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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-11-17 · Heft 46 (17.11.1899) · p. Seite 544

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 46 (17.11.1899)
Date
1899-11-17
Page
Seite 544 (sequence 4)
Language
German
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Länder nicht 150 000, 200 000, 500 000, sondern nur 60 000, 50 000, 250 000 Juden an. Diese Uebertreibungett müßten das Endergebniß um Vs Million zu hoch erscheinen lassen, wenn nicht andererseits die Zahl der russischen Juden zu gering angenommen wäre. Rußland besitzt — theilweise Veröffentlichungen aus der Volkszählung von 1897 lassen das außer Zweifel — kaum weniger als 5 Millionen Juden. Nach Hübner würden auf der ganzen Erde 9V2 Millionen Juden leben. Ist auch für den Orient die Judeuzahl um Million zu hoch gegriffen, so macht doch die um 1 Million zu niedrig bemessene jüdische Bevölkerung Rußlands es wahrscheinlich, daß nicht 9V2, sondern 10 Millionen Inden im Jahre 1900 auf der ganzen Erbe leben. Protokoll über die Jahresversammlung -es Vereins israelitischer Fehrer von Rheinland «nd Westfalen. (Schluß.) tut 7 Vs* Uhr versammelten sich die Teilnehmer an der Konferenz im Möller'schen Lokale au der Schützenbahn, wo ihnen ein — ° guter Imbiß dargeboten wurde, für den die Gemeinde Essen in zuvorkommender Weise gesorgt hatte. Hieran schloß sich um 8V2 Uhr ein Festbanket bei einer den Lehrern kredenzten Bowle. Der Verlauf des Bankets, an welchem sich die Essener jüdische Gemeinde so zahlreich betheiligte, daß der große Saal kaum alle Theilnehmer fassen konnte, gestaltete sich zu einer glänzenden Ovation für die anwesenden mie für die Gefammtheit der Lehrer. Der zweite Verhandlungstag wird des Morgens um 8V2 Uhr vom Vorsitzenden eröffnet. Da die an» erstell Tage gewählte Kommission mit ihren Berathungen noch nicht fertig ist, so schlägt der Vorsitzende vor, bell Vortrag des Kollegen Wallach -Aachen zu hören? Ferner verliest der Vorsitzende ein Danktelegramm des Herrn Rabbillers Dr. Samuel- Essen für den von der Versammlung anläßlich seiner Vermählung vn ihll abgesandten Glückwunsch. Der Vorsitzende dankt auch der Firma Baedecker-Esseu für die Ausschmückung des Sitzullgssaales mit Wandkarten u. a. Er bringt ferner ein Schreiben des Herrn Dr. Adler- Berlin zur Verlesung, in welchem Mittheilnng gemacht wird, daß das biblische Lesebuch von Professor Dr. Tachau zum Preise von 3,50 Mk. zu erhalten ist. wenn es durch deil Vereill bestellt werde. Für das zu gründende Verbandsorgan zeichnell sich über 40 Lehrer als Abonnenten ein. Es referirt alsdann Kollege W all a ch - Aachen über „die jüdische Schule, lvie sie war, ist ulld sein soll". Redner behandelt Punkt I und II, die Geschichte der Erziehung unseres Volkes, beziehungsweise die Geschichte der jüdischen Schule, in ihren einzelnen Phasen in vergleichender Methode: a) Pädagogik der biblischen Bücher; im Vordergründe Moses als der größte Pädagoge vor vier Jahrtausenden, b) Samuel und die Prophetenschulen. c) Davids Psalmen und Sprüche Salomos. d) Pädagogische Bedeutung der Propheten Jesaia. Jeremias — bis zum Exil. 6) Esra, der Mendelssohn der alten Zeit, a—e ist Volksbeziehungsweise Familienerziehung. t') Josua ben Gamla, der Begründer der jüdischen Kinderschulen — wenige Jahre vor Auflösung des jüdischen Staates, g) Pädagogik des Talmuds. Vorbildlichkeit der talmudischen Weisen und Lehrer, li) Talmudische und i.iachtalmudische Elementarschule. — Mittelalter. — Reformation. — Christliche und jüdische Pädagogik jener Zeit, i) Das Che der (Spiegelbilder aus jener Zeit), k) Mendelssohn und Pestalozzi. 1) Bessere Zustände. —- Gründung der ersten jüdischen Elementarschule in Berlin, m) Weitere Entwickelung des jüdischen Unterrichtswesens in Deutschland. Gründung von Volksschulen, Lehrerseminaren und höheren Schulanstalten (Dessau, Seesen, Wolsenbüttel, Franksurt a. M., beziehungsweise Kassel, Hannover, Münster, Würzburg, Berlin. Köln). Einfluß derselben aus die wissenschaftliche, soziale unb deutsch-nationale Bildung der Juden. 11) Entwickelung der jüdischen Volksschule in Preußen nach dem Gesetze vom 23. Juli 1847. Punkte a~n stets vergleichend, wie es einst war, und wie es jetzt ist. Punkt II. Besonders: Die jüdische Volksschule der Gegenwart steht voll und ganz ans der Höhe der allgemeinen Volksschule. Sie allein — nicht die bloße Religionsschule — ist das letzte und festeste Bollwerk, die letzte Hüterin der höchsten und heiligsten Ideale des Judenthums und der Kultur überhaupt. . Punkt III. Wie sie sein soll: 1. Sie nehme stets lebhaften Antheil an den pädagogischen Bestrebungen der Gegenwart und bleibe auf der Höhe der Zeit. 2. Referent geißelt die pädagogische Unnatur des Mechanismus, des Maschinismus und des Verbalismus in den modernen Schulen und jüdischen Lehrerbildungsanstalten, nimmt aber letztere gegen die in den Zeitungen erhobenen Angriffe doch energisch tu Schutz, indem er anerkennend hervorhebt, daß dieselben bei aller Ueberbürdnng, dem gewaltigen Stoffandrange und ihrer Vielseitigkeit in kurzer Zeit (3 Jahre) noch so glänzende Resultate aufznweisen hätten. Das jüdische Seminar hat nicht nur 1. den preußisch-deutschen Volksschullehrer, sondern auch den jüdischen Religionslehrer anszubilden; 2. ist es ein Konservatorium des Synagogeugesanges; 3. ein Laboratorium für thierärztliche Untersuchungen (Schechitah); 4. ein solches für Industrie und Gartenbau; 5. eine Fakultät für Homiletik und Casnalien. Für die Ausbildung des jüdischen Lehrers fordert Referent Vorbildung ans einer höheren Lehranstalt, dann Besuch des Seminars als der pädagogischen Fachschule oder der Universität. Redner geht zum Schluß, über und fordert für den Religionsunterricht in der jüdischen Schule sorgfältige Einschränkung des Unterrichtsstoffes, Verinnerlichung der sittlich-religiösen Gedanken im Pentateuch und Gebetbuch: so daß dieselbe „der wahren Humanität entgegengeführt und ans den Fesseln des Wort- und Scheinwiffens befreit werde". Der Vorsitzende dankt dem Redner für seine fleißige und reiflich durchdachte Arbeit. Die Versammlung ehrt den Vortragenden durch Erheben von den Sitzen. Der Vorsitzende verliest ein Schreiben des Verbandsvorsitzenden, die Vorträge an ihn zur Kenntnißnahme und eventueller Veröffentlichung in der in Aussicht genommenen Verbandszeitung zu übersenden. Dadurch wird Gelegenheit geboten werden, diese ausgezeichnete Arbeit weiteren Kreisen in ihrem ganzen Umfange zur Kenniniß zu bringen. Ans Antrag des Kollegen Löb-Köen soll in Rücksicht ans die Zeit die Diskussion ans der nächsten Versammlung an der Hand der aufgestellten Thesen stattfinden. Darauf wird Minden zum Versammlungsort sür die ain 5. und 6. Juni 1900 stattfindende Versammlung gewählt. Auf Wunsch des Kollegen Meyer- Lünen sei hier ausdrücklich festgestellt, daß sein in Aussicht gestellter Vorjxgg: „Rach welchen Gesichtspunkten ist die Auswahl für eine jüdische Schülerbibliothek zu treffen", nicht durch eigene, sondern fremde Schuld auf der Tagesordnung vergessen worden. Kollege Fröhlich-M.-Gladbach beantragt ans besonderen Gründen, den ideellen Theil der Berathungen fortan auf den ersten Sitzungstag zu verlegen. Es referirt sodann Kollege Liepman nssohn-Minden über die Verbandstagung. Er hebt als besonders wichtig einige Punkte hervor: In erster Linie die verbandsseitig beabsichtigte Gründung einer Pensionskasse. Die neue Einrichtung wird auf dem Boden der Versicherung stehen. Sie soll feste Pensionen gewähren, 600 resp. 300 Mark. Die Beiträge sollen die Gemeinden etatsmäßig leisten; es kann aber nur eine geringe Anzahl von Aufnahmesuchenden berücksichtigt werden. Die Bedenken wegen Schädigung der Provinzialkassen werden vom Verbandsvorsitzenden zerstreut. Eine Verbandsstatutenänderung bezwecke eine anderweitige Zusammensetzung des Verbandsvorstandes. Der Referent wünscht die Mitstimmung der Vorsitzenden der einzelnen Vereine auf der Delegirtenversanunlung. Hierzu erklärt Kollege Fröhlich -M.-Gladbach unter allgemeiner Zustimmung der Versammlung: „Eingreifende Fragen über die Konstellation des Verbandes sollen vorher auf den Vereinstagen besprochen werden. Ueberhaupt sollen die Vereine mehr als bisher zur Mitarbeit beziehungsweise zur Stellungnahme herangezogcn werden. Wir mißbilligen die Gründung einer solchen Kasse, die, für das ganze Reich bestimmt, doch nur Wenigen zu gute konunen kann und über kurz oder lang trotz der Versicherungen des Verbandsvorsitzenden zu einer Schädigung der Provinzialkassen führen wird." Es folgt der Vortrag des Herrn Seminarlehrers F ein st ei n- Münster über das Verbandsthema: Welche Anforderungen müssen an die jüdischen Lehrer und Lehrerbildungsanstalten gestellt und von beiden erfüllt werden?" Der Redner Hai es verstanden, dieses im

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