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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-11-17 · Heft 46 (17.11.1899) · p. Seite 543

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 46 (17.11.1899)
Date
1899-11-17
Page
Seite 543 (sequence 3)
Language
German
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Tschechen mögen sich gegen die Juden verbinden!" Er hat aber ivohl selbst nicht geglaubt, daß diese Agitation bald zn Stande kommen wird. * Ueber diejüdischen Verhältnisse Änßlands sind schon seit langer Zeit nur Dinge von untergeordneter Wichtigkeit zu melden. Ob die Veränderung im Ministerinm des Innern eine gute sein wird, wie man allgemein hofft, bleibt auch »loch abzuwarte». Einige nicht unwichtige kleinere Ereignisse wollen wir immerhin anzeigen. Die „Gerichtszeitung" Pnblizirt eine Senatsentscheidung, wonach diejenigen Juden, die außerhalb des Ansiedelungsrayons Wohnrecht haben, auch in den Dörfern rc. Land erwerben dürfen. — Der Wald bei Kiew, den man in dieser Stadt als Spaziergang benutzt, darf nach der neuesten Verfügung des Polizeiministers voll Kiew nicht mehr von Juden ohne spezielle polizeiliche Erlaubniß betreten iverden., — Der Odeffaer Verein „Trud" wird in Paris zur Weltausstellung auch eine Kollektion seiner Schülerarbeiten ausstellen. — Die Tallesweber in Dubrolvno haben gestreikt, um höhere Löhne zu erhalte». Bei dieser Gelegenheit erhielten sie von den Herren Lourie und Friedeberg in Moskau die Mittel, um eine Kooperativgesellschaft zu gemeinsamer Fabrikation zu bilden. * Aus den argentinischen Kolonien kommen endlich auch einmal beffere Nachrichten. Man schreibt uns von dort unter dem 29. September d. I.: Um diesen Brief nicht ohne 'eine Mittheilnng über die Kolonien zu schließen, beschränke ich mich ans die frohe Mittheilnng, daß sich die Heuschrecke bis jetzt in Entre Nios noch nicht gezeigt hat. Und das ist dem günstigen Umstande zuzuschreiben, daß die Witterung eine kalte ist, und daß der anhaltende Südwind der Heuschrecke, die vom Norden zu kommen pflegt, in ihrem Fluge hinderlich ist. Sie kann aber noch kommen, doch wird sie jetzt nicht mehr großen Schaden allrichten können, da erstens die diesjährige Aussaat sehr früh geschah, so daß der Weizen und der Lein hoch genug gewachsen sind, um der Heuschrecke widerstehen zu könlien, und zweitens ist bald die Zeit des Eierlegens, und nachdeni die Heuschrecke die Eier gelegt hat, stirbt sie bekanntlich ab. Zlvar entsteht ans diesen Eiern ein nenes, ein etwa hundertfaches Heer von Heuschrecken, doch geschieht diese Entwickelung der neuen Generation erst nach 35—40 Tagen, tutb nach zwei Monaten, von jetzt ab gerechnet, beginnt schon die Ernte, so daß auch Pie neue Heuschrecke kanm einige Tage Zeit wird zu fressen haben. Me Zahl und Nertheilung der Juden. Bon Bernhard Traubenberg. fie Hübnerschen Tabellen, die wegen der Sorgfalt inid Gewissenhaftigkeit, mit der fie zu Werke gehen, sich großeri Ansehens erfreuen, geben auch für die Statistik der' Juden wichtige Ausschlüsse. Bezüglich der Juden werden die Angaben von Jahr zu Jahr sicherer, und in der neuesten Ausgabe von 1899 kommen dieselben der Wirklichkeit wohl sehrnahe. Zwar lassen die Zahlen über Asten und Afrika sehr an Exaktheit zu wünschen übrig. Allein Länder, die sich ihr Zahlenmaterial nur auf dem Wege unsicherer Schätzungen statt genauer Erhebungen verschaffen, können kein großes Vertrauen in die Zuverlässigkeit ihrer Angaben beanspruchen. Man wird sich so lange mit diesem für wissenschaftliche Erfordernisse unzureichenden Behelf begnügen müssen, bis die fortschreitende Kultur auch ins dunkle Afrika di» Volkszählungen getragen haben wird, die bei uns so prompt funktioniren. Trotz der Mrichtigkeiten im Einzelnen ist aber das Gesantintresultät ein ziemlich korrektes. So weit es anging, sind die jüngsten Veröffentlichungen zur Benutzung gelangt, wenn auch die Zahlen, die durch Schätzungen ermittelt werden müssen, nicht aus den vorsichtigsten Quelle» geschöpft sind. Nach Umrechnung dev Prozentsätze möge hier die Aufstellung in absoluten Zahlen folgen: Abessinien . . . ... . . 200 000 Jude», Afghanistan .. 14 000 „ Aegypten .......... 25 000 „ Belgien ... 3 000 „ Bulgarien.. . .. 27 500 „ Dänemark. 4000 Deutschland. „ Frankreich . . . . . . . . . 55 000 „ Algerien .. 43 000 „ Tunis. 45 000 „ Englan d. 80 000 „ Indien. 20 000 „ Kapkolonie . ......... 4 000 „ Italien. 46 000 „ Luxemburg. 1000 „ Marokko. 150 000 Niederlande.. . 97 000 „ Oesterreich.. . . . 1 150 000 „ Ungar», ........... 805 000 „ Bosnien. 8 000 u Persien. 19 000 „ Rumänien. 243 000 „ Rußland (mit Sibirien). 4140000 „ Schweden .. 3 500 „ Schweiz.. 8 000 „ Serbien. 5 000 „ Transvaal . . 10 000 „ Türkei (europäische) . .. 140 000 „ Türkei (asiatische).. 500 000 „ Vereinigte Staaten von Nordamerika 1000 000 „ Australien.. , . . 15 000 „_. 9 441 000 Inden Auf Kosten des Druckfehlerteufels ist wohl der Jrrthnni zu setzen, wenn in Luxemburg 5 Prozent statt 0.5 Prozent für die jüdische Bevölkerung angegeben wird, eine Berichtigung, die in obiger Tabelle zum Ausdruck gekommen ist. Merkwürdig genug fignriren für Rußland zwei ganz verschiedene Zahlen. Unter der Rubrik Nationalität werden 3,6 Millionen Juden aufgesührt, während sie als Konfession mit 4,1 Millionen in Rechnung gebracht »verden. Ist das mehr als eine bloße Inkorrektheit, so muß der Berfaffer der wissenschaftlich nicht leicht nachweisbaren Meinung sein, daß V3 Million nur ihrem Glauben, nicht aber auch ihrer Abstammung nach Juden sind. Eine solche Annahme entspräche einer von manchen Forschern geäußerten Auffassung, nach der ein Theil der heutigen russischen Juden Nachkömmlinge der bekehrten Chazaren seien. Es sind aber auch andere Gelehrte vorhanden, welche den russischen Typus vieler Juden als einen ererbten nicht anerkennen, soildern der eben solche Autorität genießenden Anschauung sind, der Typus könne das Produkt Jahrhunderte langer Lebensbediiigungen sein, die unaufhörlich aus die physische Gestaltung der Rasse einwirke. Die Angaben über Marokko, Abessinien und das türkische Asien übersiügelu die Wirklichkeit um ein Bedeutendes. Die vorsichtigsten und geschätztesten Forscher nehmen für diese

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