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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-11-10 · Heft 45 (10.11.1899) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 45 (10.11.1899)
Date
1899-11-10
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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12.Oktober des Verflossenen Jahres erfolgte Ableben ihres hochverdienten Ehrenpräses und langjährigen Präses Herrn F. Blumenfeld erlitten. Ebenso schied durch den Tod Herr Bankier Jos. Jsaac aus dem Kuratorium, dem er 13 Jahre als warinherziger Förderer der Stiftung allgehört hatje. Das Kuratorium setzt sich »»»»»»mehr nach erfolgter Neuwahl, die auch die Bestätigung des königlichen Provinzial-Schulkollegiunls gefunden hat, alls folgenden Herren zusammen: Rentner Jos. Steril. Münster. Präses. Justizrath Hertz. Munster, stellvertretender Präses. Königl. Kommerziellrath M. Beer, Essen, Kurator. Rentner Ad. Elias, Dortmund, Kurator. Bankier M. Katzenstein, Bielefeld, Kurator. Fabrikarrt C. S. Lehmann, Köln, Kurator. Bankier M. Hai,f, Witten, stellvertr. Kurator. Justizrath Hertz, Münster, stellvertr. Kllrator. Kaufmann Jos. Levison, Düsseldorf, stellvertr. Kurator. Fabrikant Feodor Meyer, Aachen, stellvertr. Kurator. Die finanzielle Lage der Stiftung ist in der abgelaufenen Berichtsperiode im großen Gallzen dieselbe geblieben. Ein von der Stiftung .unterllominener Versuch, allch die Gemeinden, welche seit Jahrzehnten oder gar seit deln Bestehen der Anstalt nichts 31t den Unterhaltungskosten derselben beigetragen habell, zu Spenden zu veranlassen, ist nahezu vollständig gescheitert. Nur wenige der betreffenden Gemeinden haben dllrch Gewährung eines Beitrages ein erwachendes Jllteresse bekundet. Diese betrübende Erscheinung kailn nur auf den leider vielfach tiefgewurzelten Judifiereutismus gegenüber allen jüdischen Institutionell zurückgesührt lverdel,. Im nächsten Jahre feiert die Anstalt das Fest ihres 75jährigen Bestehens. Aus diesem Anlaß wird eine Festschrift erscheiilkll, welche der weiteren Oeffentlichkeit ein übersichtliches Bild über die außerordentlich segensreiche Wirksalnkeit der Stiftung geben wird. A Köln a. Nh., 2. November. Als Zeichen der Tolerailz in unserer antisemitisch durchseuchten Zeit verdient Folgendes aus unserer rheinischen Vaterstadt hervorgehoben zu werdell: Zu den großartigen im hiesigen Dom gelegentlich der Wahl eines neuen Erzbischofs stattgehabten kirchlichen Festlichkeiten warell von dem Metropolitankapitel die Spitzen der weltlichen llnd geistlichen Behörden geladen und erschienell; auch Herr Rabbiner Dr. Frank als Vertreter der jüdischen Religionsgemeinde. Ferlier berichte Jhneil, als Akt der Parität, daß auch von deul M i l i t ä r - G 0 u v e r n e m e ll t mit gleichem Maße gemessen wird, indenl so. wie in bei: Kirchen die Rekruten christlicher Konfession auf den Fahneneid von den betr. Geistlichen vorbereitet werden, dies in der hiesigen Synagoge alljährlich bezüglich der Soldaten jüdischen Glaubens von dem Herrn Dr. Frank durch eine feierliche Ansprache geschah. — Am 6. d. M. wurde ein Verband der rheinischen Synagogen-Gemein den begründet. —t. München, 5. November. Die „Deutsche Reform" hat, um in dieser Zeitung Nr. 43 mitgetheilt ist, behauptet, daß der hiesige Zweig-Verein der Alliance Israelite berichtigt habe, daß unter den hiesigen Juden nicht für Drehfus gesammelt worden fei, eine polizeiliche Untersuchung aber zu Tage gefördert habe, daß dennoch. wiewohl in Barern verboten sei. ohne polizeiliche Erlaubniß Sammlungen zu veranstalten, solche stattgefunden hätten. Folgendes ist der richtige Sachverhalt. Alls die in einem hiesigen antisemitischen Blatte enthaltene diesbezügliche Behauptung hat in Stellvertretun des Vorstandes des hiesigen Zweigvereins Dr. Merzbacher berichtigt daß solche Sammlungen hier nicht stattgefnnden hätten; es ist aber durch die polizeilichen Untersuchungen, wenn solche, was wahrscheinlicl. gar nicht der Fall sein wird, stattgefunden haben sollten, auch nichi das Gegeutheil zu Tage gefördert worden, und zwar aus dem einfachen Grunde schon, weil, wie auf Befrage»» der Grand rabbin Zadok Kahn in Paris hierher mitgetheilt hat, es überhaupt nie ein sogenanntes Dreyfns-Syndikat gegeben hat, am allerwenigsten aber, wie die hiesigen Zeitungen behauptet hatten, der Grand rabbin Geld von hier oder von sonstwo für Zwecke der Vertheidigung des Drehfus oder sonstige sogenannte Dreysus-Zwecke erhalte»» hat. x. Landan. (Pfalz), 3. November. Auf Anregung unseres Bezirksrabbiners Dr. Einstein fand heute in der hiesigen Synagoge erstmals vor der Vereidigung der Rekruten feierlicher Gottesdienst statt. Die königliche Kommandantur hatte sich, u»»ter ergebenste»»» Danke für das dieustfrennbliche Entgegenkommen, bereit erklärt, die jüdischen Rekruten an de»nselbeu Tage u»»d zu derselben Stunde zur Synagoge zu schicken, da ihre christlichen Kameraden in die Kirche geführt »verden. Durch die Mitwirkung des Kantors und des Synagogen-Gesangvereins erhielt der Gottesdienst eine erhöhte Weihe. ® clterrrt d| - 2i! i! »jn nt. O 28iltt, 6. November. In» Sitzurrgssaale der Repräsentanz der hiesigen israelitischen KultusgemeindL tonst»tuirte sich am 30. v. M. der Verein „Allgemeiner O est erreich! sch- Israeli tisch er Bund", »velcher die Vorstände der bedeutendste»» Kultusgemeiuden Oesterreichs »»»»»faßt und sich zur Aufgabe gestellt hat. insbesondere mit Rücksicht auf die bekannten Vorkommnisse der jüngsten Zeit der von gewisser Seite betriebenen und geschürten Hetze gegen die Juden mit aller Krast eutgegeuzutreten und die administrativen n»»d Kultus- »nteressen der österreichische»» Juden zu sörderr». Der Vorsitzende der Versan»u»luug, Gemeinderath Dr. Alfred Sleri», theilte mit, daß unter dein Drucke der beklagenswerthen Ereignisse der letzten Zeit dem Blinde mehr als 150 Kultusgemeinden beigetreten seien. Dr. Stern beantragte eine. Resolution (siehe die Woche), die einstimmig al»gel»orn»ner» »v»»rde. Vor» Herr»» Sigmund Mayer wurde folgender Antrag eingebracht: „Die Regierung »vird ersucht, einen Gesetze»»t»vurf einznbringen, d»»rch welcher» in subsidärer, eiua»»der ergärrzender Reihenfolge Ge»»»einde, Land, Staat für vorgefallene Plünderunge»» haftbar gemacht werde»»." Der Antrag »vurde angenommen. — Die Anzeige der Antisemiten gege»» Oberrabbi»»er Dr. G irden»an»» bei der Staatsanwaltschaft »vegen Beleidigung der katholische»» Kirche ist abgewiesen worden, die Staatsamvaltschaft hat de»» Den»»nziante»» mitgetheilt, daß sie der Strafanzeige feine Folge gebe. Unterdessen aber dauern die Exzesse »veiter, und bis jetzt sind nur jene J»»denge»neii»den von Plü»»dernng ^und Brandschatzung befreit, in de»»en genügend Militär 311111 Schuhe bei ist. Traurige Zustände fürwahr! Mögen sie bald besseren weichen. — Das Organ des Olmützer Erzbischofs Dr. Ko hu bemerkt, daß die in Holleschau und anderen Orten geplünderten Juden nach Olmütz flüchten, wo sie gern aufgenommen werden, »vähreud man a»»der»värts ihre Thätigkeitschwer vermißt. — In G l i n i a u y (Galizien) »vnrde vor einigen Tagen ein Mensch verhaftet, der auch im Verdacht steht, eine ganze jüdische Familie in Przechody ermordet zu haben. — Bei den» jüngsten Avancement in der Armee sind auch niehrere jüdische Offiziere befördert »vorden. — Hauptmann Georg Winternitz »vurde znm Major befördert. — Der König von Ruulänien hat den» hiesige»» Oberkommissar kaiserlichen Rath Stukart das Osfizierskreuz des rumänischen Kronenordens verliehen. — Im Alter von 74 Jahren »st hier Herr Leopold Deutsch, Schwiegervater des kürzlich ans dem Leben geschiedenen Walzerkönigs Johann Strauß, gestorben. — Heute fand im Festsaale der Universität die Promotion des Kand. med. Arthur Schüller 8ub auspiciis iraperatoris statt. B. Budapest, 2. November. Seitens des Unterrlchtsministeriiims »vurde, wie „Egyenlöseg" meldet, der Abgeordnete Dr. A. Neumann verständigt, daß seinerseits der Konstituirung der Kon»»nissio»r zur Ver- »valtung des Baronin Hirsch-Fonds nichts »»»ehr im Wege stehe. Dieser Bekanntgabe ge»näß hat sich dieser Tage auf Aufforderung des Abgeordneter» Neumaun, des Delegirten des provisorischen Verwaltungskomitees, die „Ungarländische Wohlthätigkeits-Stiftung der Baronin Hirsch," die bekanntlich zwei Millionen betrügt, konstitnirt, um sich mit den Erben der Wohlthäterin behufs Herausgabe der Verlasfenschast ins Einvernehmen zu setzen. Von dem Erlrägnitz der Stiftung sollen arme Gewerbetreibende unverzinsliche Darlehen erhalten. — In Oberungarn wird seit einigen Wochen ein Heftchen massenhaft Vertrieben, welches in slovakischer Sprache den Pol na.er Mordprozeß mit aufreizender Tendenz »viedergibt. Es scheint, daß da eine Kliqne thätig ist. die das Märchen vom Ritualmord unter der leichtgläubigen slovakischen Bevölkerung gern verbreiten möchte. Als vorige Woche ein siebzehnjähriger Hirtenjunge in Nameßtü ermordet im Keller eines Hauses aufgefunden »vurde, da »var es dieselbe Kliqne, die diesen Vorfall in autisernitischem Sinne anszubenten suchte. Der Fall »vnrde im Budapester „Alkotmäny", im Wiener „Deutschen Volksblatt" und in der slovakischen Zeitung „Narodni Novi»»y" in der bekannte»» ekelhast sensationslüsterne»» Manier als „Ritualn»ord" dargestellt. — In das Budget des Knltns- »rnd Unterrichtsministeriums wurde für die einzige jüdische Mittelschule in Vag-Ujhely ein Betrag vo»» 16000 Kro»»en als staatliche Unterstützung aufgenomme»». Schweiz. r. Zürich, 6. November. Bor Kurzen» verstarb hier der d»»rch seine Sarnaritan »scheu Studien bekannte Dr. Hei den heim, Dozent a»» der Universität. Die reichhaltige Bibliothek desselben wurde, solveit sie judaiea und orientalia enthält, von der hiesigen israelitischer» Kultus-

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