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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-11-17 · Heft 46 (17.11.1899) · p. Seite 542

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 46 (17.11.1899)
Date
1899-11-17
Page
Seite 542 (sequence 2)
Language
German
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spattnung aller Euerer Kräfte alle Anforderungen, die an Euch gestellt werden: Ihr dient ja dem Vaterlande und der Religion, Die Kriegstüchtigkeit und die Tapferkeit sind in Israel, keine unbekannten, keine fremden Tugenden: auf zahlreichen Schlachtfeldern haben sie sich erprobt. Wenn JhrEuch während Eurer Dienstzeit nur an unseren Feiertagen Euerer Religion erinnert, dann, Soldaten, seid Ihr keine wahren Israeliten, keine würdigen Nachkommen des tapferen Königs David, der heldenmüthigen Makkabäer. Bei d er Ausübung Euerer militärischen Pflichten, die Ihr (will's Gott) nur in Friedenszeiten zu erfüllen haben möget, denket daran, daß unsere Religion von uns verlangt, daß wir mit Herz und Hand, mit Gut und Blut zur Ehr? und Wehr des Vaterlandes uns tüchtig machen. In diesem Sinne, Soldaten, werdet Ihr den Fahneneid als Bekräftigung Euerer Herzensgesinnung leisten, in diesem Sinne ihn halten. Zur Ehre des Vaterlandes, zum Ruhme des Judenthums sprechet mit dem Psalmisten: „Ich schwöre und wilsts erfülle», zu halten die Satzungen Deiner Gerechtigkeit!" Are Woche. Berlin, 15. November. f ieselben Klagen, die anderweitig darüber erhoben werden, daß im Verhältniß zur Bevölkerungsziffer einmal ein Jude zuviel eine Anstellung gefunden habe, werden seit Jahren von katholischer Seite mit Vorliebe gegenüber den Protestanten in Baiern erhoben. Baiern ist zu % ungefährkatholisch und nur zu Vs protestantisch. Gegenwärtig sind von den sechs baierischen Ministern gerade die drei ältesten protestantischer Religion, darunter übrigens der Ministerpräsident selbst. Dieser hat nun in der letzten Kammersitzung folgende interessante Worte gesprochen: „Abgeordneter Dr. Schädler hat da»» eine Frage berührt, die i» der Presse ausführlich erörtert worden ist, und auf die zu antworten mir nicht einsallen würde, wenn ich nicht die prinzipielle Seite der Frage dabei berühren könnte. Er sprach davon, daß in den höhere» Verwaltungsstellen die Konsessionen nicht entsprechend vertheilt seien. Ich süsse die Parität nicht in dem Sinne auf, daß in jeder Verwaltung zwei Drittel Katholiken und ein Drittel Protestanten sein müßten. Die Parität ist vielmehr dahin ausznsasse», daß die K oyfessi on kei» Hin d ern iß sei n ko n », d e n r i ch t i g e » M a » n an die richtige Stelle zu setzen. (Bravo! Links.) Ich wende mich in Besetznngssragen an das Ministerium des Inner» mit dein Ersuchen, mir diejenigen Herren zu bezeichnen, die geeignet seien, Plätze im Ministerium des Aenßern einzunehmen. Es wurden stets Diejenigen bezeichnet, die die erste Note im Staatskonkurse und anßerdei» die beste Onalifikationsnote hatte». Daß die betreffenden Herren znsällig Protestanten waren, dakür kann doch ich nichts." Es wäre sehr erfreulich, wenn diese goldenen Worte des höchsten Beamten des zweitgrößten deutschen Bundesstaats, insbesondere auch wenn es sich um Bewerber israelitischer Religion handelt, im ganzen Deutschen Reiche zur Anwendung kommen würden; die Aussichten dazu sind aber für die nächsten Jahre wohl nur gering. * ♦ Die groben Ausschreitungen der Tschechen in Mähren, deren Opfer die dortigen Juden geworden sind, bildeten in den letzten Tagen den Gegenstand heftiger Debatten uv österreichischen Reichsrath. Der Minister des Innern wurde von tschechischer; und sozialdemokratischer Seite über das Verhalten der Regierungsorgane interpellirt. Im Namen des jungtschechischen Klubs sprach der Abgeordnete Zaceck, der jede antisemitische Tendenz in der tschechischen Nation in Abrede stellte. Dir Ausschreitungen haben nüch seinen Ausführungen nicht den Juden, sondern den verhaßten Deutschen gegolten, mit denen sich die Ersteren durchaus identifizirten. Dies ist eiiie Meinung, die sich hören läßt, und jedenfalls haben die Bürger, derer« Hab und Gut geplündert oder zerstört worden ist, kein Recht, sich darüber zu beklage», da die tschechischen Exzesse nicht ihnen als Inden, sondern als Deutsche zugedacht waren. Und wenn sie sich dennoch nicht über de» Verlust ihres Eigenthums und zum Theil auch ihrer wirthschaftlichen Existenz trösten wollen, so ist ihnen nicht zu helfen. Es ist nur noch die Frage, ob Herr Schönerer und seine Freunde ihnen die Ehre, als Deutsche geprügelt worden zu sein, gönnen wollen. Ist dies der Fall, so hat die Sache ihre „wissenschaftliche" Erledigung gefrinden, und dem künftigen Historiker ist nun die Möglichkeit gegeben, die jüngsten Heldenthäten der Tschechen gehörig zu rubriziren. Diel schwieriger ist das Auftreten des soziakdenrokratischen Vertreters Berner zu begreifen, wenn man nicht wüßte, daß die österreichische Sozialdemokratie einen Stich ins Antisemitische Hatz Der Sozialdemokrat hat nacheinander die Gendarmen, die Juden, die Tschechen und die Negierung angegriffen. Herr Berner sprach über den großen Einfluß, den die Herren Rothschild und Gutniann in den industriellen Theilen Mährens ausübten, worüber seiner Ansicht nach die tschechische Bevölkerung erbittert sei. Es ist zwar nicht im Mindesten bewiesen, daß jener Einfluß ein schädlicher wäre; aber der Unsinn hätte wenigstens Methode, wenn der tschechische Pöbel sein Müthchen an dem Eigenthum der genannten jüdischen Millionäre gekühlt hätte. Jedoch die arme» Juden in Holeschan und Wsetirr statt deffen büßen zu lassen, das heißt dem Unrecht noch die jämmerliche Feigheit hinzuzufügen. Schließlich kam auch der Minister zu Wort; was in Oesterreich bekanntlich nicht immer der Fall ist. Er sagte u. A.: Es sei tief beklagenswerth, daß zu den bestehenden nationalen und politischen Gegensätzen noch andere träten, welche Leidenschaften entfesseln, die nur mit den schärfsten Repressivmaßregeln gebannt werden können. Solchen Ausschreitungen, die schärfstens zu verurtheilen seien, werde die Regierung entschieden entgegentreten. Sie sei dazu verpflichtet als Hüterin der öfferrtlichen Ordnung. (Zustimmung links.) Die Regierung bedauere die Vorfälle schmerzlich und werde alle Vorkehrungen treffen, um. eine Wiederholung zu verhüten. (Lebhafter Beifall links. Abzngsrufe bei den Tschechen.) Nach dem Minister führte Abgeordneter d'Elvert (deutschf.) aus, seine Partei stimme dem Anträge auf Einsetzung einer Untersuchungskommission zu, verlange jedoch, daß alle Fälle untersucht würden, rvo nicht nur tschechisches, sondern auch deutsches Blut geflossen sei. Diese Zustimmung sei weder der Ausdruck des Vertrauens noch des Mißtrauens. Bezüglich der Frage des Polnaer Mordes wünschte Redner, daß diese That klar gestellt werde, damit man sehe, daß der Ritualmord ei« Märchen sei. (Beifall links.) Der Antisemit Schneider hob hervor, die Ausschreitungen hätten einen antisemitischen Charakter gehabt und griff heftig die Juden an. Er besprach den Polnaer Fall, wobei er das Vorgehen der österreichischen Justizbehörden schärsstens kritisirte. Erschloß seine Rede mit den Worten: „Die Deutschen und

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