Sprache auf die althochdeutsche hätte einwirken sollen. Aber die gvthischen und niederdeutschen Wörter sind ans diesem chaldäischen Worte nicht abzuleiten; sie können ebenso wenig aus dem Althochdeutschen abstammen, und damit fällt auch jene Ableitung aus dem Hebräischen überhaupt. Es liegt hier nur ein zufälliger Gleichklang zweier gleichlautender Worte vor, der aber schwerlich auf irgend welche Verwandtschaft schließen läßt. Damit ist nun freilich das Wort „Taufe" in seiner heutigen Bedeutung noch nicht erklärt. Die Grundbedeutung von „taufen" ist wie die des von Dr. Kohn herangezogenen hebräischen Wortes „untertauchen". Es hängt mit „tief" zusammen, auch mit dem englischen dive. Ein Zusammenhang mit „tauchen", den man gern annehmen möchte (man vergleiche die mit einander verwandten Wörter Neffe und Nichte, sanft und sacht, schlüpfen und Schlucht), scheint nicht vorzuliegen. In der eingeschränkten Bedeutung, die das Wort jetzt hat, findet es sich, wie bereits erwähnt, schon im Gvthischen und im Niederländischen. Dagegen haben die Engländer wie die Romanen ihren Ausdruck dem griechischen ßcatx’upuv entlehnt. (Das Griechische ist ja auch sonst, wie natürlich, die Quelle der meisten kirchlichen Ausdrücke.) Es ist wahrscheinlich, daß das altgermanische danpja» bereits in der heidnischen Zeit eine rituelle Bedeutung hatte, wodurch es sich eignete, der Vertreter jenes christlichen Wortes zu werden. ') Ketnb. 71b, Tossaphoth unten.